Gernulf Olzheimer kommentiert (CCLV): Das Fitness-Studio

29 08 2014
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die sitzende Tätigkeit des Hominiden nimmt in erschreckendem Maße zu (sogar ehemalige Berufssportler wie Uli Hoeneß entscheiden sich dafür), der Mensch mit Bewegungsmangel erst recht. Er hat gerade noch so viel Zeit, seine Ziele zu verfolgen, wenn sie in unmittelbarer Nähe einer Tiefgarage liegen, zeigt sich dafür jedoch um so entschlossener, wenn er für etwas, das er nicht braucht, Geld bezahlen kann, weil er es nicht nutzt. Posthippe Personaler crosstrainieren in der Pause, das heißt: im Büro steht dieses nach drei Versuchen mählich einstaubende Dingsda, das durch zweimal Joggen und ein halb gelesenes Taschenbuch über Yoga abgelöst wurden. Wer als Lehrkraft (Deutsch und Sozialkunde) noch einigermaßen gegen die präsenile Endablagerung ankommen will, braucht einen individuellen Hantelplan, zeichnet aber meist innerhalb der ersten Wochen bereits eindrucksvoll seinen Leistungsabfall quantifizierbar hinein. Sie sind über Nordic Walking und Wassergymnastik hinweg, bekommen Weinkrämpfe beim Anblick eines Medizinballs, aber ihren Aufnahmeantrag fürs Fitness-Studio, den haben sie unterschrieben. Keiner von ihnen weiß, wo das Ding seitdem liegt.

Wer den durchschnittlichen Trimmgulag betritt, findet in Reih und Glied ausgerichtete Apparate, in denen narzisstisch veranlagte Brezeln eingespannt sind, strampelnde Koordinationsversager, die sich zum Löffel machen. Sie lassen aufgesteckte Gewichte kreiseln, dass sich der Rahmen verzieht, unrhythmisch wippelnde Würste im PVC-Darm mit dem Mut des letzten Versuchs. Sollte nicht die Evolution ein anders zusammengeschwiemeltes Modell des Beknackten auf den Markt schmeißen, dann haben die Beug-, Spreiz- und Hampelübungen an diversen Maschinoiden lediglich den Effekt, dass die Muskelgruppen des Pumpheinis darauf optimiert werden, ebendieses Geraffel am Quietschen zu halten. Wann, beispielsweise bei einem Umzug oder vor den gestapelten Bierkisten eines Pokalfinales, wird der wirrlichternde Knorpelkönig seine Aufgabe durch vierzig Bizepsanspannungen im Sekundentakt lösen? Er müsste sein Kartönchen alle drei Treppenstufen absetzen, was einer Aufforderung zur Kastration gleichkäme. No way.

Die im Stemmheim eingesperrten sind also erstens nicht viel mehr als zahlende Geiseln eines Egomanenparcours, der wie das grobmotorische Gegenstück eines Wittgenstein-Kongresses wirkt: die im Rudelkoma gefangenen Ledergesichter markieren vergrößerte Kontur, um ihre offenbare Unterlegenheit vor den Artgenossen möglichst lange zu verbergen. Nicht ihre Leistungsfähigkeit zählt, sondern der eiserne Wille, vor den anderen Teilnehmern der Dumpfdüsenmeisterschaft nicht hemmungslos abzustinken. Mit der Verzweiflung, die den Adrenalinopfern bis zum spontanen Augenausfall ins Gesicht gehämmert scheint, werden anderweitig Weltkriege bestritten – und da geht es wenigstens um nachhaltige Ziele.

Der einzig verwertbare Nebeneffekt ist der zweite Anhaltspunkt, warum sich eine Rotte nach Stierlenkerausdünstung stinkender Blödblunzen in albernen Spielhöschen mit für die der englischen Sprache Mächtigen peinlich anmutenden Drucken zwängt, nämlich die Nachahmung des beim Maki wesentlich eleganteren Balzrituals, um auch den unteren Rand des Genpools noch zur Reproduktion zu bringen. Wie die Hohljodler zugleich verbissen Blut in die Extremitäten mangeln und dabei ihre intellektuelle Rezeption betätigen, so kann es nur auf den Totalausfall des Gierillas hinauslaufen. Nur vereinzelt gelangt ein komplett devitalisierter Depp zum Vollzug, meist bei einer geistig nur als Brennmaterial fürs Lagerfeuer geeigneten Zielperson, was bestätigt, dass niedere Arten sich am Geruch erkennen und ihre filigranen Symptome der Blödheit sensibel aufeinander abzustimmen verstehen. Die Natur besiegt doch alles.

Oder auch nicht, denn der dritte Zweck ist und bleibt die Hauptquelle der Motivation, um das Epizentrum der Behämmerten regelmäßig wieder zu betreten. Nirgends gelangt der geneigte Laie schneller in den Besitz anaboler Aufblasmittelchen, die die Oberarme zu Schlauchbooten machen und nebenher den Perforationszustand der Hirnrinde pflegen. Für den Gegenwert eines tanzenden Schafes erhält der Dummklumpen mit den dicken Emboliezugängen Eiweißpülverchen, die bei konstanter Einnahme fast so viel Schmodder in die Fasern geben wie ein Schälchen Magerquark. Der Bescheuerte hat nur das Bestreben, auch so scheiße auszusehen wie die Hohlrabis auf Bodybilderchen, die überall an den Wänden der Gerätebude pappen. Untergeordnet, aber nicht vergessen bleibt das Ziel, sich dickere Herrenbrüstchen anzuimpfen als die anderen Fußhupen, und in seliger Verstrickung ist auch der virulente Wunsch, mit derlei Zeugs die erotische Ausstrahlung zu erhöhen – würden die Präparate nicht neben der Guttenberg-Wirkung auf die Adduktoren in schöner Regelmäßigkeit kleine Klöten machen. So gleicht sich alles aus. Sogar die Natur, die wenigstens zurückschlägt. Und das nicht einmal mit evolutionären Überraschungen.


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