Letzte Rettung

16 09 2013

„Die FDP? Wer braucht denn die noch? Und vor allem, wozu?“ „Jeder braucht die.“ „Aber wozu?“ „Ja, weil – irgendwie sind die doch nicht mehr wegzudenken.“ „Dann denken Sie halt noch mal genauer.“

„Würde Ihnen ohne die FDP nicht etwas fehlen?“ „Könnten Sie sich ein Leben ohne Krebs vorstellen?“ „Das ist aber nicht ganz dasselbe.“ „Das stimmt, Krebs kriegt man weg.“ „Bleiben Sie doch mal sachlich!“ „Wer hat denn mit dem Mist angefangen?“ „Fakt ist doch, ohne Freidemokraten ist Politik in Deutschland in ihrer ganzen Bandbreite gar nicht denkbar.“ „Das können Sie über Neonazis aus sagen.“ „Wollen Sie die etwa als politische Bewegung bezeichnen?“ „Wollen Sie das etwa bei der FDP versuchen?“ „Das sind doch nichts als verbohrte Radikale!“ „Stimmt.“ „Eben, und deshalb… Moment mal!“ „Radikal ist radikal, ob mit marktkonformer Demokratie oder ohne.“ „Sie maßen sich hier an zu bestimmen, was Demokratie ist?“ „Stimmt, mein Fehler. Das darf ja sonst nur die FDP.“

„Nein, wirklich – ohne FDP ist doch alles völlig sinnlos.“ „Sie meinen, der Comedy-Anteil in der deutschen Politik wäre plötzlich unangenehm niedrig?“ „Also bitte!“ „Naja, dafür wäre das Niveau vielleicht streckenweise höher.“ „Ich würde an Ihrer Stelle…“ „Und man könnte sich einen Teppich liefern lassen.“ „… mal mein Radar einschalten.“ „Weil Sie sonst die geistig-politische Wende nicht hinkriegen?“ „Wer hat hier etwas von ‚geistig‘ gesagt?“ „Das frage ich mich auch.“ „Machen Sie sich mal klar, wofür die FDP steht.“ „Sie fällt eher, genauer: sie lässt sich taktisch fallen. Die Schwalbenkönigin des Parlamentarismus.“ „Gutes Stichwort. Sehr gut!“ „Schwalbe?“ „Parlamentarismus. Machen Sie sich klar, wofür die FDP steht.“ „Dass sie für den Parlamentarismus steht, war mir bekannt. Um in dieser Partei Karriere zu machen, muss man schon Zivilversager sein.“ „Nein, nicht so. Im Parlamentarismus.“ „Da steht sie für etwas? Donnerwetter! Das scheint sich ja um eins der am besten gehüteten Geheimnisse der neueren politischen Geschichte zu handeln – das hat bisher nicht einmal die NSA rausgekriegt!“ „Also bitte, werden Sie jetzt nicht albern! Ich meine doch die Orientierung, die – also für den Liberalismus steht die doch!“ „Ich gebe zu, das muss ein noch größeres Geheimnis gewesen sein.“ „Es ist wegen der…“ „Wegen der Orientierung, ja. Dann ist die FDS in punkto Liberalismus so etwas wie ein Kompass, der beständig nach Süden zeigt. Auch schön, damit verirrt man sich ja garantiert nicht.“

„Sie sehen dann ein, dass wir die FDP zwingend für die Politik brauchen?“ „In der Regierung?“ „Auch, aber sie haben ebenfalls sehr erfolgreiche Oppositionspolitik gemacht.“ „Stimmt, und das Beste daran ist, sie haben in der Regierung mit der Oppositionspolitik gar nicht mehr aufgehört.“ „Wozu das denn?“ „Was fragen Sie mich? Weil Westerwelle nur die eine Platte hat? oder weil er wusste, dass er nach vier Jahren als Abluftspender für den Rest seines Lebens in der Versenkung verschwinden würde?“ „Die FDP ist ja wohl nicht nur Westerwelle.“ „Das ist doch schnurz, welchen Brüllaffen die aufs Podest stellen.“ „Sehen Sie? das ist Liberalismus!“ „Meinen Sie?“ „Aber ja doch! Chancengleichheit!“ „Naja, vielleicht haben Sie wirklich recht. Chatzimarkakis und Koch-Mehrin hatten tatsächlich die gleiche Chance, sich zu blamieren.“

„Hören Sie, ich kann das durchaus verstehen, dass Sie dieser Partei kritisch gegenüberstehen.“ „Ach.“ „Und sich nicht mit billigen Argumenten abspeisen lassen wollen.“ „Ach?“ „Und nicht mehr so richtig daran glauben, dass die sozialliberale Idee in einer bürgerlichen Koalition am besten zum Tragen kommt.“ „Ach!“ „Wir müssen alle Opfer bringen, und da ist es doch gut, wenn einer sagt, wo es langgeht, oder?“ „Genau, die einen werden geopfert, die anderen nehmen es an. So war das doch wohl gemeint?“ „Schauen Sie doch mal über Ihren Tellerrand! Wir erleben in diesen Tagen die Notwendigkeit der Staatskunst!“ „Staat? Ist Staat zu machen mit einer Partei, die ihn abschaffen will? oder zum Selbstbedienungsladen machen?“ „Es geht hier doch nicht um Belange der Wirtschaft, sondern…“ „Das hatte ich anfangs auch geglaubt.“ „… um die Liberalisierung der…“ „Der Staatskunst? Das einzige, was diese Truppe zur Kunstform erhoben hat, war Korruption. Und ich gebe Ihnen recht, auch da ist ein geistig-moralischer Kompass durchaus vorhanden. Eine stetige Erinnerung daran, dass wir diesen Haufen nicht brauchen.“

„Ich gebe auf. Sie haben gewonnen.“ „Was?“ „Sie haben gewonnen, es hat doch keinen Zweck mehr, Ihnen das beibringen zu wollen.“ „Mensch, da bringen Sie mich auf eine Idee. Natürlich! Ja klar, Gewinnen – natürlich brauchen wir die FDP! Die ist die letzte Rettung für Deutschland!“ „Ist Ihnen nicht gut?“ „Es ging mir nie besser, ich würde sogar sagen: ich könnte mir jetzt sogar vorstellen, taktisch FDP zu wählen.“ „Haben Sie noch alle Tassen im Schrank!?“ „Na klar, irgendwo müssen wir mit der Zweitstimme doch hin. Ich wähle Zweitstimme FDP.“ „Aber das ist doch total unsinnig, warum machen Sie so etwas?“ „Wenn wieder zehn Prozent FDP wählen, dann reicht’s diesmal.“ „Reichen? wofür reichen?“ „Na, für die Große Koalition.“


Aktionen

Information

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.




%d Bloggern gefällt das: