Gernulf Olzheimer kommentiert (CCXXXIV): Verordneter Narzissmus

21 03 2014
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Das hat die Natur ja wieder mal voll tricky eingerichtet. Wer mit etwas höherer Intelligenz und durchaus tauglichem Sozialverhalten ausgestattet ist, Elefanten etwa, erkennt seine Artgenossen. Für den Arbeitsalltag in freier Wildbahn ist das so verkehrt nicht, erspart mancherlei Missgriffe und reicht aus, um die Spezies zu erhalten, wenn sich die umliegende Evolution einmal weitergedreht hat. Einfach strukturierte Kohlenstoffklötzchen, die ihre Existenz nicht recht überblicken, etwa die ersten Hominiden, sie flippen komplett aus beim Blick in die spiegelnde Fläche. Was für den einen simpler Guckreiz ist, was der andere zur Selbsterkenntnis aufpustet, ist dem nüchternen Betrachter nur der Beweis, dass die durchschnittlichen Beknackten mit ihrem Spiegelbild irgendwas anfangen wollen, es heiraten, ihm ein in die Fresse möllern oder aber vor ihm schreiend weglaufen. Sei es, wie es sei, Objekt klein a hat definitiv gesiegt, und doch nölt das kapitalistische Verstörungspersonal, dass sie die Beute so leicht nicht vom Haken lassen. Das Spiegelbild ist der beste Hänger für eine besonders perfide Form, die Selbstentfremdung zum Inhalt der Inkarnation zu adeln. Wenn schon krankhafter Narzissmus, dann wenigstens verordnet.

Nicht die Epoche war es, es ist eine Geisteshaltung, die uns vorschreibt, noch ein Kilo Fett am Arsch loszuwerden. Und noch eins. Und noch eins. Und noch eins. Irgendwann zückt der Anorexieberater seine Visitenkarte. Wie erlösend muss es da sein, wenn die Tante mit der komischen Brille zu den Täubchen im Speckmantel sagt: alles gut so, Ihr findet Euch jetzt gefälligst mal hübsch, danke fürs Geräusch. Nein, es geht nicht darum, dass sie keine nennenswerte Ahnung von den Gelenkproblemen adipöser Schlunzen hat. Oder westerwelleske Epidermis für tageslichtkompatibel hält. Sie hämmert den Mehlmützen ein, dass jedes noch so gebeutelte Schnitzelkind sich selbst für perfekt halten soll. Nicht annehmbar, nicht knapp im Rahmen des Erträglichen, sondern: perfekt. Dann ist es auch so. Glaub dran und halt’s Maul.

Die neoliberale Esoterikkacke funktioniert nach dem einfachen Strickmuster, dass jeder Depp jedes noch so aberwitzige Ziel erreichen kann, wenn er sich nur genug anstrengt – die als Regierungen getarnte Zusammenrottung genetischer Dropouts plärren in stetiger Einheit, dass nur mit noch mehr Verarmung und sozialem Abstieg für alle ein Wettrennen gelingt, bei dem auch alle Erster werden. Warum also nicht die ohnehin kaum zu komplexer Logik fähigen Robbenbarbies mit in den Strudel der Schnellverdeppung schubsen, wo sie lernen, aus allen Knopflöchern nach Ich zu stinken.

Sie zwingen sich zur Fröhlichkeit, lassen sich bis über den Steiß liften, um eine jugendliche Fresse ziehen zu können, und wenn der Verfall sich dem Endstadium nähert, beten sie sich mit obskuren Methoden, Zuckerpillen und Hokuspokus gesund, weil der gezwirbelte Dumpfsinn sich so schön glauben lässt: es geht uns gut, solange wir es wollen, weil wir stark sind, unerschütterlich, nicht, in Worten nicht sterblich, und wer etwas anderes behauptet, gehört nicht zu uns. Der antiintellektuelle Schorf, an dem mancher Auswurf der menschenfeindlichen Gesinnung haften bleibt, ist auch hier wieder nur die reinste Form des Irrationalismus. Wider jede Vernunft, wider jeden Verstand klotzt sich die Kasperade auf, und wüssten sie, wie die filigranen Symptome der Beklopptheit auf die Außenwelt wirkten, sie hielten den Rand.

Leider haben sie auch noch Erfolg mit dem Schmadder. Ein Dutzend meist für ramponierte Egos ins Publikum geschwiemelte Zeitschriften, in diesem Fall: Periodika für Leserinnen, walzen die pseudolibertäre Befreiungsbotschaft so platt, dass sie unter jeder Tür durchsuppt. Nimm Dich selbst positiv wahr, jodeln die Hirnkneter, dann strahlst Du auch positive Energie aus, mit denen Du die Tranmöpse neben Dir aus dem Rennen kickst.

Dass sich keine der traumatisierten Tussen die Birne an der Erkenntnis zermarmelt, dafür sorgt die gründliche Selbstentfremdung, eingeübt über Jahrzehnte und Generationen, entstellt und in die Kategorien der Verwertbarkeit gedengelt. Sie sehen sich, wie die Sklaven ihren Kolonialherren gegenübertraten, Leibeigene ohne eigenen Leib, verzerrt, vom verinnerlichten Stereotyp verdumpft. Das Ich ist ein Anderer, es ist nur nicht das Ideal, das der Narzisst aufpoppen sieht. Die Zuneigung mag dem Anderen gelten, aber das ist nicht das Ich. Willkommen in der Schizophrenie.

Die Quittung folgt sowieso, sobald die Physis in der Realität aufschlägt. Gerade noch euphorisch vor dem Spiegel, alles supi, alles schön, und schon passt der Arsch wieder nicht in die Dinger, mit denen die Textilterroristen ihre Klientel zur Sau machen. Nicht einmal Lacan trug Größe 38. Tja.





Gotteskrieger

20 03 2014

„… im Kölner Hauptbahnhof festgenommen worden seien. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, habe man die beiden Personen wegen ihrer Kleidung angehalten, die als Protest gegen die westlichen…“

„… Tarnnamen verwendet hätten. So seien die beiden mit mittelalterlichen…“

„… sich geweigert hätten, während der Kontrolle die bodenlange Kleidung auszuziehen. Es sei noch nicht eindeutig erwiesen ob es sich bei den brokatverzierten Abendkleidern um Damenmode für sehr füllige…“

„… abgelehnt hätten, sich von einer Kriminalbeamtin zu…“

„… einer der Vorgesetzten der Personen bereits gedroht habe, den Vorgesetzten des Vorgesetzten des Vorgesetzten des…“

„… eine Neigung zu teurem Schmuck zu haben. die bei den Personen sichergestellten Gegenstände im Wert von mehreren zehntausend…“

„… in einer ersten Stellungnahme dagegen protestiert, die Festnahme sei nicht ganz zufällig unmittelbar vor einer Wahl…“

„… eine Botschaft des religiösen Führers der aufgegriffenen Gefährder übermittelt habe. Diese sei halb von wirren Drohungen, halb von rechtspopulistischen…“

„… offensichtlich um einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz gehandelt habe. Die beiden seien im Besitz großer Mengen THC-haltigen…“

„… umfangreiches Videomaterial aufgetaucht sei, auf denen die Fanatiker im Kreise von Gleichgesinnten singend und feiernd den…“

„… die Forderung gestellt hätten, nur in einer Zelle mit Marmorboden, Stuckdecke und…“

„… seit Jahren ungeklärte Kriminalfälle in ihrer Organisation zu dulden Die Kriminalbeamten seien inzwischen damit beschäftigt, die Verbindung der beiden zum gewerbsmäßigen Verbrechen…“

„… zähle die Regierung sie zu den gefährlichsten weltweit operierenden Untergrundorganisationen, die ihre Zielgruppe vor allem in den Elendsvierteln der…“

„… klare Ablehnung der Demokratie und der rechtsstaatlichen Institutionen in Deutschland. Eine Gleichberechtigung von Mann und Frau hätten die beiden Verdächtigen als nicht mit ihrem…“

„… erste Anzeichen von Allmachtsfantasien. Die Beamten hätten während des Transports ins Landeskrankenhaus gesehen, dass die Personen sich bereits als Herrscher über das ganze Land…“

„… die Staatsanwaltschaft der Meinung sei, dass die Organisation in der Vergangenheit für zahlreiche Terroranschläge und…“

„… offenbar von einem großen Unbekannten verursacht worden sei. Dies rechtfertige einen Anfangsverdacht der Verdunkelung, die nach dem Haftrichter auch ohne den…“

„… selbst militärische Auseinandersetzungen provoziert, finanziert und geführt habe. Die Gotteskrieger hätten sich bisher nicht…“

„… nach Ansicht der Experten gar keine religiöse Aussage vermittelten, sondern sich selbst als Heilsbringer in die…“

„… psychotische Reaktionen gezeigt habe. Eine der inhaftierten Personen sei mit einem großen Metallgegenstand auf die Vollzugsbeamtin zugestürzt und habe sie in einer toten Sprache beleidigt, sie geschlagen und mit einer wässrigen Flüssigkeit aus einem silbernen Zylinder…“

„… große Mengen Bargeld in den beiden Koffern gefunden worden seien sollen, die fast einer Sprengung auf dem Hauptbahnhof …“

„… dass die westliche Demokratie in ihren Augen letztlich auch nur ein Werkzeug des Teufels sei. Der Gerichtsmediziner habe bei ihnen einen therapieresistenten…“

„… natürlich umgetauscht, da die Beträge zuvor in kleinen Scheinen, teilweise auch in Hartgeld den Besuchern ihrer…“

„… zu dem offenbar Rituale gehörten, in denen Blut und Menschenfleisch eine…“

„… auch für Geldwäsche verantwortlich seien. Das Bundeskriminalamt habe…“

„… nicht zu inhaftieren. Die Gerichtsmediziner seien davon überzeugt, dass es sich um eine gefährliche Störung handele, in der die Verurteilten auf innere Stimmen oder unsichtbare Figuren…“

„… es sich um den Landesbischof von…“





Neunundneunzig Luftballons

19 03 2014

„Also ist alles sicher.“ „Im Prinzip ja.“ „Aber?“ „Es ist auch keine Gefahr da.“ „Gut, und was dann?“ „Eigentlich sind wir ja in Sicherheit.“ „Das war jetzt irgendwie klar.“ „Aber auch, wenn es keine erkennbare Gefahr gibt…“ „Bitte!“ „… müssen wir von einer Gefahrenlage ausgehen.“ „Bitte!?“

„Natürlich ist das keine konkrete Gefahr.“ „Aber eine konkrete Gefahrenlage?“ „Überlegen Sie doch mal selbst: wenn es eine Lage ist, in der sich, wo auch immer, Gefahren befinden könnten, dann ist das keine Gefahr oder?“ „Dann ist eine Gefahrenlage also nie konkret?“ „Nie.“ „Und eine konkrete Gefahr ist auch nie eingebettet in eine Gefahrenlage?“ „Natürlich nicht. Wenn wir eine Gefahr konkretisieren können, also Sprengstoff oder antikapitalistische Gesprächskreise, dann ist das ja keine Lage mehr, sondern eine Situation.“ „Und der Unterschied wäre?“ „Das hängt dann jeweils von der jeweiligen Definition ab.“ „Was Sie nicht sagen.“ „Und deshalb ist das keine Gefahrenlage. Man muss da genau unterscheiden, davon hängt eine Menge ab.“ „Die nationale Sicherheit?“ „Das weiß ich nicht, aber auf jeden Fall kann es sehr gefährlich werden.“

„Und wie sieht nun die Gefahrenlage aus?“ „Das kann man immer nicht so sagen.“ „Warum denn nicht?“ „Meine Güte, denken Sie doch mal nach. Es gibt halt keine konkrete Lage, da lässt sich nie so richtig benennen, wo denn die Gefahr nun lokalisiert ist.“ „Man weiß also nur, dass es eine Gefahr gibt.“ „Ja. Manchmal.“ „Und manchmal weiß man, dass es keine gibt?“ „Nein, aber…“ „Also gibt es dann keine?“ „… dann weiß man, dass es eine Gefahr gibt.“ „Was soll denn der Unsinn? Es gibt keine Gefahr, weil man weiß, dass es eine gibt?“ „Es gibt eine, aber sie ist nicht konkret.“ „Das war doch bei der Gefahrenlage vorher schon so.“ „Nein, diese hier ist ja nicht einmal da konkret unkonkret, wo man weiß, dass das eine Gefahr ist. Die ist eben auch als Lage von Gefahren, die als Gefahrenlage eine nicht konkrete Lage von…“ „Heute noch, okay?“ „Also eine Gefahrenlage.“ „Aha.“ „Eine Lage von Gefahren…“ „Ach was.“ „… oder von Gefahr. Als Abstraktion der Gefahren, die sich als Gefahr wahrgenommen wahrnehmen lassen, wenn Sie die konkret, oder eben nicht konkret. Man nimmt das meistens ja wahr, aber eben auch anders.“ „Und das ist jetzt konkret eine…“ „Eben nicht!“ „Eine nicht konkrete…“ „Falsch! Völlig falsch, das ist doch der Punkt! Das ist eine abstrakte Gefahrenlage!“ „Die ist abstrakt, weil sie nicht konkret ist?“ „Total verkehrt, sie ist nicht in der Lage, konkret zu werden, weil sie abstrakt ist.“

„Gut, versuchen wir es anders. Es liegt konkret keine Gefahr vor.“ „Falsch.“ „Was ist denn daran nun wieder verkehrt?“ „Es liegt vielleicht eine Gefahr vor, sie ist nur eben nicht konkret.“ „Also eine Gefahrenlage aus abstrakten Gefahren?“ „Das ist doch nicht der Punkt.“ „Und der Punkt wäre?“ „Wir müssen eben erkennen, dass es eine Lage gibt, die sich abstrakt als… wie war jetzt noch mal die Frage?“

„Also kann eine solche Lage auch nie konkret sein?“ „Natürlich, jederzeit. Das ist doch die Gefahr, und da müssen wir die…“ „Jetzt kriege ich aber langsam Pickel! Sie haben doch vorhin noch gesagt, diese Lage könne nicht konkret werden, weil sie abstrakt…“ „Sie haben das total missverstanden! Niemand hat das behauptet!“ „Sie ist nicht konkret?“ „Nein.“ „Aber sie kann auch nicht konkret werden?“ „Ausgeschlossen. Das ergibt sich doch bereits aus der Abstraktion des Gefahrenpotenzials.“ „Jajaja. Und deshalb ist es ausgeschlossen, dass diese Lage jemals…“ „Nein.“ „Wie, nein!?“ „Nein. Natürlich müssen wir das in Erwägung ziehen. Es gibt immer mehr als eine Wirklichkeit.“ „Aber sie ist nicht in der Lage, konkret zu werden!“ „Aber sie ist selbstverständlich in der Lage, konkret zu sein. Man darf diese Gefahr nie unterschätzen.“

„Ist das jetzt eine Frage der Sicherheit?“ „Was hat denn bitte Sicherheit mit de Gefahrenlage zu tun?“ „Ich dachte nur. Vielleicht ist man ja als Organ der Rechtspflege…“ „Schon falsch.“ „Das hätte ich mir ja denken können?“ „Wie bitte?“ „Ach, nichts.“

„Wir sollten diese Gefahrenlage, in der wir jederzeit damit rechnen müssen, dass sich eine Gefahr realisiert, natürlich als gefährlich betrachten.“ „Natürlich.“ „Weil sich diese Gefahr, die sich konkret aus der Gefahrenlage…“ „Konkret?“ „Unterlassen Sie gefälligst diese Spitzfindigkeiten.“ „Aha.“ „… ergibt, nur erkennen lässt, bevor sie sich ergeben hat. Also realisiert, als sich realisierende reale Dings, also Gefahr.“ „Hm.“ „Weil ja die Gefahr als solche, und das…“ „Tun Sie mir einen Gefallen? Halten Sie einfach die Schnauze.“

„Wir müssen allerdings auf eine solche sich plötzlich realisierende Gefahr, die dann…“ „Lassen Sie es. Ich kann es nicht mehr hören. Es klingt wie das mit neunundneunzig Luftballons.“ „Wieso?“ „Weil Sie offensichtlich meinen, alles könne zur Gefahr erklärt werden, damit man dann auch alles machen darf.“ „Sie sehen das falsch.“ „Vermutlich viel zu abstrakt, was?“ „Unsinn. Wenn wir gegen eine Gefahr, und das weiß man ja nie, und dann gehen wir gegen die vor, und dann sollten wir versehentlich mit Absicht aus einem Grund, von dem wir rein theoretisch wissen, dass es faktisch nicht auszuschließen ist, dass dieser Grund rein theoretisch nicht nicht existent sein könnte, und aus dem Grund sollten wir, was nicht auszuschließen ist, gezielt aus Versehen, weil wir ja nicht…“ „Also Sie knallen irgendeinen ab, weil Sie gerade keinen Grund haben, okay?“ „Wenn wir ihn abknallen, werden wir einen gehabt haben.“ „Dann ist ja alles sicher.“ „Im Prinzip ja.“





Dahoam is Dahoam

18 03 2014

„… mit einem großen Presseandrang zu rechnen. Die JVA Landsberg am Lech habe noch nicht entschieden, wann ein Haftplatz für den verurteilten…“

„… eine neue Staffel von Hinter Gittern – Der Frauenknast aufzuzeichnen. Es werde noch geprüft, ob dazu Schauspielerinnen engagiert oder Hoeneß im Dirndl…“

„… ein gemeinsames Knastformat im Stil von Big Brother zu produzieren. Es könne jedoch Probleme geben, da noch unklar sei, wie die Honorare zu versteuern…“

„… noch keine vollständigen Episoden in Landsberg zu drehen, sondern die Kulisse erst allmählich zu integrieren. Es sei jedoch geplant, Dahoam is Dahoam für mindestens zwei Jahre im…“

„… noch keine Senderechte erworben. Die Serie Arme Millionäre sei jedoch qualitativ derart niveauarm, lieblos gedreht und in den besten Momenten drittklassig produziert, dass ein Remake mit Hoeneß in der Hauptrolle sich geradezu…“

„… nicht mit in die Zellen von Big Brother einziehen wolle. Jürgen Klopp habe bisher jedes Angebot als Zeitverschwendung…“

„… entspreche außerdem nicht geltendem Strafrecht. Die Darsteller von Danni Lowinski seien nicht davon überzeugt, dass eine an Originalschauplätzen gedrehte Folge die Qualität der Serie…“

„… nach dem Tod des Hauptdarstellers abgebrochen worden sei. Café Meineid biete sich nicht nur aus dramaturgischen Gründen mit dem ehemaligen FC-Manager…“

„… eine Folge zu produzieren, in der Harald Lesch die plötzliche Ausdehnung des Universums nach dem Urknall mit dem nicht logisch zu nennenden Anwachsen des Vermögens…“

„… mit Hoeneß einen TV-Spot für Haftcreme zu …“

„… dass Big Brother auch auf Oliver Kahn verzichten müsse. Der ehemalige Nationaltorhüter wolle eine Fernsehsendung erstens nur live und zweitens nicht neben einem…“

„… die Redaktion der Welt bei einem grippalen Infekt unmittelbar zu verständigen, um zu berichten, wie die Leistungsträger in Deutschland durch Folter zur Flucht aus dem…“

„… zwar großes Interesse an Big Brother bekundet habe, es sei jedoch in Bezug auf die Leitung der Sendung keine Einigung erzielt worden. Darüber hinaus habe Lothar Matthäus beklagt, dass seine neue Freundin sich nicht im…“

„… sich das Wort zum Sonntag nicht in Landsberg produzieren lasse, da dem Referenten aus Limburg die Kulisse zu wenig repräsentativ…“

„… als beratende Kräfte für eine Neuauflage von Funkstreife Isar 12 zu arbeiten. Hoeneß spiele darin einen korrupten Finanzjongleur, der plötzlich feststellt, dass er von langjährigen Freunden, die er überhaupt nicht kennt, hohe Millionenbeträge auf ein…“

„… kein Live-Interview mit Wolfgang Schäuble zum Thema Steuerfahndung gebe. Der Minister hege eine schwere Aversion gegen den Justizvollzug, da er vor einigen Jahren…“

„… für Big Brother nur Thilo Sarrazin zur Verfügung stehe. Der rechtspopulistische Autor habe verkündet, für fünf Euro pro Stunde wolle er alles tun, auch eine ganze Woche lang im…“

„… eine Homestory zu liefern. Schöner Wohnen habe jedoch darauf bestanden, nur in einer Einzelzelle…“

„… mehrere Sendungen direkt aus der JVA zu übertragen, in denen sich Hart aber fair jedoch vor allem mit der Strafprozessordnung, dem deutschen Steuerrecht, sozialpolitischen Fragen sowie der Eurokrise…“

„… Königlich Bayerisches Amtsgericht nur in Auszügen neu zu verfilmen. Es komme neben der Folge Der Parasit lediglich das…“

„… irgendeine Sendung zu machen, es sei auch völlig egal, welche. Der Fokus liege auf den Studiogästen, da der Moderator sowieso nicht viel zum Niveau beitragen könne. Sollte Hoeneß das Angebot nicht annehmen, werde man notfalls auch Lanz für den…“

„… ihn zum Börsenexperten der ARD zu machen. Er habe ähnlich geringes Fachwissen wie die jetzigen Kräfte, erreiche jedoch mit seinem wichtigtuerischen Gerede die Zielgruppe der finanziell vollkommen ahnungslosen Anleger so gut wie kein…“

„… eine Sondersendung von Germany’s Next Topmodel wieder abgesagt habe. Die Anstaltsleitung habe die Auswirkungen des rund um die Uhr dauernden Psychoterrors, um Menschen zu brechen und charakterlich zu deformieren, als extrem kontraproduktiv erkannt und wolle die Gefängnisinsassen nicht der Gefahr aussetzen, davon schwere Schäden zu…“

„… sich das mehrstündige Reality-Special Durch den Knast mit… mangels Teilnehmern nicht…“





Klartext

17 03 2014

„Das ist doch nicht Ihr Ernst!“ „Warum sollte das nicht unser Ernst sein? Nur, weil Sie das nicht verstehen, ist das Unsinn?“ „Nein, aber…“ „Dann unterschreiben Sie das jetzt hier, und fertig.“ „Nein, das kann doch nicht Ihr Ernst sein. Diesen Humbug hier macht doch kein vernünftiger Mensch!“ „Aha, es handelt sich um Politik, die Sie nicht verstehen, und deshalb ist es Humbug, und deshalb wollen Sie den Antrag nicht unterschreiben?“ „Das macht doch kein vernünftiger Mensch! Man meldet sich doch bei der Europawahl nicht mit so einem – also jedenfalls, der Name geht ja gar nicht!“ „Ach, erst ist es Humbug, und jetzt liegt es nur am Namen? Sie als großer Politikexperte werden mir bestimmt gleich verraten, welche rechtliche Regelung wir nicht beachtet haben.“ „Daran liegt es doch nicht, es ist…“ „Ach, daran liegt es also gar nicht? Wir können also doch zur Wahl antreten?“ „Aber doch nicht als Die Beknackten!“

„Sie sind also der Ansicht, unsere Partei sei nicht demokratiefähig?“ „Lesen Sie sich doch mal dieses Wahlprogramm durch.“ „Nicht nötig, ich habe es geschrieben.“ „Aber das kann man doch nicht in ein Wahlprogramm schreiben! Sind Sie denn geistig zurückgeblieben?“ „Ist das etwa die Voraussetzung, um sich ins Europäische Parlament wählen zu lassen? Dann bitte ich um Verzeihung, das war mir nicht bekannt.“ „Sie schreiben hier, dass Sie gar keine Politik betreiben.“ „Richtig. Im Europäischen Parlament wird ja auch keine Politik betrieben.“ „Sondern?“ „Ein paar Lobbyisten setzen Parlamentarier unter Druck und versorgen andere mit Schmiergeldern, und am Schluss stimmen alle über Dinge ab, von denen sie nichts verstehen.“ „So haben Sie das ja auch in Ihrem Wahlprogramm geschrieben.“ „Wenn Sie es schon wissen, warum fragen Sie dann noch?“ „Das schreibt man doch nicht, das geht gar nicht.“ „Das wird ein Argument, wenn es fertig ist?“ „Man schreibt das doch nicht in ein Wahlprogramm.“ „Warum nicht? Glauben Sie etwa, irgendjemand würde das lesen?“

„Und dann diese Passagen hier. Das mit der Steuerverschwendung.“ „Interessant, oder?“ „Das kann man doch nicht schreiben.“ „Ich zitiere: ‚Wir bekennen uns zur hemmungslosen Verschwendung von Steuergeldern und werden diese nach Kräften fortsetzen.‘“ „Gute Formulierung, nicht wahr?“ „Das ist skandalös! Das ist menschenverachtend!“ „Oh, Sie sind auch Experte für politische Ethik? Interessant!“ „Man kann doch das nicht…“ „Sie sehen doch, dass wir das können.“ „Aber…“ „Sie meinen, in den anderen Programmen steht das nicht drin?“ „Nein, das würde doch kein normaler…“ „Nicht schon wieder diese völlig unreflektierten Wertungen, ja?“ „Die anderen Parteien…“ „… sind die anderen Parteien. Dass die das nicht in ihre Programme reinschreiben, hat einen guten Grund. Es ist eine Selbstverständlichkeit und bedarf keiner Erwähnung.“ „Aber…“ „Außerdem tun sie es einfach, auch wenn sie es vorher nicht explizit angekündigt haben. Meinen Sie, ein Wahlprogramm sagt irgendetwas über die tatsächliche politische Arbeit einer Partei aus?“ „Aber ich dachte…“ „Das wären dann schon zwei Fehler.“

„Aber das hier: ‚Wir werden uns nach der Wahl nicht um die Bevölkerung kümmern. Ihre Belange sind uns vollkommen gleichgültig.‘ Das ist eine schwere Verfehlung des…“ „Wann hat sich zuletzt ein Parlamentarier, noch dazu in Brüssel oder Straßburg, um die europäische Bevölkerung geschert?“ „Das kann man doch nicht über einen Kamm…“ „Doch.“ „Warum sagen Sie das denn? Es muss doch einen Grund haben, warum Sie das in einem Wahlprogramm…“ „Weil wir Klartext sprechen.“ „Klartext?“ „Jedes rechtspopulistische Arschloch stellt sich hin, plärrt an den Haaren herbeigezogene Lügenmärchen und meint, das werde man doch wohl noch sagen dürfen.“ „Wir haben schließlich Meinungsfreiheit.“ „Abgesehen, dass das mit Meinungsfreiheit nichts zu tun hat, jeder von diesen Rattenfängern behauptet von sich, die Wahrheit zu sprechen.“ „Ja, aber das…“ „Und als Steigerung: die unbequeme, aber einzig wahre Wahrheit zu verkünden, die aber eigentlich keiner höre wolle.“ „Und Sie haben die Wahrheit?“ „Lüge ich etwa?“ „Nein, aber…“ „Na also.“

„Sie können mit Ihrer Partei sicherlich Erfolg haben, aber glauben Sie, dass Sie das verantworten können?“ „Warum nicht? Machen wir den Wählern etwa Versprechen, die wir nicht halten können? Täuschen wir sie über unsere Absichten? Gaukeln wir ihnen vor, im Besitz der einzig richtigen Lösung für alle Probleme zu sein, die sie ohne uns gar nicht hätten?“ „Nein, aber…“ „Dann verstehe ich nicht, warum wir uns nicht zur Wahl stellen sollten. Es ist legitim. Und wir tun nichts Verbotenes.“ „Leute wie Sie zerstören die Demokratie!“ „Schau an, Sie argumentieren ja schon wieder.“ „Sie lassen sich ins Parlament wählen, obwohl Sie überhaupt keine Absicht haben, dort parlamentarisch zu arbeiten.“ „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, Sie haben unser Parteiprogramm gelesen.“ „Man sollte Ihre Partei verbieten!“ „Weil wir genau das tun, was wir den Wählern versprechen?“ „Das ist doch alles Unsinn, Sie können gar nicht…“ „Ich mache Ihnen ein Angebot: Sie lassen uns zur Wahl zu, und dann tun wir vielleicht etwa für unsere Wähler. Nämlich für Sie. Gerne auch als Parteimitglied. Der Nutzen liegt doch auf der Hand, nicht wahr?“ „Ich äääh… wo muss ich unterschreiben?“





Freigangster

16 03 2014

Dass die Bundeskanzlerin es für ein Zeichen von Anstand hält, wenn ein verurteilter Krimineller sich nicht dem Justizvollzug entzieht, nicht aber, dass man stattdessen gar nicht erst gemeinschädliche Straftaten begeht: geschenkt. Es zeigt, bis wohin diese moralisch verrohte Schicht gesickert ist. Ansonsten erhofft der Delinquent die Aufnahme in die Frei-Gang, was manches voraussetzt. Unter anderem, sozial eingebunden zu sein. Sozial. Für Gewohnheitsverbrecher ein weites Feld. Alle weiteren Nachrichten über das organisierte Verbrechen wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • dronte, tarock: Der Skat bin ich.
  • duitaff: Wenn Sie nicht mehr wissen, woher es kommt, und es auch nicht mehr loswerden.
  • vogelhaus bastelvorlage pferd: Hauptsache, es äpfelt.
  • hörsturz: WIE BITTE?
  • auffaltung estrich: Haben Sie wieder Eishockey gespielt?
  • möppkenbrot kalorien: Wir haben nachgeschaut, es sind welche drin.
  • käpt’n iglo fischstäbchen puppe wert: Pieksen Sie Nadeln rein.
  • grasflecken jeans chemie fachbegriff: Grün.
  • wattwurm in wodka einlegen: Und bitte ein Kilowatt dazu.
  • wo ist passive bewaffnung erlaubt: Als Innenminister dürfen Sie alles.
  • wer betrügt der fliegt: Und mia san mia.
  • hinter der fichte: Sagt die Koalition den Wählern Gute Nacht.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CLXXXIII)

15 03 2014

Es konnte Wassili in Gaiden
die Töchter des Nachbarn gut leiden.
Sie warn (problematisch!)
auch gleich ihm sympathisch.
Das führte zu Stress. Mit den beiden.

Es sammelte Imre in Pánd
beim Marsch durch das blühende Land
viel Dutzende Flaschen.
Ihn tat überraschen
die Summe, die es gab fürs Pfand.

Man ärgerte Ilja in Dösen.
Die Zeitung, die ließen die Bösen
mitgehen und schrieben
sie voll. Darum blieben
nie Kreuzworträtsel ihm zum Lösen.

Es brachte Hélène oft in Blotzheim
vom Markt statt des Mehls einen Klotz heim.
Man lästert. Sie störte
nicht, was sie da hörte.
Das Geld bringt sie trotz manchen Spotts heim.

Es wartet Rawil in Herzfelde,
dass seine Braut sich bei ihm melde.
Er schreibt, dass er warte
und manches ersparte,
sie sagt nur, sie käme in Bälde.

Paola, die oft sich in Bronte
im Badeanzug nur sich sonnte,
befragt man zur Kleidung,
weshalb die Entscheidung.
Sie gab an als Grund: weil sie’s konnte.

Swetlana vernahm in Groß Kummeln
im Baum ein recht deutliches Brummeln.
Sie tippte auf Bienen.
Dort waren erschienen
bisher lediglich lauter Hummeln.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCXXXIII): Zweckoptimismus

14 03 2014
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Ngg und Uga, die ungleichen Brüder, sie hatten sich irgendwann vollkommen entzweit. Nicht der Streit um die fesche Fette aus der Höhle am Waldsaum brachte ihnen den Zwist, auch nicht die endlose Diskussion, wer welches Kind für sich beanspruchen durfte (auch damals herrschte ein Fachkräftemangel in jeder qualifizierten Sippe), es war die Frage nach dem Glück des Hominiden. Während der eine lieber windgeschützt in der Sonne hockte und das Ende des Universums erwartet hätte, wenn er von dessen Anfang je in Kenntnis gesetzt worden wäre, ging der andere mit einem unterkomplex geschnitzten Stichwerkzeug auf die großen Tiere los, die nahrhaft schmeckten und einen bei Fehlbedienung zu Matsch marmelten. Wer von beiden aber, die sich stritten und stritten, hatte das bessere Leben gewählt? Suhlte sich einer von beiden nur in Depressionen, um Recht zu behalten? Und hatte der andere, die Frohnatur des Pleistozäns, nur eine billige Flucht ins schnell verbrauchte Leben gewählt, um diese Inkarnation hinter sich zu bringen? Der Schwarzseher wusste um die Problematiken, der Weißseher nicht. Dafür musste er sich mit seiner ewigen Zuversicht herumschlagen, vielmehr: die anderen mussten das auch.

Natürlich weiß der Pessimist, was ihm blüht. Es regnet, sobald er ins Freie will, die Schnürsenkel reißen und sein Kopfhörerkabel verknotet sich unentwirrbar, während er auf einer Bananenschale ausrutscht, den Bus verpasst, versehentlich in die Pfütze tritt, und dann ist auch noch der Akku leer, sein Lieblingsverein kriegt fünf Tore reingesemmelt und steigt ab, die neue Kollegin hat schon einen Freund, der wie Mister Universum aussieht, das Fahrrad hat ausnahmsweise mal keinen Platten, sondern wurde geklaut, und zum Schluss stirbt man. Alles nicht schön, aber vorhersehbar.

Überhaupt, die Vorsehung – wer raucht, stirbt statistisch gesehen früher, wer sich an Gummiseilen von der Autobahnbrücke stürzt, hängt auch eher an der Strippe als am Leben, und jede Woche das Geld für den Lottoschein in einer Dose zu sammeln hat wenigstens den Effekt, dass am Ende des Jahres mehr Kohle da ist, als hätte man es für eine Lotterie ausgegeben, in der es sowieso nur Verlierer gibt. Es gibt keine Überraschungen, nicht einmal unangenehme, und genau das ist ja das Schöne am Unschönen, dass sich der Pessimist alle wirren Träume aus der Kalotte kloppen kann und mit dem Hintern auf dem Boden der Tatsachen bleibt. Alles, was wird, wurde so, wie es werden sollte. Wer sich frühzeitig mit den Spielregeln des Abbauprozesses namens Existenz vertraut macht, braucht sich auch keinen Ängsten zu stellen, denn sie haben keine Macht mehr über den Fatalisten. Dafür hat er auch den Kopf jederzeit angenehm klar durchgespült.

Anders der Optimist, der ewige Verdränger. Ihm ist nicht bewusst, dass Goldfische früher oder später mit dem Bauch nach oben schwimmen, und sieht er sie, redet er sich ein, dass die Biester eine Runde im Flussbett pennen. Er schwiemelt sich sein buntes Weltbild zurecht, größtenteils logischer Schlodder aus der unteren Schublade mit längst gewesenem Ablaufdatum, und stört sich auch nicht daran, dass sich das Dasein selten an seine Wunschvorstellungen hält. Erst ist das Aquarium eine Geruchsbelästigung, dann wachsen die grünen Pickel auf seinem Rücken schneller als gedacht, die Steuerfahndung hat seine Adresse doch nicht vergessen, das Auto weigert sich, mit leerem Tank durch die Wüste zu rollen – es hätte ja sein können, aber irgendwas funktionierte gerade nicht.

Schlimmer als die ewigen Hurraknalltüten permanent pathologischer Lebensfreude sind nur noch die Zweckoptimisten, die zwar nicht mehr wissen, warum dieses bisschen Höhenflug über der Deponie einen sämtlicher Sorge entheben sollte, die es aber aus Gewohnheit und wider besseren Wissens immer wieder versuchen und eigentlich genau wissen müssten, warum sie sich gleich wieder die Gesichtskonturen auf der Landebahn abschleifen werden. Im Ganzen gleicht der Zweckoptimismus der Hirnverödung ohne Narkose, wie sie realitätsinkompatible Verhaltensweisen ausbildet: der Zweckoptimist sieht sich zum wer weiß wievielten Mal den Film an und hofft jedes Mal, dass das Opfer diesmal nicht durch die Tür geht und wieder eins über die Rübe kriegt. Die Wahrnehmung der Dinge an sich ist also noch rudimentär vorhanden, allein die Erkenntnistheorie versagt mit Schmackes. Mehr verlangen Bekloppte scheint’s nicht von ihrem Aufenthalt auf diesem zwielichtigen Rotationsellipsoiden.

Bezeichnend ist doch, dass es auch immer dieselben Flitschflunsen sind, die das grundlose Gejubel unter sich lassen. Noch im Angesicht der kippenden Erdscheibe behaupten Investmentbanker, dass die Rendite sich wuchernd vermehrt, und während der Tsunami röhrend die Küste hobelt, quakt eine Rotte drittklassiger Schranzen von der Unmöglichkeit der Erderwärmung – vielleicht dauert es noch ein paar Jahrtausende, bis sich der Schrott wieder einpendelt, aber dann sind sie wenigstens die Ersten, die es schon immer gewusst haben werden. Sie wissen nicht, wie tief sie bereits in der Tinte stecken. Und das ist es nun schließlich, was den Pessimisten geradezu versöhnlich stimmt. Ja, er hält den ewigen Strahlemann aus und kommt mit ihm zurecht, wenn er Stehaufmännchen macht. Er weiß, auch Optimisten müssen sterben. Und diese Gnade kann dem Verneiner nun wirklich keiner mehr nehmen.





Richter-Skala

13 03 2014

„… sich von 3,5 Millionen auf den Betrag von insgesamt 27,2 Millionen Euro gesteigert habe. Dies sei jedoch, wie die Anwälte hätten verlauten lassen, die endgültige…“

„… mehrere Kontoauszüge in einem Schuhkarton gefunden habe. Die Summe habe insgesamt 40 Millionen Euro nicht überstiegen, so dass eine Aussetzung der Strafe auf Bewährung immer noch im Bereich des…“

„… nachweislich einem Obdachlosen am Marienplatz eine 2-Euro-Münze geschenkt. Hoeneß wisse das so genau, da er zuvor ein Kamerateam von RTL…“

„… versehentlich in die Lüftungsschlitze seines Sportwagens gerutscht sei. Es habe sich dabei um ungefähr zweihundert Quittungen gehandelt, die zusammen mit den bisherigen Beträgen lediglich 47,8 Millionen…“

„… die ersten Wetten auf den Prozessausgang angenommen worden seien. Inzwischen sei die Quote…“

„… nicht nur als großherzig, sondern als die Mildtätigkeit in Person zu werten. Die Verteidigung sehe es als erwiesen an, dass Hoeneß als Akt der Barmherzigkeit immer Geschenke an Bedürftige verteile, zuletzt Mario Götze an den…“

„… gehe die Verteidigung nach wie vor von einer strafaufhebenden Wirkung aus. Hoeneß habe ja ein Mehrfaches der eigentlich eingeräumten Summe hinterzogen, deshalb müsse er zwingend nun auch mehrfach freigesprochen oder auf Bewährung…“

„… noch knapp unter 61 Millionen Euro bleibe. Hoeneß habe sie seinen Verteidigern nicht wissentlich unterschlagen, er habe nur nicht nachgefragt, ob man auch Gelder versteuern müsse, die aus Drogengeschäften mit kolumbianischen…“

„… habe Hoeneß selbst einen größeren Betrag gegen sich gesetzt. Unklar ist, woher er die 150 Millionen Euro…“

„… den gesamten Verein in Haftung zu nehmen, da dieser Gelder für die Börsenspekulationen zur Verfügung gestellt habe. Infrage komme daher für das Landgericht auch Hoeneß’ Verurteilung als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Taten nach…“

„… nun auf 200 Millionen Euro angewachsen sei. Hoeneß habe sich nicht informiert, dass auch Geldgeschenke unter zehn Millionen, die er anonym von befreundeten Vorstandsmitgliedern des…“

„… dass er nur einen derart hohen Einsatz auf seine Verurteilung gewagt habe, um in diesem Fall die Geldstrafe auch…“

„… bei der Strafzumessung möglicherweise den Rahmen des § 370 AO sprengen würde. Das Gericht habe sich noch nicht entschlossen, zuvor eine größere Justizreform abzuwarten oder die…“

„… sich insgesamt auf 532 Millionen summiere. Die Fehlbeträge hätten sich in einer Wurst befunden, deren Inneres aus Prinzip weder kontrolliert noch…“

„… angesichts der Höhe einen eigenen Rettungsschirm für den Bayern-Präsidenten zu installieren, da der Verein systemrelevant…“

„… und könne man zur Strafzumessung gerechterweise die Summe in mehrere Teile aufspalten, um jeweils zehn Jahre Freiheitsentzug zu…“

„… müsse das Gericht bei der Urteilsfindung streng objektiv bleiben. Hoeneß sehe sich selbst gerecht und wolle…“

„… vehement bestritten habe, dem Fiskus einen Milliardenbetrag zu schulden. Hoeneß’ Verteidiger habe angekündigt, etwaigen Verleumdungen mit der vollen Härte des deutschen Strafrechts zu begegnen, da sie geeignet seien, ein falsches Licht auf seien Mandanten zu werfen. Unklar sei jedoch weiterhin, ob die 998,9 Millionen Euro jetzt die endgültige.…“

„… als Hedgefonds aufzulegen. Dabei wolle die Gesellschaft auf Beträge wetten, die Hoeneß nicht besitze, um Renditen zu erzeugen, die nicht versteuert…“

„… 3,5 Milliarden Euro. Die ursprüngliche Summe hätte bereits in der Selbstanzeige gestanden, wäre jedoch aus ungeklärten Umständen als Millionen…“

„… dass ein Großteil der Steuerschuld aus den ungedeckten Leerverkäufen stamme. Die Verteidigung argumentiere inzwischen, dass diese Gewinne nicht versteuert werden müssten, da sie aus Verkäufen von Aktien stammten, die überhaupt nicht…“

„… bei einem Milliardenbetrag nicht mehr nach der gängigen Praxis zu urteilen, sondern die Strafzumessung auf einer nach oben offenen Richter-Skala…“

„… zusätzlich eine Quittung ausgestellt, auf der die Umsatzsteuer nicht korrekt ausgewiesen sei. Hoeneß habe zugegeben, dies immer so zu machen, deshalb sei es in seinen Augen auch nicht strafbar oder…“

„… noch nicht geklärt, ob die hinterzogenen Beträge, aus denen sich die Uli Bonds speisten, nun wiederum bei der Steuererklärung nicht oder nicht vollständig…“

„… die Steuerschuld sich zwar total auf 46,7 Milliarden Euro belaufe, jedoch erst nach dem Kauf von Real Madrid, Paris Saint-Germain und…“

„… dass es wirklich nicht mehr als 232,2 Milliarden Euro sein könnten. Hoeneß habe die Gelder seiner Tarnorganisation Deutscher Parasitärer Wohlfahrtsverband in schwer verkäuflichen Immobilien angelegt, die nicht mehr als…“

„… in Verhandlungen getreten. Die US-amerikanische Delegation wolle die Steuerschuld aufkaufen, wenn im Gegenzug das Außenhandelsdefizit der Vereinigten Staaten…“

„… tatsächlich als schlechter Deal herausgestellt habe. Andererseits sei der FC Bayern München dadurch Besitzer des Petersdoms, der Malediven und des gesamten chinesischen…“

„… die Verteidiger Hoeneß’ umgehende Heiligsprechung…“





Hörsturz

12 03 2014

„Und am Freitag mache ich diese Nudeln mit dem Zeugs da aus der Tüte, da muss es schnell gehen, ich habe hinterher noch Koalitionsausschuss, und dann labert mir Kauder wieder einen Blumenkohl ans Ohr, und wenn ich dann nach Hause komme, bin ich auch müde, und am Wochenende muss ich ja auch wieder ins Kanzleramt. Der Altmaier soll nicht denken, dass er sich da am Samstag aufführen kann, wie er will.

Wenn ich gewusst hätte, dass in Deutschland noch eine funktionierende Justiz existiert, dann wäre ich diese verdammte Koalition mit der SPD doch nie eingegangen. Wie oft habe ich Dir gesagt, die FDP war viel besser. Die haben alle derart Dreck am Stecken, das hat den Geheimdienst einen Vormittag gelangweilt, und dann waren die Akten fertig. Ich finde das nicht gut. Wir müssen immer auf der Hut sein. Vor allem, wir hatten ja schon mal eine Koalition mit denen. Die Hälfte von den Leichen im Keller hat ja unser Gesicht.

Die haben uns schon wieder neue Skiprospekte geschickt, aber ich weiß noch nicht. Lass uns mal lieber fahren, wenn das mit der Regierung vorbei ist. Oder vielleicht auch erst in zwei Jahren. Bis dahin überleg ich mir das auch noch mal mit dem Liften. Udo Walz hat neulich schon wieder einen Kamm verloren. Also in den Falten.

Hat die Frau von Kohl Dich auch schon wieder angerufen? Das nervt wirklich, die will alle paar Wochen, dass wir einen Festakt für den Dicken machen, und dann meint sie, sie wüsste, wie ich zur Parteivorsitzenden aufgestiegen bin. Nein, das kann sie nicht wissen, das weiß nur der Schäuble. Und von Kohl weiß ich, wer der Spender war, und von Schäuble weiß ich’s auch. Die halten die Klappe, oder Springer fordert ihren Kopf. Oder was davon noch übrig ist. À propos Springer, die alte Zippe von Bertelsmann kommt am Wochenende vorbei und bringt uns die Arbeitslosenzahlen vom nächsten Jahr mit. Dann lass ich den Seehofer irgendwas erzählen, dass die Spanier und die Griechen mittags zu lange schlafen und Europa kaputt machen, dann schreibt die Presse wieder etwas über die ganzen arbeitsscheuen Hartz-IV-Empfänger, und dann kann Schäuble das vielleicht so hindrehen, dass wir das Kindergeld nicht erhöhen können, weil so viele Bürgerinnen und Bürger sich weigern, unseren Wohlstand zu unterstützen, und uns geht es so gut wie nie zuvor, und die Krise ist fast überwunden, uns steht nur noch das Schlimmste bevor, und dann lass ich mir von Schäuble erklären, was das eigentlich heißt.

So was wie Erdogan passiert mir doch nicht. Mit Westerwelle bin ich ja damals immer aufs Klo gegangen, da wusste ich wenigstens, mit dem passiert nichts. Und die Koalitionsverhandlungen mit Gabriel waren auch nicht viel besser. Aber wenigstens haben wir nicht auf dem Handy besprochen, wie wir die Diäten erhöhen und welche Aktien sich die SPD kaufen muss, damit sie sich den nächsten Wahlkampf leisten kann. So blöd bin ich doch auch nicht.

Stell Dir mal vor, ich würde so was auf dem Handy sagen, ‚Doofe EU‘ oder noch schlimmer, das würde doch sofort in der Zeitung stehen. Und vor allem, die ganze Partei wäre traumatisiert, die würden ja alle denken, jetzt macht die Kanzlerin ausnahmsweise mal das, was sie sagt, oder die sagt, was sie macht, und das kennen sie gar nicht, und dann wäre die ganze Partei traumatisiert. Das unter Freunden, das geht gar nicht. Wenn das einer mitkriegen würde, ich hätte vermutlich drei Tage später einen Hörsturz. Ich muss mir ja erst noch das uneingeschränkt Vertrauen aussprechen.

Also ich hab mir das so vorgestellt: ich drohe Wladimir öffentlich mit Wirtschaftssanktionen, und dann liefern wir Munition und Schießgewehre in den Irak oder nach Syrien oder irgendwohin, wo wir das halt immer hinliefern, wenn Krieg ist. Der de Maizière weiß das, das macht er immer, und wenn die kriminelle Energie nicht ausreicht, Ursel macht alles, wenn dabei ein paar Ausländer sterben. Und dann hat Wladimir die Munition und die Schießgewehre, und dann können die Russen die Krim annektieren und die ukrainischen Separatisten an die Wand stellen. Und dann stelle ich mich hin und jammere denen einen Scheißdreck von Freiheit vor und Hastenichgesehn, und der Stasigreis erzählt das nach, und Obama hat ganz viel Verständnis für unsere exportorientierte Wirtschaft, und wenn wir zum Friedensnobelpreis einladen, mache ich diese Biskuittorte mit Himbeeren, und ich trage diesen neuen rostroten Hosenanzug, da sieht man dann auch nicht so, wenn’s mal kleckert.

Überhaupt sollten wir mal wieder mehr Kultur machen, findest Du nicht? Wir entdecken einfach ein mehr Schulden im spanischen Staatshaushalt, und dann muss ich da hinfahren, und dann machen wir uns da ein paar schöne Tage, mit Stierkampf und so. Das ist doch jetzt Kulturgut. Wenn Du Dir das nicht ansehen willst, dann stell Dir doch einfach vor, das ist eine Demonstration in Stuttgart. Oder doch wieder Bayreuth?

Hier, und Schröder hat auch wieder was geschrieben, und jetzt meint er, er wäre ziemlich überrascht gewesen, wenn die ihn nicht abgehört hätten. Ob die das echt gemacht haben? Mir kann’s ja egal sein, oder glaubst Du, irgendeiner würde sich dafür interessieren, worüber wir so reden?“