Das Opfer oder Alles aus Liebe

6 10 2013

für Frank Wedekind

Das Onkelchen ist alt, doch gut genährt,
in allen Teilen feist und wohl erhalten.
Wir wollen, vor ihm Schlimmes widerfährt,
aus sittlichem Gefühl den Schädel spalten.

Es tut uns selber weh. Doch hin ist hin,
und keiner wird lebendig nur vom Weinen.
Er ist für alle Gläubigen Gewinn.
Man merkt das, schon aus Keuschheit, beim Entbeinen.

Wir geben ihn als Knochen und als Fleisch
zur Suppe, um der Ärmsten Not zu lindern.
Da ist ein Jubel, Aufstand und Gekreisch.
Dank guten Leumunds wird man uns nicht hindern.

Es ist uns gar nicht peinlich, will das Lob,
das man uns zollt, ein wenig dick geraten.
Der Rücken geht, die Rippen etwas grob,
das gibt, wenn man sich anstrengt, guten Braten.

Man heiligt uns. Ihr seht, wenn Ihr uns trefft,
wir segnen täglich ganze Menschenschwärme.
Moral verkaufen, das ist ein Geschäft.
Uns bleibt der Ruhm. Euch bleiben die Gedärme.


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