Vielseitig einsetzbar

21 10 2013

„Ausgeschlossen! Es besteht da überhaupt kein Diskussionsbedarf auf Seiten der CDU, außerdem sind die Sondierungen inzwischen abgeschlossen. Die Personalverteilung ist geklärt, jetzt geht es nur noch um Zugeständnisse des Koalitionspartners. Das hätten Sie sich früher überlegen müssen.

Aber natürlich wird Ursula von der Leyen Außenministerin. Daran hegen wir überhaupt keinen Zweifel. Darüber wird hier schon nicht mehr diskutiert, und das wissen Sie. Was sollen wir denn mit der Frau sonst noch machen? Arbeitsministerin? Die letzten vier Jahre haben Sie wohl komplett schmerzfrei gemacht, wie? Nein, da hat sie zu viele Erfolge, viel zu viele Forderungen, die schon seit dem Koalitionsvertrag, und auch die Erfordernisse des Arbeitsmarktes, und wenn Sie sich die Situation der Arbeitslosen ansehen, wie viel Detailarbeit, und auch die rechtskonforme Umsetzung nach den Forderungen des Bundesverfassungsgerichtes, also summa summarum, sie hat eben versagt. Ist so. Und dazu kommt, Gabriel wird jetzt Arbeitsminister. Das ist für einen Sozialdemokraten, die waren auch mal eine Arbeiterpartei, ich weiß nicht, ob Sie sich noch besinnen, aber das wäre doch fast besser als Bundeskanzler. Also aus Sicht der deutschen Bevölkerung und nach der Agenda 2010 auf jeden Fall – besser ein Arbeitsminister Gabriel als ein Bundeskanzler Schröder, oder?

Und stellen Sie sich mal Gabriel als Außenminister vor. Da denken die Polen doch, jetzt steht die nächste Invasion vor der Tür. Sozialismus? Ich bitte Sie – davon gibt es in Polen vielleicht noch Spurenelemente, aber nicht mehr in der SPD. Die deutsche Rolle in der EU wieder mit mehr Gewicht vertreten? Das ist doch nicht Ihr Ernst!

Das macht Ursula von der Leyen. Die ist so herrlich vielseitig einsetzbar, die hat noch den Idealismus im Leib, den man dazu braucht, und den Biss für die Bundespolitik. Also den Idealismus, irgendwann mal etwas richtig zu machen, und dass sie Merkel wegbeißen will, sollte sich auch schon herumgesprochen haben. Aber ja doch, sie ist für das Amt sehr gut geeignet. Sie ist Expertin für alles, also für gar nichts, und damit eine der beliebtesten Politikerinnen des Landes. Quasi die Attrappe der Attrappenkanzlerin.

Gesundheitsministerin? Das müssen Sie mir erklären. Eine Ärztin, die etwas davon versteht? In einem Ministerium, das sich für die Belange der breiten Bevölkerung einsetzt? Sagen Sie mal, wie lange ist eigentlich Ihr letzter Drogenschnelltest her? Geht’s noch!? Abgesehen davon, dass wir mit abgebrochenen Medizinern als Gesundheitsminister nicht wirklich gute Erfahrungen gemacht haben, wollen wir denn in dem Ministerium den ganzen Schrott aus der niedersächsischen Landespolitik aufrauchen?

Und hören Sie mir auf mit Schäuble! Dass der Mann Finanzminister bleibt, das ist doch der wahre Stabilitätsanker! Nein, nicht für den Euro – für die CDU natürlich! Eben, das muss man über die Zeit hinaus denken. Vor allem auf die Vergangenheit bezogen. Dem Mann ist es doch eh wurst, wer unter ihm die Kanzlette spielt. Und wen wollen Sie sonst als Finanzminister besetzen? Gut, Steinbrück. Aber der will ja zum Glück nicht. Der Herr Vortragende Rat hat ja gerade noch rechtzeitig abgesagt.

Immerhin hat sie ja schon eine großartige Talentprobe abgegeben, erinnern Sie sich? Die europäischen Staats- und Regierungschefs in Berlin? Wie unsere Staatsschauspielerin diesen Jobgipfel gemeistert hat? Eine Konferenz zur Förderung der Jugendbeschäftigung, die keine Sau in Brüssel interessiert hat? die der Kanzlerin komplett am Arsch vorbei ging? Bei der vorher keiner wusste, was das soll, währenddessen nur viel Heißluft abgesondert wurde und hinterher einzig und allein klar war, dass es bei dieser Personality Show nicht einmal für wolkige Absichtserklärungen gereicht hat, weil es für diesen ganzen Müll nicht einmal eine Geschäftsgrundlage gab? Zwei Tage lang, damit jeder europäische Verwaltungsbeamte den Nachweis hat, dass Inkompetenz ein Gesicht hat und aus Deutschland kommt? Ich glaube, das macht uns so schnell keiner nach.

Stellen Sie sich mal vor, die Frau kommt nach Russland und erzählt von ihren Plänen, Minderjährige als Spitzel zu gebrauchen. Internetzensur, vorsätzlicher Bruch der Verfassung, Diskriminierung von Homosexuellen und Behinderten wegen religiöser Wahnvorstellungen – Putin wäre begeistert!

Nein! Schäuble wird das nicht! Stellen Sie sich mal vor, wir würden den Mann nach Griechenland schicken. Als Rollkommando. Den Flurschaden kriegen Sie mit keinem Rettungspaket wieder weg.

Machen Sie sich locker, sie wird jetzt Außenministerin, und gut. Das war schon im aktuellen Kabinett so: die Kanzlerin macht die Außenpolitik, und im Auswärtigen Amt sitzt eine Hilfskraft für Fototermine. Genau das Richtige für Ursula von der Leyen. Sie erzählt in fließendem Englisch und Französisch nichts, sie hat keine Ahnung von Dingen außerhalb ihres Büros – innerhalb meist auch nicht – sie legt überall einen glänzenden Auftritt hin und bleibt in nachhaltiger Erinnerung, sie hat eine glasfaserverstärkte Frisur, sie wird es. Punkt. Oder warum meinen Sie, dass wir vier lange Jahre die Leidensfähigkeit der ganzen Welt mit Westerwelle ausgeleiert haben?“