Eierlikör

5 02 2013

„Bloß keinen Bienenstich. Der kippt doch so leicht um. Lieber Herrentorte. Ich meine, passt doch auch besser, wenn der Kanzlerkandidat kommt, oder?

Hier die Sessel, das muss ja alles weg. Sie können doch nicht dieses billige Zeugs aus dem Möbelkatalog aufstellen, wenn Peer Steinbrück Sie besuchen kommt! Ich meine, der Mann arbeitet doch jetzt mit Profis zusammen, da können Sie ja nicht diesen Kunstlederkram aufstellen. Denken Sie doch mal an die Öffentlichkeit. Das ist doch blamabel, wenn sich der Kanzlerkandidat mit Ihnen sehen lassen muss. Natürlich! Ich meine, wozu machen wir das denn mit den Fotos und den Journalisten und dem Fernsehen, wir können den Hoffnungsträger der solidarischen Erneuerung nicht in jede Bruchbude schicken, oder?

Wir können das gleich mal üben. Das hier ist meine neue Digitalkamera, wir machen jetzt mal ein paar Probeaufnahmen – ja, so funktioniert das. Die springt nur bei Lächelerkennung an. Wenn Sie lieber ’ne Flappe ziehen wollen, dann müssen Sie schon warten, bis die Nahles hier ihren fetten Hintern vorbei schiebt. Zähne zeigen, wird’s bald? Jetzt seien Sie nicht so zimperlich, Mann! Peer Steinbrück macht das auch so. Oder denken Sie, der würde bei seinen Vorträgen lächeln, weil es ihm so viel Spaß macht?

Wir können die Foto auch etwas breiter machen. Die kommen in dieses Interweb, da soll’s ja jede Menge Platz geben. Okay, und jetzt noch mal ganz interessiert gucken. Das muss sitzen. Schließlich werden Sie Peer Steinbrück zuhören, wie er seine Wirtschaftskompetenz in Ihrem Wohnzimmer unter Beweis stellt. Jetzt gucken Sie nicht so blöd, darum geht es doch schließlich. Oder hatten Sie ernsthaft erwartet, dass es in diesem Wahlkampf um soziale Gerechtigkeit geht?

Und jetzt mal aufstehen, und dann wieder hinsetzen. Schneller, das muss klappen wie am Schnürchen! Wir haben nicht stundenlang Zeit für den Besuch, da wartet noch mindestens eine Wirtschaftsdelegation auf Peer Steinbrück. Was heißt hier Wähler? So wichtig sind Sie nun auch wieder nicht. Sonst wären Sie ja kein Wähler, sondern eine Wirtschaftsdelegation.

Die Topfpflanzen können da bitte mal weg. Mir wurst, ob die von Ihrer Schwiegermutter stammen, meinetwegen können die von Herbert Wehner sein. Das tangiert mich peripher, verstanden? Die sind weg, wenn ich das sage. Weil Topfpflanzen spießig sind, und Peer Steinbrück ist nicht spießig. Peer Steinbrück ist überhaupt nur da, wo es unspießig ist. Also nehmen Sie Ihren dämlichen Pott da vom Fenster weg. Überhaupt, können Sie nicht einfach mal ein bisschen schicker aussehen? Jünger irgendwie? Oder wenigstens dynamischer? Und Ihre Frau, muss die unbedingt von Ihrer Frau gespielt werden? Denken Sie doch mal an die Zuschauer zu Hause, was macht denn das für einen Eindruck?

Jetzt stellen Sie sich nicht so an, diese Sicherheitsüberprüfung ist völlig normal. Wenn Sie dem Innenminister eine Frage per E-Mail stellen, dann wird ja auch der Verfassungsschutz aktiv, oder was hatten Sie gedacht? Natürlich werden Sie da unter die Lupe genommen. Am Ende sind Sie noch so ein komischer Kapitalismuskritiker, das hätte uns ja gerade noch gefehlt. Hier die Klappe aufreißen und keine Eigenleistung erbringen. Dafür haben wir den Euro ja nicht erfunden.

Überhaupt, Eierlikör. Hätten Sie nicht lieber einen Pinot grigio mitbringen können, oder saufen Sie auch immer dieses billige Zeug für vier Euro fünfzig? Ja, dann passt das eben nicht zum Kaffee, ich kann’s ja auch nicht ändern. Wir sind hier nicht im Seniorenstift. Peer Steinbrück wird sich garantiert nicht mit Ihrem kleinbürgerlichen Mist da abgeben.

Was machen denn Sie überhaupt beruflich? Betonfertigteilbauer? Ach du Scheiße, was ist denn das? Sie haben ja nicht mal studiert? Das brauchen Sie mir jetzt nicht zu erklären, was das ist, ich weiß es selbst, und es ist mir egal. Das ist mir egal, ob das für Sie Handwerk ist, für mich bleiben Sie ein Arbeiter. Wählen Sie doch diese Linken!

Ihr Sohn? Meinetwegen. Hauptsache, der ist nicht auch arbeitslos. Können Sie dem nicht einfach mal schonend beibringen, dass er einen Beamten spielen soll? Jetzt haben Sie sich doch nicht so, das ist doch nichts Ehrenrühriges? Oder wären Sie lieber arbeitslos als Beamter?

Ach so. Konnte ich ja nicht wissen, dass Du… dass Sie eben auch Genosse sind. Das wird einem ja nicht gesagt vorher. Ich wusste es wirklich nicht! Hätte ich mir vielleicht denken können, das sie nur linientreue Mitglieder nehmen, aber dass sie jetzt auch noch Sozialdemokraten nehmen? Meine Güte, die Partei muss ja echt tief gesunken sein.

Und, ganz wichtig, Sie warten, bis Sie gefragt worden sind. Falls Sie überhaupt gefragt werden. Das hat Peer Steinbrück ja nicht so drauf. Der redet halt lieber selbstständig. Also nicht unterbrechen, vielleicht lernen Sie ja noch was. Falls Sie mal eine Bank retten müssen, dann können Sie sagen, Sie hätten es von Peer Steinbrück gelernt. Zumindest theoretisch.

Die Couch weg, den Kuchen, die Blumen da, und schneller aufstehen, und Ihr Sohn bleibt raus. Und kein Eierlikör. Sollte doch gelacht sein, wenn wir damit nicht die Öffentlichkeit sensibilisieren können. Peer Steinbrück, einer von uns.“


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4 responses

5 02 2013
lamiacucina

Keine Zigarren im Hause ? Ein Kistchen Hoyo de Monterrey Epicure No. 1 aus dem roten Kuba wäre das Mindeste, was der Arbeitslose dem Genossen Steinbrück nach dem Kaffee anbieten müsste.

5 02 2013
bee

Das wird wohl nichts, der letzte Soze Schröder pocht auf sein Urheberrecht als Zigarrenkanzler.

6 02 2013
George

Wieder mal typisch, ich bin parteilos und hätte eine ganze Kiste 2005 er Romanée-Conti im Haus. Kommt er zu mir? Nö. Wahrscheinlich will er nicht mit dem Ude in der selben Stadt sein. Sein Pech, sauf ic die Plörre halt alleine. Genügend TUC Cracker hab ich gottseidank im Haus.

6 02 2013
bee

Der Mann scheut eben kein Risiko – ein Draufgänger wie Peer geht zu Parteigenossen, erst da schlägt ihm die geballte Ablehnung entgegen.

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