Roadshow

22 04 2014

„Spritpreis?“ „Bitte!“ „Ich meine ja nur.“ „Sprit geht gar nicht.“ „Echt jetzt!“ „Totale Schnapsidee.“ „Also Leute, jetzt macht mal zu. Wir müssen eine solide Finanzierung präsentieren, sonst ist unsere Glaubwürdigkeit bis zur Europa-Wahl endgültig im Eimer.“ „Und wenn wir eine solide Finanzierung haben?“ „Dann auch.“

„Jetzt labert hier nicht herum, das Problem ist bekannt: die Straßen in Deutschland sind im Eimer, und wir müssen etwas tun, damit uns die Autofahrer nicht als Wähler verloren gehen.“ „Das ist doch der größte Unsinn überhaupt: den Autofahrern noch mehr Geld abknöpfen, weil sie uns sonst…“ „Sparen Sie sich Ihre Spitzfindigkeiten für den nächsten Parteitag, dann können Sie Albig absägen. Jetzt arbeiten wir erst mal konstruktiv.“ „Das nennen Sie konstruktiv?“ „Meine Güte, irgendwo wird man den Leuten doch einen Hunderter aus den Rippen leiern können?“ „Betreuungsgeld?“ „Was ist damit, wollen Sie das besteuern?“ „Nö, ich will das abschaffen.“ „Vernünftiger Gedanke.“ „Hmja.“ „Kollege, das wollen wir alle abschaffen, aber wir haben im Wahlkampf oft genug gesagt, dass das dummer, reaktionärer Scheißdreck ist, und wir sind die SPD, also machen wir das jetzt trotzdem.“

„Hier, Rauchen!“ „Was!?“ „Rauchen für den Hindukusch. Hatten wir doch auch mal.“ „Ach so, das ist aber schon lange her.“ „Bier besteuern für die Fahrsicherheit?“ „Bloß nicht, sonst saufen sich ein paar CDU-Leute im Wahlkampf aus Solidarität die Birne dicht.“ „Wäre aber eine gute Sache, wenn wir die Brauereien als Sponsoring-Partner…“ „Leute, jetzt wird’s langsam albern.“ „Oder wir machen den Nürburgring wieder auf damit.“ „Big Albigs Roadshow!“ „Super!“ „Hmja.“ „Leute!“ „Oder Passivtrinken?“ „Haben die Passivrauchen auch besteuert?“ „Das wäre doch mal eine Idee gewesen.“ „Meine Güte, Ihr hängt wohl nicht an Euren Jobs?“ „Nö. Nach der Wahl sind wir ja eh alle wieder in Berlin.“

„Vielleicht könnte man das doch irgendwie aus den normalen Steuern…“ „Halten Sie den Rand, wir haben uns für einen Alleingang entschieden, um das parteipolitische Profil zu…“ „Eben deshalb ja. Wenn wir als SPD aus dem Mindestlohn…“ „Lassen Sie den aus dem Spiel, den haben wir im Wahlkampf als absolut unverhandelbares…“ „… die ganzen Ausnahmen rausstreichen, kriegen wir wieder viel mehr Lohnsteuern, und daraus können wir dann den Straßenbau finanzieren.“ „Hmja.“ „Das müsste man mal durchrechnen.“ „Sonst könnten wir ja den Mindestlohn vorerst so lassen und dann die Steuern in den Bundeshaushalt fließen lassen.“ „Und wo fließen die Ihrer Ansicht nach sonst hin, Herr Kollege?“ „Fragen Sie mich nicht, ich bin innenpolitischer Sprecher. Wenn ich mehr Geld haben will, erzähle ich der Fraktion wirre Lügenmärchen und erfinde eine Statistik dazu.“

„Und wer bezahlt diese Straßensonderabgabe jetzt?“ „Wir wollen das sozial gerecht regeln.“ „Moment, nur zur Sicherheit: sozial gerecht oder SPD-sozial-gerecht?“ „Wo ist da der Unterschied für Sie?“ „Das eine ist ohne Umverteilung von unten nach oben.“ „Wir haben da keine Zielvorgabe bekommen, aber für uns ist schon klar, dass wir unserer sozialen Verantwortung gerecht werden müssen.“ „Also zahlen vor allem die Autofahrer ihre eigenen Straßen?“ „Ja, so hatte sich die Partei das gedacht. Nutzer bezahlen ihre Verkehrswege.“ „Also die, die auf der Autobahn…“ „Auch.“ „Und auf den Bundesstraßen?“ „Selbstredend. Und Sie müssen ja als Sekundärnutzer…“ „Als was!?“ „Er meint so was wie Passivrauchen.“ „Wenn ich mir mit meiner Frau ein Auto teile? Dann zahle ich doppelt?“ „Ich dachte da eher an Busverkehr.“ „Aber das ist doch…“ „Naja, technisch gesehen stimmt’s schon. Wenn Sie im Krankenwagen liegen, benutzen Sie auch öffentliche Straßen.“ „Das erzählen Sie mal einem Steuerhinterzieher.“

„Auf der anderen Seite ist doch der Effekt gar nicht schlecht, wenn die Straßen so im Eimer sind.“ „Worauf wollen Sie hinaus?“ „Dann steigen mehr Leute auf die Bahn um.“ „Das Schienennetz ist doch auch marode.“ „Das ist doch gut, dann haben wir mehr Straßennutzung und unsere Reparaturen amortisieren sich viel schneller.“ „Sagen Sie mal, haben Sie Spaß an Ihrem Drogenproblem?“ „Ich sagte doch, ich bin innenpolitischer Sprecher.“

„Und wenn wir den Soli erhöhen?“ „Was hat das mit den Straßen zu tun?“ „Ich meine ja nur.“ „Hmja.“ „Also langsam werde ich aber…“ „Oder wir könnten Geldbußen bei Ordnungswidrigkeiten etwas höher machen.“ „Und wenn wir aus dem Bildungsetat etwas abzweigen?“ „Den zweigen wir doch eh schon von den Kosten für die HSH Nordbank ab.“ „Jetzt seid doch mal kreativ!“ „Mann, was denn noch!“ „Wir müssen den Wählern eben sagen, dass Autofahren auf intakten Straßen mehr wert ist.“ „Wie bitte!?“ „Ich meinte, dass…“ „Na also!“ „Was hat er denn jetzt schon wieder?“ „Hier, das ist doch unsere politische Logik. Passiv fahren – Passivrauchersteuer.“ „Verstehe ich jetzt nicht.“ „Können Sie mir das mal erklären?“ „Und dann?“ „Na? Haben Sie’s?“ „Worauf will er denn jetzt eigentlich hinaus?“ „Autofahren – mehr wert in Deutschland? Na!?“ „Hmja.“ „Hallo, Kiel? Ich glaube, wir haben da was für Ihren Wahlkampf.“


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