Das Prinzip EU

29 04 2014

„Jetzt machen Sie sich doch nicht lächerlich! Krümmungsgrad von Ölkännchen – das ist doch der typische populistische Unsinn, den Sie regelmäßig bei der Wahl schreiben, damit Sie bei der Wahl überhaupt irgendwas schreiben können! Wenn Ihnen sonst zur EU nichts einfällt, dann schreiben Sie doch lieber gar nichts!

Sie sind doch wieder nur so ein billiger Populist, der mit seinem billigen populistischen Geschreibsel gegen die europäische Idee Stimmung machen will, oder? Dachte ich mir doch. Wir bringen ein gemeinsames Papier heraus für eine europäische Friedenspolitik, und Sie schreien sofort: Glühbirnenverbot! Wir arbeiten an einer Außenpolitik aller EU-Länder, und Sie schreiben in Ihren Käseblättchen: Staubsaugerverbot! Die Kaffeemaschine wird abgeschafft! Halten Sie sich etwa für witzig? Meine Güte, lassen Sie sich doch mal etwas Neues einfallen, dabei schläft einem ja langsam das Gesicht ein!

Wir machen das doch nur, weil wir an den mündigen Konsumenten glauben. Verstehen Sie nicht? Ein Beispiel: Sie kaufen eine Schachtel Zigaretten mit Schockbildern, wie Ihre Lunge nach zwanzig Jahren Kettenrauchen aussieht. Das wussten Sie schon vorher? Sehen Sie, das wussten wir schon vorher, dass Sie das schon vorher wussten. Also machen wir das gar nicht, um Sie als Verbraucher zu schocken, wir demonstrieren Ihren doch nur, dass Sie hier in einem Land der Freiheit leben. Haben Sie schon mal auf einer Flasche gelesen, dass Alkohol zum langsamen sozialen Abstieg führt und Sie zum debilen Deppen macht? Eben, wir vertrauen auf Ihr Urteil als mündiger Verbraucher. Darauf und auf den Umstand, dass das auf einem fünfzig Jahre alten Armagnac ziemlich scheiße aussieht.

Oder der goldene Osterhase, der ist keine eigene Marke. Wir könnten uns vorstellen, dass wir den Osterhasen als Geschmacksmuster schützen, und wenn Sie das mit dem Freihandelsabkommen noch rechtzeitig umgesetzt kriegen, dann ist wahrscheinlich die Farbe Gold früher oder später eh vom Markt. Aber bis dahin dürfen Sie goldene Osterhasen kaufen. Ungeschützt.

Oder das Wiener Schnitzel. Das ist doch ein Symbol der Freizügigkeit! Wussten Sie nicht? Klar, Sie müssen unbedingt Kalbfleisch dafür verwenden. Ob das minderwertiges Fleisch ist, das muss uns nicht interessieren. Sie interessieren sich ja auch nicht, was in Ihrer Wurst steckt. Und Sie müssen das in Butter braten. Unbedingt. Das ist auch viel gesundheitsschädlicher, aber das muss halt so, von wegen: mündiger Verbraucher. Nein ernsthaft, das ist jetzt ganz im Sinne der Freizügigkeit. Sie dürfen das immer noch überall essen, und es darf auch überall Wiener Schnitzel heißen. Bis jetzt noch.

Die EU ist demokratisch, merken Sie sich das. Das ist so, und so bleibt das auch. Und wenn Sie nicht mitmachen, dann werden wir es Ihnen schon zeigen. Dass das hier eine Demokratie ist.

Denken Sie an die Letten. Ein vorbildliches Volk, muss ich schon sagen. Die haben abgestimmt über den Eintritt in die Eurozone, und was soll ich Ihnen sagen? Der Euro hat gewonnen. Das nenne ich Demokratie!

Bitte verschonen Sie mich mit Ihren Horrormeldungen, das ist alles nur künstlich hochgequirlter Populismus. Wir werden keine Bücher mit Erzählungen verbieten, die Kindern veraltete Rollenklischees beibringen. Und vor allem, stellen Sie sich das mal vor – so viele Bibeln kann man gar nicht gleichzeitig aus dem Verkehr ziehen.

Sagen Sie, haben Sie das Prinzip EU eigentlich verstanden? Ich habe nicht den Eindruck. Ja, es gibt eine Regelung für den Gebrauch von Schnullerketten. Schnul-ler, ja? Das sind die Ketten, die man – Sie wollen mich wohl veralbern, wie? Nein, ich Sie auch nicht. Doch, es gibt diese Schnullerkettenverordnung, und sie besagt, dass einheitlich in der EU zur Sicherung vor etwaigen – jetzt unterbrechen Sie mich nicht! – dass der Gebrauch von Ketten an Schnullern einer Regelung bedarf, die… – Es geht dabei um eine Regelung, die man macht, weil man doch den unmündigen, also den Säuglingen, oder wenn man so will, das sind die Bürger, und die muss man eben, weil sie noch nicht selbst entscheiden dürfen, muss man denen… – Also soll ich Ihnen jetzt das Prinzip der EU-Gesetzgebung erklären oder nicht!?

Das können Sie überhaupt nicht vergleichen. Mayotte ist eine außerordentlich reizvolle Insel. Gut, bei Madagaskar. Also fast schon irgendwie beinahe Europa. Klingt auch schon französisch, oder? Sehen Sie, deshalb ist das jetzt auch Teil der EU. Damit wir in diesem Zonenrandgebiet auch ein bisschen die Folgen der Globalisierung gutmachen können. Für die Franzosen natürlich.

Was dachten denn Sie, für die Bimbos? Nur, weil die zufällig da wohnten, kurz bevor die Grundstückspreise um ein paar zehntausend Prozent stiegen? Wenn die mitspielen wollen, können sie es ja versuchen. Falls sie Lampedusa je erreichen.

Meinen Sie nicht auch, wir sollten die Lage in der Ukraine völlig neu bewerten?“


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