Förmchen

9 07 2014

„Ist das geheim?“ „Ja, gleich rein in den Schredder.“

„Aber irgendwie ist mir auch nicht ganz wohl bei der Sache.“ „Und was wäre Ihnen lieber? Wenn die Regierung uns komplett auflösen würde?“ „Das können sie ja gar nicht.“ „Dann könnten sie wenigstens das ganze Personal in den Vorruhestand schicken.“ „Nichts lieber als das.“ „Sie würden nie mehr einen Job bekommen.“ „Meinen Sie etwa, wir hätten bis jetzt irgendeine sinnvolle Tätigkeit gehabt?“

„Stuttgart 21?“ „Haben Sie die Akten gelesen?“ „Würden Sie das tun?“ „Nicht mal aus Neugier.“ „Warum nicht?“ „Weil ich weiß, was drinsteht.“ „Auch dann, wenn Sie sie nicht gelesen haben?“ „Auch dann, wenn ich gar nicht weiß, was das für Akten sind. Es ist immer das Gegenteil dessen, was diese unterleibslosen Fratzen in den Nachrichten einem erzählen.“ „Naja, dann.“ „Also rein damit.“ „Und wenn wir die jetzt…“ „Wozu?“

„Hier sind noch ein paar Akten aus den…“ „Fragen Sie nicht.“ „Lässt sich das denn jetzt noch vertuschen?“ „Deutsche Behörden haben doch immer auf diese Art gearbeitet. NSDAP, Stasi, Kohls Spenden, irgendwo stand bestimmt ein Reißwolf im Weg, und dann fielen ein paar Tonnen Papier versehentlich in eine Richtung.“ „Aber es ist schließlich Amerika. Ich weiß nicht, ob wir uns das erlauben können.“ „Sie meinen, weil die Amis sowieso von jedem Mist eine Kopie haben? Da ist was dran.“ „Nicht mal das, ich habe nur ein bisschen Angst vor der Reaktion.“ „Meine Güte, wenn de Maizière ab fünf Uhr fünfundvierzig zurückschreddern lässt, das kümmert doch keine Sau in Washington.“ „Warum tut er es dann überhaupt?“ „Haben Sie schon mal auf einem Schleudersitz gesessen?“ „Nein, warum?“ „Weil es da nicht ganz so gemütlich ist.“

„Warum löst er den Konflikt nicht mit diplomatischen Mitteln?“ „Weil er es kann.“ „Sie meinen, weil er es nicht kann.“ „Nein, weil wir dem Kanzleramtsminister unterstehen. De Maizière hat dazugelernt. Der tut nichts mehr, wofür er die Verantwortung übernehmen müsste.“ „Das verstehe ich jetzt nicht.“ „Passen Sie auf. Vorratsdatenspeicherung. Bundestrojaner. Das gab aufs Maul.“ „Völlig zurecht.“ „Drohnen. Richtig auf die Rübe.“ „Kein Wunder!“ „So, und jetzt nennen Sie mir noch eine Sache, die der Mann in eigener Regie machen kann, ohne als politischer Organspender in die Geschichte der Merkelpartei einzugehen.“ „Irgendwas mit Sport. Oder er hält ein Jahr lang die Klappe zur Islamkonferenz.“ „Und jetzt lässt er uns aufmarschieren, weil wir nicht in seinem Ressort arbeiten.“ „Könnte ein Formfehler sein.“ „Förmchen. Bei de Maizière geht es ausschließlich um sein Förmchen.“

„Andererseits frage ich mich, wie kommt de Maizière bloß auf die Schnapsidee mit der Gegenspionage?“ „Das ist nun mal seine Art, die Realität zu verarbeiten.“ „Geheimnistuerei?“ „Wettrüsten.“ „Das passt zu seiner Karriere.“ „Eines der Denkmodelle des intellektuellen Bodensatzes.“

„Was ist, wenn sie wieder einen von uns anheuern?“ „Das wird früher oder später schon passieren.“ „Aber ist das nicht viel zu gefährlich?“ „Für wen? für den Spion vielleicht, der hockt ja bereits mit einer Backe auf dem elektrischen Stuhl.“ „Da könnte man die doch viel leichter erpressen.“ „Wenn Sie Kollegen haben, deren Vaterlandsliebe sie dazu treibt, für ein paar Hunderter im Monat ihr Leben zu riskieren, dann dürfen Sie sich über nichts mehr wundern.“ „Sie meinen, man sollte uns doch auflösen?“ „Das haben Sie gesagt.“

„Das ist jetzt aber interessant.“ „Schmeißen Sie das weg.“ „Wieso?“ „Das ist ekelhaft.“ „Aber ich wollte…“ „Das ist wirklich ekelhaft, und ich habe keine Ahnung, warum man auf Kosten des Steuerzahlers Agenten darauf ansetzen muss.“ „Man könnte das publizieren.“ „Könnte man. Und dann würde diese braune Brause keiner mehr trinken, und alle hassen Amerika.“ „Vielleicht gibt es dann kein Freihandelsabkommen?“ „Wenn jeder weiß, was in der Plempe drin ist, nützt auch kein Freihandelsabkommen mehr.“

„Und wenn wir schlimme Sachen rausfinden?“ „Gehen wir mal davon aus, dass das der Fall sein wird.“ „Was machen wir damit?“ „Kommt darauf an. Die weniger schlimmen kann man sicherlich irgendwie unter den Teppich kehren.“ „Notfalls leihen wir uns Pofalla aus, der beendet die irgendwie schon.“ „Oder so. Und die wirklich schlimmen werden wir schon irgendwie los.“ „Sie meinen, wir archivieren die einfach?“ „Wer redet von Archivieren? Wir haben immer Verwendung für eine ordentliche Ladung Kompromat.“ „Und wenn die jetzt etwas herausfinden über Merkel?“ „Also etwas Schlimmes?“ „Den anderen Kram kennen wir ja bereits.“ „Dann bewahren wir es natürlich auf.“ „Aus Angst vor den Amerikanern?“ „Keinesfalls.“ „Aus Rücksichtnahme?“ „Auf Merkel? Träumen Sie weiter.“ „Warum denn dann?“ „Als kleine Aufmerksamkeit. Für später.“ „Für später?“ „Man weiß ja nie, ob wir sie sonst loswerden.“


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