Singlefrust

21 05 2013

Vorsichtig behauchte Köchler den Stempel, bevor er ihn langsam und traurig auf den Vordruck presste. Es würde keine Volksfront zur Rettung des Gebrauchsdackels geben, wenigstens keine mit Parteienstatus. Köchler gab das Blatt in die Aktenmappe zurück, schloss sie und legte sie auf den rechten Stapel. Ich wartete.

„Parteien“, hub er mit Bedacht an, „sollten immer dessen eingedenk sein, dass sie nicht für eine einzige Gelegenheit gegründet sind. Man muss da klug vorgehen. Haben Sie sich denn schon einmal Gedanken gemacht, was Sie in die Politik geführt hat?“ Ich blätterte in meinen Unterlagen, fand jedoch keine der vorgefertigten Antworten wirklich gut; sie waren allerdings auch für die erste Bundespressekonferenz vorgesehen. „Etwas mit Frau und Karneval“, stammelte ich, „und vielleicht irgendwie Umweltschutz oder Natur. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was ich mir gedacht habe.“ Köchler rieb sacht seine Fingernägel. „Das mit dem Karneval ist natürlich ganz aussichtslos.“ Ich legte die Stirn in Falten. „Schon die außenpolitischen Folgen könnten sich als schwierig erweisen“, gab er zu bedenken, „stellen Sie sich nur einmal vor, Sie sollen als Bundespräsident – Sie wollen sicher höhere Staatsämter ausüben? – ein Staatsoberhaupt begrüßen. Und dann stehen Sie da, auf dem roten Teppich. Mit einer roten Nase.“

Ich blätterte weiter in meinen Papieren. „Man könnte ja auch etwas mit Wirtschaft machen.“ Er blickte mich erstaunt an. „Das ist gar nicht schlecht, zumal Sie in eine echte Marktlücke stoßen würden. Die meisten Parteien verstehen von der Sache nicht wirklich viel, das würde Ihre Chance sicher sehr vergrößern.“ Er sah kurz in sein Verzeichnis. „Außerdem ist Wirtschaft ein großartiger Begriff, recht schwammig und für alles zu verwenden, wie Freiheit, Fortschritt, Moral oder Bürgertum. Das ist wie Wurst. Auch wenn man sich ungefähr denken kann, was drin ist, von außen sieht man meist nicht, was einen erwartet.“

„Automobil?“ Er schüttelte den Kopf. „Das ist keine Marktlücke, Bier und Bildung auch nicht. Sie müssen schon ein bisschen origineller sein.“ „Eine Partei für Nichtwähler?“ Köchler besah seine Knöchel und schnippte behutsam ein Stück Konfetti vom Ärmel. „Bedauerlicherweise auch das nicht, und sie hatten selbst darunter zu leiden. Sie haben ihre Arbeit inzwischen eingestellt.“ „Was ist ihnen zugestoßen?“ Er wiegte bedauernd den Kopf. „Sie wurden nicht mehr gewählt.“

Vor meinem geistigen Auge entstand bereits die Kulisse eines pompösen Bundesparteitages, auf dem ich in flammender Rede ein wie auch immer geartetes Argument variieren würde, warum ich (und zwar nur ich) geeignet wäre, den Vorsitz dieser Partei zu führen. Sicher wäre es eine Vereinigung zum Schutz des Gebrauchsdackels vor der Wirtschaft, möglicherweise aber auch genau andersherum. Wer wollte das schon so genau sagen in einer politischen Landschaft, die sich zu schnell entwickelt, um Ahnung von den Erfordernissen der Wirklichkeit zu haben. „Etwas für Rentner?“ Köchler nickte. „Gute Idee, die sterben nie aus. Und ihre Bedürfnisse bleiben immer dieselben. Sie wollen ihre Ruhe und wissen alles besser. Das ist ein nachwachsender Rohstoff.“

In der Informationsbroschüre hatten viele schöne Beispiele gestanden von Sozialisten, bibeltreuen Monarchisten und Reichsbünden für Dinge, die man so wenig brauchen konnte wie einen Reichsbund. Ich suchte in meiner Tasche nach dem Heftchen. „Wenn Sie schon die Umwelt genannt haben, könnten wir da nichts machen?“ Köchler nickte nochmals, diesmal schon ein wenig deutlicher erkennbar. „Ja, aber bitte nicht zu sehr ins Detail gehen.“ Ich sah ihn erstaunt an. „Es muss schon eine gewisse Offenheit vorhanden sein, wenn man sich auf ein einziges Thema beschränkt. Wenn Sie für den Schutz der Wale eintreten, haben Sie Pech gehabt.“ Noch immer verstand ich nicht. „Sie werden entweder die Wale retten und internationale Gesetze zu ihrem Schutz erzwingen – oder die Art verschwindet von unserem Planeten. Dann können Sie Ihre Partei auch beerdigen. Man nennt das Singlefrust.“ „Singlefrust?“ „Richtig“, bestätigte Köchler, „ein einziger Programmpunkt bringt oft nichts als Scherereien. Denken Sie an die Grünen, kaum haben sie den Ausstieg aus der Atomkraft einigermaßen in Aussicht, schon suchen sie sich mit den Windkraftwerken neue Ziele. Denken Sie an die Zukunft.“

„Wo wir gerade bei der Wirtschaft sind, haben Sie noch etwas frei für Rentner?“ Köchler fuhr mit dem Zeigefinger an einer Liste entlang, doch er schien nichts Passendes zu finden. „Es gäbe noch eine Vakanz im rechten Lager“, stellte er fest, „wir haben knapp ein Prozent Nationalisten aus dem bildungsfernen Segment – wollen Sie da nicht etwas versuchen?“ „Ich hätte hier eine schlimm ausländerfeindliche Rede“, gestand ich und lief schamrot an. „Eigentlich wollte ich die gar nicht…“ „Lassen Sie es“, gab Köchler streng zurück. „Sie müssen viel besser zuhören – was hatte ich Ihnen gesagt? Setzen Sie sich die richtigen Ziele. Wenn Sie alle Ausländer loswerden wollen, was tun Sie dann, wenn Sie es geschafft haben? und welche Entschuldigung haben Sie, wenn es nichts gebracht hat?“ „Gut“, sagte ich knapp, „dann wird es wohl nichts. Zumindest diesmal nicht. Ich werde mir einen Job suchen, Politik scheint nichts für mich zu sein.“ „Moment noch.“ Er zog ein Blatt aus dem Stapel heraus. „Könnten Sie sich vorstellen, etwas gegen den Euro zu haben?“





Kompetententanz

20 05 2013

„Okay, und das sind jetzt alle?“ „Hatten die mehr bestellt?“ „Man kann aus diesen paar Leutchen doch kein Schattenkabinett bauen.“ „Ist nicht unser Problem.“ „Finde ich auch.“ „Die hätten ja mal nachzählen können.“ „Vielleicht dachten sie, das kostet pro Mann?“

„Und wir sollen jetzt das Kompetenzteam für Steinbrück zusammenstellen?“ „Hatte ich so verstanden, ja.“ „Unsinn, das steht doch schon.“ „Das nennen Sie Team?“ „Eben, das ist…“ „Das ist nicht der Punkt, es ist…“ „… schlicht lächerlich.“ „Das Team?“ „Lassen Sie ihn doch auch mal.“ „Wie, Steinbrück?“ „Ach was, Team. Die Kompetenz, die fehlt.“ „Und Sie denken, dass man die hinkriegt, wenn man das Team vergrößert?“ „Einer muss diese ganze Kompetenz ja schließlich mitbringen.“

„Es ist doch großartig, dass die Partei gleich von Anfang an so ein Konfliktpotenzial mitbringt.“ „Das finden Sie also gut, dass sich die Sozen schon vor der Wahl die Schädel einschlagen?“ „Wer hat denn das behauptet?“ „Konfliktpotenzial – der Wähler will Geschlossenheit!“ „Aber er will auch eine Diskussion über…“ „Geschlossenheit!“ „… soziale Gerechtigkeit und Wachstum und…“ „Danke, wir haben es verstanden.“

„Ob ein Wiesehügel reicht?“ „Der hat immerhin den letzten SPD-Kanzler als asozialen Desperado bezeichnet.“ „Oha, das gibt Ärger!“ „Meinen Sie, Schröder klagt wegen Beleidigung?“ „Würde ich ja machen.“ „Ach was, die SPD belangt ihn wegen Geheimnisverrat.“ „Ich finde das gut.“ „Dass er die Hartz-Gesetze auf den Prüfstand stellen will?“ „Oder eher, dass er die Rente mit 67 wieder abschaffen will?“ „Nein, ich finde das gut, dass er endlich mal eine soziale Position in der…“ „Haaa-hahaha!“ „Ulkig, der glaubt daran!“ „… SPD…“ „Sie sind mir vielleicht ein Schlingel, fast wären wir darauf reingefallen!“ „Aber ich meine das ernst!“ „Ja sicher!“ „Nee, schon klar.“ „Wirklich!“ „Hören Sie mal, das ist der Nach-der-Wahl-machen-wir-alles-anders-Zirkus, gefolgt von der Nach-der-Wahl-interessieren-uns-die-Versprechen-einen-Scheißdreck-Nummer.“ „Wenn sie klug wären, sollten sie mit Steuersenkungen werben.“ „Das ist doch…“ „Nee, glauben Sie mal nicht an diesen Mist. Das ist Theaterdonner.“ „Aber er hat gesagt, er will nach der Wahl…“ „Theaterdonner!“ „… ganz bestimmt, das hat er gesagt, dass er…“ „Ich glaube, er hat recht.“ „Bitte?“ „Das ist doch keine Bauernfängerei.“ „Nicht? Was denn dann?“ „Der meint es ernst! Der hat…“ „Ruhe jetzt!“ „Das ist typisch sozialdemokratische Selbstzerstörung. Vor der Wahl tröten sie alle herum, dass sie sozial sind und demokratisch und Grundgesetz und Trallala, und nach der Wahl handeln sie komplett gegen ihre Überzeugungen, damit sie von ihren Wählern auch ja eins auf die Mütze kriegen.“ „Gut, so gesehen reicht ein Wiesehügel.“

„Jetzt müsste man natürlich noch etwas für die Kernzielgruppe tun.“ „Die gebildeten Arbeiter?“ „Ach Quark, konservative Rentner natürlich.“ „Das macht doch Gabriel, oder?“ „War ich bisher der Meinung, ja.“ „Mir fiele auch kein anderer ein, der sich dafür hergeben könnte.“ „Müntefering?“ „Ist Leichenschändung jetzt Teil des Wahlprogramms?“ „Also Gabriel.“ „Der verkörpert die Rentner?“ „Nee, auf keinen Fall.“ „So was von null!“ „Wohl!“ „Quatsch! Gilt Duschen mit Kordelseife schon als Seniorensport?“ „Jetzt sagen Sie doch mal, warum ist Gabriel nichts für Rentner?“ „Weil sich ein SPD-Chef eher um Pensionäre kümmert.“

„Und die Frauen?“ „Gerne, tun Sie mir nur einen Gefallen.“ „Nämlich?“ „Fangen Sie mir jetzt nicht mit der Nahles an.“ „Das ist eine Frau?“ „Wenn man sehr genau hinhört.“ „Wer tut so was?“ „Sie meinen: wer tut das freiwillig.“ „Also diese Designforscherin.“ „Eine Designerin, die was mit diesem Interwebnetz macht?“ „Ja und? sind denn die anderen für irgendwas qualifiziert?“ „Nö, aber die tun wenigstens so.“ „Ich finde die gut.“ „Und warum genau?“ „Das zeigt doch, dass die SPD sich jetzt endlich auf moderne Kommunikation und neue Technologien einlassen will.“ „Aha.“ „So für die gesellschaftliche Dimension und so.“ „Was Sie nicht sagen.“ „Weil ja auch der Diskurs, also der wissenschaftliche Diskurs, und der ist ja zugleich auch für die Verantwortbarkeit, was dann die Konsequenzen der technischen Innovationen…“ „Also kurz und gut, die SPD verheizt mal wieder eine unbekannte Trulla, damit sie am Grundgesetz vorbei das Internet aushebeln kann.“ „Aber…“ „Nix aber.“ „… die gehört zu den kompetenten…“ „Kanonenfutter, kennt man“ „… Mitgliedern, die für die Wirtschaft…“ „Deshalb will sie sicher auch eine feste Frauenquote.“ „Hat sie das gesagt?“ „Nur für die Teilnahme an Fernsehtalkshows.“ „Recht so. Genau da wird doch Politik gemacht.“ „Mehr Nähe zu den Bürgern muss ja auch echt nicht sein.“ „Hallo, das ist doch…“ „Finde ich aber gut. Wenn man schon Juckreiz von neoliberalem Gelaber bekommt, dann sollen wenigstens zur Hälfte Frauen daran schuld sein.“

„Und wen kann er da ins Team reinnehmen?“ „Keinen, der am Leben hängt.“ „Mist!“ „Dann kann er einpacken.“ „Stimmt, mit dieser intellektuellen Magersucht ist nichts zu machen.“ „Ach was, das geht gut.“ „Wie!?“ „Machen Sie sich keine Sorgen, das wuppen die schon.“ „Entschuldigung, das meinen Sie jetzt aber nicht ernst?“ „Doch, absolut. Das geht alles. Es sei denn…“ „Na?“ „Malen Sie den Teufel nicht an die Wand!“ „… sie gewinnen aus Versehen die Wahl.“





Wahlverwandtschaften

19 05 2013

Nelken welken wie die Rosen,
morsch wird alles mit der Zeit.
Du brauchst ein Paar neue Hosen,
unten offen, oben weit.
Doch wo sind sie weit geschnitten?
Schenkel, Hüften, Knie, Gesäß
haben schon genug gelitten.
Also kaufst Du demgemäß.
Du bekommst in allen Stoffen
Farben, Formen, die zu hoffen
Dir den Leib erquicklich macht,
auch wenn’s hinten trotzdem kracht.
Alles, wo Du gar nicht wusstest,
was Du wolltest, konntest, musstest,
ob Du’s weißt, ist auch egal:
jetzt hast Du die Wahl.

Heute wird es etwas später,
nur noch stracks zum Kaffeemann,
Schlange: gute dreizehn Meter.
Trotzdem stehst Du tapfer an.
Milch und Zucker, Sojalatte,
Nuss und Sirup, Sahne, Eis,
damals, denkst Du, einzig hatte
man die Auswahl: Schwarz und Weiß.
Heute musst Du taktisch denken.
Lieg im Trend bei den Getränken,
sei geschmacklich Mann von Welt,
der den richt’gen Becher hält.
Alles, wo Du gar nicht wusstest,
was Du wolltest, konntest, musstest,
ob Du’s weißt, ist auch egal:
jetzt hast Du die Wahl.

Wochenlanges Rumgebettel,
Kanzelreden, jeder scheut’s.
Nun stehst Du vor Deinem Zettel.
Wohin aber mit dem Kreuz?
Rote? Schwarze? Gelbgestreifte?
Stimme eins? und Stimme zwei?
Grüne? oder Ausgereifte?
Ist doch alles einerlei.
Alle schmeißen Geld nach oben,
werden stets einander loben,
führen Dich am Nasenring,
dass es ihnen Stimmen bring.
Alles, wo Du gar nicht wusstest,
was Du wolltest, konntest, musstest,
ob Du’s weißt, ist auch egal.
Du hast keine Wahl.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CXLII)

18 05 2013

José befahl in Esposende
Tapete für die Innenwände.
Die jedoch sind schiefe,
und dass dies glatt liefe,
das legt er nun in fremde Hände.

Mulele, der wettet in Kikwit,
da dort manches Pferd um den Sieg ritt.
Sein Sohn gleichfalls wettet,
er meinte, er rettet
die Quote. Er dachte, die stieg mit.

Belmiro in Ponte de Sor
schleppt ab man den Wagen. Er schwor,
die Parkwächter fanden
dort keinen Hydranten.
Er parkte ja schließlich davor.

Alberto, der trank in Farnese
viel Wein, denn es war Zeit zur Lese.
Er dachte, der Keller
füllt sich um so schneller,
ist er einmal leer. Welche These!

Afonso, der in Ermesinde
der Klempner ist, dreht am Gewinde.
Er guckt recht verdrießlich,
doch dies weicht nun schließlich.
Es tröpfelt. Doch eher gelinde.

Es trauert Coffi in Comé,
man stahl ihm das Geld. Das tat weh.
Dann fand man die Reste.
Er sprach drauf aufs Beste:
„Meins war ein volles Portemonnaie.“

Erschöpft war Susana in Fafe,
sie sagt, selten sei’s, dass sie schlafe.
Man sagt, grauslich liegt’s da;
die Nachtzeit verfliegt ja
beim Strichlistenführen der Schafe.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CXCVI): Umzüge

17 05 2013
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es fing an mit der bröckelnden Decke, die große Teile der Eigentumshöhle unter sich zu begraben drohte. Die Wurzeln des Dachgeschossbaums bohrten sich unangenehm durch den Kronleuchter, die postdiluviale Vertäfelung warf erhebliche Blasen, der Grundstückspreis sank auf einen Feuerstein pro Quadratmeter. Jetzt war guter Rat teuer. Eine Zweitfeuerstelle leasen, um die Säbelzahntigerbrühe ohne Plafondgeriesel zuzubereiten? Das Penthouse erfinden? Die kluge Hominidin hatte einen Rat von bleibendem Wert. Sie empfahl den Standortwechsel in das Felsensemble schräg gegenüber (Abendsonne, Fließwasser hinter dem Busch, Feuerstelle auf ebenerdiger Terrasse). Geboren ward die Geißel des sesshaften Menschen, der Umzug.

Wer würde freiwillig sein Biotop verlassen? Als Zierfisch auf dem Flokati überwintern? Opfer zu kleiner Balkone sein, da man zufällig eine Kuh ist? Ein Radieschen in der Tiefgarage? Der Mensch als solcher ist den Gegebenheiten unterworfen, fügt sich den Forderungen, die er aus Jobwechsel, Eheschließung und dem Ende entscheidender Lebensabschnitte wie Kindheit, Hochschulbesuch oder Bewährungsfrist schöpft, und wechselt sein persönliches Umfeld. Manchmal foppt ihn die Gewohnheit, er läuft westwärts zum Bäcker, obzwar er in der neuen Bleibe ostwärts zum Büro müsste. Neue Behausungen erzeugen ein neues, nicht immer mit der Wirklichkeit kompatibles Bewusstsein.

Der Abschied aus dem Loch mit Kochnische vollzieht sich meist in den fünf Stufen, die auch den Übergang zwischen gesellschaftlicher Unverträglichkeit und biologischem Abbau markieren. Nichtwahrhabenwollen und Isolierung: der Delinquent hadert mit der Kündigung, er wäre so gerne noch in diesem Plattenbau geblieben, auch ohne Heizung, auch mit gesprungenen Fenstern. Er flieht sein Gehäuse und wird vornehmlich in den Schnapsläden des Quartiers gesichtet. Zorn: diese verdammte Garderobe passt nicht in den Flur der neuen Wohnung, weil man dann die Tür nur noch halb öffnen kann. Außerdem hat der Makler den Behämmerten übers Ohr gehauen, die flüsterleise Dunstabzugshaube ist in Wahrheit Vollschrott. Verhandeln: das mit dem Kabelanschluss ist schon okay, dann spart der Bescheuerte die Kohle eben beim Warmwasser wieder ein. Nur noch einmal pro Woche waschen, nur noch einmal pro Monat duschen. Und ein Job muss auch her. Depression: ohne zwölf Meter Schlagerplatten wird das Leben eine Qual sein, die sich grausam lange dem Ende entgegenschwiemelt, und wer konnte schon ahnen, dass ein Neubau statisch nicht einmal für einen Konzertflügel ausgerichtet ist. Der Blick auf die Alpen wird auf Mallorca nie wieder derselbe sein. Und die Gartenzwerge gehen ganz sicher verloren. Akzeptanz: unmittelbar nach dem Klingeln der Möbelpacker wird klar, dass die Sache nicht mehr zu ändern ist. Wobei die Möbelpacker optional sind.

Der durchschnittliche Bekloppte betreibt natürlich die Zwangsverpflichtung sämtlicher seit Sandkastentagen bekannten Opfer im Bekannten-, Familien- und Kollegenkreis, gerne schreibt er ausgewanderte Mitschüler an oder überzeugt in der Fußgängerzone durchreisende Panflötenspieler von der Notwendigkeit, seine Habe in Pappkuben vom dritten in den fünften Stock zu schleppen, ohne Fahrstuhl, aber mit zwei Urstromtälern dazwischen. Gerne übertreibt es der Projektmanager, indem er eine Hundertschaft rekrutiert, die beim Verlasten einer möblierten Wohnküche größtenteils das Treppenhaus verstopft und die Arbeitszeit um das Dreifache verlängert. Profis hätten in dieser Zeit den Louvre entkernt, das Bernsteinzimmer im Lager aufgespürt und nach Peru expediert.

Aischyleische Ausmaße nimmt der Akt der Trennung ein. Wie ohne eine der siebzehn Socken, die ohne Gegenpart, wie ohne die Fotoalben, wie ohne Fußballsammelbilder, Nippes und die gelben Eierbecher aus dem Bulgarienurlaub 1974 in die Doppelhaushälfte ziehen? Wie wird es sich anfühlen, die Bücherkartons zu öffnen in der festen Annahme, irgendwo doch noch das lang gesuchte Zweitexemplar der Broschüre Originelle Geschenke aus Pfeifenreinigern zu finden? Kann man das hornhautfarbene Teeservice von Tante Irmintrud en bloc fallen lassen oder muss man einen Transportschaden simulieren? In der neuen Bude gibt es sowieso jede Menge Stress, die Steckdosen sind weltfremd angebracht und die Kippfenster nur mit Brachialgewalt zu öffnen, die Nachbarn betreiben eine Nashornzucht, aus dem Ho riecht es nach Gebrauchtbier und die Tür lässt sich nicht einmal öffnen, wenn die Garderobe nicht im Flur hängt. Nachts rumpelt der Beknackte drei Monate lang in Schrankwände und Glastüren, bolzt gegen Tischecken und knickt sich Zehen an den dazu angebrachten Türschwellen. Die neue Bleibe ist Vertreibungsbetreuung. Aber der Umgezogene redet sie sich schön, weil sie eine neue Existenz ermöglicht. Vielleicht sogar die endgültige.

Vermutlich hofft er, nach dieser Inkarnation dasselbe vorzufinden: eine bleibende Statt, die in sich das Nötige birgt, ein sorgenfreies Refugium, wo der Bekloppte nachts raus kann, ohne sich Muster in die Birne zu rammen, ein süßes Heim für die mühselig Beladenen. Und dass dieses dämliche Pfeifenreinigerheft wieder da ist. Wofür sonst hat man Metaphysik.





Hurra, hurra, die Schule brennt!

16 05 2013

„… dass mehrere Tausend Lehrkräfte in den Sommerferien ALG I oder bei zu geringen Ansprüchen ALG II beantragen müssten, da sie bis zum folgenden Schuljahr gekündigt…“

„… könne die Kritik nicht nachvollziehen. In den USA, so Merkel, sei es üblich, Lehrer in den Sommerferien nicht zu bezahlen. Sie habe jedoch nicht festgestellt, dass das Bildungsniveau der Amerikaner in den vergangenen Jahren erheblich niedriger…“

„… geschehe die Befristung nicht zu Lasten der Kinder. Diese bekämen regelmäßig neue…“

„… lediglich eine Angleichung an die Arbeitsverhältnisse in der freien Wirtschaft. Die Kultusministerkonferenz sehe nicht ein, warum sich Industriebetriebe ihren Lohn aufstocken lassen könnten, während öffentliche Einrichtungen…“

„… für mehr Spaß bei der Arbeit. Seehofer habe den Lehrkräften empfohlen, sich zum Ausgleich als Erntehelfer…“

„… dass die entlassenen Lehrer keinesfalls einen Anspruch auf Anschlussverwendung im Schuldienst hätten. Rösler habe sich selbst gelobt für die großartige Idee, damit die Lehrerschwemme mittelfristig auf ein Mindestmaß…“

„… keinen Anlass zur Besorgnis. Durchgängige Befristung im Schuldienst sei vielmehr ein Zeichen steigender Wertschätzung, da die Lehrer es auf das Niveau ihrer universitären Kollegen…“

„… habe von der Leyen festgestellt, dass Lehrkräfte, die ALG II bezögen, eine Steigerung des geistigen Niveaus unter den Arbeitslosen…“

„… da angestellte Lehrer 30% weniger als ihre verbeamteten Kollegen verdienten. Als sozialverträglichen Kompromiss habe IM Friedrich vorgeschlagen, die Beamtenbezüge auf 70% zu…“

„… keine arbeitsrechtlichen Probleme, da die entlassenen Lehrer ihren Urlaubsanspruch freiwillig auf die Zeit nach ihrer Kündigung…“

„… aus Gründen der Solidarität dringend geboten, angestellte Lehrer weiter in die Arbeitslosenversicherung einzahlen zu lassen, wenngleich sie daraus keinerlei…“

„… dass Lehrer oft nicht gleich wieder eingestellt würden. Alt rechtfertige dies mit einem gesunden Misstrauen gegenüber Arbeitslosen, da diese sicher nicht grundlos ohne Beschäftigung…“

„… keine negativen Sanktionen seitens der JobCenter zu gewärtigen. Diplompädagogen bekämen in der Regel ohnehin keine Jobangebote, da sie für eine richtige Arbeit keinerlei…“

„… gerade für die gesellschaftspolitische Früherziehung von unschätzbarem Wert. Wanka sehe einen abschreckenden Effekt darin, Schüler der Primarstufe mit der Erwerbslosigkeit zu…“

„… für eine viel flexiblere Qualifizierung im Lehrerberuf. Pädagogen sollten jetzt nicht mehr nur in ihren klassischen Tätigkeitsfeldern eingesetzt werden, zumal ihnen dort Konkurrenz durch professionelle Taxi- und Pizzafahrer…“

„… zu prüfen, ob Lehrer in Hartz IV nicht einen Anspruch auf das Bildungspaket…“

„… man die Lehrer bereits während der Frühjahrsferien freistellen würde, hätten sie viel mehr Zeit, sich um ihre Bewerbungen zu…“

„… noch nicht ausgereift. Rösler sei jedoch für freiberufliche Lehrer, die stundenweise…“

„… dass durch erhöhte Verwaltungskosten die Verlagerung der Lehrerbezüge in die Sozialbürokratie erheblich teurer würden. Merkel habe betont, dies geschehe absichtlich, um zu demonstrieren, dass ihre Regierung für die Bildung weder Kosten noch Mühe…“

„… die Unterrichtsausfälle im Winterhalbjahr leicht zu erklären seien, da noch zahlreiche Einstellungsgespräche geführt werden müssten. Das hessische Kultusministerium lehne es weiterhin ab, unbesehen irgendwelche dahergelaufenen Arbeitslosen in den Schuldienst…“

„… mehr Eigenleistung von den Pädagogen erwarten könne. Um den Anspruch auf einen Betreuungsplatz einlösen zu können, schlage Schröder vor, alle Lehrer jeweils für zwei bis drei Jahre zur Umschulung als…“

„… sich dafür ausgesprochen habe, den Arbeitslosen die 10 Euro aus dem Bildungspaket vom Regelsatz abzuziehen. Es dürfe nicht sein, so Westerwelle, dass jemand, der gerade nicht arbeite, mehr habe als…“

„… obwohl die von den Liberalen bevorzugte Lösung der freiberuflichen Mietlehrer auch den punktuellen Stundenausfall zu bewältigen…“

„… hätten Spitzenfunktionäre der GEW bei der zufälligen Lektüre der Tagespresse erfahren, dass es in Deutschland immer mehr Zeitarbeit…“

„… sei von der Leyen der Ansicht, man könne die zu Erziehern weitergebildeten Lehrkräfte künftig auch in Drogeriemärkten…“

„… Zeitarbeitsverträge zu schließen. So sei es im Rahmen von Werkverträgen möglich, Lehrkräfte zwischen Herbst- und Weihnachtsferien in einem beliebigen, kurzfristig zu bestimmenden Fach (außer Religion und Sport) an Gymnasien und…“

„… vermehrt zu Härtefällen geführt, da sich entlassene Lehrer vereinzelt nicht mehr auf ihre eigenen Stellen beworben hätten. Der Freistaat prüfe, ob er Schadenersatzansprüche gegen die…“

„… sich vereinzelt Ex-Lehrer als Kandidaten für die Landtagswahl aufstellen ließen. Seehofer habe diese als Schmarotzer bezeichnet, da sie ohne jede Arbeitsleistung darauf aus seien, eine staatliche Unterstützung zu…“





Parademarsch

15 05 2013

„Das geht gar nicht. Das ist unmöglich!“ „Was stört Sie denn an dem Vorschlag?“ „Können Sie sich das vorstellen? Deutschland ohne Armee?“ „Wieso, bis jetzt hatten wir doch auch bloß die Bundeswehr.“

„Jetzt bleiben Sie doch mal realistisch, man kann die Bundeswehr nicht einfach so abschaffen.“ „Hat auch keiner gefordert.“ „Das Ende der Wehrpflicht war doch schon ein Schritt in diese Richtung.“ „Wäre Ihnen eine Privatisierung mit zurückgeleasten Panzern lieber gewesen?“ „Groß ist der Unterschied jedenfalls nicht mehr.“ „Seien Sie doch froh, keiner braucht heute mehr eine Armee für Angriffskriege.“ „Die Bundeswehr war sowieso immer eine Armee zur Verteidigung.“ „Für Rohstoffe.“ „Was unterstellen Sie denen?“ „Der Bundeswehr? Nichts, die handeln doch sowieso nur auf Befehl.“

„Jetzt stellen Sie sich mal so eine Zivilarmee vor – scheußlich! Allein der Gedanke daran!“ „Was stört Sie denn nun wirklich?“ „Stellen Sie sich das doch mal vor, keine Uniformen mehr.“ „Wer hat denn gesagt, dass wir die Uniformen abschaffen?“ „Ach, ich dachte, wenn die nicht mehr…“ „Dann können die doch weiter Uniform tragen. Wird doch preiswerter, wenn alle dieselbe Dienstkleidung anhaben. Außerdem findet man sie dann schneller.“ „Und was machen die dann?“ „Was Soldaten eben machen. Auf fremde Leute schießen, Vaterland verteidigen, so Sachen halt.“ „Wie soll das denn gehen? Sie wollen doch die alle zurückholen aus Afghanistan, und für die anderen Einsätze möchten Sie doch auch nicht, dass da noch einer ausrückt.“ „Ja und? Das lässt sich heute doch alles viel flexibler gestalten. Sagt doch unser Minister auch.“ „Was sagt de Maizière?“ „Dass die Zukunft der Truppe in den nicht bemannten Flugkörpern liegt.“ „Die Bundeswehr wird eine Drohnenarmee?“ „Nein, das wäre zu wenig. Aber die Dinger helfen uns, endlich wieder ein attraktiver Arbeitgeber zu werden.“

„Wie stellen Sie sich das vor? Dienst an der Waffe ist jetzt Dienst am Schreibtisch? Wird der Krieg jetzt nur noch in der Kaserne geführt?“ „Keineswegs.“ „Gut, dann bin ich ja beruhigt, ich hatte schon gefürchtet, dass…“ „Die Steuerung lässt sich inzwischen viel leichter übers Internet erledigen.“ „Wie bitte!?“ „Sie haben richtig gehört. Wir verlegen die Arbeitsplätze kostengünstig zu den Truppenangehörigen.“ „Was ist denn das für eine bescheuerte Idee?“ „Homeoffice Security, wenn Sie so wollen.“ „Wer hat sich diesen Mist ausgedacht?“ „Jetzt regen Sie sich doch nicht künstlich auf, das ist in jeder Hinsicht eine der besten Entwicklungen für die Bundeswehr.“ „Weil Sie jetzt Ballerspiele statt einer vernünftigen Verteidigungsarmee in die internationalen Konflikte schicken.“ „Unsinn. Außerdem erhöhen wir mit Heimarbeit die Frauenquote. Das schaffen die DAX-Konzerne nie in dem Tempo.“ „Was reden Sie da überhaupt? Machen Sie sich etwa über unsere tapferen Soldaten in den Krisengebieten lustig!?“ „Jetzt nässen Sie sich mal nicht ein.“ „Ich verbitte mir das, Sie Vaterlandsverräter!“ „Aber sonst alles in Ordnung, Alterchen? Das machen wir doch, um Deutschlands Wehrkraft aufrechtzuerhalten.“ „Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?“ „Als führende Exportnation können wir es uns nicht leisten, Schwäche zu zeigen. Arbeitsplätze! De Maizière denkt eben noch an die Schleckerfrauen, die von der Leyen nicht in die Kitas geröslert kriegt.“

„Sie wollen mir jetzt also weismachen, dass die Truppe künftig aus Fernlenkerbataillonen besteht.“ „Ach wo, so ein bisschen Luftwaffe müssen wir ja auch noch machen.“ „Falls die Bundeskanzlerin auf Staatsbesuch ist?“ „In erster Linie, damit Westerwelles Geschäftsfreunde nicht auf eigene Kosten zur Arbeit fliegen müssen. Aber das läuft so nebenher. Wie die protokollarischen Aufgaben. Und was halten Sie eigentlich von einer Palastwache?“ „Sie meinen Bundeswehrsoldaten, die vor dem Reichstag im Stechschritt marschieren? Das ist echt widerwärtig, wir sind hier nicht in Nordkorea!“ „Haben Sie noch alle Latten am Zaun? Natürlich als Ehrenformation vor Schloss Bellevue.“

„Und sonst?“ „Parademarsch.“ „Wollen Sie die Truppe jetzt zur Eventagentur degradieren?“ „Wer sagt denn das? Schließlich haben wir immer noch das Musikkorps.“ „Sie wollen, dass sie die ganze Zeit Blasmusik spielen? Das hält man ja im Kopf nicht aus!“ „Jetzt machen Sie mal nicht so eine Welle, das erhöht schließlich die allgemeine Akzeptanz bei der Bevölkerung.“ „Sie meinen, ab sofort marschiert die Bundeswehr den ganzen Tag lang durch die Republik und spielt flotte Weisen?“ „Warum nicht?“ „Entschuldigung, aber das ist ja vollkommen bescheuert!“ „Was stört Sie denn daran? Auf die Art sehen die Leute wenigstens mal den Wehretat bei der Arbeit. Mit den Flugobjekten, die die Regierung sonst von den Amis kauft, klappt das ja nicht immer so reibungslos.“ „Soll das eine reine PR-Maßnahme werden?“ „Was hatten Sie denn gedacht? Akustische Kriegführung?“ „Hören Sie mit den blöden Scherzen auf, ich frage mich nur gerade, was das mit den Kernaufgaben einer Armee zu tun haben soll.“ „Repräsentation. Und damit es ab und zu etwas nach Schießpulver riecht, dürfen sie Smoke on the Water tröten, wenn die Kanzlerin mal wieder uneingeschränktes Vertrauen in einen unwissenschaftlichen Mitarbeiter gehabt hat.“ „Und wie soll das Ganze heißen?“ „Na wie wohl. Pipes and Drones.“

„Das kriegen Sie nie durch.“ „Meinen Sie?“ „Niemals kriegen Sie das durch.“ „Ach, da wäre ich mir mal nicht zu sicher. Wir haben da schon einen guten Plan.“ „Sie wollen es der Regierung als alternativlos verkaufen oder als Sparplan oder als, hier, Dings – Aufschwung?“ „Ach was, viel besser. Wir sagen ihnen einfach, ab jetzt macht die Bundeswehr routinemäßig Einsätze im Innern.“





Leben am Limit

14 05 2013

„… sich der SPD-Vorsitzende Gabriel für ein generelles Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde auf Bundesautobahnen ausgesprochen. Er erhoffe sich dadurch eine Versachlichung der Debatte um den…“

„… bereits sehr schwierig, da Gabriel den Kanzlerkandidaten auf 180 gebracht habe, so dass eine gemeinsame Lösung…“

„… müsste nach Ramsauers Ansicht erst der Zustand der Straßen und Brücken verbessert werden. Danach könne man andere Unfallursachen beseitigen, jedoch erst ab…“

„… ablehnende Haltung der FDP. Geschwindigkeitsbeschränkungen führten, wie man an Österreich, Italien und Finnland sehen könnte, direkt in eine stalinistische…“

„… sei eine Debatte um das Tempolimit zwar grundsätzlich eine richtige Idee, Gabriel werde sich aber nicht durchsetzen können, dadurch die Agenda 2010 ganz aus dem Wahlkampf heraushalten zu…“

„… ob Gabriel sich möglicherweise nur falsch ausgedrückt habe. Es sei nicht auszuschließen, dass er eine Entschleunigung für Lohnerhöhungen…“

„… sehe der ADAC keine höheren Unfallzahlen in anderen EU-Ländern, die bereits über eine Tempobegrenzung verfügten. Im Umkehrschluss werde nach Expertise des Autoclubs ein Limit zu sprunghaft ansteigenden…“

„… könne ein Tempolimit auch wichtige gesellschaftliche Diskussionen anstoßen, beispielsweise die Verlagerung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs auf Busse und…“

„… habe Gabriel auch deshalb den Vorschlag gemacht, um das bürgernahe Profil des Kandidaten Steinrück nachhaltiger in der Öffentlichkeit…“

„… sei die SPD auch für die Autoindustrie ein jederzeit zuverlässiger Partner, der auf keinen Fall gegen die Interessen der Werktätigen…“

„… dass unter dem aktuellen Spardiktat ohnehin nur deutsche Autos exportiert würden, die eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h…“

„… dass Gabriel eventuell eine unglückliche Wortwahl benutzt habe. Es sei denkbar, dass er eine verstärkte Schuldenbremse…“

„… habe Sarrazin anhand einer privaten Genanalyse herausgefunden, dass der Führer die Autobahnen für Spitzengeschwindigkeiten von…“

„… dass ein Tempolimit nur dann sinnvoll sei, wenn durch zusätzliche Kontrollen ein Mehr an Bußgeldern den Haushalt…“

„… betone Steinbrück außerdem, unter seiner Kanzlerschaft werde auch die untere Mittelschicht ungehindert mit ihren Ferraris auf den…“

„… habe die Leitung der Kampagne bestätigt, neben einer Designprofessorin und einem demnächst nicht mehr zur Gewerkschaft gehörenden Gewerkschafter gebe es keinen kompetenten Ansprechpartner im Kompetenzteam, der für den deutschen Straßenverkehr…“

„… da die deutschen Autos bereits jetzt die sichersten der Welt seien. Die AfD fordere daher den schrittweisen Ausstieg aller ausländischen Autobauer aus dem deutschen Straßenverkehr, um die Kosten nicht einseitig auf den Staat…“

„… sich die SPD spontan entschlossen habe, den ungeliebten Slogan Das Wir entscheidet durch die Formulierung Leben am Limit zu…“

„… gebe es bereits die ersten Gespräche zwischen SPD und Deutscher Telekom AG, ob eine gemeinsame nationale Drosselung nicht als…“

„… habe Gabriel ursprünglich vorgehabt, den deutschen Verkehrsablauf zu verbessern, damit alle Arbeitssuchenden morgens noch schneller bei den JobCentern…“

„… nach Berechnungen des ADAC zu einer längeren Straßenverweildauer führen, die zwangsläufig zur Einführung und der gleichzeitigen Erhöhung der Autobahnmaut…“

„… empfehle Steinbrück, das Tempolimit durch die Anpassung der Richtgeschwindigkeit auf 200 km/h zu ersetzen. Durch den beschleunigten Fließverkehr verteile sich die Schadstoffbelastung erheblich schneller als…“

„… in den Landesverbänden bereits positiv aufgenommen worden. So werde der Hauptstadtflughafen bereits mit verminderter Geschwindigkeit…“

„… würde ein Tempolimit keine positiven Effekte aussenden. Man sehe bereits am Reformstau, je schneller sich eine Gesellschaft fortbewege, desto weniger beschäftige sie sich mit den Konsequenzen des…“

„… habe Grube empfohlen, das Problem eher strukturell zu lösen. Schon der Einbau einer Klimaanlage in alle deutschen Autos könne in den Sommermonaten zu erheblichen Verzögerungen…“

„… verteile sich durch Vollgas auch der Verkehrslärm, was in den Innenstädten noch immer nicht befriedigend gelöst…“

„… sorge ein Tempolimit zwar für mehr Sicherheit m Straßenverkehr, gleichzeitig aber für einen Arbeitsplatzabbau in der Sicherheitsbranche, die nicht mehr genügend…“

„… die Zahl der Unfalltoten ohnehin rückläufig seien. Gerade im Hinblick auf das deutsche Bestattungswesen wolle die Sozialdemokratie eine nachhaltige…“

„… drohe ein Teil der Sportwagenfahrer zum Rasen ins Ausland zu fahren, was erhebliche Mindereinnahmen an Mineralölsteuern…“

„… dass Gabriel beim Zurückrudern eine Geschwindigkeitsüberschreitung…“





Gottvertrauen

13 05 2013

„Warum wir Sie dafür ausgesucht haben? Sie seien schließlich der Innenminister? Das ist es ja auch. Religion wird in diesem Land immer noch als Teil der Kultur verstanden, und Sie sind schließlich der Innenminister. Warum wir diese Konferenz einberufen haben? Was weiß ich, mit wem sollen wir denn übers Christentum in Deutschland reden? Etwa mit den Gemeinden?

Vergessen Sie das mal ganz schnell wieder. Man redet über eine Religion, aber doch nicht mit deren Angehörigen. Wäre ja noch schöner. Was haben Sie eigentlich bisher gemacht? Den Sicherheitsbeamten beim Regieren zugesehen?

Das mit der Gleichstellung macht doch auch erst Spaß, wenn man es konsequent zu Ende führt. Wir brauchen diese Christentumskonferenz einfach. Und kommen Sie mir nicht mit Kirchentag – das ist eine selbst organisierte Veranstaltung religiöser Gruppen, die da nichts anderes predigen als ihre eigene Weltanschauung, das können wir nicht als Ersatz anerkennen. Politiker? Die Bundeskanzlerin? Ich bitte Sie, die schiebt doch ihre Tränensäcke bei jedem Schützenfest vorbei, das sie nicht rechtzeitig ausgeladen kriegt. Das ist kein Argument. Sie sind im Besitz der deutschen Leitkultur? Lassen Sie sich nicht in der Öffentlichkeit mit solchen Aussagen erwischen. Wie schnell wird man als Terrorist gehandelt.

Sie haben da doch diese Datei, in der alle drin sind, denen man bisher noch keine Straftaten nachweisen konnte, die Sie aber trotzdem für ganz gefährlich halten, weil Sie nicht wissen, warum? Und Sie wollten schon immer mal Gefährder in religiösen Netzwerken suchen? Das wäre jetzt Ihre Gelegenheit. Dann müssen wird endlich nicht mehr zusehen, wie die erzbischöflichen Ordinariate ihre pädophilen Angestellten von Diözese zu Diözese schieben. Und falls da einer Probleme mit dem Steuerrecht bekommt, können Sie auch ermitteln. Schnell und unbürokratisch.

Es geht uns wie gesagt um Integration. Man muss ja in dieser Gesellschaft alle Randgruppen mitnehmen, auch wenn es schwerfällt. Sehen Sie, die SPD hat das mit Sarrazin auch geschafft, da werden wir doch das Christentum irgendwie in der Gesellschaft verankert bekommen, oder? Sie haben da etwas nicht richtig verstanden. Das Christentum in der Gesellschaft. Nicht andersherum.

Natürlich haben wir uns genau ausgesucht, wen wir da einladen, Herr Innenminister. Wir wollen da Maßstäbe für die Integration setzen. So ähnlich wie Sie. Deshalb haben wir sämtliche Randgruppen eingeladen, Kreationisten, Antimodernisten, ein paar Piusbrüder, die Glaubenskongregation – das hieß mal Inquisition, aber was da auf dem Türschild steht, ist uns wurst – und die guten alten Exorzisten. Wir wollen ja durchaus integrieren, und das macht man nun mal am besten mit denen, bei denen man weiß, dass sie es bitter nötig haben. Wollen Sie mit einem lutherischen Dorfpastor über die Trennung von Staat und Kirche diskutieren? Na also. Außerdem sieht es im Fernsehen viel schöner aus, wenn da irgendwelche Knalltüten sich anschreien, wer mit wem wo Oblaten essen darf, ohne aus dem Verein rauszufliegen.

Nein, natürlich wollen wir Sie nicht auf ein paar katholische Hassseiten reduzieren oder auf diese Wirrköpfe, die regelmäßig fundamentalistische Protestmärsche machen, weil ihnen der Gesetzgeber ein Dorn im Auge ist. Das ist sicher auch nur eine verschwindend geringe Minderheit, die nicht in Ihrem Namen spricht. Die haben mit der religiösen Botschaft des Christentums nichts zu tun, sie instrumentalisieren eine nicht von der Mehrheit der Gläubigen getragene Anschauung für allgemein demokratiefeindliche Ziele und verüben regelmäßig Straftaten gegen ihre eigenen Leute – das ist nicht das Christentum, das wissen wir doch. Aber wir verfahren halt so, wie Sie das vorgemacht haben, wir schieben Ihnen die Schuld dafür in die Schuhe. Wenn das im Namen der christlichen Religion passiert, machen wir nicht die christliche Religion dafür verantwortlich, das wäre gegen die religiöse Toleranz; wir machen nur die dafür verantwortlich, die sich ebenfalls zum Christentum bekennen. Hilft nichts? Ja, kann sein. Ist aber immer so mit der Sicherheitspolitik. Wenn nicht mehr als doppelt so viel kaputtgeht wie vorher befürchtet, dann war es ein Erfolg.

Es geht nicht nur um den Religionsunterricht. In erster Linie geht es uns darum, dass Sie Ihre Finger aus den anderen Ausbildungsinhalten raushalten. Sie können ja gerne an die Arche Noah glauben und an diesen ganzen Krempel, aber lassen Sie uns Geschichte und Erdkunde ohne göttlichen Heilsplan unterrichten. Wir lassen Ihnen das Gottvertrauen. Sie lassen den Bürgern ihr Vertrauen in den Staat.

Doch, da haben Sie recht. Integration ist keine Einbahnstraße. Da muss von beiden Seiten etwas passieren. Sehr nett hat das ja damals dieser Herr Ratzinger gemacht. Und seine deutschen Bischöfe haben da auch ganz hübsch sekundiert, als sie behauptet haben, es könne ohne Christentum gar keine funktionsfähige Moral in diesem Staat geben. Das hätte man vielleicht ein bisschen weniger deutlich formulieren können, aber wir haben es kapiert. Integration ist keine Einbahnstraße. Das ist eine Sackgasse, in der man noch mal so richtig Gas gibt.

Sie mögen nicht? Schade. Wir haben alles versucht, Herr Innenminister. Vielleicht überdenken Sie unser Angebot, wenn wir demnächst die Parteien unter die Lupe nehmen.“





Du kommst hier nicht rein

12 05 2013

Zwei staatlich alimentierte Sicherheitsrisiken, IM Friedrich und die Aktenvernichtungsfachkraft de Maizière, saßen im Flugzeug, genauer: sie saßen im Flugzeug fest, da eine Grenzbeamtin am IAD ihren Dienst so ausübte, wie er in den Vorschriften vorgesehen war. Nämlich so korrekt, dass keine Gefährder ins Land einsickern. Worüber sich die beiden letztlich beschwert haben? Sie wurden behandelt, wie das an einem deutschen Flughafen die regierenden Sicherheitsbeamten eigentlich nur mit Ausländern aus fremden Kulturen zu tun haben. Waffenhändler immer ausgenommen. Alle anderen Berichte zur Gesinnungslage der Nation wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • spiraldauerwelle wickelanleitung: Selbstverständlich eckig.
  • „seife schnitzen“ + „pädagogische effekt“: Man lässt sich leichter den Mund damit auswaschen.
  • bill kaulitz in stöckelschuhe: Das würde den aktuellen Zustand vermutlich verbessern.
  • bauherrenmodell mombasa: Aus steuerbegünstigtem Bio-Lehm.
  • „göttlicher funken“ hegel: Marx hat das sicher auch so gesehen.
  • juristenball bremen 2013 photoshop: Haben die sich gegenseitig Doktorarbeiten gemalt?
  • anleitung achteckiges häkeldeckchen: Oder häkeln Sie einfach zwei viereckige übereinander.
  • würstchenhalter kaufen in düsseldorf: Das Modell Uli funktioniert auch mit Flasche leer.
  • damencatchen oben ohne: Mir wäre es lieber, Sie würden sich etwas anziehen, bevor Sie sich da reinsetzen.
  • einfach mal die messe halten: Wir sind Papst?
  • „biene maja“ and versicher or „nürnberger“: Immer noch auf Wurstsuche?
  • flammendolch bedeutung tattoo: Auf dem Hintern war noch eine Handbreit Platz.
  • spiele mit gummischürzen: Die nächste Wurstfabrikfrage wird ignoriert.
  • häkelanleitungen für taschen aus gelben müllsäcken: Funktioniert natürlich nur bei handgestricktem Polyurethan.
  • erotisierendes schnarchen: Falls Ihr Gatte 90 ist, Milliardär und herzkrank.
  • putz sporadisch rissdurchzogen: Warten Sie, bis die Risse sporadisch von Putz durchzogen sind.
  • „tag vor darmspiegelung“ alkohol: Wenn die Sprechstundenhilfe besoffen wird, war’s zu viel.
  • schokolade kakerlakenbeine: Gerne genommen werden ja auch Schnaken in Knickebein.
  • rösler arzt hypnose rauchentwöhnung: Bisher kennt man ihn nur von er Hirnentwöhnung.
  • beschreibe eine umweltweltkatastrophe: Dick.
  • drahthaardackel: Man fertigt Pudelbüsten aus ihnen.
  • gelbe pilzpartikel in komposterde: Hallimatsch.
  • dr. barry proktologe frankfurt-höchst beurteilung: Sie meinten eine Höchst-Beurteilung?
  • türstopper dachschräge: Man nennt das übrigens Fenster.
  • schundbüro: Oh, Sie wissen also, wo ich arbeite?
  • angelika misslang: Vermutlich Miss Angelika Lang.
  • maserini bayern: Haben die schon wieder einen italienischen Trainer?