Testbetrieb

14 04 2014

„Sie können ihn erstmal für drei Monate kriegen. Dann haben Sie sich vielleicht schon an seinen Arbeitsstil gewöhnt. Und mit etwas Glück hat er sich auch schon mit Ihrem befasst. Man soll ja die Hoffnung nie aufgeben. Nicht mal bei Mehdorn.

Sie sollten sich frühzeitig aufstellen, der Wähler erwartet das. Neue Gesichter wollen reifen. Eine neue Idee muss schon komplett durchgekaut sein. Ihre Partei hat nicht die besten Startvoraussetzungen, weil Sie zwar an der Regierung sind, aber nur die SPD. Also gut, weil Sie die SPD sind, das reicht als Handicap. Das ist schon nicht leicht zu kompensieren.

Sie bräuchten jetzt vielleicht auch ein bisschen mehr Druck, oder? Da kann ich Ihnen Mehdorn wärmstens empfehlen. Druck kann er. Naja, viel mehr kann er eigentlich nicht. Aber Druck, das kann er. Und wenn Sie gerade auch mal keine Ideen haben, Ideen kann er auch. Und Druck. Die Ideen sind nicht neu, und eigentlich sind es auch keine Ideen, aber er baut doch eine gewisse Erwartungshaltung auf, mit der sich Ihre Partei wird identifizieren können. Falls Sie nicht schon genug Druck haben.

Vor allem glaube ich ganz einfach, dass er sich in der SPD wohlfühlen wird. Er gehört einfach zu ihnen. Zu Ihrer Unternehmenskultur. Zu Ihrer Geschichte. Zu der Attitüde, wenn Sie verstehen, was ich meine. Sämtliche Errungenschaften, die über Jahre, über Jahrzehnte mühsam erstritten und aufgebaut und gefestigt wurden, alles an Glaubwürdigkeit, Souveränität und Bodenhaftung, alles das mit dem Arsch wieder einreißen, das ist wirklich SPD. Doch, das passt exzellent zusammen.

Der Mann hat nämlich Schlüsselqualifikationen. Der kann zwar nicht Kanzler, aber in Deutschland brauchen Sie eine ganze Reihe anderer Dinge, um sich nachhaltig durchzusetzen. Heißluft. Der Mann kann Heißluft. Ehrlich! Mehdorn sondert derart viel Heißluft ab, der kriegt pro Jahr glatt eine Gesundheitsreform hin und wickelt im Vorbeigehen noch ein Bundesministerium durch Insolvenz ab. Das hätte nicht mal die ganze FDP geschafft.

Von der Personalstruktur, also vom Personal, so wie Sie es jetzt kennen, würde ich erstmal Abschied nehmen. Das ist schon relativ CDU-nah. Mehdorn ist ja dafür bekannt, dass er sachliche Kritiker sofort aus dem Weg räumt. Kann sein, dass er und Merkel denselben Management-Trainer hatten. Aber sehen Sie ihn als eine Kompassnadel, die immer nach Süden zeigt. Wenn Mehdorn sich verzweifelt gegen etwas wehrt und die Fachleute entlassen will – setzen Sie es sofort durch. Sie liegen garantiert richtig.

Und Sie werden damit Ihr Führungsproblem lösen. Sie kaufen einen großartigen Verkäufer, der jedes Unternehmen an die Börse kriegen will. Nein, es geht erstmal nur ums Wollen. Und nur um das Unternehmen. Dass Sie kein nicht viel zu verkaufen haben, bleibt ja Ihr Problem.

Sie können Mehdorn erstmal für den Testbetrieb übernehmen, würde ich sagen. Sie wissen ja, wie solche Abläufe funktionieren, nicht nur für den Flughafen. Wie bei der Agenda 2010 und der strukturellen Stilllegung des Arbeitsmarktes. Oder wie Ihr Vorsitzender gerade die Energiewende an die Wand fährt. Simulation des Echtbetriebes ohne wirtschaftliche Bedeutung, um während der Durchführung ein Maximum an Steuereinnahmen zu verheizen. Testbetrieb halt. Oder hatten Sie für die nächste Zeit irgendetwas anderes vor?

Doch, mit dem Mann kriegen Sie eine ganze Legislaturperiode gerockt. Eine ganze. Nicht so eine Lusche wie Friedrich, der schon am ersten Tag genug Argumente für einen Rücktritt liefert. Der hält durch. Da wissen Sie, der hat keine Ahnung, aber immer sind die anderen schuld. Eine Ausflucht nach der anderen. Notfalls liegt es am Wetter, oder sämtliche Gartenzwerge haben sich gegen ihn verschworen. Wenn Sie mal eine Drohnenaffäre haben, weil die ganze Verteidigungsmischpoke Ihnen auf der Nase herumtanzt – setzen Sie den als Sonderbeauftragten ein. Zum Schluss glaubt das ganze Volk, dass wir noch mehr Drohnen brauchen, und zwar um jeden Preis. Und sofort. Und keine Kontrollen mehr, weil der Feind mithören könnte.

Zahlen schönrechnen, das macht doch die Bundesagentur für Arbeit heute schon mit einem Erfolg, den Sie sich nicht hätten träumen lassen, oder? Sehen Sie, und genau das Erfolgsmodell übertragen Sie jetzt einfach auf die übrige Politik. Pflegemangel? Rentenlücke? Mehdorn! Zu wenig Lehrstellen für Jugendliche und die SPD sackt unter zehn Prozent? Mehdorn! Der Mann hat’s eben voll drauf. Wenn Sie mal betrachten, was sein Patentrezept ‚Sparen ohne nachhaltige Effekte‘ in der aktuellen Euro-Krise alles gebracht hat, vor allem im Ausland, und dadurch natürlich im Vergleich auch wieder für Deutschland, also ich finde das ja beachtlich.

Chaos? Natürlich hinterlässt der Mann nichts als Chaos. Und Trümmer und Schulden und die eine oder andere Pleite vielleicht. Aber denken Sie denn gar nicht an die Zeit nach Ihrer Regierung?“