Huckepack

2 10 2013

Es ist nicht das Kfz-Ballett bei einer komplizierten Hebefigur. Es handelt sich auch nicht um die Beamtenversion der Einparkhilfe. Es ist keine billige Verlade. Sondern der Freitagstexter. Diesmal motorisiert. Mehr oder weniger. Mehr weniger. Aber trotzdem eine Klasse für sich.

Schön, dass wieder so viel und vielschichtige Antworten kamen. Das Siegertreppchen könnte also auch auf dem Tieflader Platz finden. Der Vollstreckungsbeamte hat sich vor der Durchsicht der Antworten vom ordnungsgemäßen Sitz der Dienstmütze vergewissert. Es geht los. Pusteröhrchen bereithalten!

Unter den vielen Beiträgen des Wortmischers erfasste einer das Problem auf die naheliegende Weise. Verkehrstechnisch gesehen. Und natürlich hintersinnig. Platz drei:

A tergo im Dienst?

Den Publikumspreis müssen sich indes zwei bis fünf seiner Beiträge teilen – so viel Einsatz ist bewundernswert!

Fragen. Lauter Fragen. In Zeiten globaler Verunsicherung, was nur aus unserem geliebten deutschen Be- und Entladewesen werden soll, stellt der Doktor Pé die richtige für Platz zwei:

Ob hier die EU-Richtlinien für lebende Bullentransporte auch eingehalten werden?

An dieser Stelle sei noch einmal betont, dass der Wettbewerb unter höchster Gefahr ausgerichtet wurde. Allein das Anbringen des Bildes zog zwei Strafzettel nach sich, ich stand im Halteverbot.

Aber jetzt. Kriminalistischer Spürsinn. Dem Täter auf der Spur. Die Alte Saeckin ermittelt. Platz eins:

Mit dieser genialen Idee gewann die Polizeiwache Karlsruhe Süd dieses Jahr den heißumkämpften Preis für die bestgetarnte Radarfalle.

Herzlichen Glückwunsch! Am Freitag, den 4. Oktober geht’s in die nächste Runde. Bei der Alten Saeckin. Ich muss den Pokal nur eben noch ausparken. Moment. Bisschen links… rechts… weiter, weiter… weiter… stop!





Extremismus in der Mitte

2 10 2013

„Radikal? Dass die mit der Demokratie als solcher nicht viel am Hut haben, geschenkt, aber radikal?“ „Natürlich.“ „Also wirklich: radikal? Mit allen Konsequenzen?“ „Mit allen Konsequenzen.“ „Und Sie finden das richtig?“ „Fanden Sie das denn richtig bei anderen?“ „Darum geht’s doch gar nicht. Finden Sie es richtig, dass der Verfassungsschutz sich die vornimmt?“ „Klar. Was hat die FDP schon zu verlieren.“

„Gut, marktradikal.“ „Eben.“ „Und mit der Verfassung hat das auch nicht viel zu tun.“ „Eben.“ „Aber dass man die nun gleich beobachten muss?“ „Wieso denn nicht? Ist doch ganz im Sinne der Bundesregierung. Es schafft Arbeitsplätze.“ „Aber schauen Sie sich doch mal den Nachwuchs dieser Partei an.“ „Ist der besser?“ „Immerhin haben sie die von der Straße weggeholt. Sonst wären doch solche Leute bei der NPD gelandet.“ „Sie meinen, nur weil man sie bisher nicht verboten hat, sind sie halbwegs tolerierbar?“

„Sie machen das immer noch an Westerwelles Äußerungen über Arbeitslose fest.“ „Stört Sie das?“ „Er hat es möglicherweise nicht so gemeint.“ „Wissen Sie, wer es möglicherweise auch nicht so gemeint hat?“ „Ja, ist ja gut.“ „Und was stört Sie überhaupt an der Tatsache, dass jemand durch den Verfassungsschutz beobachtet wird?“ „Aus welchem Grund denn?“ „Braucht man denn dazu einen? Ich dachte immer, so eine verdachtsunabhängige Kontrolle sei vollkommen normal.“ „Verdachtsunabhängige Kontrolle?“ „So war das von unserer Regierung immer zu hören. Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nichts zu befürchten.“ „Das ist eine Einzelmeinung!“ „Stimmt, es war nur eine einzelne Regierung. Der meines Wissens auch die FDP angehörte.“

„Aber mal zurück zu Ihrem Vorwurf: was haben Sie an der FDP eigentlich so Verfassungsfeindliches gefunden? Außer diesem ominösen Westerwelle-Zitat vor Jahren?“ „Könnte man die letzten Jahre der Wirtschaftspolitik als korrupt bezeichnen?“ „Naja, gut.“ „Nicht am Gemeinwohl orientiert?“ „Hm.“ „Mafiastrukturen?“ „Ich möchte es nicht direkt als Übertreibung bezeichnen, aber…“ „Was würde man mit einer linken Partei gemacht haben, die solchen Mist fabriziert hätte?“ „Die wäre immerhin links gewesen.“ „Ah, verstehe.“

„Und dass die FDP eine grundlegende Reform des Verfassungsschutzes fordert, das interessiert Sie wohl gar nicht?“ „Das fordert die Linke auch.“ „Was hat das denn damit zu tun?“ „Damit macht sie sich doch erst recht verdächtig.“ „Weil sie offensichtlich etwas zu verbergen hat.“ „Sagt wer?“ „Die Bundesregierung.“ „Wird die eigentlich vom Verfassungsschutz beobachtet?“ „Wieso?“ „Naja, ich dachte, die haben auch nichts zu verbergen.“ „Haben sie auch nicht.“ „Dann könnte man sie also theoretisch beobachten?“ „Theoretisch schon, aber wozu denn?“ „Weil sie nichts zu verbergen haben.“ „Wie die FDP?“ „Haben die etwas zu verbergen?“ „Was fragen Sie mich?“ „Ich denke nicht.“ „Also müsste man sie doch theoretisch beobachten können.“ „Aber wozu?“ „Um herauszufinden, ob sie tatsächlich nichts zu verbergen haben.“

„Immerhin hat die FDP doch teilweise…“ „Also nicht die komplette Partei.“ „… dagegen protestiert, dass die Linken ausgespäht werden.“ „Also nicht die ganze Partei, weil sie wussten, dass sie mit etwas Protest nicht viel erreichen und trotzdem gute Publicity bekommen.“ „Es war ja auch nicht so schlimm wie bei anderen Parteien.“ „Geht es da eventuell nach Proporz?“ „Wahrscheinlich nur nach der Anzahl der freien Kräfte.“ „Das ist ja bitter, dann hat die FDP ihre ungestörte Entfaltung letztlich dem Fachkräftemangel zu verdanken.“ „nd Sie müssen das in Relation sehen. Die Linken haben ja in Wirklichkeit für den Sozialismus gekämpft.“ „Was Sie nicht sagen.“ „Das war ja wesentlich subtiler als das Vorgehen der Liberalen, bei denen erkennt man doch die politischen Ziele sofort.“ „Und deswegen ist die Beobachtung durch den Verfassungsschutz sowieso überflüssig?“ „Kann man so sehen.“ „Und warum wurde dann das NPD-Verbot versucht?“

„Sie haben das nicht begriffen: die Linken werden bespitzelt, weil von ihnen eine Gefahr für die Demokratie ausgehen könnte.“ „Könnte.“ „Weil sie ja auch nicht zwingend in demokratische Entscheidungen eingebunden ist, darum muss man die Gefahren auch im Vorfeld beobachten.“ „Guter Hinweis. Damit müsste man die FDP doch zum Staatsfeind machen können.“ „Warum das denn?“ „Eine Partei, die gar nicht mehr im Bundestag sitzt, könnte dann doch erst recht gefährlich sein für die Demokratie.“ „Wie das denn?“ „Die sind doch an demokratischen Entscheidungen auch nicht mehr beteiligt.“ „Hören Sie mal, eine Partei, die gar nicht im Deutschen Bundestag sitzt, die kann doch gar nicht an demokratischen Entscheidungen beteiligt sein, und deshalb ist sie auch nicht…“ „Haben Sie mal kurz eine Minute?“ „Warum?“ „Ich wollte kurz bei der NPD durchrufen.“

„Ich verstehe Ihren Denkansatz, aber Sie haben da etwas Grundsätzliches übersehen.“ „Nämlich?“ „Alle Ideen, die revolutionären, bahnbrechenden und nachhaltigen Denkansätze, alles Progressive, alles das, was die Politik künftiger Generationen prägt, alles das findet sich früher oder später im Bericht des Verfassungsschutzes wieder.“ „Und?“ „Haben Sie sich denn nie gefragt, warum die sich nicht die Bohne für die FDP interessieren?“