Dreikönigskläffen

7 01 2013

„Wer macht eigentlich den Vorsitzenden?“ „Aber wir haben doch jetzt…“ „Ich meine ja auch, wer kommt nach Brüderle.“

„Also jetzt mal langsam. Noch haben wir…“ „Eben. Noch.“ „Aber wenn…“ „Wird er aber nicht.“ „Und das wissen Sie genau?“ „Sie doch auch.“ „Ja, aber…“ „Dann sind wir uns ja einig. Und dann können wir schon mal sehen, wer nach Brüderle kommt.“ „Aber dazu müsste der doch auch erstmal den Vorsitzenden machen.“ „Macht er doch auch.“ „Er hat doch gesagt, er will nicht.“ „So deutlich hat er gesagt, dass er auf den Posten scharf ist?“ „Nein, er hat gesagt, dass er ganz loyal hinter Rösler…“ „Na, dann kann der ja schon mal einpacken.“ „Glauben Sie denn Brüderle nicht?“ „Sowieso nicht, aber wenn er schon derart deutlich zum Ausdruck bringt, dass sie Westerwelle…“ „Bitte!?“ „Pardon. Ich war im Jahr verrutscht.“

„Man muss doch diesen ganzen Nachfolgekram auch vernünftig regeln können.“ „Wie hatten Sie sich das gedacht? Dynastien? Erbfolge?“ „In der CDU beispielsweise…“ „Ach was. Da kommt’s doch nicht auf Politik an. Der breiteste Hintern gewinnt.“ „Klingt einleuchtend. Irgendwann landen die sowieso alle im Rollstuhl.“ „Eben. Und bei der SPD nehmen sie den, der am besten sämtliche sozialdemokratischen Ziele hintertreibt.“ „Dann geht das doch bei der FDP auch?“ „Was meinen Sie denn da genau?“ „In der FDP wird automatisch die dümmste Knallschote nach oben durchgereicht, ja?“ „Das wäre zu einfach. In der Geschäftsordnung ist ein ritueller Dolchstoß vorgesehen, ohne geht’s wirklich nicht. Tut mir leid.“

„Warum muss Rösler überhaupt weg?“ „Das ist eine Scherzfrage, oder?“ „Gar nicht. Ich würde nur gerne wissen, warum die bis jetzt gewartet haben.“ „Bis zum Parteitag?“ „Nein, überhaupt. Dass der Mann ein realitätsresistenter Pausenclown ist, dürfte doch seit zwanzig Jahren bekannt sein.“ „Hm. Da ist was dran.“ „Ob er zu ehrlich war?“ „Wie meinen Sie das?“ „Er hat gesagt, was Sache ist.“ „Sie meinen, als er gesagt hat, wir bräuchten noch mehr Ausbeutung, wir müssten das Tafelsilber verscheuern, und wer arbeitslos ist, soll sich einfach einen neuen Job suchen?“ „Richtig. Das geht doch nicht.“ „Das stimmt. In der FDP sagt man einfach nicht die Wahrheit.“ „Schon gar nicht, wenn die Wahlen kurz vor der Tür stehen.“ „Und weil er beschlossen hat, mit 45 aus der Politik auszusteigen.“ „Das geht auch nicht. Jetzt leistet er sich die Frühverrentung bei vollem Lohnausgleich.“ „Auch ungerecht. Die anderen müssen zusehen, dass die Wirtschaft so etwas wie sie überhaupt gebrauchen kann, und der kneift einfach den Schwanz ein.“ „Hoffen wir mal, dass er eine Anschlussverwendung bekommt.“ „Naja. Eher eine Abschussverwendung.“

„Und wenn Brüderle weg ist? Werden die alle in die Wirtschaft weitergereicht?“ „Zwangsläufig, das muss ja bis zur Bundestagswahl über die Bühne gehen.“ „Warum vorher?“ „So viele Pfeifen kriegen Sie im Wirtschaftsministerium nicht unauffällig eingestellt.“

„Dann bleiben jetzt: Niebel, Kubicki, Brüderle, Lindner.“ „Ah, Sie nehmen das sportlich?“ „Kann man sagen. Vierschranzentournee.“ „Den Lindner vergessen Sie mal wieder. Der tapst noch in seiner Eierschale herum.“ „Also Dreikönigskläffen.“ „Und wer macht das Rennen?“ „Viel wichtiger ist doch: wozu?“ „Für mehr Geschlossenheit in der Partei. Das sehen wir vor allem an den Landesverbänden.“ „Warum gerade da?“ „Weil die Landesverbände einen Sonderparteitag einberufen wollen.“ „Wenn Rösler zurücktritt?“ „Wenn er nicht zurücktritt.“ „Ich sehe schon, Sicherheit wird in der FDP wieder groß geschrieben.“ „Es ist wie auf dem freien Markt. Wobei die Regeln nur für die anderen gelten.“ „Und zum Schluss wird man gerettet.“ „Die Fallschirm-Mentalität.“ „So kenne ich den Laden.“

„Ein Problem könnte es noch geben.“ „Sie meinen, wenn Rösler bleibt?“ „So viel Sesselkleber hatte nicht mal Wulff unterm Hintern.“ „Dann könnte er jetzt bloß noch im Wahlkampf richtig am Rad drehen.“ „Eben. Die haben schon geschrieben, acht Prozent seien nicht der Meinung, dass Brüderle der bessere Parteivorsitzende sei.“ „Ist vertretbar. Wo wäre dann jetzt das Problem?“ „Stellen Sie sich das mal vor. Rösler hört ‚Acht Prozent‘ und…“ „Nee, schon klar.“

„Gut, dann lassen Sie uns jetzt mal Nägel mit Köpfen machen.“ „Passt irgendwie gar nicht zur FDP, oder?“ „Rösler bezeichnet alle Spekulationen über seinen Rücktritt als Hirngespinste.“ „Die FDP fliegt aus dem niedersächsischen Landtag.“ „Noch am Wahlabend macht Rösler die Unterwanderung Deutschlands durch stalinistische Arbeitsscheue für den Linksruck verantwortlich und lehnt jede persönliche Konsequenz ab.“ „Lindner nennt die Angriffe innerhalb der FDP blanken Rassismus wegen Röslers Migrationshintergrund.“ „Brüderle weist Gerüchte zurück, er wolle den Parteivorsitz beanspruchen, und stärkt Rösler demonstrativ den Rücken.“ „Niebel schließt sich Brüderle vollinhaltlich an.“ „Auf dem Sonderparteitag wird Rösler mit einer Stimme gegen den ganzen Rest als Vorsitzender abgewählt.“ „Brüderle wird Parteichef und verspricht ein grandioses Wahlergebnis von mehr als zwanzig Prozent.“ „Niebel schließt sich Brüderle vollinhaltlich an.“ „Lindner lässt in einer Pressemitteilung verlautbaren, er habe Rösler immer schon bekämpft, da dieser seine Vision von einem mitfühlenden Schmarotzerkapitalismus nicht in seine Parteitagsreden übernommen habe.“ „Niebel sagt, er sei kein Rassist, aber er freue sich darauf, seine Partei endlich ohne diese Fidschifresse regieren zu können.“ „Brüderle… ach, lassen wir das.“ „Die FDP versemmelt die Bundestagswahl.“ „Und dann?“ „Dann hat der Laden eine Niebelschlussleuchte.“


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4 responses

7 01 2013
George

Lindner. Lindner muß ran. Wenn der die Partei so schnell ruiniert wie seine Firmen, dann sind wir diese Sorge ein für allemal los, und Fidschi-Fipsi kann sich endlich wieder seiner Karriere widmen. Was war das nochmal?

7 01 2013
bee

Keinfacharzt. Reicht aus als Leiche im Til-Schweiger-Tatort.

7 01 2013
Shhhhh

Wer waren denn nun die drei Könige, die sich da in Stuttgart getroffen haben? Und welcher von denen hatte denn statt geräucherter Luft das Bare dabei?

7 01 2013
bee

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, wer Balthasar und Melchior waren, aber Kasper gab’s genug.

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