Raubkopie

9 02 2015

„Bloß nicht! Keinen Friedensnobelpreis! Dann kann er doch direkt einpacken! Coachen Sie ihn nur genau so wie Obama, und dann wird Gabriel der Superkanzler, auf den alle gewartet haben.

Bisher haben wir immer die falschen Strategien angewendet. Mal war er ein Freund der Industrie, dann wieder hat er die ganz normalen Rassisten von nebenan besucht – hat alles nicht geklappt, die Mitte der Bevölkerung will von Gabriel nichts wissen. Wir brauchen, wie gesagt, mal eine neue Strategie, vielmehr überhaupt mal so etwas wie eine Strategie. Das kriegen Sie doch bestimmt hin, oder?

Man hatte uns gesagt, Sie seien Fachmann für Datenanalyse. Das ist ja in Deutschland nicht so ausgeprägt, wenn Sie hier etwas von Daten verstehen, werden Sie ja immer gleich als Wissenschaftler abgestempelt oder als Überwachungsgegner. Sie werden verstehen, dass wir solche Etikettierungen in der Sozialdemokratie tunlichst vermeiden wollen, nicht wahr? Nein, das kann man nicht verstehen. Das ist eine deutsche Eigenheit. Deshalb will sich die Politik auch gar nicht erst mit der NSA beschäftigen. Das hat auch mit Daten zu tun, und die überlassen wir dann lieber dem Bundesnachrichtendienst. Wenn die einfach nur mit dem Zeug herumspielen, ohne dass es uns etwas nützt, dann brauchen wir auch nichts zu befürchten.

Und wenn Sie etwas mit diesem Interweb machen, lassen Sie es gleichzeitig total einfach aussehen und irre gefährlich. Jeder, der sich online eine Pizza bestellt, finanziert damit islamistische Terroristen. Und die planen dann ihre Attentate im deutschen Mobilfunknetz, so dass alle vollkommen machtlos sind und unbedingt die Kennzeichen von der Autobahnmaut gescannt werden müssen, damit wir sie mit den Flugdaten vergleichen können. Und bitte ganz einfach. Ganz, ganz einfach. Selbst Gabriel muss das bedienen können.

Daten, wie gesagt. Da hat Gabriel noch ein paar Probleme. Der sieht fallende Zustimmungswerte, bei der Kanzlerin steigen sie, die Wähler finden Merkel auch viel sympathischer, und dann sagt er, das lag an der Umfrage, lass die uns demnächst mal lieber auf lila Papier machen. Solche Sachen halt. Nein, Sie sollen nicht dafür sorgen, dass Gabriel Bodenhaftung bekommt. Obama hat doch auch längst keine mehr. Sie sollen nur dafür sorgen, dass er es merkt, wenn er keine Bodenhaftung mehr hat. Also Gabriel. Vielleicht sieht die Landung dann ein kleines bisschen souveräner aus.

Sie müssten sich allerdings auch auf deutsche Verhältnisse einlassen. Der ist nicht einfach. Beziehungsweise eher schwierig. Mit Obama ist das nicht zu vergleichen, aber der hatte ja auch Startschwierigkeiten, oder? Naja, was heißt Startschwierigkeiten. Sagen wir mal so: stellen Sie sich vor, Sie machen einen Wahlkampf für Obama, und dann stellt sich heraus, dass er für die ganze Scheiße von Bush maßgeblich selbst verantwortlich war und den Kurs fortsetzen wird, nur noch viel schärfer. Sie müssten so eine Art Personenkult basteln. Nur ohne Personal. Wir sind halt die SPD.

Auf jeden Fall, verpacken Sie es gut. Bitte verpacken Sie die Sache um Himmelswillen gut, es muss unbedingt aussehen wie ein Original! Wir können uns hier keine Raubkopie leisten. Damit hat nur die Kanzlerin Erfolg, und wenn wir das auch noch nachmachen, ich sage Ihnen: dann ist die Partei endgültig hinüber.

Irgendwas mit Medien. Vielleicht mit Sanifair-Bons für Gabriel-Freundschaftswerbung. Oder wenn man genug Follower aggregiert, kriegt man ein Jahr lang keine Bilder mehr von der Nahles gezeigt. Überraschen Sie die Leute. Nein, das geht nicht. Wir können nicht einfach die Wahrheit sagen. Das macht man nicht. Nicht in Deutschland. Der Wähler erwartet doch, dass er belogen wird. Wollen Sie den Leuten denn ihr ganzes Weltbild zerstören?

Und was Sie ihm unbedingt beibringen müssten, das ist dieses fabelhafte Standing von Obama. Der hat Guantanamo immer noch nicht geschlossen, es gibt immer noch Rassenunruhen, der Sozialstaat lässt seine Bürger am ausgestreckten Arm verhungern, in Afghanistan läuft auch immer noch alles schief – und der Mann steht einfach da und sagt, Amerika sei das mächtigste Land der Welt. Das wollen wir haben! Nein, nicht das mit der militärischen Dominanz, das kommt ja meistens bei unseren Verbündeten nicht so gut an. Außerdem wollen wir die Rüstungsgüter ja an die anderen verkaufen, da kommt es nicht gut an, wenn wir selbst – egal, auf jeden Fall braucht Gabriel dieses fantastische Standing. Das kriegen Sie hin, oder?

Natürlich nur für den Wahlkampf. Falls zum Beispiel mal jemand fragt, warum die SPD jetzt plötzlich doch für das Freihandelsabkommen war und irgendwie schon immer für die Maut und gegen den Mindestlohn. Oder wenn einem einfällt, dass sie die Vorratsdatenspeicherung zwar als ganz klar verfassungswidrig erkannt haben, sie aber trotzdem unbedingt haben wollten, weil Ihr Amis Euch ja auch einen feuchten Dreck darum schert, dass das mit der Abhörerei illegal ist. Wie gesagt, nur für den Wahlkampf. Wenn Gabriel erstmal Bundeskanzler ist, dann kippt er schon von alleine um und weiß gar nicht mehr, was er vorher alles gesagt haben soll. Das kann der Mann auch alleine.“

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9 02 2015
mal kucken (09.02.2015) | framerate

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