Schurkentruppe

10 07 2013

„Ob wir den Krauts über den Weg trauen können?“ „Der Präsident sagt, die seien seine engsten Verbündeten.“ „Das sagt der doch jedem.“ „Und sie haben beim letzten Krieg nicht mitgemacht.“ „Dafür sind sie immer noch in Afghanistan.“ „Ich weiß nicht. Man wird einfach nicht schlau aus diesen Deutschen.“

„Was hat das zu bedeuten, dass sie uns schon wieder diesen Minister schicken?“ „Den wir beim letzten Mal gar nicht erst aus der Maschine rausgelassen hatten?“ „Er ist in dieser komischen Splitterpartei.“ „Da ist doch auch dieser Lackaffe?“ „Nein, das ist die andere. Es gibt zwei komische Parteien in dieser Regierung.“ „Das klingt alles recht unsicher.“ „Deshalb schicken sie uns ja auch den Minister, der für die ganze Unsicherheit verantwortlich ist.“ „Wie, sollen wir den gleich hierbehalten?“ „Kann ich nicht sagen. Die Kollegen hatten zwar ein offenes Ohr für die Regierung, aber die hat sich darüber nicht unterhalten.“ „Also will der Typ hier nur mal herumschnüffeln.“ „Moment mal! Mit welchem Recht?“ „Nein, falsch: er will, dass wir uns mal etwas beschnuppern.“ „Hat er nicht gesagt, dass er mit Spitzenbeamten Gespräche führen will?“ „Wegen der Ergebnisse, die der Regierungssprecher angekündigt hat, die dann aber erst nach dem Besuch kommen?“ „Das klingt alles sehr nach Vertuschung.“ „Aber nach mangelhafter Vertuschung.“ „Das wäre ja noch schlimmer.“

„Ist die politische Lage denn einigermaßen stabil?“ „Kann man nicht eindeutig sagen. In der Türkei gibt es immer mal wieder Unruhen, und so weit ist das nicht entfernt.“ „Diese Europäer machen einem immer Ärger, ich wusste es.“ „Wir hätten die Wiedervereinigung nicht so einfach machen dürfen.“ „Wirtschaftlich ist das Land aber ganz in Ordnung. Sie können sich mehr Flughäfen leisten, als gerade benutzt werden.“ „Ah, verstehe. Und Bahnhöfe?“ „Wie gesagt, die politische Stabilität: sie haben diese Frau da, und sie ist die Regierung.“ „Und die anderen Minister?“ „Die hat sie, damit es am Kabinettstisch nicht so leer aussieht.“ „Verstehe, das klingt nicht gerade nach demokratischen Zuständen.“ „Aber in den anderen Ländern ist es auch nicht so anders.“ „Mag sein. Der Punkt ist, dass wir es irgendwann einmal gegen sie verwenden können. Es gibt ja immer mehr als einen Zusammenhang.“

„Stimmt es, dass die ersten Deutschen gegen uns klagen?“ „Das muss man aushalten.“ „Stimmt, wir machen da auch nicht so ein Theater.“ „Was kostet in Deutschland eigentlich ein Richter?“ „Keine Ahnung, ich würde mir eher mal Gedanken um die Presse machen.“ „Haben die andere Preise?“ „Nein, aber die fragen so unangenehm.“ „Und was kann da die Regierung machen?“ „Nicht viel.“ „Aber die schreiben ja auch nur, was sie wissen.“ „Dann müsste man vielleicht eher da ansetzen.“ „Vorsicht, die sind gefährlich. Die haben in den letzten Jahren zwei Präsidenten weggekriegt.“ „Müssen wir unseren in Schutz nehmen?“ „Nein, die streiten sich im Augenblick auch nur mit der Regierung, ob jemand, der etwas hätte wissen können, auch etwas hätte wissen müssen.“ „Nicht eher umgekehrt?“ „Hängt von der Zeitung ab.“ „Oder von der Perspektive.“ „Wenigstens darin sind diese Deutschen gründlich: sie finden Probleme und tragen erstmal alle Kompetenzstreitigkeiten aus, bevor sie die Probleme zu lösen versuchen.“

„Diese Splitterpartei…“ „Die Bayern?“ „… ist die eigentlich – also wie ist denn die eigentlich?“ „Schwierig. Diese andere Splitterpartei hat sie mal als Gurkentruppe bezeichnet.“ „Schurkentruppe?“ „Oder so ähnlich.“ „Wieso Schurkentruppe?“ „Keine Ahnung, vielleicht haben sie Sympathien für den Terrorismus.“ „Das klingt verdächtig.“

„Wieso überhaupt Deutschland?“ „Sollen wir etwa Russland angreifen?“ „Moment, wer hat denn von Angreifen gesprochen?“ „War das Top Secret?“ „Nein, aber…“ „Ich habe sowieso nichts gehört.“ „Ich auch nicht.“ „Aber warum Deutschland?“ „Wenn wir Russland angreifen, haben wir ein Problem mit China.“ „Und Venezuela?“ „Wenn wir ein Problem mit Bolivien haben, dann haben auch ein Problem mit Ecuador.“ „Und warum dann Deutschland?“ „Einer muss schuld sein.“ „Aber deshalb kann man doch nicht die Stabilität einer ganzen Region in Kauf nehmen.“ „Haben Sie sich beim Irak auch so angestellt?“

„Immerhin können sie Leute einsperren.“ „Die Bayern?“ „Es gab da wohl so eine Art Prozess, aber das war ganz gut gemacht.“ „Nicht so gut wie Guantanamo.“ „Seien Sie nicht so streng mit ihnen, sie sind aus der Übung gekommen.“ „Wieso, war Bayern mal in der kommunistischen Zone?“ „Nein, aber in der demokratischen war es auch noch nie.“

„Was ist nur aus dem guten alten Deutschland geworden?“ „Sie meinen diese obrigkeitshörigen Pickelhauben?“ „Lassen Sie es mich so sagen: diese Deutschen haben das mit der Demokratie so gefährlich schnell gelernt, dass wir uns langsam mal etwas Neues ausdenken müssen.“ „Also vorerst kein Alarm?“ „Noch nicht.“ „Gut. Wir sagen den Deutschen also, was sie hören wollen.“ „Moment, das ist doch…“ „Die wollen aber nur hören, was sie eh schon wissen.“ „Sie meinen, die wissen schon, was sie hören werden.“ „Und wenn nicht?“ „Dann haben wir ihnen genug Drohnen geliefert, um welche bei ihnen suchen zu können.“


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4 responses

11 07 2013
George

Exzellent! Ach Herr bee, ich glaube ich will ein Kind von Ihnen.

11 07 2013
bee

Ich will nicht zu viel versprechen, aber ich wohne tatsächlich in Rufweite einer Kita. Irgendwelche Ausstattungswünsche? Haarfarbe? Gewicht? Sommersprossen?

11 07 2013
George

Intelligent, witzig, und mit angeborenem Twitter-Account.
Sitzheizung wäre natürlich genial, muß aber nicht…

11 07 2013
bee

Ich schaue mal, was sich machen lässt. Notfalls bin ich am Wochenende bei Ikea am Bällebad.

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