Unter Null

7 02 2013

„Und sonst so?“ „Muss ja.“ „Kommen die damit bis zur Wahl durch?“ „Müssen sie.“ „Und wenn nicht?“ „Müssen sie.“ „Aber es kann doch trotzdem…“ „Müssen sie. Sie haben keine Chance mehr.“

„Damit hatte sich Merkel doch schon einmal verrechnet.“ „Stimmt, in Baden-Württemberg. Aber das war völlig anders gelagert.“ „Weil es leichter war?“ „Nicht direkt.“ „Oder schwerer?“ „Auch nicht.“ „Wie denn nun?“ „Beides. Es war schwerer, weil sie nach Jahrzehnten ihr konservatives Stammland verloren hat. Aber es war auch erheblich leichter.“ „Inwiefern?“ „Sie war endlich Mappus los, ohne sich selbst die Finger schmutzig machen zu müssen.“ „Gut, trotzdem hat sie sich langfristig verrechnet.“ „Mittelfristig.“ „Warum nicht langfristig?“ „Weil der Wähler langfristig vom Gedächtnisschwund heimgesucht wird. Mittelfristig kriegt sie Probleme, langfristig eher nicht.“

„Es kann doch wohl nicht sein, dass diese Truppe sich jetzt ein halbes Jahr lang totstellt.“ „Warum denn nicht? Hätten Sie etwas dagegen einzuwenden?“ „Das kann doch nicht angehen, dass diese Mischpoke jetzt… ach so meinen Sie das!?“ „Eben.“ „Das ist natürlich gleich ganz anders zu bewerten.“ „Eben. Stellen Sie bloß einmal sich die Erleichterung in den Ministerien vor.“ „Großartig! Die ganze Regierung hält endlich die Füße still und spart sich ihr inkompetentes Geplapper.“ „Traumhafte Zustände, was? Das nenne ich ein politisches Paradies.“

„Jetzt mal ehrlich, wir können doch nicht noch ein halbes Jahr lang zusehen, wie die da im Kabinett Schimmel ansetzen.“ „Was stört Sie daran? Haben Sie vielleicht irgendeinen Anlass zur konstruktiven Kritik?“ „Die werden schließlich dafür bezahlt, dies Land zu regieren!“ „Das hat der SPD-Kandidat gerade geklärt, die verdienen eh zu wenig.“ „Also können wir tatenlos zusehen, wie die Kanzlerin und ihre Ministranten sich für ein hübsches Gehalt einen schönen Lenz machen?“ „Es gibt doch auch in der EU eine Stilllegungsprämie, wenn man die Äcker versanden lässt.“ „Aber mit welchen Folgen!“ „Sie haben recht, die sind durchaus vergleichbar.“

„Wir wird man das denn im Inland sehen? oder im Ausland?“ „Ähnlich. Der Wert der Regierung sackt ab.“ „Bis auf Null?“ „Unter Null.“ „Wie soll das denn gehen?“ „Die bleiben uns schließlich eine ganze Menge schuldig.“ „Und damit müssen wir dann bis zur Wahl fertig werden.“ „Stellen Sie sich das mal physikalisch vor.“ „Ich bin doch nicht die Kanzlerin.“ „Trotzdem: Nullpunkt.“ „Sie meinen doch unter Null?“ „Ja, eben.“ „Das heißt, wir haben Eiszeit?“ „Ich sagte, denken Sie physikalisch.“ „Das hieße ja, die sind – nein!“ „Eben.“ „Physikalischer Nullpunkt, das kann doch nicht sein.“ „Warum nicht? wann haben Sie das letzte Mal den Eindruck gehabt, dass die Teilchen dieser Bundesregierung sich bewegen würden?“ „Das hieße doch aber, es muss möglich sein, dass es eine Temperatur unterhalb des Nullpunkt gibt?“ „Unter Merkel schon.“ „Aber dann würde sich ja nie irgendwas bewegen.“ „Hatten Sie schon mal in Erwägung gezogen, Merkels politische Arbeit als Gesamtwerk zu betrachten?“ „Meine Güte, denken Sie doch mal logisch – unter Null!“ „Sie haben das vielleicht noch nicht erlebt, aber ich habe schon mal mit Leuten zusammengearbeitet, die anscheinend komplett aus solchen Teilchen bestanden.“ „Unter Null – denken Sie doch mal logisch, das kann sich doch bloß um molekulare Rückwärtsbewegung auf der Zeitachse handeln!“ „Damit sollten Sie das politische Programm von Merkel endlich kapiert haben.“

„Dann wäre wenigstens geklärt, dass wir uns unter Nullen befinden.“ „Na, Null-komma-null sollte auch endlich mal ein Ergebnis sein, wo die FDP höher liegt.“ „À propos FDP, wozu war dann noch mal diese Legislaturperiode gut?“ „Damit sich die Banken endlich mal in Ruhe entwickeln können, ohne dass ständig die Politik stört.“ „Und die frostigen Temperaturen?“ „Ohne die hätte Merkel der FDP nie so viele Kühe aufs Eis schicken können.“ „Dann wären die aber auch nicht derart eingebrochen.“ „Wie dem auch sei, es passiert nichts mehr.“ „Gibt es denn nicht irgendwo noch Handlungsbedarf?“ „Doch, durchaus. Aber mit der jetzigen Besetzung kann man das sowieso in der Pfeife rauchen, und dann muss das natürlich auch noch durch den Bundesrat, und der Reformstau kann wahrscheinlich noch ein paar Gesetze vertragen.“ „Aber dafür gibt es doch auch schon die Herdprämie und diese Bildungsverhunzung und irgendwas mit Steuerhinterziehung und beschnittenen Leistungsschützern, die keinen Bundestrojaner mehr bekommen.“ „Das sind Sicherungsmaßnahmen.“ „Wie das denn?“ „Die sorgen dafür, dass es nur noch rückwärts geht und die Energie nicht plötzlich ausbricht.“ „Ah, verstehe. Die Energiewende ist…“ „Vergessen Sie’s.“

„Kann man denn jetzt nicht wenigstens noch für die Renten eine…“ „Nein.“ „Aber das Bundesverfassungsgericht könnte möglicherweise in den nächsten Monaten den…“ „Nein!“ „Wieso nein?“ „Das passiert nicht.“ „Kein Wahlkampf?“ „Da wäre ich mir nicht so sicher.“ „Gibt es denn überhaupt nichts Positives an dieser Eiszeit?“ „Doch. Ein Jahr ohne Sommertheater.“


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2 responses

8 02 2013
George

Komisch, wie schnell gute Erfindungen in Vergessenheit geraten; in Frankreich gab es schon vor langer Zeit einen Teilchenbeschleuniger für die Politik. Wie hieß der noch…? Ah ja, Place de la Revolution. Gut, es war mehr eine Art Kopfbeschleuniger, aber immerhin hat sich da was bewegt.

8 02 2013
bee

Nach vorsichtigen Schätzungen besteht das Universum zu drei Vierteln aus dunkler Materie: keiner weiß, was das ist, was es soll, woher es kommt und ob wir das überhaupt brauchen, es ballt sich nur überall zusammen, wo man nicht hinsieht. Die EU funktioniert ja ähnlich.

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