Funkstunde

26 03 2014

„Skandalös!“ „Finde ich aber auch.“ „Aber man weiß ja, aus welcher Ecke es kommt.“ „Das ist hier mal unerheblich, wir müssen uns neu aufstellen.“ „Ich möchte mal wissen, was das Bundesverfassungsgericht hier überhaupt zu melden hat. Sehen die denn fern?“ „Ja, aber sicher nicht ZDF.“

„Wie sollen wir denn politisch unabhängig werden, wenn wir unsere Führung nicht aus den politischen Ämtern rekrutieren?“ „Das habe ich jetzt nicht kapiert.“ „Dass wir unabhängig sind?“ „Das habe ich auch bis heute nicht verstanden.“ „Witzbold, das ist ja auch nur programmatisch.“ „Also nicht für die Programmkommission?“ „Leute!“ „Nein, dass wir ein Staatssender sind, der aber keine Interessen des Staates vertreten darf.“ „Wir sind ein Staatssender?“ „Guten Morgen, Kollege! Angenehm geruht?“ „Er ist erst seit zehn Jahren hier, das dürfen Sie ihm nicht übel nehmen.“

„Wir müssten so eine Art interner Kontrolle installieren.“ „Finde ich aber auch.“ „Das geht doch nicht gut, am Ende moniert wieder jemand, dass…“ „Natürlich muss das in der Satzung festgeschrieben werden.“ „Dann wird es eben da beanstandet.“ „Es geht doch nicht darum, dass zu viele Funktionäre der Union angehören.“ „Sondern?“ „Sie wollen doch nicht behaupten, wir hätten einen zu großen SPD-Einfluss?“ „Das Problem ist, dass wir überhaupt so einen parteipolitischen Einfluss haben.“ „Das verstehe ich nicht.“ „Weil zu viele Funktionsträger politische Ämter bekleiden und aus den Parteien kommen.“ „Ist dann deren Arbeit automatisch schlechter?“ „Sie ist parteipolitisch geprägt.“ „Also schlechter.“ „Das habe ich nicht behauptet.“ „Sie können doch die Wirklichkeit nicht leugnen.“

„Also sollten wir die Funktionäre jeweils rotieren lassen?“ „Wer hat das denn vorgeschlagen?“ „Wäre doch mal einen Versuch wert.“ „Bloß nicht, dann haben wir lauter Grüne bei uns.“ „Ist doch auch nicht schlimm.“ „Finden Sie?“ „Für das ZDF bestimmt.“ „Wir können ja die Gremien jeweils aus den Kabinetten der…“ „Können wir nicht. Es geht ja nicht um die parteipolitische Zusammensetzung, es geht ja darum, dass wir überhaupt keiner Partei mehr angehören dürfen.“ „Das ist doch völlig weltfremd!“ „Hat Sie das beim ZDF jemals gestört?“ „Das ist nicht die Frage, es geht nur darum, wer unseren nicht parteipolitischen Kurs wie bestimmt.“ „Also parteipolitisch?“

„Und wenn wir jeweils die Posten aus der Opposition besetzen würden?“ „Unsinn, das ist doch immer noch…“ „Haben Sie sich mal überlegt, was wir dann in einer großen Koalition machen?“ „Also doch alles mit den Grünen.“ „Nee, das geht ja gar nicht.“ „Und wenn wir das mit der Rotation jetzt parteipolitisch organisieren?“ „Wir stellen Sie sich das denn vor?“ „Er meint, wir sollten Leute nehmen, die je nach Anlass die Partei wechseln.“ „Das dürfte nicht das Problem sein. Wer heute nicht wie die CDU denkt, fliegt eh gleich aus der SPD.“ „Die Funktionäre dürfen überhaupt nicht mehr parteipolitisch in die Ämter gehievt werden! Kapieren Sie das doch endlich mal!“ „Wie jetzt, wir dürfen die politischen Entscheidungsträger nicht mehr aus den Parteien holen?“ „Ich sag’s ja, es endet bei den Grünen.“ „Finde ich aber auch.“ „Meine Güte – keine Parteipolitiker! Keine!“ „Jetzt regen Sie sich doch nicht so auf.“ „Eben. Schauen Sie sich doch mal an, was die Bundeskanzlerin macht. Glauben Sie, das entspricht noch dem politischen Willen der Union?“

„Und wenn wir die Politiker für die Zeit Ihrer Mitwirkung von der parteipolitischen Verpflichtung entbinden?“ „Das klingt gut.“ „Finde ich aber auch.“ „Wieso das denn?“ „Wir könnten so gefahrloser ein politisches Gremium bilden, das offiziell nicht parteipolitisch organisiert ist.“ „Was ist das denn wieder für ein Sockenschuss?“ „Die Funktionäre lassen einfach für die Zeit ihrer Mitgliedschaft ihre politische Überzeugung ruhen.“ „Interessanter Ansatz.“ „Ja, nicht wahr?“ „Insbesondere würde mich interessieren, wie man das bei einem bayerischen Ministerpräsidenten hinkriegt.“ „Spielt denn bei dem die parteipolitische Zuordnung so eine große Rolle?“ „Lassen Sie es mich so sagen: in dem Zusammenhang ist es nicht erheblich, wer gerade bayerischer Ministerpräsident ist.“

„Wie war denn jetzt das mit dem Proporz der Parteien gemeint?“ „So hatte ich das gar nicht verstanden.“ „Es ging ja auch eher darum, dass die kleinen Parteien mehr Berücksichtigung finden sollten.“ „Dann könnten wir den bayerischen Ministerpräsidenten zu den Grünen schicken.“ „Oder die große Koalition in die Hölle.“ „Finde ich aber auch.“ „Jetzt hören Sie doch mal auf mit Ihren…“ „Was denn jetzt!? Wir sollen ein staatstragendes Medium von einem Stab aus staatstragenden Funktionären verwalten lassen, die aber keinen staatstragenden Parteien angehören?“ „Also doch alles…“ „Vorsicht, Kollege!“ „… der FDP übertragen?“ „Da haben Sie ja gerade noch mal Glück gehabt.“ „Alle wechseln jetzt zur Autofahrerpartei?“ „Und die Violetten beschweren sich?“ „Wir können das ja gleich an die Grauen outsourcen.“ „Oder noch besser: wir gründen eine eigene Partei dafür.“ „Großartig!“ „Finde ich aber auch.“ „Meine Herren, wir sollten das Problem verfassungsrechtlich gelöst haben.“ „Sehr gut!“ „Jetzt bleibt natürlich noch die Frage, was sich dadurch ändert.“ „Warum sollte sich dadurch etwas ändern? Wir sind schließlich das ZDF.“


Aktionen

Information

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.




%d Bloggern gefällt das: