The show must go on

2 09 2013

„Also eine reine Panel-Show.“ „Oder so mit Fragen. Ich mag Fragen.“ „Nee, zu kompliziert.“ „Finde ich jetzt nicht. Wir müssen doch dem Zuschauer auch etwas bieten.“ „Aber wir können sie ja auch nicht überfordern.“ „Wieso überfordern? Das wird eine ganz lustige Sendung, lauter coole Leute, tolle Deko, und wir haben da noch diese Titelmusik, die muss auch weg.“ „Die hört sich scheiße an.“ „Na und? für die Bundestagswahl langt das.“

„Wer hat sich das denn ausgedacht?“ „Die Wahl?“ „Quatsch, diese Show hier natürlich.“ „Kam wohl von ganz oben.“ „Weil hier auch stand, dass das familientauglich sein soll.“ „Ist Politik denn nicht familientauglich?“ „Abgesehen von der Familienpolitik schon.“ „Jetzt bleiben Sie bitte mal sachlich.“ „Und was soll diese Sendung erreichen?“ „Es soll sich um die Wahl drehen.“ „Was genau?“ „Steht hier nicht.“ „Also geht es jetzt um die Wahlprogramme und die Kandidaten, oder ist das einfach nur so eine Sendung, wo sie alle sagen, dass mal wieder gewählt wird?“ „Steht hier doch nicht!“ „Oder kann man da auch eigene Fragen stellen? Als Zuschauer?“ „Ich mag Fragen!“ „Verdammt, das steht hier doch alles nicht!“ „Und warum sollen wir diese dämliche Sendung dann überhaupt machen?“ „Weil das hier steht.“

„Ich sage ja: Frank Plasberg.“ „Oder Stefan Raab.“ „Oder Frank Plasberg und Stefan Raab.“ „Und dann nicht mit Markus Lanz?“ „Was wollen Sie denn mit dem? Der ist doch völlig ungeeignet.“ „Weil der Italiener ist?“ „Nee, für eine Sendung mit nachvollziehbarem Inhalt.“ „Ach so.“ „Aber für die jungen Leute wäre das doch vielleicht ganz gut.“ „Damit sie wenigstens ein Gesicht kennen?“ „Eher vom Wegsehen.“ „Wer macht denn sonst immer diese Sendungen?“ „Der von der Forschungsgruppe Wahlen.“ „Nee, die kommen doch immer erst, wenn alles zu spät ist.“ „Und diesmal?“ „Das soll doch so eine Präventivsendung sein.“ „Damit man nicht wählen geht?“ „Gut jetzt!“

„Und für die Analyse?“ „Solange die USA Syrien noch nicht angegriffen haben, geht Peter Scholl-Latour.“ „Das ist der, der den Islam erfunden hat?“ „Lieber Guido Knopp.“ „Der kennt sich mit Krieg aus?“ „Nee, bei dem wirkt das nicht mehr wie Politik.“ „Interessant, dann haben wir ja auch einen für die jungen Leute.“

„Man müsste den Zuschauern aber auch mal zeigen, wie so eine Bundestagswahl funktioniert.“ „Was wollen Sie da denn groß zeigen? Da macht man sein Kreuzchen, dann zählen sie das aus, dann haben alle gewonnen und zum Schluss…“ „Da, fängt schon an!“ „Fängt was an?“ „Kreuzchen!“ „Was machen Sie denn? Malen Sie da Männerchen auf den Zettel?“ „Kreuzchen – zwei!“ „Ja sicher, ich mache auch zwei. Jeder macht zwei.“ „Ich mache drei, wenn’s endlich vorbei ist.“ „Könnten wir das nicht mal erklären?“ „Die Kreuzchen? Ist halt einfacher zum Auszählen.“ „Nein, mit den zwei. Erststimme und Zweitstimme.“ „Das machen dann aber Sie!“ „Ach was, der Herr Kollege ist da nicht ausreichend gebildet?“ „Reden Sie doch keinen Unsinn, natürlich habe ich Ahnung! Das ist doch wohl die Höhe!“ „Dann erzählen Sie doch mal, wofür die Zweitstimme da ist.“ „Ja also, die ist, wenn man noch eine andere Partei – die kriegt dann die zweite, und dann regieren die nicht…“ „Mit anderen Worten, Sie wissen es auch nicht!“ „Warten Sie doch mal ab, was er sagt. Vielleicht wird’s ja doch noch interessant.“ „Ich verbitte mir diese Bemerkungen!“ „Lassen wir das doch Mutter Beimer erklären. Oder Ranga Yogeshwar.“ „Bei Mutter Beimer dauert das doch ewig.“ „Bei Ranga Yogeshwar braucht man aber Abitur, um die Erklärung zu kapieren.“ „Stimmt auch wieder.“ „Also doch Guido Knopp?“ „Sie meinen, Abitur stört bei dem nur?“

„Im Konzept stand jetzt auch irgendwas von Identifikation.“ „Kann ich mir nichts drunter vorstellen.“ „Und wenn wir einen Gast pro Partei einladen?“ „Das macht doch Jauch schon.“ „Klar, aber bei dem sind das alles Politiker.“ „Wen wollen Sie denn da hinsetzen?“ „Na, Schauspieler halt.“ „Das können Politiker genauso gut.“ „Meistens sogar besser.“ „Nein, richtige! Oder Schlagersänger. Oder Sportler.“ „Das können Sie knicken.“ „Eben. Wer setzt sich denn da freiwillig hin.“ „Nee, Sie müssen das so sagen: wer setzt sich da freiwillig für die CDU hin.“ „Man muss doch nicht für jede Partei einen einladen.“ „Aber es muss schon ausgewogen sein.“ „Dann sagen wir halt den Leuten, sie sollen so argumentieren, wie sie immer argumentieren.“ „Wie ist das denn zu verstehen?“ „Also die stehen dann für die Parteien, die sie sowieso wählen.“ „Aber da brauchen wir doch auch einen für die CDU! Sie können da doch nicht von einem Schauspieler verlangen, dass er öffentlich sagt, er wählt die CDU. Die Karriere ist doch im Eimer!“ „Was ist mit Schlagersängern?“ „Dann hätten wir nämlich für die jungen Leute auch jemanden.“

„Also ich bin jetzt für Eckart von Hirschhausen und diese Blonde da.“ „Ich weiß auch nicht, wen Sie meinen, aber die nehmen wir.“ „Und die Kandidaten?“ „Egal, wir lassen das so, wie es im Sendeplan ist. Ob die jetzt bei der unglaublichen Show von irgendwas sitzen oder bei der Wahl, das ist doch Banane.“ „Moment, wann war das?“ „26. September. Abendprogramm.“ „Aber die Wahl ist doch schon vier Tage vorher?“ „Au weia!“ „Das gibt Ärger mit der Leitung.“ „Ja und?“ „Wir können doch nicht…“ „Was können wir nicht? Wahl ist Wahl – the show must go on!“


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