Давай, давай!

25 03 2014

„Natürlich besteht überhaupt kein Zweifel, dass überhaupt keine Gefahr besteht. Und umgekehrt. Der Russe ist ja von jeher ein gefährlicher Zeitgenosse, Frau Merkel. Der weiß, was er tut.

Nein, wirklich. Fragen Sie sich selbst, Sie werden sich das bestätigen. Sie sind ja in dem Glauben aufgewachsen, dass der große Bruder gar nichts Böses tun kann und immer recht hat und sich nie mit den falschen Freunden abgibt. Weshalb er ja auch der große Bruder ist. Und deshalb müssen wir uns mit der Kritik am großen Bruder jetzt auch etwas mehr zurückhalten, damit wir keinen Ärger kriegen.

Lassen Sie den Steinmeier ruhig an der langen Leine. Damit kommt er schon zurecht. Der kann gut Anzüge tragen und betroffen aussehen. Und er hat die praktische Erfahrung, Ihre Politik im Ausland zu verkaufen, Frau Merkel. Seien Sie froh, dass Sie den Mann eingekauft haben. Wenn der nichts tut, ist das noch mehr, als Westerwelle je hingekriegt hätte.

Ich wäre für integrierte Schutzmaßnahmen, das macht sich immer gut. Verbinden Sie einfach die Innen- und die Sicherheitspolitik, Frau Merkel. Ihr bisheriges Personal hatte ja nie ein gutes Händchen, wenn es darum ging, die innere Sicherheit nach außen auszudehnen. Holen Sie die militärischen Kräfte einfach rein in die Kontrolle, von der Sie nicht wissen wollen, dass sie stattfindet. Lassen Sie das die Amerikaner machen, oder besser: interessieren Sie sich einfach nicht mehr dafür. Die zerlegen unsere Verfassung sowieso in Einzelteile, ohne Sie vorher zu fragen. Nutzen Sie die Gunst der Stunde, Frau Merkel, und verbinden Sie das Angenehme mit dem Nützlichen. Hören Sie einfach auf, die Amerikaner zu kritisieren. Der Effekt ist derselbe, aber Sie ersparen ihnen eine Menge Diskussionen.

Sie sollten stattdessen sehr gut auf Ihre Verteidigungsministerin aufpassen, Frau Merkel. Nein, nicht wegen der Außenwirkung. Mehr als die hat sie eh nicht zu bieten. Aber bei der Menge an Unsinn, den sie da äußert, empfiehlt sie sich gerade als potenzielle Nachfolgerin im Kanzleramt. Wir sollten das nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Oder nutzen Sie es einfach als Steilvorlage. Mehr militärische Präsenz mit mehr deutscher Beteiligung, das gefällt sicher auch unseren amerikanischen Freunden. Das reduziert ihre Verbindlichkeiten. Und deutsche Truppen in Polen sind ja nichts Neues.

Selbstverständlich behalten Sie die Wirtschaft im Auge, Frau Merkel. Erzählen Sie den Bürgern irgendwas von Freiheit. Notfalls übernimmt das Ihr Präsident bei der nächsten Festtagsrede, das fällt auch nicht mehr auf. Gerne auch die ganz alten Sprüche. Dass unsere Rüstung dem Frieden dient. Oder dass Aufschwung unsere beste Waffe gegen den Kommunismus ist. Was man halt so sagt. Wir brauchen Wirtschaftswachstum, Frau Merkel. Wir sind schließlich bedroht.

Nicht Putin, Frau Merkel. Der Russe. Es ist der Russe, klar? Meine Güte, jetzt seien Sie doch mal froh, dass Sie das endlich so sagen dürfen! Generationen von Westdeutschen hatten Angst vor dem Russen, der plötzlich bei ihnen vor der Tür stehen würde, wenn sie nicht die CDU wählen. Werden Sie jetzt nicht auf einmal unnötig differenziert. Das mag der Wähler vereinzelt gut finden, aber nicht die Wirtschaft. Und Sie wissen schließlich, für wen Sie Politik zu machen haben.

Was meinen Sie denn, wie die Energiewende zu stoppen ist? Der Russe wird uns irgendwann den Gashahn zudrehen, Frau Merkel. Das ist so vorgesehen. Also jetzt nicht direkt so, wie sich das die Amerikaner vorstellen – die sanktionieren die Russen, und die Russen sanktionieren die EU, und dann sanktionieren die Amis wieder die Russen dafür, weil die Europäer ihre Verbündeten sind, und so weiter. Doch, das war so vorgesehen, Frau Merkel. Mit dem kleinen Unterschied, dass die EU diesmal nicht darauf warten wird, bis die Amerikaner uns per Luftbrücke Kernkraftwerke einfliegen. Sie erwarten, dass wir das selbst in die Hand nehmen. Als treue Verbündete.

Ausgeschlossen, Frau Merkel. Windräder an der ukrainischen Grenze, das kriegen Sie nie vermittelt. Den letzten Wirtschaftskrieg haben wir auch nicht mit Solarstrom gewonnen.

À propos, Arbeitsplätze. Hatten Sie schon mal an die Ausdehnung der Beschäftigungsstrategie auf kriegswirtschaftlich relevante Branchen gedacht? Naja, einer muss denen halt die Waffen liefern. Wenn wir es nicht tun, macht es irgendeine andere Nation von gewissenlosen Schiebern, die sich an den bewaffneten Konflikten auf dieser Welt eine goldene Nase verdienen wollen. Da können wir es ja auch gleich selbst erledigen.

Befolgen Sie einfach eine klar strukturierte Agenda, die auf einer ebenso klar strukturierten Ideologie aufbaut. Als Supermacht vertritt man keine Machtinteressen, man kämpft für die Freiheit. Nicht zwingend für die der Völker, es kann auch mal die der eigenen Wirtschaftsoligarchen sein. Jede Kritik an der eigenen Position ist unstatthaft. Und Angriff ist die beste Verteidigung.

Machen Sie sich keine Sorgen, Frau Merkel. Alles wird gut. Bald steht der Russe wieder vor der Tür. Zur Not sorgen Sie eben selbst dafür.“