Der Unwille zur Macht

8 01 2015

„Und da geht echt gar nichts mehr?“ „Mir ist jedenfalls keine Lösung bekannt.“ „Verdammt!“ „Na, na, na…“ „Ist doch wahr! Immer kommen sie und wir sind wieder mal total überrascht.“ „Diese Bundestagswahlen gehören nun mal dazu.“

„Aufgeben wäre doch auch eine Option?“ „Jein. Man würde Einknicken zwar spontan mit der SPD verbinden…“ „Yes!“ „… aber technisch ist das nur sehr schwer zu bewerkstelligen.“ „Müssen wir denn unbedingt an der Wahl teilnehmen?“ „Nicht zwingend, aber einen besseren Eindruck würde es schon machen.“ „Und wenn wie wäre es, wenn wir es wieder so richtig versemmeln?“ „Ich glaube kaum, dass Steinbrück noch mal antreten wird.“ „Blödsinn! Als Volkspartei müssen wir natürlich inhaltlich und argumentativ auf der richtigen Seite sein, und das sind wir nicht mit Steinbrück.“ „Also was?“ „Wir machen Politik für ein erfolgreiches Deutschland. Nur wer sich ändert, bleibt sich treu.“

„Dann wollen Sie jetzt vermehrt auf soziale Themen setzen, richtig?“ „Sind wir bescheuert?“ „Kann ich nicht beurteilen.“ „Hallo? sind wir Linke!?“ „Eher nicht, abgesehen davon, wie Sie diese Frage jetzt gerade…“ „Lassen Sie doch die Linken den ganzen Sozialscheiß machen, wozu müssen wir da auch noch programmatische Ideen entwickeln?“ „Solche tollen Sachen wie jetzt der Mindestlohn, oder?“ „Sagen Sie mal, haben Sie was an der Rübe? Ich sagte doch: kein Sozialscheiß.“ „Aber das ist doch besser für die…“ „Wirtschaft? das wüsste ich aber.“ „… Menschen, wollte ich sagen. Menschen.“ „Papperlapapp. Mit solchen Störgrößen können wir doch die Industrie nicht belasten.“

„Vielleicht müssen wir als erstes mal die neuen Realitäten in der Gesellschaft reflektieren.“ „Oha, Sie sind ja wortgewaltig. Gibt es so was wie Sie auch in normal?“ „Wollen Sie das Wählerpotenzial etwa wieder mit ausgestreckten Mittelfingern in die Flucht schlagen?“ „Nö, das haben wir hinter uns. Zu plump. Wir werden den Leuten ganz einfach sagen, dass Sie das gewohnte Produkt in einer etwas anderen, aber nicht unbedingt besseren Verpackung noch mal vorgesetzt kriegen.“ „Und Sie glauben, das wählt noch einer?“ „Na, hoffen wir mal, dass keiner auf die Idee kommt.“ „Und wie wollen Sie das erreichen? Ich meine, man muss das dem Wähler doch irgendwie – also subtil, auch auf eine pädagogische Art, vielleicht mit etwas sozial engagiertem Tiefgang…“ „Wir sagen, sie kriegen die ganze Scheiße noch mal. Fertig ist der Lack.“ „Das ist der Untergang der Sozialdemokratie!“ „Wollen wir’s nicht hoffen. Da müsste Merkel sich aber schnell was Neues einfallen lassen.“

„Jetzt bleiben Sie mal ernst.“ „Bin ich immer.“ „Die SPD hat in den vergangenen Jahren eine Menge gravierender Fehler gemacht.“ „Stimmt. Die Hartz-Gesetze waren eine Katastrophe.“ „Und Sie sind selbst der Meinung, dass…“ „Klar, ich war ja an vorderster Front dabei.“ „Meine Güte, so kenne ich Sie gar nicht!“ „Da können Sie mal sehen, was man aus nationaler Verantwortung alles tut.“ „Und der Grundrechteabbau?“ „Verheerend. Wir haben in der letzten Großen Koalition das Grundgesetz mit Füßen getreten.“ „Ich hoffe, der Wähler wird das irgendwann…“ „Hoffentlich haben die sich das irgendwo aufgeschrieben. Mit roter Tinte, damit es niemals wieder in Vergessenheit gerät.“ „Aber…“ „Und wir haben richtig Mist gebaut mit den ganzen Kriegseinsätzen.“ „Aber…“ „Völkerrechtswidrig, allesamt. Von wegen Verteidigung am Hindukusch, wir sind den Rüstungskonzernen schon immer gerne tief in den…“ „Ich will das nicht glauben!“ „Doch, war aber so. Und wir werden es nicht auf die Schnelle ändern können, und wenn doch, dann ist es eben nicht mehr die richtige SPD. Und das will doch keiner, oder?“

„Ich verstehe Sie überhaupt nicht mehr.“ „Das ist schon mal ein guter Anfang.“ „Nein, echt: Sie bekennen sich zu den Fehler, und das auch noch total transparent und offen für einen Neubeginn.“ „Woher haben Sie denn den Unsinn?“ „Aber wenn die SPD ganz klar sagt, dass die Fehler der Vergangenheit bereut und bedauert, dann könnte es auch einen Neustart geben und eine Politik, die sich endlich mit den Zukunftschancen für unser Land befasst.“ „Im Ernst: trinken Sie?“ „Was erlauben Sie sich!?“ „Sie hören wohl schon doppelt. Wo habe ich von einer Entschuldigung gesprochen?“ „Sonst macht das doch aber gar keinen…“ „Soll sich die Partei hier etwa für alles rechtfertigen? Sollen wir uns etwa komplett umkrempeln? uns total neu erfinden?“ „Sie müssen sich ja nicht um jeden Preis verändern.“ „Wir wollen uns aber um jeden Preis nicht verändern.“

„Wie stellen Sie sich das denn vor? Die SPD steht zu ihren Fehlern, gut und schön, und daraus folgt dann absolut gar nichts?“ „Richtig.“ „Aber dann wird sich doch nie etwas ändern.“ „Auch richtig.“ „Sie werden ewig in der Oppositionsrolle verharren!“ „Sind wir jetzt etwa Opposition?“ „Es kann doch nicht Ziel dieser stolzen Volkspartei sein, jeden Mist mitzumachen und dann den Wähler damit im Regenstehen zu lassen!“ „Wieso denn nicht, es klappt doch augenscheinlich.“ „Denken Sie doch mal nach! Sie machen gerade die SPD kaputt!“ „Geht das noch?“ „Meine Güte, wollen Sie denn nie Kanzler werden?“ „Bundeskanzler? Bei diesem lausigen Gehalt?“ „Sie werden eines Tages noch bei zehn Prozent landen – wenn überhaupt. Denken Sie an meine Worte.“ „Das wäre wirklich dufte. Nein, ehrlich! Zehn Prozent sind absolut die richtige Größenordnung. Oder lieber acht, das ist dann noch ein bisschen spannender, und Politik muss ja auch Spaß machen.“ „Sind Sie denn komplett durchgedreht?“ „Keineswegs. Aber wenn ich bedenke, was die FDP daraus gemacht hat, jahrzehntelang – meinen Sie nicht auch, dass es Zeit wird für eine ganz andere Sozialdemokratie?“

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