Blößenwahn

6 08 2014

„Sie können sich das noch mal überlegen, Frau Merkel. Lange kann ich den Herrn Ministerpräsidenten nämlich nicht mehr zurückhalten. Der ist imstande und macht Schluss mit dieser Koalition. Dass Sie’s nur wissen, gelt?

Was wollen Sie immer mit dieser Maut, Frau Merkel? Wir wissen doch sowieso, dass die kommt. Sie haben sich im Bundestagswahlkampf entschieden gegen eine Maut ausgesprochen, da weiß der geistig gesunde Deutsche doch: die Sache kommt. Verstehen Sie es nicht falsch, wir sind Ihnen sehr dankbar dafür. Ist alles okay, aber machen Sie jetzt nicht so ein Theater deshalb. Sorgen Sie einfach dafür, dass die Pkw-Maut kommt, und dann bleiben wir auch in der Großen Koalition. Wir setzen auf gegenseitiges Vertrauen, und da erwarten wir, dass Sie als Juniorpartnerin der Bayerischen Landesregierung Ihren Part liefern. Dann können wir auch mal über Gegenleistungen reden.

Das Betreuungsgeld, das ist ja auch nicht da angekommen, wo es hin sollte. Also auf jeden Fall nicht bei denen, die es brauchen. Sie müssen mir da schon ein bissel mehr Propaganda machen, gelt? Frau Merkel, Sie haben doch so eine großartige Verteidigungsministerin, die besteht zu hundertzehn Prozent aus Heißluft. Die kann doch mal etwas für deutsche Familien tun. Bisher hatte sie es ja meist vermieden, aber jetzt wäre doch mal ein guter Anfang, oder?

Nein, der Herr Ministerpräsident lässt da nicht mit sich reden. Gar nicht. Er sagt, Bayern ist Bayern, und Bundespolitik ist Ihre Sache, Frau Merkel. Das steht so im Koalitionsvertrag. Und da erwartet er jetzt halt, dass Sie sich auch um die Bundespolitik kümmern. Also so, dass wir Bayern einen Vorteil davon haben, weil wir ja auch an der Regierung beteiligt sind. Müssen wir nicht, Frau Merkel, müssen wir gar nicht. Sie müssen nur zusehen, dass wir nicht plötzlich aus der Regierung austreten. Dann sind wir weg, und das Betreuungsgeld ist immer noch da. Wollen Sie das?

Da lobe ich mir doch die SPD. Die wollten das alles von Anfang an nicht. Da kamen wenigstens noch vernünftige Argumente. Sie machen ja immer nur etwas mit, weil Sie es vorher aus Angst für alternativlos erklärt haben, damit Sie sich damit nicht mehr auseinandersetzen müssen. Aber die SPD, alle Achtung. Noch im Untergang immer ein aufrechter Gang. Und die sind sich dann ja auch treu geblieben. Kein Gewackel, die sind umgefallen wie ein Mann. Manchmal denke ich, Frau Merkel, wir sollten uns mit dieser Partei viel näher befassen als mit der CDU. Sie wissen auch nicht, wie nach der nächsten Wahl die Mehrheiten aussehen, gelt?

Und Sie sollten sich eine andere Euro-Politik angewöhnen, gelt, Frau Merkel? Ja, eine ganz andere Euro-Politik, sonst ist hier nämlich bald mal Schluss mit der Unterstützung für Ihre Eskapaden! Wenn Sie sich nicht innerhalb eines Vierteljahres ändern, dann sind wir in Gefahr, in eine Sackgasse zu laufen. Wir können uns weitere finanzielle Zusagen an diese ganzen Krisenstaaten nicht mehr länger leisten, das ist ein Wahnsinn! Das wird sich der Herr Ministerpräsident auch nicht länger gefallen lassen, dass Sie da gewarnt sind. Und ich kann Ihnen auch nur versichern, dass wir zu allem entschlossen sind, der Herr Ministerpräsident sogar zum Äußersten. Wir werden diese Regierung nicht weiter unterstützen, wenn der Stabilitätspakt überall aufgeweicht wird. Wir werden diese Regierung verlassen, Frau Merkel, wir und notfalls auch die FDP, wenn sie sich… – Pardon, das war noch aus dem alten Aktenordner. Falsche Regierung, Frau Merkel, falsche Regierung.

Mal ganz unter uns, Frau Merkel: der Herr Ministerpräsident hat natürlich ein paar Probleme. Bei der Regierungsmannschaft hätte das wohl jeder, aber wem sage ich das. Sie kennen das. Und der Herr Ministerpräsident mag es nun mal gar nicht, wenn er in der Presse als Verlierer hingestellt wird, weil ihm alle seine klugen politischen Schachzüge verbauen. Er leidet darunter, verstehen Sie? typischer Fall von Blößenwahn. Ich kann Sie jedenfalls nur warnen. In dem Zustand können wir für nichts garantieren.

Sie sperren sich ja immer, Frau Merkel, und da müssen wir uns als Partei im Bereich der vierzig Prozent schon auch fragen, mit dem wir weiterhin zusammenarbeiten wollen. Wir würden uns zum Beispiel nie so kategorisch gegen ein Bündnis mit den Grünen aussprechen. Und da ist dann in erster Linie zu diskutieren, ob wir Sie noch in unserer Regierung haben wollen. Wenn wir das mit Rot-Grün gemeinsam schaffen, wozu brauchen wir dann noch Ihre Ersatz-SPD?

Dann erwarten wir von Ihnen Unterstützung, ja? Zunächst sprechen Sie der Frau Haderthauer mal Ihr vollstes Vertrauen aus, dann muss der Herr Ministerpräsident sie nicht mehr selbst feuern. Und Sie können die hinterher auch gerne in Berlin aufbrauchen, wenn Sie in Ihrem Kabinett noch eine Verwendung haben. Einen Posten mehr, das fände der Herr Ministerpräsident nämlich gut, und dann kommt er auch nicht mehr auf die Idee, Ihnen die – Kündigung? Wieso Kündigung? Hallo? Frau Merkel? Hallo!?“