Zielgruppe

3 06 2014

„Um Gottes Willen – bloß kein Krieg! Also dieses militärische Dings, was man im allgemeinen Sprachgebrauch, Sie verstehen schon, und dann möglicherweise als bewaffnete Auseinandersetzung mit, naja, Soldaten und so. Sie sind die Bundeswehr, das könnte Ihr Image total killen!

Werden Sie nicht pampig, aber Sie wollten die Bundeswehr zum attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands machen. Nicht wir. Jetzt finden Sie sich damit ab, dass Sie einen Beratervertrag mit uns haben. Wir finden uns ja auch damit ab, dass wir ständig Kunden wie Sie an die Backe kriegen.

Hören Sie mal, wir sind eine strategische PR-Beratung, wenn Sie wüssten, was wir schon alles, mein lieber Freund, da waren Bettina Wulff und der ADAC aber nicht die größten Brocken. Haben Sie sich schon mal gefragt, warum so viele Deutsche immer noch freiwillig Fleisch essen? Dann schauen Sie sich mal die Lebensmittelskandale der letzten Jahre an. Und unsere Unternehmensbroschüre.

Schaffen Sie halt flexiblere Arbeitsplätze. Mobiles Arbeiten, Home Office, oder vielleicht, warten Sie mal, diese Drohnen kann man doch auch von zu Hause aus, die haben doch WLAN? Erzählen Sie mir nicht, dass die Dinger kein WLAN haben, das kann doch nicht – jedes Hotel hat heute kostenloses WLAN, gut, ist auch urheberrechtlich nicht ganz einfach, aber wenn Ihnen Bertelsmann irgendwie dumm kommt, löschen wir sie halt aus. Ich meine, hallo? haben wir Drohnen oder haben wir Drohnen!? Also wie gesagt, das kann man doch gut vom Sofa aus machen. Damit erreicht man auch die Zielgruppe – nein, nicht die in Afghanistan, das sind die Kollateralschäden, die Zielgruppe sitzt am anderen Ende des, ich sage mal, wir nennen es wohl Prozesskette oder irgendwie so. Klingt doch auch gemütlich?

Natürlich sind Arbeitszeitkonten gut für solche Jobs, das gibt doch Perspektive. Oder machen Sie das doch gleich mit Leiharbeit, verstehen Sie, den ganzen Konzern in kleine eigenständige Einheiten aufsplitten und die dann als Konkurrenten – Amt? wieso Amt? Heute wird alles privatisiert, warum soll man die Bundeswehr nicht auch privatisieren, schließlich kann man so eine Menge Geld, und das wird Ihnen noch mal sehr, ich weiß das selbst, ja, aber wenn Sie die Armee über Leiharbeit laufen lassen, dann haben Sie halt nicht mehr so viel Leerlauf. Mal ein kleiner Grenzkonflikt hier, da ist etwas Terrorismus, hier ein paar Demokraten, die das mit dem Demonstrieren wieder nicht lassen können, und das fördert letztlich die Flexibilität.

Warum nicht Teilzeit? Sie müssen den Fakten in die Augen sehen, wenn Sie vor Kandahar im Gefecht liegen, dann kann der Mann im Feld nach spätestens fünf Stunden nicht mehr, verstehen Sie, die psychische Belastung, Burnout, somatische Erkrankungen, Sozialversicherungsbeiträge werden am Ende für die Versicherten verpulvert – den nehmen Sie nach fünf Stunden aus dem Gefecht, dann kann er gemütlich im Truppenstützpunkt bis zur nächsten Nachtschicht warten, und dann ist alles wieder, sag ich doch, und kommen Sie mir nicht wieder mit vollem Lohnausgleich. Wenn ich in der Fabrik fünf Stunden lang Deckel auf die Zahnpastatuben schraube, kann ich auch keinen Lohn für Vollzeit erwarten.

Sie können doch fast alle Prinzipien moderner Unternehmen auf die Bundeswehr anwenden. Sagen Sie ja selbst, oder? Führung, Management, richtige Unternehmensstruktur – gut, das ist nicht so lasch wie bisher, da müssen Sie halt ein bisschen mehr buckeln. Es werden überall Konzerne auf den Prüfstand gestellt und Fusionen gehen über den Tisch, da können Sie nicht so tun, und außerdem ist Ihr Business ja auch nur so gut wie die Zulieferer. Nein, ich rede hier nicht von der Verwaltung. Die Waffenindustrie kann auch ins Ausland liefern, wenn Sie es vergessen haben sollten. Tun Sie etwas zur Erhaltung deutscher Arbeitsplätze, dann reden wir darüber, und Sie sind gleich viel, ich würde es schon beliebter nennen. Sie tun das, was der Euro nicht schafft. Und Sie dürfen auch außerhalb von Europa arbeiten.

Vor allem die Führungsebene müssen wir ja viel besser ausbauen. Coaching-Seminare würde ich toll finden, nein, nicht solche Seminare, Sie meinen wohl das mit den, wir sind hier aber bei der Armee, da können Sie nicht solche Weicheier wie in der Bundesagentur für Arbeitslose – Sie haben doch die falsche Führung, ich hab’s Ihnen schon mal, und ich weiß selbst, dass man im Management durchaus flexibel und teilweise komplett schmerzfrei, vor Ihnen hatte ich ja auch nur normale Kunden, das können Sie mir glauben.

Jährliche Perspektivgespräche über die familiäre Situation, klasse Idee, nur in der Klobürstenfabrik und nicht bei der Bundeswehr, klar? Machen Sie den Arschlöchern klar, dass ihre Familie die reelle Chance hat, sie irgendwann lebend wiederzusehen, in der Wirtschaft haben Sie das auch nicht, was für ein vollkommen idiotisches, Perspektivgespräch, das ist doch krank, in der Wirtschaft machen Sie einen Fehler, dann wird gefeuert, und das ist hier in der Armee, naja, Sie wissen schon.

Alternativ gebe ich Ihnen einen guten Rat. Diese Geistesgestörte mit der Stahlhelmfrisur, haben Sie schon mal mit dem Gedanken gespielt, die versehentlich ins Manöver zu schicken?“