Von der Pike auf

30 04 2013

„Meiner Frau zuliebe.“ Breschke sah erschöpft aus. „Tun Sie es für meine Frau. Sie ist wirklich mit den Nerven am Ende.“ Er tupfte sich mit einer fahrigen Bewegung den Schweiß ab. „Aber warum für sie“, fragte ich misstrauisch. „Ich dachte, Sie selbst leiden unter Schlaflosigkeit?“ Er stemmte die Hände in die Hüften. „Was glauben Sie, wenn ich nicht schlafen kann, kriegt meine Frau doch kein Auge zu!“

Der alte Herr war allerdings ein Bild des Jammers. Zwei Tage lang hatte er jetzt kein Auge geschlossen. Vermutlich spielte eine Portion kalten Bratens die tragende Rolle in diesem Fall, denn er hatte unvernünftigerweise einen nächtlichen Imbiss zu sich genommen, worauf er nicht mehr in den Schlaf fand. Die zweite Nacht bekam ihm nicht besser; aus Furcht, nicht einschlafen zu können, schlief er nicht ein. „Ich habe alles versucht“, jammerte er. „Warme Milch mit Honig, Schäfchenzählen, ich habe mir sogar eine Regierungserklärung mit Bundeskanzler Adenauer vorgestellt.“ Ich zuckte zusammen. „Nichts. Jetzt müssen wir etwas unternehmen.“ Und wieder zuckte ich zusammen, diesmal noch deutlicher. Wenn der pensionierte Finanzbeamte vom Wir sprach, hatte er sich meist zu einer Schnapsidee entschlossen, die ihm nicht aus dem Kopf zu schlagen war.

Horst Breschke holte eine bedenklich bunte Schachtel aus der Schublade. Seine Tochter hatte sie irgendwo besorgt, Italien, Indien, Internet, da der Preis günstiger war als irgendetwas, das nicht direkt etwas damit zu tun gehabt hatte. „Doktor Klengel konnte nichts damit anfangen.“ Das überraschte mich weniger, schließlich handelte es sich um einen untadeligen Arzt. „Er ist manchmal ein bisschen störrisch.“ Genau diese Sturheit hatte Breschke ein hübsches Sümmchen gekostet, als er bei einer Heilpraktikerin eine Ohrkerzentherapie samt original schamanischem Gesundmurmeln buchte und von seiner Krankenkasse nichts wieder bekam. Klengel weigerte sich standhaft, über Reiki, Zuckerkügelchen und Vokalatmung zu diskutieren. Mit Breschkes Schneidersortiment hätte er auch nicht viel anfangen können.

„Das sind echte Akupunkturnadeln“, empörte er sich. „Man sieht das an der Gebrauchsanweisung.“ Dem bunten Gewirr aus Nähnadeln mit Plastegriff lag ein durchaus interessantes Blättchen bei, leider verfasst in einer Sprache, die es nicht gibt, was den Autor allerdings kaum hinderte, sie äußerst kreativ anzuwenden. „Steckend die nadel Wo Läüfet die bahnen“, informierte das Brevier. „Dortig Totale energy explodieren Leiche daß alles Gut.“ „Sie wissen also, worauf Sie sich einlassen.“ Breschke schluckte trocken. „Sie müssen bloß den Spiegel halten, ich werde mir die Nadeln selbst setzen.“ „Breschke“, beschwor ich ihn, „jetzt nehmen Sie doch Vernunft an. Zum einen ist das nichts als Hokuspokus, und außerdem…“ „Und Sie wollen mir etwas über Akupunktur erzählen?“ Er rümpfte voller Empörung die Nase. „Haben Sie denn schon einmal eine Sitzung mitgemacht?“ Ich runzelte leicht ungehalten die Stirn. „Aus gutem Grund nicht. Um so erstaunlicher, dass ich jetzt Ihnen von der Pike auf behilflich sein soll.“

Eifrig studierte Herr Breschke den mit allerlei Kauderwelsch versehenen grobstofflichen Körper auf der Packungsrückseite. „Embarazo“, grübelte er, „das hört sich schon gefährlich an.“ „Keine Sorge“, beruhigte ich ihn. „Das wird Ihnen sicher nicht zustoßen.“ Breschke atmete auf. „Da bin ich ja beruhigt.“ Trotz allem beobachtete er die Zeichnung. Langsam wurde er sich klar, dass er sich bei vollem Bewusstsein ein gutes Dutzend Nadeln in den Leib stechen müsste. „Und wenn ich dabei eine Ader treffe?“ Hastig riss er sein Tuch aus der Hosentasche. „Hauptsache, Sie treffen keine Hohlräume.“ Panisch blickte er mich an. „Stellen Sie sich bloß mal vor, Sie würden hier in der Wohnstube implodieren.“

Gefasst stellte er sich vor den Spiegel, den ich ihm vors Gesicht hielt. Noch zögerte er, noch wollte sich der Alte die Nadel nicht ins Gesicht pieksen. „Ich mache Ihnen ein Angebot.“ Er zögerte. „Wir suchen uns aus dem Telefonbuch einen Chinesen, der Ihnen die Nadeln setzt, und ich begleite Sie.“ Empört ließ er ab von seinem Tun. „Das könnte Ihnen so passen – diese Chinesen wissen doch gar nicht, wie man damit umgeht! Die können ja nicht einmal die Packungsbeilage entziffern!“ Wütend brachte er sich in Positur. Noch drei Zentimeter, noch zwei. Noch einer. „Aber wenn die Nadel jetzt nicht genau sitzt?“ Seine Hand begann zu zittern. „Und Sie wissen, es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass die Beschwerden nur wegen der Nadelstiche verschwinden?“ Das Zittern nahm bedenklich zu. „Vielleicht sollte ich eben kurz von meiner esoterischen Nachbarin Räucherkegelchen besorgen, die machen ein paar oberflächliche Brandwunden, aber dann ist Ihr Gesicht wieder gut durchblutet.“ Ihm fiel die Schachtel aus der Hand, vielmehr: die Nadeln flogen unkontrolliert durch die Gegend. „Ich kann das nicht“, wimmerte Breschke, „ich kann das wirklich nicht!“ „Gut“, beruhigte ich ihn, „dann probieren wir etwas anderes.“ Er ließ sich schlaff in den Sessel fallen.

„Wie ein Stein!“ Frau Breschke war sichtlich erleichtert. „Ich habe ein Pflaster darauf geklebt, dann hat er sich auf den Bauch gelegt, und dann ist er auch sofort eingeschlafen. Kein Wunder, nach zwei durchwachten Nächten. Aber ich muss leise sein, er schläft noch. Sobald er wieder wach ist, muss ich nämlich staubsaugen. Wegen der Nadeln.“





Marktführer

29 04 2013

„… wolle die Deutsche Telekom AG gemäß der neuen Rechtslage alle Internetnutzer zwingen, ein Modem ihres Unternehmens zu nutzen. Die …“

„… verteidige der Konzern seine Entscheidung vehement. Jeder Haushalt brauche bald ein Modem, da Surfen mit den neuen Drosselverträgen sowieso nur noch mit der Geschwindigkeit eines…“

„… durch Zusatz-Hardware. Das Internet-Fernsehen, das auch die erhöhte GEZ-Gebühr für Computer nötig mache, werde in Zukunft nur noch durch den einheitlichen Decoder zu sehen sein, der für einen moderaten Preis von 499,99 Euro als Volksempfänger von der…“

„… habe sich Merkel anlässlich des Besuchs der Wirtschaftsdelegation hoch zufrieden gezeigt, da sie von der Innovationsoffensive viele Arbeitsplätze erwarte, zwar nicht in Europa, aber…“

„… keinen Anlass zur Sorge, denn die Kunden besäßen immer noch die Wahlfreiheit, ob sie mit dem zwangsweise zur Verfügung gestellten Modem und der gemäß Staatsvertrag zu entrichtenden Gebühr auch tatsächlich ins Internet…“

„… seien sich Schäuble und IM Friedrich einig, dass wegen der jüngsten Drosselungspläne die Telekom sofort verstaatlicht gehöre. Nur so könne schnell, durchgreifend und brutalstmöglich eine lückenlose Informationskontrolle…“

„… verspreche die Telekom, die Netzneutralität strikt einzuhalten. Sämtliche nicht vom Unternehmen selbst zur Verfügung gestellten Dienste sollten gleichmäßig gedrosselt…“

„… setzten die Fernsehsender auf Kooperation: ZDF und ARD hätten im Rahmen eines nationalen Kulturaustausches bereits vereinbart, ihre Wiederholungen untereinander auszutauschen, so dass die…“

„… seien die technischen Fehler, die massiven Sicherheitslücken sowie das laienhafte Konzept der staatlichen De-Mail nur wegdefiniert worden, um den Kunden gemeinsam mit der lückenlosen Modem-Versorgung ein noch viel besseres…“

„… erwarte Apple, auf dem deutschen Mobilgerätemarkt den Zuschlag für das deutsche Einheits-Smartphone zu…“

„… müsse die Telekom den Breitbandausbau nun vorantreiben, da nur so Wettbewerber langfristig aus dem Markt gedrängt…“

„… das Opel-Werk in Bochum doch noch zu retten, wenn das deutsche Auto mit einer staatlich garantierten Absatzkontrolle auch eine echte…“

„… falls die deutschen Internetnutzer mit den Modem auch tatsächlich Internetdienste nutzen wollten. Für diesen Fall habe die Telekom bereits eine erhebliche Preiserhöhung…“

„… habe Samsung bereits seine Produktion darauf ausgerichtet, das Einheits-Smartphone für die deutsche…“

„… auf den Breitbandausbau zu verzichten, da die dadurch entstehenden technischen Möglichkeiten auch dazu genutzt würden, um von den Kunden neue…“

„… zu scharfem Protest geführt habe. Der Automobilkonzern heiße nicht umsonst Volkswagen und werde als deutsche…“

„… dass eine Rückentwicklung des Leitungsnetzes auf Steinzeitbedingungen nicht erheblich sei, solange es außer dem Telekom-Monopol keine konkurrierenden…“

„… freue sich die Rechteverwertung auf das Einheitsgerät. Sobald jeder Haushalt ein Modem besitze, könne man jeder in Deutschland lebenden Person Urheberrechtsverletzungen vorwerfen, gleichgültig, ob es einen Internetanschluss oder…“

„… könne das chinesischen Modem möglicherweise auch Daten abzweigen und für die Industriespionage benutzen. IM Friedrich zeige sich daher sehr interessiert, ob es auch chinesische Einheitstrojaner…“

„… zu Differenzen. Zwar seien sich die Kernkraftwerksbetreiber darüber einig, dass es nur mit Atomstrom in Deutschland weitergehe, doch sei ihnen nicht klar, wer die Führung über…“

„… korrekt, dass die deutschen Netze in Bezug auf den Glasfaserausbau den Anschluss an die Entwicklungsländer verlören. Südkorea böte eine VDSL-Versorgung selbst in Fischerdörfer mit…“

„… rechtzeitig zur Grillsaison ein standardisiertes Bier anzubieten, das sich nur noch durch die Etiketten unterscheide. Im Gespräch sei das Einheitsbräu sowie…“

„… halte Ramsauer entgegen, dass die Bundesregierung durch kluge Baupolitik innerhalb weniger Monate tausende von Fischerdörfern aus dem Boden…“

„… bei einem neuen Einheitsprojekt auch neue Herauforderungen ergäben. Schäuble halte es für sinnvoll, einen zweiten Solidaritätszuschlag zu…“

„… wolle Rösler die Energieanbieter zur gütlichen Einigung bringen, indem er ihnen eine bundesweit einheitliche Steckdose…“

„… dass BILD sich für berechtigt halte, als einzige deutsche Zeitung ungefragt in sämtlichen Haushalten…“

„… habe sich das Unternehmen neben der Marke Thor Steinar auch den Begriff Marktführer schützen lassen, um in…“

„… keine Bestrebungen, die Mineralölkonzerne zusammenzufassen, da diese vorwiegend an Feiertagen und zu Ferienbeginn eine einheitliche Preispolitik…“

„… letztlich nur eine Rettungsmöglichkeit. Die Deutsche Einheitspartei habe beschlossen, die Verstaatlichung wieder…“





Mindesthohn

28 04 2013

Merkel weiß, warum so viele keine Arbeit haben. Es liegt an den Mindestlöhnen, sagt sie. Die Erfindern des Mindesthohns verkündet allen Ernstes, wenn so viele den Anspruch haben, von ihrer Arbeit leben zu können, haben eben andere keine Arbeit mehr. Ein Erstsemester der Volkswirtschaftslehre, das solchen Sums unter sich ließe, würde man als Trottel in die Ecke stellen. Aber eigentlich sagt das Doppelkinn nur die Wahrheit. Weil so viele arbeiten, sind eben die Jobs für die anderen weg. Alle anderen Folgen der Frühverkalkung wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • schnappatmung am himalaya: Sie können natürlich auch woanders Skifahren.
  • steinbrück eierlikör: Advokats Liebling.
  • laserpointer terror gesundheitsschäden: Vom Terror kriegen Sie sowieso welche, da bräucht’s keinen Laser.
  • breschke zahnarzt: Da er aus purem Trotz immer alles selbst machen will…
  • nierentischchen: Wenn Sie einen beim Camping wollen, brauchen Sie einen Wandernierentisch.
  • reinhold beckmann körpergröße: Ein sogenannter Innenraumzwerg.
  • spiraldauerwelle beschreiben: Mit sehr spitzer Feder.
  • globus mit barfach: Für kontinuierliche Rohstoffzufuhr.
  • bungalow silvio popanz: Ein in Italien beliebtes Fertighausmodell.
  • schalldaempfer tuba: Stopfen Sie keinen Terrier rein, der fusselt.
  • von der leyen leistungsgesellschaft: Sie leistet manches, vor allem sich.
  • kommando feierabend: Alle Räder stillgestanden.
  • tattoo afghanistan landkarte: Besonders Platzwunden lassen sich da ästhetisch gut integrieren.
  • „neue wurstideen“: Mir sind ja vor allem die neuen Ideen dieser Bundesregierung wurst.
  • ziercke-unter-traenen: Friedrich-über-Hutschnur.
  • seebestattungskosten deutschland: Anwohner des Steinhuder Meers sind im Vorteil.
  • bauanleitung für fußballtor: Sie brauchen nur ein Netz, an dem Sie vier Pfosten befestigen.
  • „theologen“ „übers land verteilt“: Am besten aus der Flugzeug nach der Möllemann-Methode.
  • landschaftsfräse: Schon wieder ein neuer Bahnhof?
  • dummheit volkstümelei: Das Problem von Henne und Ei.
  • bastelideen zebra klopapierrollen: Sie haben schwarzes Klopapier?
  • waschbetonmauer streichen: Wenn Sie noch drei Kumpel einladen wollen, sagen Sie ihnen, es wird ein Streichquartett.
  • schwefelsäureanteil zwiebel: Kommt auf die Zwiebel an.
  • schwefelsäureanteil kaffee: Kommt darauf an, wie viele Zwiebeln in Ihrem Kaffee sind.
  • gehäkelter hampelmann: Ich dachte, Rösler sei nur einfach gestrickt?
  • nackt bettnässer: Schlafen Sie einfach im Anzug.
  • tzintzuntzan schamanismus: Scheint sich um eine nicht akkreditierte Sekte zu handeln.
  • kiessauger: Haben Sie überhaupt einen Gartenteich?
  • trachtenhose origami: Knöpfe können kompliziert sein.
  • fototermin mit sabine anorexia: By Heidi Klum.
  • beerenentkerner: Empfehlenswert vor allem bei Problembeeren.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CXXXIX)

27 04 2013

Herr Berglund, der reiste von Nyker
nach Süden. Den Zug, den bestieg er
mit heftigem Grimmen.
Es gab schließlich Stimmen,
die sagten, beim Fahrpreis betrüg er.

João, der in Fulacunda
sein Haus abreißt, findet viel Plunder,
Gardinen, Gamaschen,
Petroleumflaschen.
Vor allem die brennen wie Zunder.

Herr Nørby, der Pastor von Dons,
der tauft nur im Namen des Sohns
und denkt, dies beweist es:
des heiligen Geistes
sei ein Teil von Vaters Gespons.

Malu in Sant’Apollinare
bedient in der Wirtschaft gern Paare.
Wie schnell sieht sie diese,
sie trinkt zur Akquise
vorab nämlich immer zwei Klare.

Herr Ove verzweifelt in Vejle.
Man sagt, immer, wenn er sie zähle,
sind Schafe und Rinder
bald mehr und bald minder,
doch nie ohne, dass eines fehle.

Téka wartet meist in Kétou
bis neun. Erst dann geht er zur Ruh,
verrammelt die Fenster
(er fürchtet Gespenster)
und nagelt sie von innen zu.

Es bremste Herr Skaarup in Galten,
er hätt’ um ein Haar auch gehalten,
dann fuhr er schnell weiter.
Er hielt’s für gescheiter,
die Anhalterin hatte Falten.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CXCIII): Der Anspruch der Eliten

26 04 2013
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Ein Gespenst geht um in Europa, vielmehr: es überholt auf der rechten Spur, hält den Mittelfinger aus dem Fenster und betrachtet die Straßen als sein Eigentum. Wehe, ein anderer wagte es, bei Rot zu bremsen. Wie der Henker führe der Lenker drein, fuchsteufelswild, unbelehrbar, da nicht weiter an der Realität interessiert. Die Welt gehört ihnen, den selbst ernannten Eliten, aber sie können nicht einmal damit umgehen.

Kein Tag vergeht, ohne dass das Geheul der angeblichen Oberschicht durch die blühenden Landschaften zetert. Ihre Wehleidigkeit, sich nicht an die Spielregeln halten zu wollen, auch wenn sie sie selbst geschrieben haben sollten, ist ein peinlicher Auswuchs der Ichlingspest. Jäh greint es durch Wald und Flur, das rumpelstilzt sich einen, da sie sich stärker an den Kosten der Allgemeinheit zu beteiligen haben – wer denn sonst, möchte man fragen, etwa die Obdachlosen? die Niedriglöhner und die Erwerbsunfähigen? Sie leben nicht von der Sahne, ohne den Pöbel zu beschimpfen, der ihnen den Kuchen nicht schenken will.

Die blühende Landschaft ist für sie wie ein Selbstbedienungsladen, mehr noch: ein Paradies für Ladendiebe und Zechpreller. Sie, die gleicher sein wollen als die anderen, fordern Vorzugsbehandlung, weil sie wie andere sein wollen. Sie benutzen Stadtgrün und Zebrastreifen, erwarten von der Polizei, dass sie den Verkehr regelt, bei Einbruch und zerkratzten Kotflügeln ermittelt, sie erwarten, dass der Richter für sie den Dieb verknackt und der Justizvollzug ihn einsperrt. Sollte es brennen, warten sie auf die zu diesem Behufe vorgesehene Feuerwehr. Bei der alljährlichen Flutkatastrophe halten sie das Eingreifen von Zivilschutz und Bundeswehr für eine Selbstverständlichkeit. Sie wünschen Papierkörbe im Weichbild und Kunst am Bau, Straßenbeleuchtung, Kanalisation und Parkuhren, Gewerbeförderung und Denkmalschutz. Wenn nicht, dann beschweren sie sich, dass der Staat für alles Geld schmeißt, nur nicht in ihre Richtung. Wobei sie sich auch beschweren würden, wenn er das Geld schmisse. Oder in ihre Richtung, aber nicht genug. Sie würden, tönt’s aus der zufälligen Zusammenrottung am oberen Ende der Vermögensverteilung, mit Pech und Fackeln aus dem Land getrieben. Was für ein elender Hirnplüsch, der ihnen aus der Rübe rattert.

Denn der Anspruch der sogenannten Eliten ist es eben nicht, diesen angeblich unwirtlichen Staat zu verlassen und sich in irgendeiner von Wirbelsturm und Erdbeben, Militärdiktatur und Malaria bedrohten Operettenrepublik mit quietschbunten Cocktails unter die Palme zu pflanzen, sie hieven nur ihre Kohle über den Äquator und schätzen ansonsten eher den Nieselregen der norddeutschen Niederung sowie dessen optisches Pendant, die Halsfalten der Kanzlerin.

Klassischerweise sind es eben die Eliten, die im Vollbewusstsein ihrer Deutungshoheit das unterste Dezil als Schmarotzer abtut, gesellschaftlich nicht integrierbare Randfiguren, die jede geregelte Arbeit kategorisch ablehnen, den Staat und seine Organe zutiefst ablehnend, gleichwohl sie ohne ihn vollkommen aufgeschmissen wären, da sie allein von seiner Gnade abhängig sind, um ihr Leben zu fristen. Womit sich die Vermögenden hinreichend selbst beschrieben haben dürften.

Denn sie sind nicht nur von der Feuerwehr und den Wasserwerken abhängig, sie müssen darauf vertrauen, dass die Großwetterlage stabil bleibt, ohne Erschießungskommandos, Weltrevolutionen, Sozialismus und, horribile dictu, Steuererhöhungen. Sie müssen darauf vertrauen, dass der Staat den gesellschaftlich überflüssigen Reichen nicht die Knute überzieht, dass er Eigentum schützt und ihr Lebensmodell nicht als illegal bezeichnet. Sie müssen darauf vertrauen, dass sich die Gesellschaft aus lauter Liberalität eine Schicht leistet, die netto Verluste einfährt und nicht fähig ist, dies zu ändern.

Möglicherweise haben sie selbst schon vom Hauslehrer auf dem Stammsitz des Geschlechts ihr Schulwissen unter die Kalotte geschwiemelt bekommen, möglicherweise popeln sie auf privaten Internaten ihren Nachgeburten ihre verquere Ideologie ins Hirn, doch wenigstens mittelbar sind sie ohne das öffentliche Bildungswesen komplett aufgeschmissen. Ohne Regel- und Hochschulen hätten sie weder Rechtsanwälte noch Schönheitschirurgen, die sie vor der Wirklichkeit in Schutz nehmen, von Steuerberatern noch zu schweigen. Sie hätten keine staatlich geplante und gebaute Bundesautobahn, um die Karre vollstoff über den Asphalt zu jagen. Sie hätten nicht einmal den staatlich subventionierten Billigstrom aus Kernreaktoren, um den Großbildfernseher und die elektronisch gesteuerte Haustechnik zu betreiben. Vermutlich würden sie an der roten Ampel gleich mal übergemangelt, höchstwahrscheinlich, weil keiner sehen würde, dass sie rot ist – ist sie auch gar nicht, sie fehlt ja gleich ganz, und der Notarzt, der die Reste des Sozialopfers in einen Eimer schmeißt und ins Universitätsklinikum karrt, ist auch gleich mit ausgewandert. Das Leben ist bekanntlich hart, ungerecht, teuer, und am Ende geht man tot.

Man sollte denen, die ihre Steuern nicht fürs Gemeinwohl blechen wollen, ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen und sie unter Androhung von Materialkaltverformung im Gesichtsschädelbereich über die Grenze verfrachten. Endlich sind sie des Jammertals ledig, ihr Kapital haben sie immer bei sich, was kann’s schöner geben? Sie werden jäh bemerken, dass sie, da unter ihresgleichen, mit erhöhter Gesindeldichte zu rechnen haben. Wir werden es verschmerzen. Nur keine Neiddebatte.





Exit

25 04 2013

„… sich der Arbeitskreis gebildet habe, um das konservative Profil der CDU wieder…“

„… den Eltern nicht länger die Abhängigkeit von den Betreuungseinrichtungen zu…“

„… der Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Atomkraft zu…“

„… die Arbeitnehmerrechte nicht übermäßig zu stärken, damit die Entwicklung der Wirtschaft…“

„… könne sich Schröder ein Betreuungsgeld vorstellen, falls garantiert sei, dass es nicht von Familien mit Kindern beansprucht…“

„… wolle man neue Technologien wie Digitalisierung, Windkraft und elektrische Apparate nicht mehr unterstützen, um den Glauben der Bevölkerung in den…“

„… den Strompreis möglichst konstant zu…“

„… die Arbeitsgruppe gegen die 68er-Umtriebe bereits zufrieden gezeigt habe, wie die Frauenquote sich…“

„… habe Merkel verkündet, dass das Internet eine moderne Zeiterscheinung sei, derer die bürgerliche Gesellschaft bald nicht mehr bedürfe. Sie plädiere in ihrem Podcast außerdem für…“

„… das Sparprogramm derart zu gestalten, dass die Leistungsträger…“

„… wolle Aigner prüfen, ob die Pläne der Telekom tatsächlich…“

„… mehr deutsche Autos zu kaufen, da die öffentlichen Verkehrsmittel…“

„… dass der Strompreis moderat ansteigen solle, vor allem bei den erneuerbaren…“

„… für die Netzneutralität einsetze. Freiheit, habe Westerwelle betont, sei die Freiheit, den Anbietern genau das zu zahlen, was sie…“

„… die GEZ-Gebühren nur deshalb erhöht, um nicht zu viele Bürger in die Fänge des neumodischen Mediums Radio zu…“

„… könne allein Lohnzurückhaltung ein Mittel gegen die Boykottpropaganda für die Lohnuntergrenze…“

„… das Exit-Programm für Aussteiger aus der rechtsradikalen Szene zu…“

„… habe sich IM Friedrich entschieden, die Bundesverfassungsrichter auf brutalstmögliche …“

„… zur Zeit geklärt, ob Aigner berechtigt sein, das Vorhaben der Deutschen Telekom AG zu…“

„… in den ÖPNV zu investieren, da die Automobilkonzerne sich mit Hilfe öffentlicher Gelder wettbewerbswidrige…“

„… darauf zu achten, dass die Besserverdiener keine zusätzlichen Stromkosten…“

„… übereingekommen, den Atheismus als Kriterium für die Vergabe von Hilfsarbeiten zu…“

„… beim Kauf eines Kartoffelsacks eine, bei einer Schubkarre zwei Überwachungskameras kostenfrei zu…“

„… den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Atomkraft für…“

„… dass mit dem Absinken der Mindestlöhne auch die Sozialleistungen gestrichen werden müssten, um keine falschen Anreize auf dem Arbeitsmarkt zu…“

„… müsse man den explosionsartigen Anstieg der Strompreise vor allem auf die…“

„… Familien, deren Kinder am freiwilligen Religionsunterricht nicht freiwillig teilnähmen, als Volksschädlinge zu…“

„… den Verfall der deutschen Gesellschaft aufzuhalten. Der Rückzug der Familienministerin sei nur ein Schritt, der aber durchaus…“

„… sich die Kampagne Deutsche, kauft deutschen Döner nur langsam in den…“

„… inzwischen als Exit-Programm aus der Union…“

„… investiere Schäuble freiwillig größere Summen in die Ruinenparks Elbphilharmonie und BER, um kommenden Generationen ein Bild von der Größe des deutschen…“

„… werde zur Steigerung des Konsums jedem Haushalt empfohlen, eine Schnellfeuerwaffe aus deutscher Produktion…“

„… habe Aigner die Art, Anzahl und Rundheit der Löcher im deutschen Käse als skandalöse……“

„… angesichts der politischen Lage inzwischen offen für die legale Sterbehilfe…“

„… der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Atomkraft als…“

„… sich das Exit-Programm wegen eines erheblich verkleinerten Budgets nur noch um die verfassungsfeindlichen Umtriebe innerhalb der staatlichen…“

„… dass Deutschland seine Rolle im globalisierten Europa als Agrarnation neu finden werde, um als exportorientiertes…“





Vollstes Vertrauen

24 04 2013

„Vollstes Vertrauen?“ „Ach du Scheiße!“ „Dann ist sie verloren.“ „Warten wir’s ab. Von der Leyen hat schon jede Menge Mist fabriziert und ist nie darüber gestolpert.“ „Aber vollstes Vertrauen? Hallo!? Das ist so gut wie ein Todesurteil!“

„Also lässt die Merkel das jetzt doch nicht durchgehen.“ „Wieso denn nicht?“ „Ich meine, es ist doch die Kanzlerin.“ „Ja und? Hat die sich je bewegt, wenn irgendwas passiert ist?“ „Aber das hier ist doch innerhalb der deutschen Politik.“ „Jetzt mach doch nicht so eine Welle.“ „Dann hätte sie die Koalition schon zehnmal platzen lassen müssen.“ „Aber das ist doch innerhalb der CDU!“ „Gut, das ist schon fast ein Argument.“ „Wieso fast?“ „Wenn die Merkel jedes profilneurotische Arschloch rauswerfen würde, warum ist dann Schäuble immer noch Minister?“

„Aber hier, vollstes Vertrauen.“ „Vollstes? hat sie nicht…“ „Nein, vollstes.“ „Dann gute Nacht.“ „Meine Güte, die ist doch nicht Wulff.“ „Aber vollstes Vertrauen – vollstes Vertrauen! das hat nicht mal der Papst lange überlebt.“ „Wieso, die hat doch…“ „Glauben Sie der Statistik, 100% der Päpste, der denen die Merkel ihr vollstes Vertrauen ausgesprochen haben, sind zurückgetreten.“ „Sag an!“ „Das ist doch…“ „Und hier, Röttgen. Der ist doch auch inzwischen irgendwo in der Pampa.“ „Der war ja mal Muttis Bester.“ „Auch so eine Planstelle, die die Bundesuschi sich ungern streitig machen lässt.“

„Ich glaube ja nicht, dass das so geplant war.“ „Dann hat von der Leyen das also nicht geplant?“ „Doch, die schon.“ „Aber dann war das ja doch geplant.“ „Wenn die was plant, merkt man meistens eh nicht, dass es geplant war.“ „Aber geplant war das eh nicht.“ „Doch, nur nicht von der Leyen.“ „Wie bitte?“ „Von der von der Leyen.“ „Ach so.“ „Vielleicht ist das ja irgendwie schief gegangen, und dann sollte es so sein, wie es geworden war.“ „Geworden ist.“ „Also wie es wurde?“ „Oder wird.“ „Also so, wie es ist.“ „Das kann aber nicht geplant gewesen sein.“ „Nein, aber das ist so passiert.“ „Das ist aber ein ganz schöner…“ „Wieso schön?“ „Jedenfalls ein Unterschied.“ „Ich meine, hat sie nicht dieses Ding mit der Hartzkarte auch so geplant?“ „Weil das derart in die Hose ging?“ „Dann kann sie es nur geplant haben.“ „Du meinst: dann kann nur sie es geplant haben.“ „Aber was hat die Kanzlerin damit zu tun?“ „Die hat doch den Auftrag gegeben.“ „Kann ich mir nicht vorstellen.“ „Naja, die sagt dann, macht doch, was Ihr wollt.“ „Und Uschi?“ „Macht, was sie will.“ „Was die Kanzlerin will?“ „Nein, was die… ach, egal.“

„Dann kann sie es ja bloß selbst gewollt haben.“ „Finde ich auch.“ „Sonst würde die Kanzlerin doch rapide einen Vertrauensverlust erleiden.“ „Und vor allem an Autorität.“ „Hä!?“ „Na, dieses Ding halt, wo man immer so hat, wenn man…“ „Ich weiß schon, was Autorität bedeutet, aber wie kann man das im Zusammenhang mit der Merkel sehen?“ „Wieso hat die denn jetzt keine Autorität mehr?“ „Und was ist mit der FDP?“ „Keine Tiefschläge, bitte.“ „Ist doch wahr, das ist die…“ „Keine Tiefschläge!“ „Sie muss es gewusst haben, sonst würde doch ihre Personalplanung gar nicht aufgehen.“ „Was ist denn das jetzt schon wieder für eine Verschwörungstheorie?“ „Sie will doch bis 2017 Kanzlerin bleiben.“ „Ja und?“ „Ja und danach?“ „Was weiß ich, vielleicht ist bis dahin de Maizière genauso durch wie Schäuble.“ „Oder die CDU hat mit der SPD fusioniert.“ „Dann schon lieber Schäuble.“

„Und die Frauen?“ „Wie, Frauen?“ „Was ist mit Frauen?“ „Es ging doch um die Quote, oder?“ „Ja und?“ „Die sind doch eh nur vorgeschoben.“ „Aber wenn das im Wahlprogramm…“ „Ruhig, Brauner!“

„Also die Merkel hat es gewusst.“ „Das glaube ich nicht.“ „Kann sie gar nicht, sonst wäre sie ja nicht mehr Kanzlerin.“ „Wieso?“ „So was Unprofessionelles würde sie doch nicht einmal in ihrer Nähe dulden, geschweige denn in ihrem Kabinett.“ „Und Schröder?“ „Verdammt!“ „So kurz vor der Wahl schmeißt man doch keine Ministerin mehr raus.“ „Richtig, und lahme Ente kann die Kanzlerin alleine.“ „Auf jeden Fall hat sie es gewusst, schließlich muss sie ja mal zurücktreten.“ „Sie will also nicht weiter kanzlern?“ „Schon, aber nicht bis zum Ende.“ „Also nach 2017.“ „Oder ab 2015.“ „Sie baut vor?“ „Sie will sich rechtzeitig von einer Frau ablösen lassen, die unerschrocken ihren Weg geht und die Partei im Handstreich in die Gegenwart führt.“ „Aha?“ „Das meint er nicht ernst.“ „Quatsch, ist doch die Bundesuschi.“ „Aber wer soll denn die CDU in die Zukunft führen?“ „Jedenfalls nicht die Merkel, die hatte schon ein paar Jahre Zeit, die CDU wieder ins Mittelalter zu bringen.“

„Ich finde ja, sie lässt sich stürzen.“ „Von der Leyen?“ „Von der Leyen von der Merkel?“ „Nein, von der Leyen.“ „Also doch.“ „Egal, auf jeden Fall will sie eine Nachfolgerin, die die amtierende Kanzlern wegmacht.“ „Damit sie sich in die Opferrolle fügen kann.“ „Wie Kohl.“ „Bloß ohne die historische Größe.“ „Unterschätz nicht Muttis Doppelkinn.“ „Was soll denn das bringen?“ „Denk doch mal weiter. Spätestens 2017 kann auch der letzte Deutsche die Merkel nicht mehr sehen.“ „Und dann kommt Uschi?“ „Genau.“ „Also weiß die Kanzlerin doch etwas davon.“ „Offiziell nicht.“ „Und inoffiziell?“ „Spricht sie schon mal ihr vollstes Vertrauen aus.“

„Ich kriege den Gedanken nicht weg, dass das nur ein Bauernopfer war.“ „Steinbach?“ „Wieso denn Steinbach?“ „Ist die schon zurückgetreten?“ „Ist die jemals zurückgetreten?“ „Die hat höchstens zurückgetreten.“ „À propos, vollstes Vertrauen.“ „Und?“ „Hat mal gerade jemand von der Leyens Dissertation zur Hand?“





Tod und Erklärung

23 04 2013

„Bloß keine Lachshäppchen. Das kommt nicht an. Ist nicht unser Profil. SPD ist Currywurst. Ja, ich auch nicht. Aber deshalb werden wir das Zeug trotzdem anbieten müssen. Es hilft ja nichts. Wir werden nur einmal 150.

Irgendwas muss man ja machen, nicht wahr, und diesmal wollen wir es im kleinen Kreis feiern. Im kleinsten Kreis. Im allerkleinsten. Nur die Wähler. Dann brauchen wir auch nicht so viel Stühle. Und Fähnchen. Und Kugelschreiber. Ich meine, wenn wir uns nicht auf der Jubiläumsfeier als Kümmerer-Partei ausgeben, wann denn dann?

Eigentlich wollten wir ja gar keine Festreden, aber dann meckert die Presse wieder. Dann halten die anderen Festreden, dass wir keine Festreden hatten, und kommen in die Abendnachrichten. Das geht auch nicht. Aber wen sollen wir da einladen? Lafontaine? oder Schröder? Sie haben gut reden. Beide, dann brauchen wir den Saal gar nicht erst aufzuschließen.

Haben die dieses widerliche Lila eigentlich auch für den Teppich ins Corporate Design geschrieben? Wenn das schon bei den Wandverkleidungen so aussieht wie gewollt und nicht gekonnt, dann muss man doch erst recht kotzen, wenn man auf den – Vorhänge? Meinetwegen, die paar Vorhänge wird man doch in einem geschlossenen Raum verkraften.

Aber die Reden. Erst Steinmeier, dann eventuell Rahmenprogramm, dann Gabriel, dann Pause, und dann der Seeheimer Kreis, und dann sehr lange Pause, und dann eventuell für die verbliebenen Gäste noch Sarrazin. Nach Einbruch der Dunkelheit dürften die meisten doch sowieso derart besoffen sein, dass man ihnen jedes Arschloch als SPD vorsetzen kann.

Vor allem die Chronologie macht uns ja leichte Schwierigkeiten. Wir hatten uns da so eine Art Multimedia-Show ausgedacht. Ja gut, Diavortrag halt. Aber mit Kommentaren halt und etwas Musik. Arbeiterchor aus Herne. Und Blasorchester. Und dann wollten wir die ganze Geschichte der Partei zeigen. Vom Eisenacher bis zum Godesberger Programm, dann Wiedervereinigung, und dann haben wir ein Problem. Nein, eben nicht. Wenn uns nach 1998 die Dias ausgegangen wären, hätten wir eben einfach weitergemacht. Wie das so bei der SPD ist, wenn bei uns etwas schief geht, machen wir einfach weiter, als hätten wir es nicht gemerkt. Naja, meistens merken wir auch nichts. Aber das ist ja nicht das Problem. Wir hatten noch Dias. Wir hatten sogar noch jede Menge Dias seit 1998. Aber wollen Sie das sehen?

Als Giveaways dachten wir an kleine Tütchen, Plastikfolie, Sie verstehen? ADAV? Hallo!? ist doch nicht so weit bis ADAC, oder? 50 Milliliter Benzin in Schlauchverpackung? Ein Schritt mehr zur energetischen Entlastung des Mittelstandes – das ist bald eine bessere Wertanlage als Gold! Das ist innovativ! Das ist echt bürgernah, verstehen Sie? Naja, wenigstens ist es ein typisches SPD-Geschenk. Die Unterschicht fühlt sich ausgegrenzt, die Mittelschicht fühlt sich verhöhnt, weil sie sich davon bald kein Auto mehr leisten kann, und die Oberschicht wirft das den Pennern in den Hut, weil denen eh der Spritpreis am Arsch vorbeigeht. Und die Grünen, die fragen sich auch, womit sie das verdient haben.

Dann noch der Saal, wir brauchen ja auch ein paar Spruchbänder. Atlasseide, gerne mit goldener Schrift. Antiqua, dazu rote Nelken, und in Großbuchstaben – Ruhe sanft? Sie sind wohl mit der Muffe gebufft!? Spruchbänder, verdammt noch mal, nicht Trauerschleifen! Was glauben Sie denn, was hier gespielt wird? Tod und Verklärung? Eher: Erklärung. Wenn man weiß, woran es lag, kommt man mit der Realität hinterher besser zurecht.

Wen haben Sie eigentlich für die Festschrift vorgesehen? Schily? Ach du lieber mein Vater, das kann ja heiter werden. Der schaltet ja am liebsten nicht nur die SPD, sondern gleich das ganze Grundgesetz ab. Ja, Sie haben recht. Das ist wie 1933: hier scheiden sich die Idealisten von den Pragmatikern. Aber lassen Sie uns nicht ständig von der Agenda 2010 reden, wir müssen ja auch das Personal bezahlen. Garderobe, Saalschutz, Klofrau – hören Sie mal, dieses Gegender können Sie sich an den Hut löten, für die Frauenquote ist jetzt die Merkel zuständig, klar? – Parkwächter, Kellner, Küchenhilfen, irgendwer muss den Mist halt erledigen. Haben Sie eine Kalkulation vorliegen? Egal, das wird dann das Wir ganz solidarisch entscheiden, wir haben eine Zeitarbeitsfirma am Start, aber seien Sie vorsichtig. Die haben ein paar Wirtschaftsmigranten dabei, also achten sie gefälligst darauf, dass Sie keine 8,50 die Stunde zahlen. Geburtstag hin oder her, wir sollten auch mal an die Arbeitgeber denken. Vor allem in Hinblick auf die nächste Bundestagswahl.

Rechnen Sie doch mal zusammen: Klappstühle, Programmhefte, Blasmusik, Wurst, Champagner – Schaumwein, wollte ich sagen, Schaumwein, und dann die Blumen, und ein paar Luftschlangen, vielleicht haben wir noch ein paar Ballons vom letzten Wahlkampf, Heißluft ist ja immer genug da, und dann mit Mehrwertsteuer – was!? Gut, dann lassen wir Steinbrück dreimal auftreten als Redner, da haben wir insgesamt fast 70.000 Euro gespart, davon können wir den Rest schon bezahlen.

Ja, ich weiß, dass das alles Mist ist. Das wird keine Party, das wird ein Begräbnis dritter Klasse. Aber was sollen wir denn machen? Oder haben Sie die Nummer von Helmut Schmidt?“





De-Finitiv

22 04 2013

„… dass die Bundesregierung De-Mail per Gesetz für sicher erklärt habe. Es könne nun keine…“

„… vor allem zur Arbeitserleichterung, da die Bundesregierung nun die sachlichen Einwände der Experten zur Sicherheit des Mailverfahrens als irrelevant oder…“

„… es keiner weiteren Definition per Gesetz bedürfe. Merkel könne auch ohne den Bundestag beschließen, dass die Deutschen nicht ärmer als die übrigen Euro-Länder…“

„… sei der Datenschutz in Deutschland inzwischen so sicher, dass es weder des Datenschutzes bedürfe noch der zusätzlichen…“

„… es gar keine Arbeitslosigkeit gebe, da jeder, der arbeiten wolle, auch Arbeit finde. Von der Leyen halte daher neben der Verhinderung der von ihr erfundenen Frauenquote die Abschaffung der Grundsicherung für ihre politisch beste Tat seit…“

„… höchst erfreut zeige. So wolle Rösler nicht nur den Armutsbericht erneut überarbeiten lassen, sondern auch die…“

„… die Banken darauf bestünden, die Gebühren für Kontenüberziehungen wieder per Definition…“

„… dass der Hauptstadtflughafen BER ja im Grunde schon so gut wie fast fertiggestellt sei, weshalb man ihn nun auch per Parlamentsbeschluss als bereits eröffnet…“

„… sei De-Mail schon deshalb viel sicherer als Telefax, weil es einen Papierstau nur einmalig beim Ausdrucken der…“

„… mit den Stimmen der Koalition, dass die Regierung die beste seit der Wiedervereinigung sei. Das Bundesgesetz habe weitreichende…“

„… das Vergabeverfahren der Presseplätze im NSU-Prozess ganz einfach für ausgewogen und rechtssicher zu…“

„… habe Bosbach auf der Heidegger-Tagung Das Sein als Seiendes des Daseins im In-der-Welt-Sein des seienden Soseins einen Schwächeanfall…“

„… fordere der Internetexperte Axel E. Fischer eine gesetzmäßige Neudefinition der Definition, da sonst High Definition nicht als definiert…“

„… dass das Bildungspaket für gut und ausreichend definiere, da es so gut wie nicht angenommen worden sei. Von der Leyen sehe daher keinen Grund, die Leistung weiterhin anzubieten und schaffe sie wegen zu großen Erfolges mit sofortiger Wirkung…“

„… halte Schäuble De-Mail für viel sicherer als Telefax, weil es viel sicherer als Telefax sei, was wiederum…“

„… sowie ausreichende Kita-Plätze vorhanden. Außerdem lege Schröders Gesetz fest, dass der Klapperstorch die Kinder…“

„… bemängelten Kritiker, man könne das Gesetz auch so verstehen, dass die beste Regierung seit der Wiedervereinigung nicht mehr durch Wahlen zum Deutschen Bundestag…“

„… den NSU-Prozss insgesamt als unnötig zu definieren und ausfallen zu lassen, falls per Bundesgesetz festgestellt werden könne, dass es in Deutschland gar keinen Rechtsterrorismus…“

„… werde die Sicherheit der sicheren De-Mail noch viel sicherer, wenn man die Server in einen geschlossenen Raum einschließe, so dass die Gerät von außen nur noch per De.Mail erreichbar…“

„… sich IM Friedrich in einem schweren Dilemma befinde. Er könne das Land als unter der CDU-Regierung absolut sicher definieren, müsse dann aber verzichten, aus Sicherheitsgründen noch weitere Überwachungsmaßnahmen …“

„… sich das Die-Elbphilharmonie-ist-viel-preiswerter-als-erwartet-Gesetz mit den Stimmen aus SPD, CDU und…“

„… seien die Kraftwerksbetreiber bereit, eine sehr hohe Summe für den Wahlkampf zu zahlen, wenn im Gegenzug die Bundesregierung auch die Atomkraft für sicherer als ein Telefax…“

„… rege Rösler an, bei den nächsten Wahlen die FDP ganz einfach als Partei oberhalb von fünf Prozent zu…“

„… das Bundesverfassungsgericht in einem Eilverfahren festgestellt habe, dass die beste Bundesregierung aller Zeiten sich nicht selbst als Verfassungsorgan…“

„… bedürfe es keiner gesetzlichen Regelung. Ziercke habe bekräftigt, bei einer Anzeige gegen Polizeibeamten habe der Polizist nicht nur definitionsgemäß recht, er sei auch definitiv…“

„… zu Kontroversen mit der Versicherungsbranche geführt habe. Man könne nicht ein Land als vollkommen sicher bezeichnen, da die Versicherer ihre Versicherungen sonst…“

„… als so sicher, dass Merkel freiwillig darauf verzichtet habe, von ihrem als abhörsicher definierten Mobilgerät De-Mails zu…“

„… habe Schäuble zum wiederholten Male betont, man brauche das Bundesverfassungsgericht überhaupt nicht. Er fordere daher die Neudefinition des Grundgesetzes als…“

„… sich gar nicht um Waffenlieferungen in Kriegsgebiete. De Maizière habe per Gesetz beschlossen, jedes von deutschen Rüstungskonzernen belieferte Land als friedliches, stabiles und menschenrechtskonformes…“

„… müsse Stuttgart 21 nicht mehr als technisch möglich definiert werden, da Ramsauer bereits per Dekret verfügen wolle, das Bahnhofsprojekt als ausreichend finanzierten…“

„… sei der Vatikan sehr daran interessiert, nach der Bundesrepublik Deutschland als zweiter Staat die Erde wieder als Scheibe zu…“





Bilden Sie mal einen Satz mit…

21 04 2013

für Robert Gernhardt

… Modena:

Ist’s auch, da dünn, dem Tode nah,
bringt uns das Model Mode nah.

… Izmir:

Es sprach im Tanzlokal die Braut:
„Die Band, die is’ mir viel zu laut!“

… Paris:

Bei alten Schwestern kaum Gefahr is’,
dass dies in Wirklichkeit ein Paar is’.

… Teheran:

Vor Durst ruft laut der feine Mann
den Kellner: „Los, bring Tee heran!“

… Bagdad:

Das Frühstück naht im Morgenrot,
drum hört der Bäcker: „Back dat Brot!“

… Taschkent:

Der Schmuggler manch Versteck für Hasch nennt,
weil er am besten seine Tasch’ kennt.