Gernulf Olzheimer kommentiert (CCLXXXIV): Geheimdienste

24 04 2015
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Natürlich hatte die Evolution Verlierer. Nicht jeder lernte gleich im ersten Anlauf den aufrechten Gang, nicht alle bekamen die Gelegenheit, ihr fragwürdiges Material wieder in den Genpool einzuspeisen. Manche von ihnen hatten ein bisschen Stress mit Säbelzahntigern und Mammuts, und sie wurden nach ein paar Runden molekularer Umbauarbeiten als Wiesenschaumkraut, Mistkäfer oder Lurch wiedergeboren, wie es auch sei: eine deutliche Steigerung der Daseinsqualität für alle Beteiligten. Im Laufe ihrer fehlgeleiteten Sozialisation werden sich die restlichen Kandidaten diversen Jugendbanden anschließen, die aus reiner Lust an der Provokation jedes Gesetz brechen, bis sie an den Falschen geraten und mit Schmackes aufs Maul kriegen. Der Rest würde gerne, traut sich aber nicht, und wird später höchstens auffällig, macht eine Ausbildung zum Psychopathen und geht in der Masse unter. So ist das Leben. Und irgendwann werden die Geheimdienste erfunden.

Man stelle sich ein Reservat für ethisch verwahrloste Schmierlappen vor, deren ab Werk verschwiemeltes moralisches Empfinden einen Gleichgewichtssinn hat wie ein permanent besoffener Schiffschaukelbremser. Der untere Dreckrand der Halbwelt, Luden, Organhändler und Berufsschläger, lässt seine Kinder nicht mit denen in einem Raum sitzen, falls die Manieren infektiös sein sollten. Bedauerlicherweise glaubt man ihnen, denn sie sind im Auftrag der höheren Mächte unterwegs. Sie repräsentieren nicht die offiziellen Einrichtungen des Staates, sondern dessen seifige Tentakeln, derer sie sich immer dann bedienen, wenn sie auf legalem Weg nicht mehr durch die Tür kommen.

Was dem Normalbürger zu viel Kopfzerbrechen machte, Stalking, kleinere Wohnungseinbrüche oder Urkundenfälschung in Tateinheit mit Hirnkirmes im Endstadium, hier wird’s Ereignis. Harmlose Kleinkriminelle genießen den Grusel, den sie mit ein bisschen Steuergeld finanzieren – nicht ganz so viel, wie eine ordentliche Armee heutzutage bräuchte, aber dafür dank miserabler Organisation wesentlich unterhaltsamer – und fragen sich täglich, wer sich diesen Dreck aus der Rübe rattert. Sie sind das Paradox einer auf Überwachung gedrillten Gesellschaft paranoid Beknackter: durch eine Reihe komplett überflüssiger Verbrechen wollen sie die Gefahr aus der Welt schaffen, dass diese Welt in komplett überflüssigen Verbrechen versinkt.

Natürlich bedarf es zur Rechtfertigung der Organisationen zunächst einer Herde offenporiger Schulbankschnippser, die aus mangelndem Arsch in der Hose das Konzept des Nationalstaats bis zum Anschlag durchjodeln, damit die komplett verkorkste Dialektik dieses bigotten Realitätsallergikerparadieses sich überhaupt bis zur Funktionsfähigkeit peitschen lässt. Was Staat A für absolut unerlässlich hält, um die vom (immerhin befreundeten) Staat B zu erwartenden Eroberungsversuche gelassen mit einem präventiven Vernichtungskrieg zu verkürzen, ist für die Gegenseite strikt verboten, da absolut verwerflich, gegen jegliche Moral sowie gegen jedes Völkerrecht verstoßend. Staat B sieht das vice versa übrigens auch so. Aber für diese als Erzfeinde vorgesehenen Spielpartner kann man sich nicht einfach mit Dingen so beschäftigen, als seien sie mit dem Evidenten identisch; das kann nur Blut abwaschen, und keiner hat je rausgekriegt, wo das in der Homöopathenausgabe des Grundgesetzes stehen soll.

Geheimdienste sind die Fortsetzung des Infantilen mit illegalen Mitteln, der geistigen Kurzstrecke geschuldetes Dumpfgetöse als Beweis der Annahme, dass Staaten nicht mehr und nicht weniger kriminelle Vereinigungen sind als alle anderen Großkonzerne, die ihr Kanonenfutter zur Verteidigung der Chefetage ins Trommelfeuer oder gleich ins Gas schicken. Wie jede andere in sich geschlossene Struktur werden sie rasch unabhängig und bilden einen Staat im Staate, greifen unter billigender Nichtachtung plumper Lügen massiv Gelder ab und führen davon ihre überflüssige Existenz, indem sie die Staaten, die sie am erbärmlichen Leben erhalten, über Bande schädigen. Selten wurde eine parasitäre Abhängigkeit derart verkehrt – in der Rede der politischen Entscheidungsträger scheinen die Geheimdienste überlebensnotwendig, auch wenn sie im besten Falle nur etwas Guerilla und peinliche Selbstbefleckung hervorbringen. Und es stellt sich die immerwährende Frage, wozu eine Regierung eigentlich einen etatmäßigen Kotzfleck auf der Amtstracht benötigt.

Manchmal findet man einen von ihnen, der sich nach dem Suizid mit mehreren aufgesetzten Genickschüssen die Hände mit Kabelbindern auf dem Rücken gefesselt, das Auto in Brand gesteckt und dann über die Klippe geschoben hat. Wir sollten diese Nachrichten mit Wohlwollen aufnehmen, zeigen sie doch, dass die Evolution, und sei sie auch bisweilen störrisch, letztlich die Richtigen aussortiert. Wenn auch nicht immer mit Bordmitteln.

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28 04 2015
Futter für den Michel … 28.04.2015 - Der Blogpusher

[…] Gernulf Olzheimer kommentiert (CCLXXXIV): Geheimdienste Was Sie bisher noch nicht über die Schlapphüte wussten. […]

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