Ballerspiele

20 08 2014

„Und bitte verschonen Sie mich mit irgendwelchen Friedensinitiativen! Ich meine, gucken Sie mal, wir sind es ja gewohnt, in der Kritik zu stehen, aber irgendwo ist doch auch mal Schluss. Nur weil wir Rüstungsbetriebe sind, muss man doch nicht die Menschenrechte für uns außer Kraft setzen.

Ich hatte es ja damals gleich gesagt, diese Koalition wird uns nichts als Scherereien bringen. Dass die SPD uns verrät: geschenkt. Machen die immer. Aber dass die wirklich mal machen, was die Wähler wollen, das ist unerhört. Das finde ich total unmöglich! Rüstungsexporte verbieten, nur weil es sich um Kriegsgebiete handelt – das ist doch die reinste Doppelmoral! Wir liefern ja schließlich auch Ausrüstung an die Bundeswehr, und Deutschland führt doch im Irak auch immer noch Krieg, oder?

Wir sind doch auch ein Teil des deutschen Wohlstandes, gucken Sie mal, wir sind fast hunderttausend Arbeitnehmer in der deutschen Rüstungsindustrie. Wenn man so viele Arbeitsplätze von heute auf morgen einfach streichen würde, sagen wir mal in der Pflege, meinen Sie nicht, dass man das merken würde? Ich finde, das würde man sofort merken, und deshalb kann man doch nicht einfach eine ganze Branche in den Ruin treiben. Das ist doch aus humanitären Erwägungen schon gar nicht durchführbar, das verstößt doch bestimmt gegen die Verfassung!

Ja, und diese Dual-use-Sache wieder. Wir achten doch schon bei der Produktentwicklung auf solche Sachen. Die Panzer, die wir den Saudis jetzt liefern, gucken Sie mal, die kann man doch auch gegen die eigene Bevölkerung einsetzen. Das ist doch alles absolut regelkonform, da braucht’s ja nicht einmal mehr einen bewaffneten Konflikt. Deshalb ist das, was wir da machen, doch auch Friedenssicherung. Und wir können nun wirklich nicht alle plötzlich Präzisionsbauteile für die Autoindustrie fertigen. Das würde viel zu viele Autos ergeben, und das ist dann wieder schlecht für die Umwelt. Sie müssen sich doch mal klarmachen, gucken Sie mal, wenn man mit dem Auto richtig Gas gibt, das tötet doch mit seinen Abgasen eine ganze Kleinstadt irgendwo in Hinterindien – wenn Sie richtig Gas geben und vorher einen trinken, dann bringen Sie vielleicht nur zwei bis drei Familien um, es sei denn, Sie rasen auf ein Stauende rauf, aber solche extremen Einzelfälle wollen wir jetzt mal nicht nehmen, das verzerrt doch bloß wieder die Statistik. Und dann vergleichen Sie das mit einer Pistole. Da kommt ein Schuss raus. Mit dem müssen Sie erst mal treffen! Da stirbt ein Mensch, und wenn wir ehrlich sind, der wäre irgendwann eh gestorben, gucken Sie mal, die Umwertverschmutzung und der ganze Krebs, und Sie wissen ja, plötzlich ist das Pflegepersonal weg, da sind Sie früher oder später auch hinüber. Das können Sie uns nicht zum Vorwurf machen!

Das Problematische ist doch jetzt schon, dass wir nie wirklich Planungssicherheit haben. So ein bewaffneter Konflikt, der entsteht vielleicht über Nacht, da müssen wir dann mehr Leute einstellen, als wir ausbilden konnten, und das sieht man an der Qualität. Aber wie viele solche Konflikte versanden dann, bevor sie richtig begonnen haben? Mit etwas Pech kommt eine Friedenskonferenz dazwischen!

Man könnte ja notfalls ein paar Arbeitslose auswildern in den deutschen Mittelgebirgen. Gucken Sie mal, die kriegen sowieso zu viel Kohle, Miete ist umsonst, da muss die Sanktionsschraube mal ordentlich angezogen werden, und dann werden die auch obdachlos, und dann kann man die im Wald unterbringen. Notfalls ziehen wir einen Zaun um den Stadtpark in ein paar Ballungsräumen, muss man eben nicht so weit in die Pampa fahren, um mal ein bisschen zu schießen. Das ist sicher auch gesünder als diese Ballerspiele, gucken Sie mal, da ist man an der frischen Luft, die Hand-Auge-Koordination wird auch geschult, und dass die Sportwaffenhersteller ein paar Arbeitsplätze mehr gut gebrauchen können, das liegt ja auf der Hand. Nur halt nicht zu viele, sonst haben wir ja keine Arbeitslosen mehr. Aus dem Ausland importieren? Gute Idee. Doch, finde ich sehr praktikabel. Das schon wenigstens den deutschen Rentner. Meine Meinung!

Aber gucken Sie mal, wir leben doch vom Wirtschaftskreislauf. Wenn sich Armeen Waffen kaufen, werden die irgendwann auch eingesetzt, und die anderen müssen sich dann auch Waffen kaufen, und dann müssen sich die Armeen wieder neue – naja, und so weiter. Durch die Globalisierung, also das, was wir so darunter verstehen, Sie wissen doch noch, wie das der Bundespräsident erklärt hat? Nee, nicht dieser, der Köhler. Also der hat die Globalisierung erklärt, und dadurch haben wir heute den Terrorismus. Weil das ja ein Wirtschaftskreislauf ist, gucken Sie mal, die kaufen sich Waffen, und dann gibt es da zwar keine Armeen, aber wenn die keine Mädchenschulen und keine Krankenhäuser und Missionsstationen haben wollen, dann muss man die leider unter Beschuss nehmen, und dann entsteht da Terrorismus. Und deshalb kaufen die dann neue Waffen, mit denen sie die Mädchenschulen und den freien Handel – naja, und so weiter.

Auf jeden Fall muss man das auch unter dem Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit betrachten. Wenn wir hier in Deutschland keine Waffen mehr herstellen dürfen, dann heißt das, dass alle anderen Länder proportional mehr Waffen herstellen, und dann findet Rüstung nur noch außerhalb von Deutschland statt, und dann werden irgendwann nur noch Waffen verkauft, die von außen gegen Deutschland gerichtet werden können, gucken Sie mal – das ist doch eine Aufforderung, Deutschland mit einem Angriffskrieg zu überziehen, oder? Und wir dürfen nicht einmal die Nationen, die sich dafür eventuell dankbar zeigen würden – also jetzt nicht für den Angriffskrieg, sondern für die Waffen – die dürfen wir nicht mehr mit Waffen beliefern? Das ist ein Skandal!

Und jetzt kommt dieser Gabriel da mit der Botschaft, dass Menschenrechte wichtiger seien als Exporte. Gucken Sie mal, warum haben wir denn dann die Merkel zur Kanzlerin gewählt?“