Zwischenlager

5 02 2015

„Und wenn wir es als Aktiengesellschaft machen?“ „Das ist doch jetzt völlig unerheblich, wir müssen erst mal sehen, dass wir dieses Unternehmen überhaupt gegründet kriegen.“ „Und dann auch die Geldgeber, die müssen sich ja ebenfalls darin wiederfinden.“ „Und dann machen wir eine Aktiengesellschaft?“ „Meine Güte, Möller! Jetzt hören Sie doch mal zu!“

„Also Ziel des Unternehmens ist der Aufbau von Beschäftigung.“ „Das trifft ja auf die meisten Teile der deutschen Wirtschaft zu.“ „Warum gibt es dann Kurzarbeit?“ „Genau, und Entlassungen für den Aktienkurs?“ „Ich meine das ja auch nicht branchenübergreifend, sondern nur sehr speziell.“ „Aber wir müssen doch irgendwie rechtfertigen, dass wir die Leute anstellen.“ „Wie wäre es mit einer Unternehmensberatung?“ „Ah, verstehe.“ „Sehr gut!“ „Clevere Idee, die Leute bekommen Gehalt, und keiner fragt sich, wofür.“ „Dann bräuchten sie auch nur einen, der regelmäßig ihre Berichte schreibt und Präsentationsfolien entwirft.“ „Das kann doch die Belegschaft auch tun.“ „Sind Sie bescheuert!? Das sind hochrangige Vertreter aller politischen Ebenen, die können Sie doch nicht mit Arbeit belästigen!“ „Man könnte sie ja zwischendurch bitten, dass sie ein bisschen Werbung für die Unternehmensberatung machen.“ „Möller, ich sage es ungern, aber haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht, wenn das in der Öffentlichkeit jemand missversteht?“

„Also wir brauchen einfach eine Firma, die die Politiker irgendwie so lange weiterbeschäftigt, bis sie diese blöde Karenzzeit hinter sich gebracht haben.“ „Irgendwas Sinnloses.“ „Alle in die FDP?“ „Wer bezahlt denn den Schwachsinn?“ „Na, wie bisher die Wirtschaft.“ „Sie meinen sicher, die Banken.“ „Ist doch dasselbe.“ „Aber mitnichten, da ist ein großer Unterschied.“ „Jetzt kriegen Sie sich mal ein, wir müssen…“ „Die Wirtschaft ist doch auch nicht immer produktiv.“ „Aber die Banken sind halt ein korrupter Haufen, der ohne jede Produktivität Geld verbrennt und dann den Steuerzahler dafür in die Haftung nimmt.“ „Also wie die FDP?“ „Leute!“

„Und wenn man sie der Atomindustrie schickt?“ „Als Auffanggesellschaft?“ „Ich dachte jetzt eher an eine Art Zwischenlager.“ „Nee, Abklingbecken.“ „Hören Sie mal, den Scheiß, den die da veranstalten, den kriegen wir in Generationen nicht weg – die sollte man alle im Salzstock bunkern!“ „Können Sie voll vergessen.“ „Ja, spätestens mit Gabriel, der nach der Kernschmelze in die Energiebranche wechselt, ist die Asse gerammelt voll.“ „Wo wir gerade von Banken sprachen, die können doch für den Aktienverkauf werben und dann ein paar Prozent Provision…“ „Möller, Ihnen geht’s wohl zu gut heute?“

„Man muss sie ja nicht gerade wieder als Cheflobbyisten einsetzen wie die Pofallas und die von Klaedens, aber könnte man da nicht auch etwas für die Weiterbildung tun?“ „Verstehe, Sie geben Pofalla Nachhilfe in Versicherungsrecht, und zum Ausgleich wird Rösler Bahnvorstand.“ „Klingt gut.“ „Ich bleibe skeptisch.“ „Wieso?“ „Das muss doch auch finanzierbar sein.“ „Das machen wir mit den Hartz-Gesetzen.“ „Sie können doch nicht Volksvertreter und dieses arbeitsscheue Pack in einen Topf werfen!“ „Keinesfalls – unsere Politiker bekommen natürlich alles, was sie so machen, als beruflich notwendige Trainingsmaßnahme bezahlt.“ „Wenn ich mir den Pofalla so ansehe, dann bekomme ich doch arge Zweifel an der gesetzlichen Regelung.“ „Glauben Sie, man lässt den Politikern nicht mehr genügend Freiraum?“ „Ich glaube eher, dass drei Jahre nicht ausreichen werden, um Pofalla Dinge wie Bildung nahezubringen.“

„Vielleicht sollte man die Definition von Wirtschaft neu überdenken.“ „Weil die zu unserem Staat grundsätzlich dazugehört.“ „Und das tut die Politik auch.“ „Deshalb ist es ja auch nur legitim, wenn jemand nicht von der Allgemeinheit lebt, sondern seinen Unterhalt in der Wirtschaft verdient. Das sollten wir betonen.“ „Und wo bleibt jetzt die Lösung unseres Konfliktes, Freunde? Wo!?“ „Wenn das alles Staat ist, dann…“ „Ist es aber nicht.“ „Also Wirtschaft ist schon irgendwie Staat.“ „Nee, Staat ist auch Wirtschaft.“ „Das klingt fast so, als hätten die eine gemeinsame Personalabteilung.“ „Wenn man es als Deutschland GmbH ansieht, dann stimmt’s ja sogar.“ „Möller! Halten Sie gefälligst die Klappe, wenn Sie es nicht beurteilen können!“

„Vielleicht kann man das mit den Ressorts einfach ein bisschen entzerren.“ „Dann ist einer im Forschungsministerium für Gentechnik zuständig und wechselt hinterher in die Autobranche.“ „Und darf sich anderthalb Jahre lang nicht mit Sprit aus gentechnisch manipuliertem Getreide befassen.“ „Was macht der vorher?“ „EU-Gelder abgreifen.“ „Das ist doch mal eine Geschäftsidee!“ „Gentechnik?“ „Nee, EU-Gelder abgreifen.“ „Machen das nicht Politiker jetzt schon?“ „Aber nur vor dem Ausstieg aus der aktiven Politik.“ „Und wenn die sich gegenseitig kontrollieren könnten?“ „Dann würden sie es lassen.“ „Nein, wir sollten sie alle wirklich mit dem beschäftigen, was sie am besten können.“ „Hä?“ „Na, verwalten.“ „Da ist aber mal etwas dran.“ „Donnerwetter!“ „Und wenn wir dann ein Bundesamt haben, in dem man verwaltet, wer welcher Branche mit welcher Lobbyunterstützung…“ „Möller!“

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