Fremdarbeiter

11 02 2014

„Ich habe ja gar nichts gegen Ausländer.“ „Aber?“ „Nein, wirklich nicht. Ich verstehe bloß nicht, warum die immer alle zu uns kommen müssen.“ „Wieso sollen die denn nicht kommen.“ „Das sind doch Ausländer, die gehören halt ins Ausland.“

„Was genau stört Sie eigentlich genau an diesen Ausländern?“ „Dass es Ausländer sind.“ „Und dagegen haben Sie erst mal nichts?“ „Nein, wirklich nicht. Einige meiner besten Freunde…“ „So viele haben Sie?“ „Wenn ich welche hätte, darunter wären auf jeden Fall auch Ausländer.“ „Und ansonsten, was finden Sie an den anderen nicht gut?“ „Die wollen doch gar nicht.“ „Was wollen die nicht?“ „Arbeiten!“ „Und deshalb wandern die extra ein, nur um nicht zu arbeiten?“ „Eben, das ist doch das Perfide. Und das Geld, das die hier aus dem Sozialstaat abkassieren, das schicken sie dann nach Hause!“ „Ah, verstehe. Davon kaufen die sich bestimmt die vielen Waren, die für den Export hergestellt werden.“ „Richtig! Das muss doch mal ein Ende haben!“

„Haben Sie sich nie gefragt, warum so viele Ausländer wegen der guten beruflichen Aussichten kommen?“ „Die wollen natürlich alle ohne große Anstrengung reich werden, und wir sollen das ihnen bezahlen.“ „Sie sind also dagegen, dass die alle eine Anstellung finden?“ „Aber strikt! die schaden dem Land!“ „Und wer stellt die ein? ist das am Ende die Wirtschaft?“ „Natürlich die Wirtschaft, Sie stellen vielleicht blöde Fragen.“ „Dann verstehe ich nicht, wie die Migranten der Wirtschaft schaden können. Wenn die Wirtschaft stets nur nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip vorgeht, dann müssen diese Arbeitskräfte…“ „Fremdarbeiter sind das, keine Arbeitskräfte! Das sind Fremdarbeiter!“ „… ja irgendeinen Vorteil haben, der der Wirtschaft nützt, oder?“ „Ich weiß das nicht, ich verstehe nichts von Wirtschaft.“ „Schön, dass Sie es noch mal sagen. Aber dann ist das doch gut für die Wirtschaft, oder? und dann unterstützt das doch den Staat?“ „Ich will aber nicht, dass meine Rente von irgendwelchen Ausländern bezahlt wird, das kriegen wir auch noch ohne die hin!“

„Nur mit Propaganda werden Sie das Problem nicht lösen können.“ „Wie denn sonst? Wir müssen das Volk doch erst mal aufmerksam machen darauf, dass es fünf vor zwölf ist!“ „Fünf vor zwölf – Sie übertreiben ja mal wieder maßlos.“ „Wenn wir uns jetzt nicht zur Wehr setzen, dann werden wir total überfremdet! Dann gibt es uns in hundert Jahren nicht mehr!“ „Bei den erneuerbaren Energien ist Ihnen das doch auch völlig egal, ob es das Land in zwanzig Jahren noch gibt, oder warum wehren Sie sich so vehement gegen Windkraftanlagen und Stromtrassen?“ „Das kann man doch gar nicht miteinander vergleichen, aber wenn wir jetzt nicht aufpassen, dann sind wir in hundert Jahren komplett durchmischt und durchrasst, das sind doch die Fakten!“ „Wo kamen Ihre Verwandten noch mal her?“ „Aus Schlesien, genauer: Niederschlesien. Warum fragen Sie?“ „Ach, nur so.“

„Jedenfalls müssen wir endlich mal das Volk dafür sensibilisieren, dass es hier um seine eigenen Belange geht.“ „Wie beispielsweise Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor.“ „Die nehmen uns doch die Jobs weg, so sieht es doch aus!“ „Deshalb kommen ja auch vorwiegend ausgebildete Fachkräfte, die im mittleren Management arbeiten oder im Handwerk. Oder im Gesundheitswesen.“ „Sehen Sie? das ist doch eine Strategie! Die ohne Ausbildung lassen unser Land ausbluten, und die anderen senken die Löhne!“ „Wenn einer die Löhne senkt, dann doch die Wirtschaft, oder?“ „Aber diese Fachkräfte, die werden irgendwann auch das Lohnniveau in den oberen Bereichen senken. Sie werden schon sehen.“

„Entschuldigen Sie mal, aber Sie reden ja nur Quatsch. Das können Sie doch nicht selbst alles glauben, was Sie da von sich geben.“ „Es funktioniert eben nicht. Europa funktioniert eben nicht, Sie sehen es doch. “ „Wissen Sie, was mich wirklich ankotzt? Dass es derart viele Integrationsverweigerer gibt. Dass alle diese Leute, dass alle diese Einwanderer meinen, sie hätten die Deutungshoheit über unsere Kultur. Über unsere Politik und unser Gemeinwesen. Die denken, sie kommen hier als gesuchte Fachkräfte an und dürfen sich dann sofort wie zu Hause fühlen – gut, ist ja auch nichts dagegen einzuwenden, aber es ist immer noch unsere Heimat, und wenn sie meinen, sie könnten sich hier integrieren, dann müssen sie eben auch mal schauen, dass sie ihre eigene Mentalität innerhalb unserer eigenen kulturellen Grenzen ausleben. Wir haben überhaupt nichts dagegen, wenn einer hier seine kulturelle und meinetwegen auch soziale Identität einbringt, aber es sind unsere Grenzen, und wir verlangen auch nicht mehr als ein bisschen Respekt dafür, dass ein Europa der Vielfalt heißt: hier kann jeder alles tun und sich frei entfalten, aber nur bis zu dem Punkt, wo sich der andere bevormundet fühlt, und das gilt verdammt noch mal auch für Gastgeber.“ „Sehr gut! Bravo! Unterschreibe ich sofort, sehr richtig! Was meinen Sie, wie mich das anwidert – erst die Türken, und jetzt kommen diese ganzen Bulgaren und Zigeuner! Was soll bloß aus Deutschland werden?“ „Das ist mir offen gestanden egal. Es reicht mir schon, wenn Sie und Ihre Landsleute endlich aus der Schweiz verschwinden.“