Parzival und Jeschûte. Drei kleine Variationen Wolframs von Eschenbach (III): Eheliches Missverständnis oder Lücken der Versicherung

9 03 2014

(aus: Eugen Blaumann, Menschen im Mittelalter)

Ein Mensch, der spät sonst kommt nach Haus,
kommt früher heut. Wie sieht’s da aus!
Es scheint zur rechten Zeit zu sein,
denn kaum tritt er zur Tür herein,
da sagt die Menschin, dass ein Narr
vorhin bei ihr gewesen war.
Er hätt’ ihr ohne groß Geschrei
den Ehering geraubt und sei
auch übers Rebhuhn hergefallen.
Das mocht dem Menschen nicht gefallen,
ist Rebhuhn auf französ’sche Weise
doch seine Leib- und Magenspeise.
Bis dahin fasst er’s halb noch heiter,
die Menschin aber beichtet weiter,
der Junge hätt’ zum Überfluss
ihr auch geraubt noch einen Kuss.
Da reißt dem Menschen die Geduld,
er gibt allein der Menschin Schuld.
Denn Mundraub, auch wenn’s Rebhuhn sei,
gehört als Raub der Polizei
berichtet, ebenso der Ring.
Der Kuss ist doch ein andres Ding,
den könne niemand ihm ersetzen.
Das tat ihn doch zu sehr verletzen,
und fortan grollt er seinem Weibe
ob dieser Schädigung am Leibe.
Und für den Rest der Ehetage
quält er sich über einer Frage:
Versicherungen, wenn sie hatten
die Absicht, Dinge zu erstatten,
die ganz abstrakt, zum Beispiel: Küsse,
wie man die wohl bezahlen müsse.