Gernulf Olzheimer kommentiert (CCXLVI): Fußballkommentatoren

27 06 2014
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Womit sich der Hominide in seiner Freizeit auch immer auf halbwegs professionellem Niveau zu beschäftigen sucht – Stierlenken, Blitzkriege, interplanetarische Kollisionen – er tut es meist nur im passiven Modus. So auch im Fall des allseits geschätzten Ballspiels, das als Impulsgeber für Mode und Wirtschaft, nebenbei auch als Rasensport die Massen beeindruckt. Massiv und statisch hockt das Volk an den Empfangsgeräten, um sich Pokal- und andere Endspiele reinzuziehen, wohlbedacht mit Alkoholika und Wurstwaren, doch die richtige Atmosphäre fehlt. Was läge näher, als den vermeintlich Sachverständigen, der eh kurz vor dem Bundestrainerexamen steht, mit externer Expertise aufzupimpen? So entstand das Unwesen des Fußballkommentators.

Er ist ein Paradoxon, denn gäbe es ihn in der Stadionkurve? Wozu auch, der vor Ort trötende Schlachtenbummler könnte der zusätzlichen Erklärung, dass nur Innenverteidiger Schnackmann das Leder an den Tormann des 1. FC Blau-Braun abgibt, leicht entraten, da er die Mannschaft vor der eigenen Nase hat. War die Notwendigkeit bei der Übertragung via Goebbelsschnauze noch einzusehen, mit dem Einzug des Fernsehens hat sich die verbale Dreingabe erledigt. Dass die inkontinenten Randbemerkungen noch immer das Brechzentrum des Bescheuerten fluten, ist ein Anachronismus.

Und eine Körperverletzung. Zunächst fällt das Geschwalle der schwiemelnden Schwafellappen durch exklusive Redundanz auf – was immer kein Schwein interessiert, steht auf dem sorgfältig recherchierten Schmierzettel des knallkompetenten Rumpelhubers. Hauptsache, das Mikrofon wird nicht kalt. So ist die durchschnittliche Beschallung der Erst- bis Letztligisten eine Heimsuchung des Schallwechseldrucks, der noch auf dem letzten Trommelfell Tumorwachstum sät. Wo immer sich Differenzen auftun, liegen sie offensichtlich an der Wahrnehmungskrümmung im Erklärwerk; nicht selten sehen die Laberlurche ein anderes Spiel als die Zuschauer.

Die Strafe diverser Dämonen für den schlechten moralischen Zustand der Evolution kulminiert in der geradezu bombastischen Explosion frei flottierender Metaphern, die der Krone den Boden ausschlagen, bevor sie das Menschliche segnen. Sie haben alle als kleine Kinder ein Synonymlexikon gegen den Kopf gekriegt, dem Lexikon ist nicht viel passiert, aber die Berufswahl endete in der vorgezeichneten Tragödie. Nur selten entkommt ein Delinquent ins Parlament, wo er als Hinterbänkler jahrelang die Klappe halten kann, ohne sich einmal öffentlich zu blamieren. Die anderen aber gehen mit ausgesucht dämlichem Sums der Nation voll auf die Plomben, wie sie das Runde aus der Tiefe des Raumes quer durch alle Klischees schranzen, weil das Spiel gerade ein Tor gebrauchen könnte, das nicht nur das Ergebnis verbessern würde.

Jedes Phonetik-Erstsemester begeht jodelnd Harakiri beim Versuch der völlig verseiften Intelligenzflüchtlinge, ausländische Spielernamen mit homöopathisch vorhandenen Resten von Schulenglisch zu produzieren. Dass ganze Erdteile ohne Englisch überlebensfähig sind und manche Spieler fehlerfrei Interviews in Drittsprachen absolvieren können, macht die Sache nicht angenehmer. Das Gefiepe der Klötenkönige ist die Fortsetzung der psychologischen Kriegführung mit telemedialen Mitteln; das auserkorene Opfer ist zumeist der unschuldige Gebührenzahler, der gerade eben so viel vom Fußball versteht, um die intellektuelle Ausschussware zu erkennen, die ihm dort vorgepopelt wird. Die Luft, die nie drin war, ist irgendwann auch noch raus, und schon schaltet das gequälte Couchvieh in den Tiefschlaf. Eines Tages werden Wissenschaftler herausfinden, dass sie nur die klebrige Spülung für den Neocortex sind, die das Einsickern ausgekauter Werbebotschaften vorbereiten soll, damit die Nullinformation nicht versehentlich zwischen den Ohren durchglitscht.

So sind die auf Schwachstromniveau operierenden Dumpfdümpler auch nicht mehr als Laiendarsteller, die mäßig bis unmäßig anspruchsloses Pointenglutamat zusammenfegen und auf Ansage in die Leitung seiern, asynchron zum Spielverlauf, aber höchst von sich selbst angetan, weil sie der auktoriale Erzähler sind. Keiner flieht ihn, er war immer schon da. Er bleibt, es sei denn, irgendwer entdeckt die Räuspertaste und den Alarmknopf.

Sollte es den oft beschworenen Fußballgott tatsächlich geben, es wäre eine charmante Idee, dass er sämtlichen Kommentatoren durch gezielte Schläge auf den Hinterkopf das Großhirn portionsweise aus der Nase dengelt, bis der Durchzug freies Spiel hat. Andere Beobachter vertreten die Meinung, genau das sei bereits geschehen. Man weiß es nicht. Man steckt nicht drin. Guten Abend allerseits.


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