CETA und Mordio

3 12 2014

„Nee, das hat doch Gabriel gar nicht so gesagt.“ „Normalerweise haben die das in der SPD immer so gesagt, aber nicht so gemeint.“ „Das war aber Sarrazin.“ „Sarrazin, Gabriel – wo ist denn da der Unterschied?“ „Der eine ist gegen Ausländer, der andere gegen Deutsche?“

„Auf jeden Fall brauchen wir mehr Freihandel.“ „Sagt Gabriel?“ „Irgendwas sagt ihm, dass er das sagen soll.“ „Eher: irgendwer.“ „Möglicherweise hört er aber auch Stimmen.“ „Das wäre nicht so gefährlich. Er hat noch nie auf andere Stimmen gehört.“ „Darum kriegt er ja alle vier Jahre auch weniger davon.“ „Klingt logisch. Und warum genau brauchen wir jetzt mehr Freihandel?“ „Ich schätze, weil so ein Freihandelsabkommen sonst keinen Sinn macht.“ „Und Freihandel ist sinnvoll?“ „Es geht um…“ „… Arbeitsplätze, richtig?“ „Das müssen Sie bestimmt mit der Kohle verwechseln. Oder mit dem Niedriglohnsektor.“

„Es geht ihm doch darum, dass sich Deutschland nicht vom Markt entkoppelt.“ „Wer genau?“ „Deutschland eben. Die deutschen Märkte.“ „Die sollen nicht vom Markt entkoppelt werden?“ „Von den Deutschen sind sie ja schon entkoppelt. Oder kommt bei Ihnen von diesem tollen Aufschwung etwas an?“ „Das ist bestimmt die Krise.“ „Weil Sie auch total gekoppelt sind?“ „An die Märkte.“ „Und da merken Sie, wie sich die Krise auf Ihren Geldbeutel auswirkt.“ „Kein Wunder, dass Gabriel uns nicht vom Markt entkoppeln will.“ „Stimmt, sonst hätten wir für diesen ganzen Freihandel gar keine Kohle mehr.“

„À propos Globalisierung.“ „Wie kommen Sie jetzt darauf?“ „Weil es um die vielen Arbeitsplätze geht, die verschwinden, wenn dieses Abkommen nicht unterschrieben wird.“ „Ach so, ja. Die sind dann natürlich weg.“ „Nicht woanders?“ „Wo sollen die denn sein?“ „Weg können sie ja nicht sein.“ „Ach so, Sie meinen, wenn sich jemand auf dem gekoppelten Exportmarkt etwas kauft, dann braucht er auch die Leute, die das herstellen.“ „Zumindest solange noch, wie die, die das herstellen, dazu noch Leute brauchen.“ „Dann sind die Arbeitsplätze halt irgendwo in China.“ „Aber wir haben dann nichts mehr davon.“ „Aber die Chinesen, die freuen sich.“ „Eigentlich ist das doch voll dufte.“ „Eigentlich schon, weil Globalisierung ja genau so funktioniert.“ „Wer am preiswertesten produziert, kann am besten exportieren.“ „Trotzdem dürfte sich Gabriel darüber nicht freuen.“ „Sie meinen, der ärgert sich?“ „Der schreit CETA und Mordio.“ „Weil der Chinese exportiert?“ „Die Arbeiter verdienen immer besser.“ „Sind zwar nur Chinesen, aber wenn Arbeiter…“ „Nee, das ist wirklich nicht so gut.“

„Wobei ich das mit den Arbeitsplätzen nicht ganz verstanden habe.“ „Woher die kommen?“ „Warum die überhaupt entstehen.“ „Weil es durch das Abkommen weniger Handelshemmnisse gibt.“ „Also weil durch ein Freihandelsabkommen der Freihandel kommt.“ „So in etwa.“ „Und dann können die Märkte für Dienstleistungen…“ „Wenn die nicht entkoppelt sind.“ „… und Investitionen und Vergabeverfahren geöffnet werden.“ „Für was?“ „Hört sich nach globalisierter Korruption an.“ „Na, davon versteht Gabriel was. Filz ist SPD-Kernkompetenz.“ „Aber Investitionen?“ „Ich denke, es geht um Investments.“ „Wie kann man denn Arbeit investieren?“ „Wenn man nicht gerade Gabriel ist, dann geht das schon.“ „Sie meinen, der hat sich nicht viel Arbeit gemacht mit diesem TTIP.“ „Doch, das schon. Nur halt nicht gerade für die Deutschen.“

„Und was soll das jetzt, dass Deutschland unbedingt da mitmachen muss?“ „Weil sonst die Arbeitsplätze verloren gehen.“ „Gabriel sagt aber, wir müssen da mitmachen, weil es alle tun.“ „Dann können wir ja froh sein, dass wir gerade keine Kriegserklärung in Europa haben.“ „Das ist sicher auch so eine Sache mit der Globalisierung. Wenn ein Volk danebenhaut, dann müssen alle anderen mitmachen.“ „Dann habe ich jetzt wohl endlich die Krise begriffen.“ „Dass das an den Investitionen liegt?“ „Dass man die Investitionen nur steigert, indem alle ihre Krise gleichzeitig nehmen. Ganz schön verwirrend!“ „Ach was, vertrauen Sie auf Gabriel. Alles, was der Ihnen verspricht, wird noch viel besser.“ „Meinten Sie jetzt die Krise oder die Hartz-Gesetze?“

„Wobei, das mit den Arbeitsplätzen…“ „Die es nicht gibt, deshalb können sie auch verschwinden.“ „… kann man ja auch irgendwie lösen.“ „Die haben sich doch schon in Luft aufgelöst?“ „Eben nicht. Sie müssen nicht immer von Arbeit reden.“ „Jetzt hab ich’s: weil die SPD keine Arbeiterpartei ist!“ „Richtig.“ „Und wenn die ‚Arbeit‘ sagen oder ‚Arbeitsplätze‘…“ „… dann meinen Sie ‚Kapital‘. Ist doch klar.“ „Mensch, dann macht das ja auch plötzlich alles wieder Sinn! Das Ding schafft keine Arbeitsplätze…“ „… sondern Kapital. Und die Arbeitsplätze, es zwar nicht gibt, die aber durch fehlende Investitionen abgebaut werden…“ „… sind auch nicht weg, sondern wie das Kapital, das Ihr Investmentbänker zwar auch nicht hatte, aber dafür hat’s jetzt ein anderer.“ „Und wir?“ „Sind hinterher noch mehr pleite als vorher.“ „Und der entkoppelte Markt? und Gabriels Investitionen in die Dienstleistungen?“ „Wenn Sie ein bisschen nachhaltig denken, dann wissen Sie schon, was da rauskommt.“ „Deutschland wird zur handelsfreien Zone.“

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