Sektlaune

23 09 2013

„Nee, ist aus. Kommt auch nicht wieder rein. Schorle könnten Sie kriegen. Deutsche Schorle. Das ist so irgendwas, die Reste vom Übriggebliebenen, und das dann noch mit – also Wasser mit den Resten drin. Mit etwas von dem Rest. Was übrig ist.

Es sieht ziemlich geräubert aus. Ach was, das liegt nicht an der letzten Legislaturperiode, das haben die in einer einzigen Nacht geschafft. Den Pinot hat ja Steinbrück gleich gestern verputzt. Und den Eierlikör. Und dann dieses Zeug, das so einen dicken Kopf macht, wie heißt das noch gleich? Egal, es hat jedenfalls nicht gereicht. Er kann sich immer noch an das Ergebnis erinnern. Dabei haben sie bei Gabriel schon vormittags mit der Druckbetankung angefangen. Aber die Wahl können Sie sich nicht schön trinken. Da müssen Sie schon gezielt Hirnareale wegsaufen. Oder die Nahles. Aber gegen die helfen nur klare Schnäpse.

Veganer Wodka? Ach so. Die Roth braucht ja gar nicht so viel, die hyperventiliert immer schon bei Werkseinstellung. Oder vielleicht hatten die Gurkentee. Irgendein grünes Zeugs war da drin. Also soll da drin gewesen sein, sagt der eine da von der Union. Sie wissen schon, dieser komische Besserwisser. Kennen Sie den? Ja, die haben mehrere Besserwisser, aber dieser eine eben. Der hat das erzählt. Und wenn der das sagt, muss es ja stimmen. Wenn der was über die Grünen erzählt.

Ich könnte Ihnen ein Bier machen, wenn Sie möchten. Da sind noch sechs bis acht Kästen auf dem Flur, die Flaschen müsste ich nur eben – warm, ja. Zimmerwarm. Eher körperwarm. Aber Bier. Die flüssige Zweitstimme, wenn Sie verstehen. Es kommt ja auf die Zusammensetzung an, nicht wahr. Da kann man in Zeiten der Ausschließeritis nicht unbedingt wählerisch sein.

À propos wählerisch, haben Sie gesehen, wie Gabriel hier gesessen und an seiner trockenen Frikadelle genagt hat? Die Linken hatten ja genug Magenbitter – den brauchen die, ohne eine halbe Flasche Magenbitter kriegt man als Linker diesen Gesichtsausdruck morgens gar nicht hin – aber Gabriel nimmt von denen grundsätzlich nichts an. Dabei hat er die Frikadellen nicht mal alleine geschafft. Aber so sind sie halt, die Sozen. Immer den Mund voll nehmen, und dann –

Lassen Sie bloß die FDP in Frieden. Nein, auch nicht im Guten. Lassen Sie’s! Die hatten gestern nur diesen alkoholfreien Prosecco, wissen Sie, diese Plempe, die sonst nur die Berufschristen zum Nachspülen nehmen. Den Rest hat Rösler sich in die Birne gebembelt, als er die Hochrechnung gesehen hat. Erst war er an der Hausapotheke, als Arzt hat er ja den Schlüssel, aber Westerwelle muss wohl letztens ein bisschen viel genascht haben. Und dann hat er die Vorräte in Brüderles Zimmer – lassen Sie es. Da ist heute keiner zu sprechen.

Rösler hatte nämlich schon seine Rede fertig. Epochaler Erdrutschsieg, Führungsanspruch der Leistungsträger im coolsten Land der Welt, alle Spätrömer sind dekadent, Rhabarber, und dann das. Hat man bis hier gehört, wie der krampfte. Ganz übel. Gehen Sie da nicht rein. Machen Sie es nicht noch schlimmer.

Der Lucke? Keine Ahnung. Der wird sich mit seinem Schäferhund im Souterrain verbarrikadiert haben und jammert. Richtig in den Keller traut sich dieser Waschlappen ja nicht.

Lassen Sie die Finger von dem Kartoffelsalat. Der steht heute gut da – das sagt die Kanzlerin ja von Deutschland auch, aber wissen Sie, was nach vier Jahren aus Kartoffelsalat wird? Wir haben noch diesen Sekt da, wenn Sie ein Glas möchten. Das ist der von der CDU, der ist zwar eigentlich aus dem Kanzleramt, aber jetzt wird er halt für den Wahlkampf ausgeschenkt. Kalte Füße mit Würfelzucker. Wird gleich so schal geliefert. Da brauchen Sie das CO2 nicht mehr rauszurühren, der ist vorbehandelt. Klimakanzlerinnenkompatibel, sozusagen. Ja, der schmeckt original scheiße. Sektlaune à la Merkel: Sie kriegen gar nicht mit, wie Sie sich den Alkohol in die Figur schütten, und wenn Sie irgendwann zu schwanken beginnen, ist es zu spät. Das war genau das Schicksal der FDP.

Wenn Sie den Seehofer gesehen hätten, da hätten Sie glatt gedacht, dem wären aus Versehen im Bund mehr als hundert Prozent gelungen. Wir haben den ganzen Abend gedacht, jetzt führt er gleich die Kanzlerin an der Leine rein. Aber der merkt nichts mehr. Wahrscheinlich haben die ihm einen Maßkrug in die Hand gedrückt und gesagt, das sei hier Oktoberfest und er könne jetzt mal ordentlich die Sau rauslassen.

Treten Sie da nicht rein. Das war – nein, aber so ähnlich. Manche unserer Abgeordneten hatten ja bis zum Schluss leichte Flüssigkeitsprobleme, weil keiner wusste, wer nun wirklich wieder reinkommt. Wobei wir auch nicht genau wissen, was da wieder rauskam. Der da unten? Warten Sie mal, der riecht wie – Brüderle? Nein, der schnarcht nicht, der analysiert in Ruhe das Ergebnis und stellt vermutlich morgen im Laufe des Vormittags fest, dass es den Wählern noch nicht gelungen ist, ihn zu mobilisieren.
Ja, Sie haben ja recht. Das kann man alles vergessen. Wissen Sie was, wir machen uns eben schnell noch einen Cocktail. Da kippen wir halt alles zusammen, was noch da ist. Sie kennen das. Resteverwertung. Oder wie wir hier sagen: Große Koalition. Prost!“