Allein zu Haus

26 02 2015

„Naja, fassen wir’s mal zusammen. Asozial bis zum Anschlag, ganz tief im Enddarm der Industrie, ein klares Bekenntnis zum Menschenhass und dass sich diese Partei dazu berufen fühlt, dieses verdammte Grundgesetz zu beseitigen. Sigmar Gabriel kostet die SPD ungefähr so viele Mitglieder wie Hartz IV.

Die gute Nachricht: Hartz IV kann man mit etwas Glück überleben. Aber bei der Kohle, die die SPD uns zahlt, kann das auch unter den Tisch fallen. Außerdem wurden wir schon im Vorhinein bezahlt, also müssen wir uns nicht mehr vorsehen. Wir dürfen sogar die Wahrheit sagen, und das ist in der deutschen Parteienlandschaft nicht mehr selbstverständlich. Gut, Unternehmensberatungen sehen das manchmal auch etwas kritisch.

Sie wissen, dass sie bei der nächsten Bundestagswahl richtig eins auf die Mütze kriegen, aber sie wachen einfach nicht auf. Die 25-Prozent-Marke ist in Beton gegossen, höher wollen sie einfach nicht mehr springen. Wir akzeptieren das, es ist ja nicht unsere Aufgabe, diese Partei zu etwas zu motivieren, was sie selbst nicht mehr will. Sich mit der Bevölkerung zu beschäftigen, die Perspektive des Durchschnittsbürgers einzunehmen, der keine Nebenverdienste von 800.000 Euro pro Monat hat, meine Güte – wer nicht will, der hat eben schon. Dann ist halt Gabriel allein zu Haus.

Mietpreisbremse, lieber Gott! Mietpreisbremse, das ist doch der Witz der Legislaturperiode! Nein, für die Reichsautobahnmaut kann die SPD natürlich nichts, sie hat sie nur durch den Koalitionsvertrag gewunken, weil sie die irgendwie durchs geltende Rechtssystem durchschlunzen wollte. Gut fährt ja, wer gut schmiert, oder? Also hat die CDU die Mietpreisbremse frühzeitig okkupiert wie den Mindestlohn, hat alles unter dem Deckmantel der sozialen Gerechtigkeit kaputtgespielt, die mageren Ergebnisse für sich selbst reklamiert, und jetzt schauen sie zu, wie sich der ganze unüberlegte Schrott in seine Bestandteile zerlegt, damit die Kanzlerin 2017 genüsslich sagen kann: die SPD kann auch Gesetze machen, aber was da hinten rauskommt, hat meist die Halbwertszeit einer einzigen Legislatur. Fragen Sie mich, das Merkel – ich sitze hier schon ein bisschen länger und entsorge die Überreste meiner Koalitionspartner.

Wir müssen ja ordentlich arbeiten, das ist unser Job. In Thüringen laufen die Mitglieder in Scharen weg, nachdem sie als Juniorpartner der Linken mit dem Teufel paktieren. Glauben sie. Wir haben die Leute befragt. Es hängt natürlich mit dieser Landesregierung zusammen, aber nicht so, wie die SPD denkt. Den Leuten wird nur schlagartig klar, wenn sie irgendwas haben wollen, was ansatzweise nach Sozialdemokratie riecht, dann müssen sie zu den Linken gehen. Ist für Leute mit Schulabschluss nicht so kompliziert, aber Sie kennen ja die SPD.

Sagen Sie’s nicht weiter, aber wir hätten diese Untersuchung sehr schnell abschließen können. Dann wäre ein Teil der Führungsriege zufrieden, der Parteivorsitzende am allermeisten, und wir würden unsere Ergebnisse wahrscheinlich als zehnteilige Serie in einem großen deutschen Nachrichtenmagazin veröffentlichen. Plus goldene Schweizer Uhren. Und Karibikkreuzfahrt. Und einem Landhaus in der Toskana. Aber unsere Studienleiterin ist nun mal wissenschaftlich unterwegs und weiß gar nicht, wie sie das alles Steinbrück in die Schuhe schieben soll.

Diese Partei tut ja das, was sie am besten kann. Sie kämpft. Man merkt das eigentlich nur im Wahlkampf und auch nur, wenn sie gerade auf die Windmühlen losgehen, aber: sie kämpfen. Respekt. Aber haben Sie eine Ahnung, wie dieser Saftladen in die nächste Bundestagswahl zieht? ‚Wir haben Merkel vier Jahre lang an der Pupe geschmatzt‘, wird es heißen, ‚und einmal hat unser Vorsitzender so getan, als würde er ganzfrech gucken – haben Sie’s gesehen? haben Sie? Haben Sie!?‘ So in etwa. Voll die Opposition. Irre. Ir-re!

Aber wir müssen ja auch der Konkurrenz knallhart ins Auge gucken. Diese Offenheit, die rhetorische Überlegenheit, ein Mehr an Akzeptanz bei der jungen, gebildeten Wählerschicht. Das Spitzenpersonal können Sie nur als nachgerade charismatisch bezeichnen, gebildet, eloquent, immer am Puls der Zeit, und die gehen auf die drängenden Fragen der Wähler ein. Auch im Fernsehen! und in Europa! Und natürlich darf man auch nicht einfach vernachlässigen, dass die manchmal sogar wissen, wovon sie reden. Also den Sonneborn – ich habe der Partei gesagt, den sollte man mal im Auge behalten.

Aber sie haben ja ein Rezept. Sie werden diese ganze Linkslastigkeit der deutschen Gesellschaft bekämpfen, von der die Medien schwadronieren. Weil die von der Kanzlerin ausgeht, und wenn sie die besiegen, dann sind sie auch wieder alleine. Zu Hause oder nicht.

Also Sie lassen uns jetzt unseren Job machen, ja? Gut, wir sind auch bald fertig. Möglicherweise haben wir den Schlüssel zum Erfolg auch schon entdeckt, aber ganz ehrlich: es läuft doch bei ihm. Warum sollte Gabriel ausgerechnet jetzt zurücktreten?“

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