Kehrpaket

28 11 2012

„Und Kinder haben Sie jetzt keine in dem Alter? Wenn Sie gerade keine Eigenheimzulage oder eine zusätzliche Pendlerpauschale brauchen, kann ich Ihnen eigentlich nur noch eine Putzhilfe für den Haushalt anbieten. Brauchen Sie auch nicht? Macht nichts, wir wissen ja auch nicht, was das soll.

Als Wiedereinstiegshilfe. Da muss man ja auf die spezifischen Bedürfnisse der modernen Frau eingehen, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einfacher wird. Daher die Putzhilfe. Was tut denn eine Frau sonst so, wenn ich fragen darf? Gut, kochen. Kinder erziehen. Aber das ist doch nicht die wahre Bestimmung der Frau, das ist doch – Sie wollen mich wohl falsch verstehen, wie?

Das ist ganz einfach, wir haben uns da ein Gutscheinmodell ausgedacht. Richtig, Gutscheine. Das hat ja beim Bildungspakt für Arbeitslose schon so toll geklappt, da haben wir uns gedacht, wir machen das einfach noch mal. Wie gesagt, das sind Gutscheine für anderthalb Jahre, zur Entlastung bei den dringendsten Aufgaben bei der Hausarbeit. Ja, teilweise ist das schon eine Entlastung. Fünfzehn Stunden pro Monat. Da sollte die durchschnittliche Normalverdienerin in ihrer Fünfzimmerwohnung schon – haben Sie gar nicht? Was gebe ich mich mit Ihnen ab? Sie haben CDU gewählt? Vergessen Sie einfach die letzte Frage.

Fünfzehn Stunden pro Monat, richtig. Wir wollten das ganz lebensnah gestalten und haben den Wert mitgetoppt, wie lange sich Frau von der Leyen pro Monat mit ihrer Familie beschäftigt.

Natürlich nicht in beliebiger Höhe. Wir sind ja gegen Schwarzarbeit, daher haben wir die Leistung auch auf sechs Euro pro Stunde beschränkt. Und für sechs Euro die Stunde, da würde sich doch kein Arbeitsloser zum Putzen hergeben, oder? Oder?

Das ist wegen dem Fachkräftemangel. Bitte? Ach, Sie sind Akademikerin – also wegen des Fachkräftemangels, bitte sehr, und wir wollen damit möglichst die Arbeitslosen, die nicht Erzieher werden sollen, damit wir das Betreuungsgeld, damit die das bekommen, damit wir die als Putzhilfen, dann sind die vom Markt, und wir können wieder überall das vom Fachkräftemangel – sind Sie noch dran? Ich meine ja auch nur, wir müssen das Problem doch gesamtgesellschaftlich lösen. Also für alle, die wir auf dem Schirm haben.

Das ist ja das Gute, wir wollen die Gutscheine gar nicht allen geben. Nein, Leistung muss sich ja auch wieder lohnen. Deshalb bekommen die Putzgutscheine auch nur die, die nach drei Jahren Arbeitspause in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit zurückkehren. Als Kehrpaket. Die Gewinnerinnen auf dem Arbeitsmarkt, die wollen wir belohnen. Wie mit dem Betreuungsgeld halt. Die, die sich eine Putzfrau selbst leisten könnten, die bekommen den Gutschein. Sonst könnten Sie ja auch gleich selbst Ihre – sind Sie noch dran? Hallo?

Das ist noch nicht finanziert, aber das macht nichts. Wir sind quasi unmittelbar vor der Wahl, da können wir nicht immer über die Finanzierung reden, das können wir hinterher, wenn wir mit dem Euro durch sind und Vollbeschäftigung haben. Wir müssen jetzt erst einmal rausfinden, wer das in der Union will und wer nicht. Dann können wir auch sagen, ob die Union ihren Vorschlag gut findet.

Das ist doch keine Kampagne. Nein, das ist nicht einmal abgesprochen. Das Betreuungsgeld zahlen wir, damit wir mehr Frauen am Herd haben, und die Putzhilfe zahlen wir, damit wir mehr Frauen haben, die nicht – sind Sie noch dran?

Die Schröder wollte jetzt gleich wieder einen auf Männerförderung machen, deshalb muss ich Ihnen pro forma auch etwas anbieten. Fünfzehn Stunden Autowaschen monatlich, fakultativ mit Fahrdienst zum Fußballplatz oder Hilfe beim Getränkehändler. Ja nun, ich kann auch nichts dafür, dass das sexistisch klingt. Das ist nun mal die Schröder, was hatten Sie denn erwartet? Ihr Mann arbeitet zu Hause? Das ist doch jetzt auch egal, wir zahlen doch das Betreuungsgeld auch nur denen, die es nicht brauchen.

Wenn Sie sich jetzt selbstständig machen würden, beispielsweise als Putzfrau, dann könnten Sie bei einer Frau, die in den Beruf zurückkehrt, beispielsweise als Putzfrau, da könnten Sie dann – Moment, ich hab’s gleich, nicht auflegen – also Sie putzen dann bei der die Wohnung, und sie putzt dann bei Ihnen, und dann haben Sie einen Job und die andere auch, oder eben beide, und dann sind Sie beide nicht arbeitslos, und es wurde auch kein bisher bestehender Arbeitsplatz aufgebaut, abgebaut meine ich natürlich, abgebaut, wie komme ich auf Aufbau? Egal, auf jeden Fall ist das Aufschwung, und wir werden uns vor der Wahl auch noch mal bei Ihnen melden, damit Sie nicht vergessen, wem Sie Ihren Wohlstand – hallo? Ja entschuldigen Sie mal, das ist doch genau das, was Ihre Regierung, und das ist ja die beste seit der Wiedervereinigung, was die unter einer modernen Dienstleistungsgesellschaft versteht. Die Banker dürfen auf dem Computer eingebildetes Geld machen und in die Tonne treten, damit die Steuerzahler die Kasse wieder auffüllen können, der Rest spielt Erwerbsarbeit und darf sich gegenseitig für einen Euro die Bude feudeln. Was ist denn daran zu kompliziert? Hallo? Sind Sie noch – hallo?

Na, hilft nichts. Neu wählen.“