Zweitschlag

11 08 2014

„Doch, das war so geplant. Wir wollten mit dem Manöver schnellstmöglich beginnen, damit die Bundeswehr in dieser Krisensaison noch ein paar Einsätze hat.

Einerseits geht es um den Tunnelkampf – wir brauchen ja auch Trainingsmöglichkeiten, wenn sich mal eine Einsatzmöglichkeit für unsere Streitkräfte ergeben sollte – und andererseits, naja, wir wollten schon immer mal was zusammen machen. Wie das bei alten Freunde halt so ist. Man ist mit dem letzten Job fertig, packt die Sachen zusammen und sagt sich, mit denen könnte man doch bei Gelegenheit mal, und die kommt sicher schneller als erwartet, und dann können wir ja mal schauen, ob es passt, und dann redet man mal. Was man so sagt.

Es ist ja überall voller Tunnel, nicht wahr, und da muss man schon vorbereitet sein. Wissen Sie etwa, wo der nächste humanitäre Einsatz für Mädchenschulen stattfindet? Das könnte rein theoretisch ein komplett untertunneltes Land sein, wo wir für Kinderrechte – Moment mal, Österreich gehört nicht zur NATO, aber wie kommen Sie jetzt darauf? Belgien wäre mir als erstes eingefallen, aber warum ausgerechnet Österreich?

Verstehen Sie das einfach als Amtshilfe auf Gegenseitigkeit. Wir dürfen in Israel trainieren, dafür kaufen die Israelis von uns sechs U-Boote. Das ist doch das Schöne an der Situation, es ist Israel, das Land der Wunder. Hier können Sie im Kriegsgebiet bewaffnete Auseinadersetzungen beobachten, weil es sich ja nicht um einen Krieg handelt, sondern lediglich um bewaffnete Auseinadersetzungen, und da es deshalb kein Krisengebiet ist, dürfen wir auch Rüstungsgüter in dieses Kriegsgebiet liefern. Da ist doch klar, dass wir in diesem gerade eigentlich gar nicht so richtig stattfindenden Konflikt eine klare Positionierung haben?

Umgekehrt bekommen wir Drohnen aus Israel. Die haben so ein eingebautes Modul, habe ich mir sagen lassen. Damit sind die Dinger automatisch verfassungskonform. Und sie sind mit dem neuen Dual-Use-Siegel ausgestattet. Die kann man gegen jede Art von Feinden einsetzen und versehentlich gegen Freude.

Aus Kostengründen wollten wir es eigentlich in der Flughafenruine Brandenburg machen, aber wir haben uns das angesehen – können Sie vergessen. Das kann mit der israelischen Wüste gar nicht mithalten. Schon rein infrastrukturtechnisch sind wir hier viel besser aufgehoben. Und das Klima ist natürlich viel angenehmer, vom Brandschutz mal ganz abgesehen.

So eine gemeinsame Vorgehensweise hat doch auch viele Vorteile. Beispielsweise arbeiten unsere Geheimdienste intensiv zusammen. Der Mossad ist inzwischen so weit, die erkennen unseren BND als richtigen Geheimdienst an. Großartig, oder? Und wir müssen uns nie Gedanken machen, ob wir von denen auch abgehört werden. Wir gehen einfach davon aus, dass sie es sowieso tun. Praktisch, oder?

Wir erhöhen die Zweitschlagskapazität Israels. Und dazu müssen wir erstmal alles tun, damit es zu einem Erstschlag kommt. Sonst trainieren wir hier eventuell noch umsonst, und das führt dann wieder zu politischen Auseinandersetzungen. Haben Sie schon mal den Bund der Steuerzahler am Hals gehabt? Das ist kein Zuckerschlecken. Aber wir bleiben da selbstverständlich sehr flexibel. Es ist ja noch gar nicht raus, wo der Zweitschlag stattfindet.

Wie ich es schon sagte, wir sind als international integrierte Maßnahme tätig. Für die deutsche Wirtschaft, für den deutschen Aufschwung, für deutsche Arbeitsplätze. Einmal für die Rüstungsindustrie, und einmal – das hatte der vorletzte Bundespräsident, glaube ich, schon besser formuliert.

Natürlich gehen wir dabei ganz neutral vor. Wir achten schon darauf, dass die Sicherheitsinteressen Israels gewahrt werden, und wir wollen auch die Hamas nicht verärgern. Sonst wird die Sache teuer mit der Hinterbliebenenversorgung.

Das ist ganz einfach nur eine sehr gute Möglichkeit, ein Territorium gegen den Einfall nicht befugter Personen zu verteidigen. Mir ist nicht bekannt, dass es vor Lampedusa unterirische Tunnelsysteme gäbe, habe ich da in der Schule etwa nicht aufgepasst? Nein, das ist absurd. Außerdem dürfen Sie nicht vergessen, dass die israelische Armee uns ja eingeladen hat, damit sie etwas von uns lernen. Dazu müssten wir ja erstmal genug Erfahrungen mit der Abwehr von Flüchtlingen auf dem Festland gemacht haben, bevor wir sie ausbilden. Man kann doch heutzutage nirgends mehr realistisch Häuserkampf trainieren. In Afghanistan machen Sie das besser nicht, sonst klingeln ein paar Tage später die Taliban bei Ihnen. Und im Irak, gut, das würde gehen, aber da haben die Amis halt nicht mehr allzu viele Häuser stehen lassen. Wir müssen die Freiheit in Gaza verteidigen, was bleibt uns denn noch übrig?

Na, warten wir’s mal ab. Noch ist ja gar nicht raus, ob die israelische Armee die Gegeneinladung noch in diesem Jahr annimmt. Aber wenn, dann sind wir selbstverständlich gerüstet. Und wissen Sie, Neukölln im Herbst, das soll auch ganz hübsch sein, finden Sie nicht?“