Zufrieden?

16 09 2014

„Und dann wüsste ich gerne, wie gut Sie finden, dass wir Kernkraftwerke haben. Nein, falsch – ich will nicht wissen, ob Sie das überhaupt gut finden. Ich will wissen, ob Sie das sehr gut, überwiegend gut, ganz gut, eigentlich doch gut oder nur gut finden. Weil, dass Sie das gut finden, das kommt ja raus. Bei der Umfrage. Wenn das nicht rauskommt, dann müssten wir ja nicht die Umfrage machen.

Die Kanzlerin macht das häufiger. Also ich kann ganz gut davon leben, das ist ja ein Vollzeitjob. Und wir werden auch leistungsgerecht bezahlt. Meistens jedenfalls. Meistens kommt ja auch raus, was die Kanzlerin gerne rein hätte.

Ab und zu haben wir ein paar Probleme mit dem Bundesrechnungshof. Weil der das für nicht so ganz in Ordnung hält, wenn wir die Interessen der CDU-Vorsitzenden durch eine Umfrage bestätigen lassen. Wir sagen dann meist, wir haben jetzt bestätigt, dass die Interessen der CDU-Vorsitzenden durch eine Umfrage bestätigt wurden, und deshalb ist das auch im Sinne des Wählers. Wir geben also ganz offen zu, dass wir die Interessen der Wähler, wie sie die Bundeskanzlerin interessieren, bestätigen. Oder bestätigen lassen, meinetwegen. Das nenne ich mal Transparenz!

Sie hatten hier gesagt, dass Sie ein Auto haben? Naja, warten Sie bis zur nächsten Benzinpreisrunde ab, dann sprechen wir uns wieder. Was? nein, ich rede manchmal mit mir selbst, das ist eigentlich ganz normal, wenn man für die Bundesregierung arbeitet. Ich bin der einzige, der mir noch zuhört. Aber gut, Sie haben also ein Auto. Wie würden Sie die Chancen einschätzen, dass Sie sich die Maut, die zwar nicht kommt, aber man weiß ja nie, und wenn man dann Ihr Kraftfahrzeug zugrunde legt, also würden Sie das finanziell überhaupt packen? Ich kreuze mal für Sie an – kein Problem, Sie müssen gar nichts sagen. Sie wissen ja, ich höre Ihnen zu, aber was ich dann ankreuze, ist nicht unbedingt das, was Sie… –

Das ist ein testtheoretisches Problem. Wir brauchen hier Rohmaterial, das sich für mehrere Stufen der politischen Willensbildung eignet. Also bevor sich bei der Kanzlerin ein Wille gebildet hat, währenddessen, dann noch einmal in die andere Richtung, dann müssen wir eine Gewichtung vornehmen, damit es auch zum jeweiligen Koalitionspartner passt, und dann für später. Damit sie sagen kann, sie wollte das ja eigentlich gar nicht, aber der Wähler hat sich so entschieden, und dann hat sie halt das Gegenteil gemacht. Aus alter Gewohnheit.

Aber wenn Sie jetzt sagen, dass Sie als konservative Landbevölkerung die Infrastruktur der umliegenden Gemeinden nicht nutzen, weil es da eh keine mehr gibt, dann macht das hier oben mit der Kinderbetreuung auch wieder Sinn. So denken die Wähler. Nein, das war jetzt nicht korrekt – die Kanzlerin glaubt, dass sie so denkt, wie die Wähler denken, dass sie denken, nein: dass sie denkt, die Wähler würden denken wie die Kanzlerin, nee, ich hab’s gleich – sie denkt, der Wähler würde denken, sie würde denken. Oder? Nageln Sie mich jetzt bloß nicht fest!

Ich habe Sie hier mal in die Befragungsgruppe der Landbevölkerung genommen, weil Sie ja mit einem Kleinwagen eher auf die Mobilität angewiesen sind, und da – Neukölln? doch, das würde ich als ländlich ansehen. Absolut.

Im dritten Teil haben wir Verteidigungspolitik und nationale Sicherheit. Sind Sie der Ansicht, dass wir gegen die finsteren Mächte der – Moment, ich muss umblättern – internationalen Kriegsparteien – Sie haben gedacht, jetzt kommt was Islamfeindliches, aber nee, das macht mein Kollege, der interviewt heute für die AfD – dass unsere Armee auch genug ausgerüstet ist? Und würden Sie lieber das Arbeitslosengeld dafür kürzen oder die Maut etwas bis etwas sehr anheben? Sagen Sie mir das bitte mit einer Schulnote.

Natürlich haben Sie keine Gewähr, dass das so oder ähnlich in die Regierungserklärung kommt. Etwas Spannung muss ja sein, wozu haben Sie hier Eintritt bezahlt, was?

Wenn Sie jetzt nämlich als Landbevölkerung mit Kindern – ein Kinder? gut, angekreuzt – gar nicht die Infrastruktur der Ballungsräume, wo die CDU ja weniger gewählt wird, weshalb man das mit dem Kindergeld, oder nee, Sie haben ein Auto, da darf ich das gar nicht fragen, dann gelten Sie für die nächsten beiden Seiten automatisch als Besserverdiener, so dass wir bei Haushalten mit mehr Nettoeinkommen als einer Million – ja, aber im Jahr. Natürlich im Jahr, oder glauben Sie, die Bundeskanzlerin hätte plötzlich die Bodenhaftung verloren?

So, und dann noch eine letzte Frage. Eine letzte, wobei, die kann ich auch nur stellen, wenn Sie – Schulabschluss? nee, ich habe aufgepasst, Sie hatten gesagt, dass Sie aus Neukölln kommen. Das steht ja hier auf dem Deckblatt. Oder irgendwo. Aber wie gesagt, es geht um Ihre Zufriedenheit mit der – Sie sind ja über vierzig, das sehe ich Ihnen an, und da wollte ich – aua! Auweh, das war mein… –
Blöde Schlampe! Für wen mache ich das hier eigentlich?“