Beschäftigt

27 03 2014

„Außerdem müssten wir etwas gegen den Abbau von Arbeitsplätzen tun. Also nicht den Abbau, sondern die Beschäftigungslosigkeit. Das ist ja so im Verwaltungsapparat, da wird man nicht arbeitslos, da stellt man einfach die sinnvollen Tätigkeiten mehr und mehr ein, bis sich die Pension am Horizont abzuzeichnen beginnt. Und das können wir nicht gutheißen in unserer Behörde. Zumindest nicht in dem Maß, das uns von der aktuellen Rechtsprechung aufoktroyiert wird. Wir brauchen ein Feindbild. Und da die Bevölkerung die Bundesregierung sowieso nicht mehr leiden kann, ich finde, was liegt denn da näher?

Also mir wär’s ja auch lieber gewesen, wir hätten einfach weiter die Linken beobachtet. Da hat man keinen Ärger, die machen nichts Verbotenes, wir können dann mit der Interpretation unserer Erkenntnisse sehr kreativ drangehen, und wenn einer in der Öffentlichkeit irgendwelche Vorwürfe erhebt, dann können wir immer noch sagen, wir beobachten die schon so lange, da muss dann ja doch irgendwas dran sein. Die Presse erledigt dann den Rest. Der Gysi wurde in der DDR geboren, das kriegen Sie nie mehr raus, und schon ist die Argumentation dicht. Für den Durchschnittsleser jedenfalls, oder was so Springerzeitungen kauft.

Eben, das war ja auch mein Aufhänger. Einmal DDR, immer DDR. Und wenn man Kanzlerin wird. Das Innenministerium hat da eine klare Linie ausgegeben: die sind alle vom Volk gewählt, und sie machen bisher immer nur legale Sachen. Können Sie das auch von der Merkel sagen? Na also. Und wenn diese Regierung schon alles tut, um den Bundestag als parlamentarische Kontrolle auszuhebeln, warum sollten nicht wir den Job machen?

Schauen Sie mal, das sind die ganzen Erkenntnisse zur Überwachung durch die US-amerikanischen Geheimdienste. Wir haben da den Überblick. Fragen Sie nicht, warum. Wir haben ihn jedenfalls. Und deshalb haben wir uns jetzt entschlossen, die Bundesregierung zu überwachen. Besonders die Kanzlerin. Und das ist jetzt kein ideologisch gesteuerter Aktionismus, wie wir das bei den Linken immer rechtfertigen konnten, das beruht auf einem eindeutigen Verdacht. Wir haben nämlich herausgefunden, dass wir eine Verfassung haben – witzig, oder? – und dass wir darum Verfassungsschutz heißen. Und da haben wir uns gedacht, machen wir doch einfach mal das, was wir eigentlich machen sollten. So wie beim Bundeskriminalamt, da sind sie ja auch immer mal kriminell.

Sie können von Glück reden, dass wir jetzt erst anfangen damit. Stellen Sie sich mal vor, wir würden eine Regierung mit FDP-Beteiligung überwachen. Das wäre personell gar nicht zu schaffen.

Doch, das machen wir gezielt. Die Bundesregierung ist ja angeblich für die Umsetzung der Richtlinien der Politik zuständig, und wir machen das wie gewohnt mit einer etwas freieren Auslegung der Befugnis. Bei den Linken haben wir schon ermittelt, wenn die sich kapitalismuskritisch geäußert haben. Dabei konnte uns bis heute keiner die Stelle im Grundgesetz zeigen, in dem der Kapitalismus als Wirtschaftsordnung staatsrechtlich vorgegeben ist. Muss sich im ein Versehen gehandelt haben. Naja, also wenn Sie fragen, warum wir jetzt ein eigenes Referat für die CDU haben.

Oder hier, die CSU. Die rassistische Kampagne gegen die Rumänen und Bulgaren war nach deren Ansicht nötig, damit die Öffentlichkeit ein Problembewusstsein entwickelt für ein Problem, das die Bundesregierung offiziell als nicht existent bezeichnet. Mit der Haltung kann ich mich auch hinstellen und sagen, die Neger fressen kleine Kinder. Alles erstunken und erlogen, aber Hauptsache, irgendwo schmeißen ein paar aufrechte Deutsche wieder Brandsätze in ein Asylantenheim. Das ist klar verfassungswidrig. Da freuen sich doch die Kollegen, die nicht mehr als V-Leute in der NPD arbeiten dürfen. Endlich mal wieder eine sinnvolle Beschäftigung für unsere Nazi-Abteilung.

Oder hier, die SPD. Mindestlohn vom Alter abhängig. Das verstößt natürlich gegen den Gleichheitsgrundsatz, aber die SPD macht das trotzdem mit. Deshalb beobachten wir ja auch die SPD und nicht die Union. Man muss sich seine Freunde eben genau aussuchen.

Gut, wir beobachten natürlich nicht mehr die ganzen Parteien. Nur noch die Strömungen, die eventuell in Konflikt kommen könnten mit dem Grundgesetz. Was bei der CSU beispielsweise gar nicht abzugrenzen ist. Und deshalb haben wir uns auch entschlossen, vorerst sämtliche Aktivitäten der Parteien zu durchleuchten. Auswählen kann man ja hinterher immer noch. Dafür hat die Bundesregierung sicher Verständnis, bei ihren amerikanischen Verbündeten tolerieren sie es auch.

Unsere Maßnahme zur Beschäftigungssicherung läuft jedenfalls. Den Stellenabbau müssen wir so schnell nicht mehr fürchten. Und wenn es doch irgendwann eng werden sollte, wir haben ja noch die AfD.“