Gernulf Olzheimer kommentiert (CCXVIII): Antirassistische Sprache

1 11 2013
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Machen wir uns nichts vor, diese Population besteht aus Dummklumpen. Die eine Hälfte leidet an Fehlbildungen der Synapsen, anders ließe sich ihr Alltagsrassismus nicht erklären; die andere Hälfte zeigt, dass sie nicht besser ist, weil sie den Alltagsrassismus klaglos hinnimmt. Nur eine kleine Gemeinschaft nörgelnder Nervzwerge grätscht in die Grütze und hat das Allheilmittel zur Hand: die antirassistische Sprache.

Es gibt viele Ansätze, die politische Gesundheit einer Gesellschaft zu erhalten, zu fördern oder, sollte es sich nicht um eine gesunde Verfassung handeln, wieder zu restaurieren. Sozialpädagogik ist einer, Reeducation ein anderer, Bildung gehört zu den vornehmsten, doch will man es gründlich versaubeuteln, fängt man da an, wo die ehrenwerten Mitglieder der privilegierten Besserwisserkaste ihren Zeigefinger in die Luft recken: Kritisches Weißsein, jene ostentative Demutsgeste im Schaufenster der akademischen Aluhütchenspieler. Der Brauchtumsterrorismus für totdekonstruierte Soziologen, der Pigmentierung für ein politisches Statement und unentschuldbar hält, befasst sich folgerichtig weiterhin mit Erscheinungsformen, zum Beispiel mit sprachlichem Rassismus. Populär geworden ist sein Furor um das N-Wort, der ihm allenfalls als Sprungbrett diente, mit linguistischen Kenntnissen im Gegenwert eines Bausparerabiturs den generell gutwilligen Bürger in den Wahnsinn zu treiben. Ist ein Ausländer, will sagen: Mensch mit Migrationshintergrund, wobei auch nicht klar ist, ob der Hintergrund im Vordergrund steht, weil er sich bereits vor längerer Zeit ereignet hatte, mithin also ein Ein- bis Mehrheimischer, ist jener also in Zentralafrika geboren und sieht aus, wie alle aussehen, die in Zentralafrika geboren wurden, dann ist er für manche der Schwurbelgurken auf keinen Fall farbig, sondern ein Schwarzer; praktisch und gut, die andere Fraktion sieht es ganz genau andersherum. (Was zu beiden Teilen Unsinn ist, denn Weiße sind so wenig weiß wie Schwarze schwarz sind, und farbig sind wir alle, es bliebe nur zu klären, in welcher jeweils.) Höchstens dürfe man den, der ja auf keinen Fall ein Schwarzer ist (und doch Black Power erfunden hat) und auch kein Farbiger, als Person of Colour verschwiemeln – semantisch voll klar, da auch gleich wieder in der sexismusproofen ungeschlechtlichen PC-Form und, yeah, ganz streng sprachpflegerisch auf Englisch. Wir schaffen die bösen Sachen ab, indem wir ganz einfach die Augen zumachen. Ganz fest zu.

Doch die Sache hat einen gewaltigen Haken: sie funktionierte nur, wäre Sprache nicht Beschreibung des Ist-Zustandes, sondern ausschließlich genormte Bezeichnung der Objekte. Der Plan, einen abwertenden Ausdruck für Menschen mit auffälligem Phänotyp gewaltsam aus dem aktiven Wortschatz der Masse auszurotten und damit zugleich die gruppenbezogene Feindschaft zu beenden, ist zum Scheitern verurteilt, bevor er noch zu Ende gedacht werden könnte, was offenbar auch noch keiner der humanitären Karnevalsprinzen in Angriff genommen haben wird. Wer auch immer das N-Wort nicht benutzen will, sich aber sonst nach Belieben rassistisch zu artikulieren wünscht, dem steht eine breite Palette widerlichster Injurien zur Verfügung, die sich wie Maden vermehren und fröhlich die Sache ad absurdum führen, da das Mitgedachte, das sich jeglicher Kontrolle entzieht, auch in nicht einschlägig bekannten Ausdrücken Urständ feiert. Wie anders kann antisemitische Propaganda als erfolgreich erklärt werden, wenn das Wort Jude selbst zur Herabsetzung wird. Den Ausdruck allein verbieten zu wollen ist reine Symptombekämpfung.

Überdies ist Sprache kein in Beton gegossener Bau, der bis zum mählichen Bröckeln die feste Kontur behielte und sich nie bewegte. Sie lebt und schlägt Haken, bisweilen auch Hakenkreuze, und sie verändert sich schneller, als die herrschende Indoktrinationskommission dem Volk in die Zunge zwicken könnte. Zudem hätte pseudomoralistische Sprachlenkung mit der Reaktion der vox populi zu kämpfen, die sich nicht das Maul verbieten lässt und, kommt es einmal so weit, erst recht die Klappe aufreißt. Zudem ist der Laie nie zu überzeugen von der Rationalität einer lenkenden Maßnahme – was ihm nicht in den Kram passt, wird ignoriert.

Die Therapeuten haben sich untereinander noch nicht ausgetobt, sie gebären Postmigranten und Mehrheimische und Afrodeutsche, indem sie jede Differenz leugnen, indem sie sie lautstark überbetonen. Was bleibt, ist eine Rotte Realitätsallergiker, die alles, was qua Geburt Mehrheitsgesellschaft ist, wahnhaft für moralisch defekt hält – eine durch und durch faschistische Gesinnung, in der sich uns die Sittlichkeitsstrolche als die Rassisten zeigen, die sie nun mal sind. Was aber auch zu erwarten war.