Wer’s glaubt

3 04 2013

„Weil Sie der richtige Ansprechpartner sind, Herr Kardinal, und da haben wir uns gedacht, sprechen wir doch mal Herrn Kardinal an, was Herr Kardinal dazu sagen. Also Sie jetzt. Man muss als Vertreter der säkularen Klassen ja auch mit der Kirche in gutem Einvernehmen stehen, wenn es um gewisse weltanschauliche Frage geht. Glaubensfragen eben.

Wir hatten uns das so gedacht, Euer Durchlaucht – Sie haben doch da jetzt diesen neuen Papst, diesen Franziskus, und der tut doch so auf moralisch, richtig? Eben. Und da haben wir uns gedacht, wir sollten an demselben Strang ziehen. Nur halt von verschiedenen Seiten. Sie machen das mit der Moral, und wir machen das, naja, das andere halt eben. Das ist eine klassische Win-Win-Situation. Sie gewinnen, weil man Ihnen endlich mal abkauft, dass Sie jetzt die Guten sind, und wir gewinnen sowieso immer. Das ist ein großartiger PR-Sieg für beide Seiten, Höchstwürden, und das Tolle ist, diesmal muss man Ihnen das einfach mal abkaufen.

Das mit den Kindern, Sie verstehen? Muss ich noch deutlicher werden? Ihr pädophiles Personal, Euer Durchzecht. Das würde man nicht unbedingt sofort mit Recht und Ordnung in Verbindung bringen. Sie haben sich zwar sehr bemüht, den Skandal aufzuklären. Fast so sehr, wie Sie sich bemüht haben, den Skandal zu vertuschen. Und jetzt haben Sie hier die einzigartige Gelegenheit, das alles völlig aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit zu entfernen. Also quasi den umgekehrten Fall. Das ist doch gut? Na eben. Und deshalb würde ich sagen, Sie lassen sich das mal durch den Kopf gehen und – Abtreibung? Könnten wir eventuell später mal darüber reden? Wir wollen und nicht mit so kleinkarierten Details beschäftigen, bevor Gras über die Sache gewachsen ist.

Sicher, Eminenz, sicher. Wir sind uns da im Klaren. Natürlich kann die Kirche tun und lassen, was sie will. Schließlich bezahlen wir sie ja aus Steuermitteln dafür, dass sie uns mitregiert. Aber man kann doch wenigstens ein bisschen so tun, als sei einer von uns moralisch. Irgendwie moralisch. Wenigstens einer. Manchmal.

Schauen Sie mal, der Papst ruft zur Solidarität mit den Armen auf. Ist das nicht goldig? Also ich finde das zu goldig. Da müssen wir dann nicht immer die Ursula von der Goebbels von der Leine lassen. Von der kriegen wir immer Magenbluten, wissen Sie, das macht Ihr Papst viel hübscher. Hört sich nicht so ekelhaft selbstgerecht an, wenn er die Globalisierungsverlierer segnet. Und bei Ihnen hat das viel mehr Stil. Na, denken Sie mal an, die Schröder würde im Tuckenbrokat im Bundestag ans Rednerpult stöckeln, mit qualmender Handtasche, und dann sagt sie: Kommet her zu mir, die Ihr mühselig und irgendwie auch ein Stück weit beladen seid, ich will Euch Kita-Plätze versprechen, die Ihr zwar im Leben nicht zu Gesicht bekommt, aber dafür blase ich ein paar Spitzenverdienern die Kohle doppelt und dreifach in den Arsch. Klingt nicht wirklich christlich, oder?

Das ist meiner Ansicht nach schon eine wichtige Glaubensfrage, Euer Effizienz. Ich glaube nämlich, so leicht kommen wir beide aus dieser Nummer nie wieder raus. Oder meinen Sie, dass auch nur einer in diesem Zusammenhang fragen würde, warum die Kirche nicht ein paar Milliarden springen lässt und ihre Steuern bezahlt und ihre Priestergehälter? Wer’s glaubt, wird selig, die anderen müssen halt daran glauben.

Und dabei kommt Ihre Firma verhältnismäßig locker aus der ganzen Sache raus. Sie beten, Ihre Schäfchen spenden für die Armut. Oder dagegen, wenn Sie so wollen. Sie machen so eine schöne Roadshow, Euer Seligkeit, das hat doch bei dem Wojtyła auch so toll geklappt, und dann sammeln Sie ein paar Scheinchen ein. Wir werden uns auch bemühen, extra korrupt zu sein und uns ordentlich die Taschen vollzustopfen. Dann können Sie aus dem Brustton der Überzeugung sagen, dass Geben seliger ist denn Nehmen, und wir verkrümeln uns mit dem ergaunerten Geld, moralisch geschlagen und verurteilt und verdammt.

Aber Sie müssen schon irgendwann auch wieder Verzeihung üben, Euer Emergenz. Wie in Canossa. Entweder Sie sind wirklich christlich und vergeben und vergessen all unsere Schuld, dann müssen Sie bei der nächsten Wahl wieder ganz klar Stellung beziehen und empfehlen, für eine christliche Partei zu stimmen. Natürlich für uns, was dachten Sie denn? Bibeltreue Christen? haben Sie noch alle Tassen im Schrank, Sie Schweinepriester!? Also wie gesagt, Euer Barmherzigkeit, Sie müssen uns alle Sünden vergeben. Sonst kippt das auf. Ist halt in Ihrem eigenen Interesse.

Sie können ja bei Gelegenheit mal eine kleines Strategiepapier formulieren, und das reichen Sie dann über die CSU rein. Da fällt das nicht ganz so auf, wenn die Hälfte aus Attacken gegen das Grundgesetz besteht. Machen wir so, Euer Allerwertesten? Machen wir.

Ach, noch was. Wir hatten da letztens so eine Sache mit einem Bahnhof. Planen Sie in nächster Zeit größere Sakralbauten?“


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3 responses

5 04 2013
George

Weiß man denn schon wer der Bauträger für St. Cäcilien 21 sein wird? Da werde ich umbedingt Aktien kaufen.

5 04 2013
bee

Da alles Gute bekanntlich von oben kommt, wird sich Hartmut Kardinal Mehdorn persönlich der Sache widmen.

5 04 2013
George

Tausche ein n gegen ein m. Mann, ist das peinlich, umbedingt…

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