Give Peace a Chance

27 08 2013

„Nein!“ „Warum nicht?“ „Nein!“ „Das ist kein Grund. Sie müssen doch einen Grund haben, dass Sie…“ „Ich lasse mich nicht auf Diskussionen mit Ihnen ein. Wir reden hier von weitergehenden politischen Maßnahmen gegenüber Syrien, und die werden wir auch mit aller Konsequenz zur Durchführung kommen lassen. Aber mehr nicht!“

„Jetzt mal Spaß beiseite, Sie können doch einen solchen militärischen Eingriff…“ „Es handelt sich aber um keinen.“ „Warum nicht?“ „Es ist ja noch gar kein Militär da, außerdem: marschieren wir gerade ein?“ „Das ist doch nur eine Frage der Zeit.“ „Das sagen Sie! Wir wollen den Frieden in der Region so lange wie möglich sichern, deshalb lassen wir uns auf diese Sichtweise nicht ein.“ „Frieden!? Welchen Frieden wollen Sie denn da sichern? Da ist doch gar keiner!“ „Ach, und weil da der Frieden gerade ungesichert ist, kommen Sie mit militärischer Präsenz? Das ist eine ungerechtfertigte Handlungsweise, die zu Instabilität in der…“ „Also geben Sie zu, dass der Frieden brüchig ist und so bald wie möglich mit…“ „Ungerechtfertigt!“ „… militärischen Mitteln…“ „Absolut ungerechtfertigt! Sie bringen die Lage noch zum Explodieren!“

„Wir haben diese ganze Grütze ja schon seit Afghanistan durch, aber bitte.“ „Das können Sie gar nicht miteinander vergleichen.“ „Afghanistan war ein bewaffneter Einsatz.“ „Aber wir haben doch gar keine Waffen! Dies ist eine ganz normale Aktion, die die Stabilität der Auseinandersetzung um die politischen Auseinandersetzungen stabilisiert.“ „Manchmal habe ich den Eindruck, Sie glauben, was Sie da sagen.“ „Jedenfalls ist das etwas ganz anderes als Afghanistan.“ „Weil wir in Afghanistan eingefallen sind?“ „Weil es da keine Stabilität gab.“ „Verstehe. Der Stabilitätsanker ist ja Saudi-Arabien. Sagt zumindest unsere Bundesregierung.“ „Und?“ „Deshalb liefern wir da auch so viele Waffen hin.“ „Eben. Weil es da Stabilität zu stabilisieren gibt. Manchmal habe ich schon den Eindruck, Sie sind ein bisschen naiv.“

„Stellen Sie sich etwa im Ernst vor, Sie marschieren da unter Waffen ein und lösen einen Konflikt?“ „Das wäre dann ja ein bewaffneter Konflikt, und so weit wollen wir doch nicht gehen.“ „Was ist das denn sonst?“ „Ich will Ihnen schon etwas entgegenkommen: das ist, ich würde mal umgangssprachlich sagen, eine gewisse Spannung in der Region vorhanden.“ „Und das rechtfertigt keinen bewaffneten…“ „Ich würde es lieber als humanitären Einsatz bezeichnen.“ „Was ist daran humanitär?“ „Denken Sie mal an die vielen zivilen Opfer. Wir können doch die zivilen Opfer nicht einfach so schutzlos…“ „Wem denn?“ „Wir wissen es noch nicht genau, aber das wird sich schon noch zeigen. Sie müssen ein bisschen Vertrauen haben.“ „Und warum betonen Sie die zivilen Opfer so?“ „Ich bitte Sie – man kann doch angesichts einer derart ernsten Lage nichts Beschönigendes sagen. Das sind wir schon den zivilen Opfern schuldig.“ „Und wenn die nicht zivil wären?“ „Dann müsste man es nicht so betonen. Sie sehen, wir haben wieder einmal verdammtes Glück gehabt!“

„Ich gebe es auf.“ „Schon?“ „Ja, ich gebe es auf. Vermutlich werden Sie mir jetzt auch erzählen, dass Sie für Mädchenschulen nach Syrien wollten. Und zum Brunnenbohren.“ „Quatsch! Das ist ein sehr weit entwickeltes Land…“ „Wie bitte!?“ „… das nur ein paar Maßnahmen zur Stabilisierung der Demokratie braucht.“ „Haben Sie jetzt vollkommen den Verstand verloren? Demokratie gibt es doch so gut wie überhaupt nicht in Syrien!“ „Deshalb müssen wir da auch so schnell wie möglich eine geopolitisch kluge Entscheidung vor Ort fällen, die uns eine auf die Erfordernisse von Staat und Gesellschaft abgestimmte Operationsweise ermöglicht.“ „Und dass wir den Einsatz von Massenvernichtungswaffen damit verharmlosen, das fällt Ihnen gar nicht ein?“ „Wir setzen eben in Bezug auf internationale Partnerschaftsverstärkung gerne auf durchgreifende Modelle, die bei der jeweiligen Bevölkerung eine nachhaltige Resonanz erzeugen.“ „Also ein Eingreifen mit Waffengewalt gegen die Regierung.“ „Das haben Sie gesagt.“ „Was ist es denn anderes?“ „Ein im Interesse der Staatengemeinschaft robust gestaltetes Mandat zur Befriedung der unplanmäßig verlaufenden innenpolitischen Steuerungsverläufe.“ „Meine Güte, Sie haben wohl die Kanzlerin gefressen!“ „Das Eingreifen an der Seite unserer Verbündeten ist alternativlos, deshalb müssen alle notwendigen Mittel auch mit effektiver Abwehr gekoppelt sein. Ich will dabei nicht verhehlen, dass wir jenseits der roten Linie, wo wir uns heute befinden, durchaus eine massive Warnung als ersten Schritt gegen die Regierung durchführen könnten.“ „Und das heißt?“ „Wir könnten beispielsweise bei einer präventiven Auseinandersetzung Kollateralschäden taktisch miteinbeziehen.“ „Kollateralschäden? Taktisch!?“ „Wir warnen die syrische Regierung jedenfalls, dass dadurch die Wahrscheinlichkeit ziviler Opfer erheblich steigen könnte.“ „Aber… aber…“

„Jetzt gucken Sie nicht so. Das wird eine ganz einfache Sache.“ „Ein einfacher Militärschlag.“ „Sie werden sehen, wir senken nachhaltig das Potenzial für einen bewaffneten Angriff im Innern, und dann haben wir höchstens kürzere Gefechte zur Verteidigung unserer Interessen.“ „Jaja.“ „Und die internationale Gemeinschaft wird die Entspannung am Konfliktherd erreichen.“ „Ach was.“ „Und es wird eine gute Zusammenarbeit mit der Bevölkerung geben.“ „Und dicke Aufträge für die deutsche Waffenindustrie.“ „Hör mal, Sportsfreund – Krieg!?“


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2 responses

27 08 2013
Erbloggtes

Zur Finanzierung dieses Blogs empfehle ich, in der Randspalte lebensgroße Puppen der auftretenden Typen zum Verkauf anzubieten. Robuste Verarbeitung, griffiger Hals, Produktbezeichnung am besten Schüttelpuppen. Vielleicht auch zusätzlich mit Sand befüllbar, für den anspruchsvollen und/oder kräftigen Konsumenten.
Das würde einem zentralen Leserbedürfnis sicherlich sehr entgegenkommen.

27 08 2013
bee

Was den Westerwelle angeht, der wurde bereits jetzt aus dem Verkehr gezogen. Der Stock im Arsch ist das kleinere Problem, aber das Gewinde vom Hohlkopf war eine glatte Fehlkonstruktion. Ständig umgeknickt. Chinesische Kinderarbeit für Aktionäre halt.

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