Linksabbieger

18 11 2013

„Also sind Sie zu einer politischen Zusammenarbeit bereit?“ „Haben wir doch gesagt.“ „Gut, dann könnten wir…“ „Nö.“ „Aber Sie haben doch gerade eben gesagt, dass…“ „Nö. Ich habe nur gesagt, wir sind zu einer Zusammenarbeit bereit, aber deshalb müssen wir mit Ihnen nicht zusammenarbeiten.“

„Die SPD hat sich doch entschlossen, ab jetzt keine Koalition mit den Linken auszuschließen.“ „Das ist richtig, aber wir behalten uns trotzdem vor, nicht mit Ihnen zu koalieren.“ „Sie würden also jetzt nicht mit uns zusammenarbeiten, wenn…“ „Zusammenarbeiten schon, aber nicht koalieren.“ „Im Sinne einer Minderheitenregierung, oder wie soll ich mir das vorstellen?“ „Gar nicht.“ „Auch nicht im Sinne einer Zusammenarbeit?“ „Dazu müssten Sie aber erst mal mit uns koalieren, und wenn ich mich recht erinnere, hatten das doch Sie immer strikt abgelehnt.“ „Wir haben nur gesagt, solange Sie die…“ „Strikt abgelehnt.“ „… Teile der Agenda 2010, die Sie übrigens jetzt selbst für nicht zielführend…“ „Strikt!“ „Also bitte, das ist doch an den Haaren herbeigezogen! Sie haben ja gerade gesagt, dass Sie sich eine Zusammenarbeit mit uns wieder vorstellen können, wenn…“ „Könnten. Nicht können: könnten.“ „Jetzt wird’s aber langsam albern, Herr Kollege.“ „Ihre Versuche, die Sozialdemokratie für sich zu vereinnahmen, werden kläglich scheitern, nehmen Sie das zur Kenntnis. Da haben sich schon ganz andere die Zähne ausgebissen.“ „Ach ja, stimmt. Zuletzt Merkel.“

„Wir haben ja nicht gleich grundsätzlich die Zusammenarbeit mit den Linken ausgeschlossen.“ „Sie haben grundsätzlich die Koalition mit uns für möglich erklärt.“ „Aber nur, wenn Sie sich für eine Zusammenarbeit entscheiden.“ „Wir haben doch schon vor längerer Zeit gesagt, dass wir…“ „Aber nicht generell.“ „… an einer Koalition auch auf Bundesebene…“ „Aber nur auf Bundesebene.“ „Weil es auf Länderebene schon mehrmals eine Zusammenarbeit gegeben hat.“ „Aber eben nicht grundsätzlich.“ „Was soll das denn nun schon wieder bedeuten?“ „Wir müssen doch davon ausgehen können, dass Sie sich im Fall einer erneuten Koalition für die SPD entscheiden.“ „Was haben denn Sie jetzt gedacht? dass wir der FDP und der Union den Steigbügelhalter machen?“ „Das hat niemand behauptet.“ „Klang aber eben so.“ „War nicht so beabsichtigt.“ „Und Sie meinen, dass wir für eine Koalition auch nur exklusiv mit der SPD zusammenarbeiten sollten?“ „Sie haben doch gerade selbst gesagt, etwas anderes käme für Sie nicht in Frage.“ „Das liegt aber an den politischen Programmen.“ „Die können sich ja auch mal ändern.“ „Warum ändern Sie dann Ihres nicht endlich mal?“ „Wir warten eben ab, bis Sie sich weit genug an die SPD angenähert haben.“ „Wieso denn das?“ „Eventuell müssten wir dann gar nichts mehr an uns ändern. Also für eine Koalition.“

„Ich fasse zusammen: die SPD ist für eine politische Zusammenarbeit bereit, wenn die programmatischen Überschneidungen mit der Linken sich als…“ „Aber nicht generell.“ „Sie fangen schon wieder an mit der Ausschließeritis!“ „Gar nicht, wir können nur nicht ausschließen, dass wir auch ohne die Linken regieren.“ „Und an Ihre gesellschaftliche Verantwortung haben Sie dabei auch gar nicht gedacht?“ „Wieso gesellschaftliche Verantwortung, das hat doch nichts mit dem Wahlergebnis zu tun.“ „Und wie erklären Sie sich dann die linke Mehrheit im Bundestag?“ „Sie wollen ja gar keine politische Zusammenarbeit.“ „Nicht, solange die SPD nicht einen sozial-ökologischen Umbau des Landes anstrebt.“ „Das tun wir doch jetzt schon.“ „Mit der CDU?“ „Wenn wir diesen Politikwechsel nicht schaffen, werden wir natürlich auch keine Koalition…“ „Und warum wird das wieder nichts?“ „Weil die Kanzlerin sagt, dass das alles zu teuer ist. Und nicht geht. Und dass sie die Kanzlerin ist.“ „Und trotzdem wollen Sie mit der CDU koalieren.“ „Wir können nicht ausschließen, dass wir zu einer politischen Zusammenarbeit grundsätzlich bereit wären.“

„Es ist bedauerlich, aber ich muss Ihnen das sagen: wir sehen Ihren Meinungsumschwung…“ „Das ist doch gar keiner!“ „Eben. Deshalb sehen wir das als taktisches Manöver.“ „Sie wollen damit also ausdrücken, dass Sie an einer politischen Zusammenarbeit auch weiterhin kein Interesse haben? Das hätten wir uns ja denken können.“ „So, können?“ „Jetzt werden Sie mal nicht spitzfindig. Ihre Gesprächsangebote waren doch sowieso nie ernst gemeint. Weil wir uns dazu vollkommen neu hätten ausrichten müssen.“ „Und für die Große Koalition?“ „Da bleibt einem eben nichts anderes übrig.“ „Und deshalb sind Sie kompromissbereit?“ „Es gibt auch rote Linien. Nicht so wie Sie, die als Linksabbieger überhaupt keine politische Moral mehr erkennen lassen.“ „Bitte!?“ „Sie sind doch sogar für Koalitionen auf Landesebene.“ „Also sind wir jetzt schuld, dass Sie überhaupt noch irgendwo eine Regierungsbeteiligung haben?“ „Aber als Juniorpartner – das werden wir nie zulassen!“

„Halten wir fest, dass wir uns auch in Zukunft die Sondierungsgespräche sparen können.“ „Hmja. Gut.“ „Ihre Aussage.“ „Nicht gleich jedenfalls.“ „Aber bis dahin…“ „… sind wir natürlich zu keiner politischen Zusammenarbeit bereit.“ „Okay.“ „Und schon gar nicht als Koalitionäre.“ „Kapiert.“ „Auf keinen Fall!“ „Aha.“ „Außer bei Neuwahlen.“