Kosten vor Anschlag

11 05 2015

„Wir sind auf alle Eventualitäten eingerichtet. Das sind wir unseren Kunden nun mal schuldig. Als Geheimdienst tragen wir Verantwortung für das gesamte Vaterland und seine Belange. Nicht nur für die Wirtschaft. Wir sind ja nicht die Bundeswehr.

Großes Paket, kleines Paket, wissen Sie: wir bieten individuelle Dienstleistungen an. Was nicht passt, wird halt passend gemacht. Da ist man dann auch mal ganz pragmatisch und rennt nicht immer mit dem Grundgesetz unterm Arm herum. Richtig, Herr Minister. Das würde auch ganz schön stören, vor allem beim Schießen. Aber mal Scherz beiseite, als Verfechter marktkonformer Herrschaftsformen wissen wir natürlich sehr gut, wo man ansetzen muss, damit wieder Ruhe und Ordnung in diesem Land einkehren. Und man macht nebenbei auch noch einen schnellen Euro. Umsonst ist ja nicht mal der Tod.

Sie müssen jetzt nicht gleich denken, dass wir nur mit brutalen Methoden arbeiten. Wir machen das ganz subtil. Da fliegt erstmal nur das Auto in die Luft oder die Gattin wird aus Versehen im Supermarkt am Samstagnachmittag im Kühlraum vergessen. So Sachen halt. Und wir sprechen auch alles immer mit den Auftraggebern ab, wenigstens in Grundzügen. Falls uns plötzlich eine gute Idee kommt oder sich eine günstige Gelegenheit ergibt, dann wird selbstredend weiterhin improvisiert.

Wir sind wirklich offen für alle Aufträge, Herr Bundesminister. Wirklich. Sogar jetzt bei Siemens, und das ist ja echt eine harte Nuss. Normalerweise ist uns ja der Schutz der deutschen Wirtschaft ein Herzensanliegen, aber wenn dieser komische Laden jetzt selbst der Meinung ist, die Bundesregierung angreifen zu müssen, ja Gott – dann entscheidet sich eben der eine oder andere Siemens-Vorstand mal spontan zum Schienensuizid. Soll alles schon vorgekommen sein. Oder hier, Airbus. Wer weiß, ob die nicht mal alle Lust auf einen Rundflug über den französischen Alpen bekommen.

Wir rechnen transparent ab. Sie bekommen den Kostenvoranschlag – Kosten vor Anschlag, der ist gut! köstlich, Herr Bundesminister! – immer am Wochenanfang, und dann legen wir Ihnen eine Liste mit den aktuellen Zielobjekten vor. Sie wählen dann aus, wir erarbeiten ad hoc eine angepasste Strategie und setzen uns mit der öffentlichen Meinung auseinander. Selbstverständlich mit robustem Mandat, Herr Minister. Dazu sind wir ja nun mal der Geheimdienst.

Da müssen wir noch mal sehen, ob wir ein Team freibekommen. Ein paar Leute brauchen wir immer als Reservisten, so wie jetzt. Die Sturmgewehre sind nach Mexiko exportiert worden, und man weiß nie, ob die sie schon ausprobiert haben. Wenn ja, dürfte es schnell zu den ersten Protesten kommen, und dann müssen wir die Kundenbetreuungseinheit schnellstens hinschicken. Mit richtigen Waffen diesmal. Nein, nicht für die Mexikaner. Für die Kundenbetreuer natürlich.

Wir nehmen lediglich eine kleine Leihgebühr. Das hatten Sie im Empfehlungsschreiben sicher falsch verstanden, Herr Bundesminister. Dass Heckler & Koch eigene Waffen stellt, dürfte klar sein. Die brauchen die Gebühr nicht zu entrichten. Sie können das ja von der Steuer abziehen. Und Maut gibt’s ja auch bald, wenn die Kaffeekasse aus Versehen leer sein sollte.

Aktuell haben wir einen Nahrungsmittelkonzern zu versorgen, der den Entwicklungsländern gerne ihr eigenes Grundwasser verkaufen will. Das ist ja ohne Investitionsschutzabkommen noch mal eine Nummer schwieriger, aber für uns wird das eine hervorragende Kundenreferenz. Solche Jobs kriegen Sie sonst in Europa so gut wie gar nicht. Jedenfalls nicht ohne einen parallel geführten militärischen Einsatz.

Natürlich gibt es auch Rückschläge. Den Bahnstreik beispielsweise, den hatten wir uns ganz anders vorgestellt. Das ist irgendwie frustrierend, Sie wollen einem die Bude abfackeln, haben alles dabei, Brandsätze, Zünder, und dann kommen Sie an und die Feuerwehr rückt gerade ab, weil sich das Löschen schon nicht mehr lohnt. Naja, man kann nicht alles haben.

Auf unsere Diskretion können Sie sich jederzeit verlassen, Herr Bundesminister. Die Kanzlerin wird kein Wort erfahren. Wenn Sie nicht wollen, dass wir Sie unterrichten, dann hören Sie natürlich von uns auch keine Ergebnisse. Das ist für spätere Fragen wir Untersuchungsausschüsse sehr praktisch, dann können Sie immer noch legal behaupten, Sie hätten gar nicht gewusst, dass wir in Ihrem Auftrag handeln. Besondere Maßnahmen verlangen eben äh, besondere Maßnahmen.

Sie werden zufrieden sein mit uns, das kann ich Ihnen versprechen. Wir werden für Sie durchgreifen, diesen ganzen Saustall einmal richtig ausmisten und für Ordnung sorgen. Sie werden es erleben. Und es wird hinterher garantiert keiner mehr so unschöne Sachen über Sie schreiben, Herr de Maizière. Jedenfalls nicht als den ehemaligen Verteidigungsminister.“

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