Suggestion

23 03 2014

für Kurt Tucholsky

Die Mutti strahlt. Die Mutti spricht.
Jetzt sind die Renten richtig.
Wer das bezahlt, das sagt sie nicht.
Ist wohl auch nicht so wichtig.
Mehr Arbeit, mehr davon Gewinn,
und runter mit den Löhnen.
Man kennt Leier. Hin ist hin.
Schon leis hört man sie höhnen.
    „Der Deutsche ist ein braver Mann,
    kommt bei ihm nicht genügend an,
    bläst man ihm zu mit frischem Mut:
    Ach Gottchen, geht’s uns wieder gut!“

Da dräut der Russe. Mutti schmollt
mit dicker Unterlippe.
Passt auf, wenn erst die Mutti grollt:
die Welt steht auf der Kippe!
Es fehlt ihr die Gelegenheit.
Gebt acht, dann wird sie munter
und zeigt voll Überlegenheit:
mit Mutti geht nichts unter.
    „Man sagt’s ihm, und der Deutsche denkt,
    wenn man ihm nicht zu knapp einschenkt.
    Das funktioniert seit jeher prächtig:
    Ach Gottchen, sind wir wieder mächtig!“

Was Mutti nicht besonders stört,
das ist auch nicht dramatisch.
Das ganze Volk wird abgehört,
doch Mutti bleibt apathisch.
Mit Mühe und mit knapper Not
lässt sie im Schlaf sich stören,
und sie, als wär’s ihr täglich Brot,
beginnt, sich zu empören.
    „Was unter Freunden ist, das bleibt
    auch dort, wenn der was Schlimmes treibt.
    Ihr braucht das alles nicht zu wissen!“
     „Ach Mutti, was geht’s uns – – – !“