Bayer con dios

26 09 2013

„Nein, das geht nicht. Warum? weil’s eben nicht geht, klar? Nein! Sie können hier keine Maut für Ausländer einführen, weil das dem EU-Recht widerspricht. Sagen Sie Ihrem Oberhorst, dass er sich das – hallo? Hallo!?

Hören Sie, man kann doch nicht ständig die Telefonkonferenz unterbrechen, weil der Herr Ministerpräsident zwischendurch den etatmäßigen Tobsuchtsanfall bekommt. Könnten Sie ihn nicht einfach mit einer Weißwurst – nicht nach zwölf? Ja, verstehe. Die Weißwurst ist offenbar wichtiger als das Betreuungsgeld. Wobei, wenn das Betreuungsgeld so unwichtig geworden ist, warum muss man dann überhaupt noch daran festhalten?

Bedaure, aber der Herr Ministerpräsident hat das nicht zu bestimmen, dass in Deutschland noch zehn neue Kernkraftwerke gebaut werden. Wir haben das gesetzlich festgeschrieben, wir steigen aus, und dann – zur Arbeitsplatzsicherung? Aber wenn er Arbeitsplätze sichern will, dann kann er doch einfach in der Solarindustrie anfangen oder in der Windkraftbranche oder – natürlich in der Windkraftbranche, mir ist das doch egal, ob der Herr Ministerpräsident sich so ein Ding in den Vorgarten stellt. Hauptsache, es kommt Strom raus. Wie meinen Sie das jetzt? Es sind nur die Arbeitsplätze im Vorstand der Energieversorger gemeint? Dann verstehe ich auch, warum Sie sich so vehement für die Energiewende einsetzen.

Wir können den Reichstag jetzt nicht so einfach in Horst-Seehofer-Arena umbenennen. Eine Arena ist das außerdem gar nicht. Und wir sollten auch langsam mal – Bierwerbung im Bundestag? Ist der Mann noch ganz bei Trost!? Nein, auch nicht, wenn es in der Bundestagskantine ab sofort Freibier gibt. Das können Sie in die Tonne treten. Ausgeschlossen. Wir haben bei Brüderles Weinköniginnen auch nie eine Ausnahme gemacht. Sponsoring? Ist der denn von allen guten Geistern verloren? Ja, ich weiß. In Bayern ist das legal, wenn die Cousine vom Hausmeister mal mit der Tochter auf dem Gymnasium war mit dem Nachbarn der Tante des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Aber deshalb muss sich der Herr Ministerpräsident trotzdem an die üblichen Gepflogenheiten halten.

Quoten für Schulabbrecher? Das klingt wie in der Sozialgesetzgebung, wo schon vorher festgelegt ist, wie viele der Leistungsempfänger sanktioniert werden. Mich würde es ja auch nicht mehr wundern, wenn Sie in Bayern eine Arbeitsvorlage für den Ausgang von Landtagswahlen – haben Sie? Dann wundert mich allerdings gar nichts mehr.

Und etwaige Koalitionsgespräche mit den Grünen sollen kategorisch verboten werden? Aha. Weil die Grünen ja alles kategorisch verbieten. Dann leuchtet das ja wieder ein. Dieser Leberkäs-Tag, der ist dann auch für das gesamte Bundesgebiet bindend? für jüdische Einrichtungen auch? Ah, verstehe. Die CSU arbeitet an einer Neudefinition von nationaler Leitkultur. Wer keinen Leberkäs in der Kantine isst, darf fristlos gekündigt werden.

Jetzt reden wir doch mal Klartext, Meister: Ihr Herr Ministerpräsident ist dann wohl derjenige, der hier einmarschieren will? Und Sie haben das immer noch nicht gemerkt? Dann ist ja alles gut. So war das auch vorgesehen. Und ich meine jetzt nicht Bayerisch als Pflichtfach bis zum Abitur, sondern auch diese Einbürgerungsvorschriften. Erkennen von Brückenheiligen an der plastischen Darstellung, Aufzählen sämtlicher Herrscher des Kurfürstentums Bayern, Tabakschnupfen und Hersagen von mindestens drei Dutzend Flüchen gegen Bundesbürger mit Maximalpigmentierung. Sie scheinen ein reges Interesse an der weltoffenen bajuwarischen Lebensart zu haben, dass Sie Ihren Herrn Ministerpräsidenten hier so von der Leine lassen?

Vermutlich leidet Ihr Herr Ministerpräsident an mittelschweren Nostalgieschüben. Sollte er allerdings seine FDP als Funktionspartei vermissen, die SPD macht das nicht mehr so billig. Die tun wenigstens am Anfang noch so, als hätten sie ein Wahlprogramm zum Umsetzen, eine konsistente Parteilinie zu verteidigen und rudimentäre Ansätze von Gewissen. Die knackt man nicht mit der Aussicht auf Freibier, die wollen Brauereiaktien. Ich würde das an Ihrer Stelle nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sie hatten die Verschmelzung der Parteien vor? eine Union aus Union und SPD? damit der Sozialismus nicht aus Versehen siegt? Und was viel wichtiger ist, bei welchem Preis behauptet Ihr Herr Ministerpräsident plötzlich das Gegenteil von dem, was er im Koalitionsvertrag gefordert hat?

Wie, das ist nicht ernst gemeint? Dann passen Sie mal gut auf. Die CSU ist eine eigenständige Kraft, richtig? Dann muss sich die CDU auch nicht vor ihr fürchten, sie kann sie ganz einfach rausschmeißen und stattdessen mit der SPD koalieren. Das langt. Und dann, Freunde, Bayer con dios. Kein Leberkäs-Tag, keine Zwangswiesn, kein Bayerisch-Staatsexamen für angehende Beamten. Und sagen Sie Ihrem Herrn Ministerpräsidenten, wenn er frech wird, dann führt die Regierung sofort die Autobahnmaut ein. In ganz Deutschland. Für die Bayern.“