Kindermund

24 11 2014

„Pro Kind eine Stimme mehr?“ „Sehe ich noch nicht.“ „Das hat die Schwesig wieder richtig gut hingekriegt.“ „Leute, Sie kennen das doch – ich erwarte einen vernünftigen Vorschlag zur sozialen Anpassung des Wahlrechts.“ „Könnten wir das nicht einfach übergehen?“ „Wer ist hier der Vorgesetzte?“ „Sie, aber…“ „Nix aber. In unserer Partei herrscht Ordnung.“

„Und Kindermund.“ „Hat das was mit Wahrheit zu tun?“ „Nee, aber ich kann mir partout nichts vorstellen, wofür die Schwesig sonst Beauftragte sein könnte.“ „Die ist doch Ministerin.“ „Ach so, ja. Ich hatte das einen Augenblick lang erfolgreich verdrängt.“ „Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass unsere Kommission bis halb sechs einen vernünftigen Vorschlag unterbreiten muss, wie wir ein sozial ausgewogeneres Wahlrecht…“ „Das ist doch sowieso ein Sockenschuss.“ „Warum, weil die meisten Kinder aus Haushalten mit höherem Nettoeinkommen stammen?“ „Nein, im Gegenteil. Und wenn Sie jetzt als alleinerziehende Mutter…“ „… am Flughafen einsteigen, dann sind Sie ja quasi in einer Stunde am…“ „Lassen Sie gefälligst den Klamauk!“ „Wieso, wer hat denn mit dem Unsinn angefangen? Ich oder die Schwesig?“

„Wir könnten das doch mit direkter Demokratie kombinieren.“ „Stimmt, wir lassen die Kinder direkt wählen.“ „Das kriegen Sie in Karlsruhe nie durch.“ „Ich weiß, wegen Wahlalter.“ „Nee, dann gibt’s Kuddelmuddel wegen Staatsbürgerschaft oder so.“ „Zweimal wählen dürfen doch nur Italiener?“ „Leute…“ „Aber auch nur in Hamburg.“ „Jetzt hören Sie mal mit den Spinnereien auf und liefern Sie mir eine praktikable Lösung.“ „Na, Sie sind ja lustig!“ „Selber haben Sie wohl keine?“ „So kennt man das, große Reden schwingen, und dann?“ „Aber dafür…“ „Heißluft! Nichts als…“ „… bin ich auch im SPD-Bundesvorstand.“ „… Heißluft, sag ich doch!“

„Andererseits dürfen wir dem rechten Flügel auch keine Steilvorlage liefern.“ „Wieso, haben die etwas gegen Kinder?“ „Denken Sie doch mal nach.“ „Er meint die Kopftuchmädchendebatte aus der Sarrazinfraktion.“ „Aber das ist doch längst gegessen.“ „Für Sie vielleicht, aber nicht für den rechten Flügel.“ „Auf dem Niveau diskutiere ich nicht.“ „Falls es Sie erheitert, Sie werden da nicht gefragt. Die diskutieren mit Ihnen, nicht umgekehrt.“ „Und wenn ich nicht mit denen diskutieren will?“ „Dann viel Vergnügen im nächsten Wahlkampf. Wird sehr einsam für Sie.“ „Was haben denn die Ausländerkinder mit der SPD zu tun?“ „Es sind zu viele für den rechten Flügel. Schlicht und ergreifend zu viele.“ „Entschuldigen Sie mal, jetzt erzählen Sie aber wirklich Quatsch.“ „Er war neulich bei einem Lucke-Vortrag, das färbt ab.“ „Denken Sie doch einfach mal nach! So viele Kinder in Deutschland, und keins darf wählen. Da machen wir uns doch als Sozialdemokraten, die mehr Integration fordern, total unglaubwürdig.“ „Na, wenn das Ihr einziges Problem ist…“ „Ich würde es als Win-Win-Situation bezeichnen.“ „Hä?“ „Unglaubwürdige Politik und zukünftige Wähler verprellen, das haben wir zuletzt mit Hartz IV hingekriegt. Das ist ein Volltreffer für die SPD!“

„Jetzt kommen Sie mal langsam wieder runter, wir müssen uns hier nicht auf den Kindervorschlag versteifen, wenn Ihnen etwas Besseres einfällt.“ „Wenn.“ „Und wenn wir wieder was mit Autos machen?“ „Also ein Investitionsprogramm für Elektromobile?“ „Nein, auch zum Wählen.“ „Wie sollen denn Autos wählen?“ „Aber ich meine…“ „Vielleicht sind diese Elektrodinger klüger?“ „Deshalb kann Gabriel die ja auch nicht ab.“ „Nein, ich meine doch die Fahrer!“ „Die können doch jetzt schon wählen.“ „Was meinen Sie, wenn der ADAC für den Bundestag kandidieren würde.“ „Die haben das Ergebnis allerdings auch schon vor der Wahl fertig.“ „Ich meine doch, wenn man Autofahrern eine zusätzliche Stimme geben könnte.“ „Aha.“ „So nach Hubraum und PS und…“ „Und dann gibt’s Stimmengewichtung nach Schadenfreiheitsklasse und zwei Bonuspunkte für deutsche Fabrikate, oder was?“ „Ja, so ähnlich.“ „Haben Sie dem die Pillen vertauscht?“ „Der war neulich bei Dobrindt.“ „Ach so, naja.“ „Aber…“ „Leute, wir kommen doch so nicht weiter!“ „Das war ein vollkommen legitimer Vorschlag!“ „Sie werden hier gleich zu den Grünen entsorgt, klar!? Und ich will ab jetzt Ergebnisse!“

„Nur mal theoretisch…“ „Au weia!“ „Wenn er so anfängt, kommt wieder was Hirnrissiges.“ „Genau.“ „Wie viele Hunde…“ „Bingo.“ „Lassen Sie es. Bevor ich mich mit Ihnen auf eine verwaltungsrechtliche Schlacht einlasse, ob Katzen- oder Pferdehalter dieselben Rechte haben, jage ich mir lieber gleich eine Kugel in den Kopf.“

„Das mit den Lebenspartnerschaften, das ist auch so ein Problem.“ „Wieso?“ „Naja, gleiches Wahlrecht.“ „Das gibt es dann doch nicht mehr.“ „Ach so.“ „Und Pflegeeltern?“ „Auf jeden Fall muss man das Kindeswohl in den Mittelpunkt stellen.“ „Also ich wäre ja dafür, die Kinder entscheiden zu lassen.“ „Und wenn die zu klein sind?“ „Dann entscheidet ein Vormund, ob die leiblichen oder die…“ „Und bei Arbeitslosen?“ „Was haben denn die damit zu tun?“ „Wir können doch nicht plötzlich der ganzen Unterschicht die politische Macht in die Hand geben. Die wählen die Linkspartei und richten unsere Wirtschaft zu Grunde!“ „Dann müsste man die einfach von der Wahl ausschließen.“ „Die Kinder?“ „Quatsch. Die Arbeitslosen natürlich.“
„Hier, Leistung!“ „Wie jetzt?“ „Wir machen das mit der Leistung!“ „Sind Sie’s, Herr Westerwelle?“ „Wenn sich die Leistung wieder lohnen soll, dann kann man doch die Leistungsträger unserer Gesellschaft mit einer größeren politischen Verantwortung…“ „Hört, hört!“ „Endlich mal ein vernünftiger Vorschlag, Leute!“ „… ausstatten und denen mehr Macht geben, die hier sozusagen den Laden…“ „Es war auch nicht alles schlecht an der sozialliberalen Koalition.“ „Nur war die FDP damals ja leider noch liberal.“ „Seien Sie nicht ungerecht, wir waren ja auch sozial.“ „… am Laufen halten, finden Sie nicht? Wenn wir den chronisch unterbezahlten Arbeitnehmern in den Pflege- und Erziehungsberufen eine…“ „Was rauchen Sie denn!?“ „Leute…“ „Der Typ ist doch nicht mehr ganz dicht!“ „Aberaber…“ „Wobei, wenn man das richtig anpackt mit der Leistung – doch, ja. Kann man machen.“ „Ich will Ergebnisse sehen!“ „Einkommen?“ „Einkommen.“ „Okay. Nächster Punkt: Gabriel hat aus Versehen den Koalitionsvertrag in die Finger gekriegt. Ich erwarte von Ihnen eine kreative Lösung.“

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