Parzival und Jeschûte. Drei kleine Variationen Wolframs von Eschenbach (II): Wie bei Muttern

23 02 2014

(Chanson für Jeschute Valetti von Theobald Hauser, erschienen in der Bühnenwelt)

Ja, das möchtste…

Dass alle Fraun wie Marzipan
sich schlafend stelln, und Du kommst bei,
so rot der Mund und weiß der Zahn,
und kein Justizrat dreht was dran:
kaum haste Hunger, gibt es was zu futtern –
wie bei Muttern.

Ja, das möchtste…

Dass sie Dir auch noch ihren Ring
aus lauter Dankbarkeit vermacht,
nachdem Dein Arm sie sanft umfing,
und auch kein Zensor kippt das Ding:
kaum haste Hunger, gibt es was zu futtern –
wie bei Muttern.

Ja, das möchtste…

Dass Du zuletzt noch Hühnerklein
an ihrer Seite schmausen kannst,
kein Gatte kommt zur Tür herein
und kein Verleger schreit Dir drein:
kaum haste Hunger, gibt es was zu futtern –
wie bei Muttern.

Ja, das möchtste…

Doch merk Dir gut, ob Schmuck, ob Schmaus,
ob Kuss, ob Geld, eins kannst Du nur.
Du lebst. Und also suchst Du aus.
Nimm alles. Aber mach was draus.
Hast mal Hunger, nimm Dir was zu futtern –
wie bei Muttern.