Eiertanz

28 03 2013

„Ich hab’s!“ „Was?“ „Den Grund.“ „Welchen Grund, bitte?“ „Na den für die Benzinpreise.“ „Was für Benzinpreise?“ „Die Benzinpreise doch. Weil die vor Ostern doch immer ansteigen.“ „Und was ist der Grund?“ „Ich würde sagen, es muss da wohl vermutlich einen Zusammenhang geben.“ „Ach.“

„Nein, echt!“ „Aber sie haben doch im letzten Jahr gesagt, es läge an der politischen Situation in Syrien.“ „Das ist doch logisch.“ „Wieso ist das logisch?“ „Weil es doch in Syrien so viel Öl gibt.“ „Und weil es da so viel Öl gibt, haben wir zu Ostern kein Benzin?“ „Richtig. So muss es sein.“ „Und es liegt auch nicht daran, dass sie trotzdem genug Öl gefördert haben?“ „Das weiß ich jetzt gerade nicht.“ „Und möglicherweise haben sie das Öl auch exportiert.“ „Natürlich, das macht man doch mit Erdöl so, oder?“ „Und es wird sicher auch etwas außerhalb Deutschlands verkauft worden sein.“ „Das würde ich jetzt nicht direkt abstreiten.“ „Weshalb es da auch nicht so einen Engpass gegeben hat.“ „Natürlich nicht, weil die ja das viele Öl importiert haben. Und deshalb gab es eben in Deutschland keins, und deshalb hatten wir zu Ostern kein Öl, und deshalb wurde zu Ostern auch das Benzin knapp und es gab keins mehr.“ „Es gab allerdings genug Benzin in Deutschland.“ „Aber es wurde doch vor Ostern viel weniger getankt?“ „Weil das Benzin teurer wurde.“ „Das ist doch ganz klar. Es gab halt weniger, da steigt dann der Preis eben an.“

„Was war der Grund vor zwei Jahren?“ „Vermutlich Libyen.“ „Also gab es vor zwei Jahren zu wenig Öl, weil die libysche Erdölproduktion nicht die ausreichende Menge fördern konnte.“ „Das klingt logisch.“ „Und deshalb wurde das Öl auch wieder nicht nach Deutschland exportiert.“ „Sicher.“ „Und wo kam da das Öl her?“ „Keine Ahnung. Vermutlich aus Syrien.“ „Und die Mengen waren durch den Ausfall des libyschen Erdöls auch wesentlich stärker eingeschränkt.“ „Aber sicher doch, immerhin ist Libyen eins der wichtigsten Erdöl fördernden Länder der Welt. Ohne deren Produktion würde der Markt hier in Europa ja glatt zusammenbrechen.“ „Das liegt sicher an der enormen Fördermenge.“ „Sicher.“ „Und deshalb sind auch die Preise weniger abgesackt als in dem Jahr, in dem Syrien nicht liefern konnte.“ „Nein, das muss irgendwie – also – das lag dann am Preis. Oder an Ostern. Richtig, das muss an Ostern gelegen haben, weil die Leute da immer so viel tanken. Genau, das ist der Grund.“

„Schön, dann haben wir jetzt ein Jahr, in dem die Produktion nicht so ganz zusammenbrach, weil der wichtigste Lieferant ausfiel.“ „Das werden sicher so Grenzwertberechnungen sein.“ „Und dann hatten wir ein Jahr, in dem der wichtigste Lieferant wieder dabei war, mehr produzierte als vorher, und dann hatten wir mehr Erdöl als vorher, und deshalb stieg der Ölpreis sehr viel stärker an als im Jahr zuvor.“ „Das muss an, Moment mal, ich glaube, das war dieser Koeffizient, das muss es sein.“ „Welcher Koeffizient?“ „Dass das alles umgekehrt war.“ „Wieso umgekehrt?“ „Naja, weil das dann ja mehr gewesen sein muss, und deshalb war das weniger, und darum ist der Preis, und deswegen, und außerdem war das ja dann auch vor Ostern, und da steigt der Preis ja immer. Ich hatte doch gesagt, es gibt für alles eine logische Erklärung.“

„Gut, dann eben so: warum ist der Preis für Benzin vor zehn Jahren in der Woche vor Ostern angestiegen?“ „Ich habe das nicht mehr so genau in Erinnerung, das muss der Golfkrieg gewesen sein. Also eine von diesem Golfkriegen, ich weiß nicht mehr, welcher, irgendwas ist da ja immer.“ „Und im Jahr davor?“ „Das war ja unmittelbar nach dem 11. September, da sind die Ölpreise gestiegen.“ „Und ein Jahr vorher?“ „Das war unmittelbar vor dem – also vor Ostern. Irgendwie. So halt.“

„Jetzt bin ich schon fast überzeugt.“ „Na, dann hat sich das ja gelohnt.“ „Fast. Kann es sein, dass Syrien auch Gas fördert?“ „Ja, aber davon sind wir wesentlich weniger abhängig.“ „Warum denn?“ „Weil so viel Erdgas auch aus Libyen kommt.“ „Warum ist dann der Gaspreis nicht angestiegen, als die Öllieferungen aus Libyen ausgeblieben sein sollen?“ „Weil die Russen immer noch genug Gas haben.“ „Verstehe, das leuchtet mir ein. Deshalb wird also auch der Ölpreis von dem russischen Gas stabil gehalten.“ „Genau.“ „Je mehr russisches Gas, desto stabiler der Ölpreis.“ „Bis auf Ostern.“ „Moment mal!“

„Letzter Versuch: Ostereier.“ „Wie, Ostereier?“ „Vor Ostern steigen die Eierpreise.“ „Logisch, in Libyen werden keine… verdammt, was soll denn der Quatsch!?“ „Nein, ist ja in Ordnung. Vor Ostern steigen die Preise, weil die Nachfrage steigt.“ „Aha.“ „Und das liegt am erhöhten Verbrauch.“ „Logisch.“ „Und man kann ja nicht plötzlich Hühner aus dem Boden zaubern, wie man mehr Öl fördern könnte.“ „Selbstredend.“ „Also kann das Angebot nicht die Nachfrage befriedigen.“ „Klingt einleuchtend.“ „Und darum steigen die Eierpreise.“ „Exakt.“ „Gut, wir haben nur ein Problem. Man kann die Erdölförderung steuern.“ „Aber die Eierproduzenten wissen, dass Ostern kommt.“ „Die Mineralölkonzerne werden am Gründonnerstag von einem Kreuz im Kalender überrascht?“ „Ich habe keine Ahnung.“ „Und das Öl, das zu Ostern als Benzin vertankt wird, wie lange ist das schon gefördert, verschifft, gecrackt, raffiniert, gelagert und spekuliert, bis man es tankt?“ „Vielleicht war das – ich meine, das war ja mal gewesen gehabt, also so letztes Jahr davor, dass da was war.“ „Und jetzt wird das Öl als Produktionsausfall etwas im Preis angehoben.“ „Weil das mit dem Koeffizienten so ist.“ „Schon klar.“ „Aber ich kann doch auch nichts dafür!“ „Ich sage ja gar nichts.“ „Gut, dann wäre das also geklärt?“ „Ja.“ „Okay.“ „Ach, eine Frage hätte ich doch noch.“ „Aber…“ „Wie ist das mit dem Strompreis?“


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