Sportstück

4 08 2014

„Gerade als amtierender Weltmeister müssen wir darauf achten, dass der gute Ruf des Fußballsports gewahrt bleibt, und da können wir uns so etwas gar nicht erlauben. Nein, hier müssen knallharte Konsequenzen gezogen werden. Das ist nicht mehr machbar. Wieso Deutschland? Ich rede hier von einer WM in Bayern!

Da können Sie noch so viel erzählen von DFB und Jogi Löw und Nationalmannschaft, schauen Sie doch hin: wir Bayern haben hier die entscheidenden Spieler auf dem Platz gehabt. Und nicht nur bei der DFB-Auswahl. Wer sonst sollte denn sonst die nächste Weltmeisterschaft ausrichten? diese Russen etwa? Das war doch schon nichts mit den Olympischen Spielen. Hat doch alles nicht funktioniert. Haben wir doch gesehen, viel zu wenig Medaillen für die bayerischen Sportler, das lag alles an dieser Organisation da. Ich meine, wer baut auch Stadien für den Wintersport an einem Badeort? Das muss doch in die Hose gehen. Da muss man uns ranlassen.

Schon von der Menschenrechtsseite her, das war ja auch katastrophal in Sotschi. Diese vereinzelten Proteste da von den Frauen mit den Pudelmützen, wie hießen die noch gleich? auf jeden Fall war das im Fernsehen. Das macht man doch nicht! Damit verschrecken Sie doch sämtliche Investoren! Ich sage, da muss man wesentlich härter durchgreifen, wesentlich härter! So etwas würde es in Bayern jedenfalls nicht geben, jedenfalls nicht im Bayerischen Fernsehen. Da schalten wir sofort ab, darin haben wir schon länger Übung als Putin!

Und überhaupt, die ganze russische Gesellschaft entspricht doch nicht den internationalen Standards. Die müssen es doch selbst sehen, dass wir unsere Sanktionen gegen sie richten, weil wir das der Staatengemeinschaft schuldig sind. Die russische Gesellschaft, die russische Regierung, das ist doch ein einziges Konglomerat aus Korruption und Günstlingswirtschaft. Das ist in Wahrheit nichts als Korruption in großem Stil. Im ganz großen Stil! Das werden wir auf keinen Fall unterstützen, und da machen wir einfach nicht mit. Wir als Bayern haben hier die Möglichkeit, auch vor der internationalen Weltöffentlichkeit in allen anderen Ländern ein ganz großes Signal zu setzen, dass wir uns da entscheidend unterscheiden. Korruption in den höchsten Regierungsbereichen – schauen Sie, bei uns im Freistaat Bayern sind wir immer noch sehr traditionsbewusst und pflegen unser Brauchtum daher fast ausschließlich auf familiärer Ebene. Da hat der Staat nichts zu suchen, verstehen Sie? Allenfalls die CSU.

Deshalb wollen wir das ja auch eher sportlich angehen und nicht politisch. Weil, sportlich kennt man Bayern München nämlich überall auf der Welt, beispielsweise als Wirtschaftsunternehmen und von unseren guten Sponsorenkontakten her. Aber den Seehofer Horst, schauen Sie, wie soll ich das jetzt ausdrücken – es ist halt ein Bayer, nicht wahr, und das ist auch an sich nichts Ehrenrühriges, aber er ist halt ein Bayer.

Warum erst jetzt? Nein, das ist uns nur ganz plötzlich eingefallen, wo wir jetzt im Sommer – also wir haben jetzt nur mehr Zeit gefunden, uns mit dem Thema Russland auseinanderzusetzen. Hatte Sie gewusst, dass diese Ukraine, dass das da ganz in der Nähe liegt? Das war früher ja mal Teil der UdSSR, aber die haben sich immer absolut friedlich verhalten. Absolut friedlich. Die Ukrainer, die haben die Sowjets damals nicht ein einziges Mal angegriffen. Die haben gar keinen Krieg gegen die Russen geplant, nicht ein einziges Mal. Und dann marschieren die da jetzt einfach so ein, also es ist kein Einmarsch, aber unser Ministerpräsident, der wertet das als einen. Ich hatte schon gesagt, dass er ein Bayer ist?

Das könnte natürlich auch der bayerischen Bevölkerung sehr helfen, verstehen Sie? Wir haben hier noch infrastrukturell sehr schlecht erschlossene Gegenden, dann haben wir so gewisse Bereiche, bei denen die Bildung eher nicht so weit verbreitet ist – kennen Sie den Dobrindt Alexander? dann wissen Sie jetzt, woran das unter anderem liegt – und das ist eine großartige Chance, dass die Öffentlichkeit mal auf Bayern blickt, wenn wir die WM haben, und dann sehen sie alle, dass wir bisher ganz viel getan haben. Die Russen? ach wo, die würden das doch bloß groß ankündigen, und dann passiert da gar nichts. Das kennt man doch.

Außerdem würde so einer Forderung doch ein intensiver Dialog folgen, auf diplomatischer Ebene, oder vielleicht auch wirtschaftlich, aber auf jeden Fall ein Dialog. Das ist doch viel besser als eine Konfrontation. Natürlich werden wir trotzdem die WM ausrichten, darüber diskutieren wir hier nicht. Aber wir tun etwas für die russische Bevölkerung. Das muss doch mal ein Ende haben mit diesem Totalitarismus, mit dieser Homophobie, mit Filz und Nationalismus und allem. Wie kommen Sie denn jetzt auf Katar?
Uns ist schon klar, dass wir hier rein formal – die FIFA steht über den Gesetzen? das war mir jetzt aber auch neu – also Entscheidungsgewalt im Sinne des internationalen Rechts haben wir hier keine, das ist schon klar. Aber deshalb lassen wir uns doch nicht von den europäischen Visionen abbringen, zu denen uns der Wähler beauftragt hat. Dann bauen wir die Autobahn nach Wladiwostok eben von Garmisch-Partenkirchen aus, klar? Und nur, damit Sie nicht sagen, Sie hätten es vorher nicht gewusst: das Ding wird mautpflichtig!“


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