Opfer

13 05 2015

„Aber wenn wir jetzt überreagieren, dann haben wir erst recht Stress.“ „Wenn wir gar nicht reagieren, haben wir den Zustand jenseits von Stress, Kamerad.“ „Wir müssen uns entscheiden.“ „Aha.“ „Wir müssen uns für einen entscheiden, der für die Fehler und Versäumnisse des Ministeriums…“ „Man merkt, Sie sind kein Soldat. Sie sind langsam im Dienst einer christlichen Partei degeneriert.“

„Man kann eben nicht immer selbst für alles geradestehen.“ „Sonst wären Sie ja auch nie Ministerialbeamter geworden.“ „Aber jetzt müssen wir eben auch mal zusehen, dass wir gemeinsam…“ „Das sind ja ganz neue Töne. Bisher hat Ihr Ministerium sich doch immer um alles gedrückt, was nach gemeinsamer Verantwortung aussah.“ „Von gemeinsamer Verantwortung hat ja auch niemand etwas gesagt. Eigentlich wollte ich nur gemeinsam mit Ihnen einen Schuldigen suchen, den wir dann vor die Tür setzen können.“ „Ehrenhaft natürlich.“ „Selbstverständlich. Unehrenhaft kann man nur bei Ihnen entlassen werden, in unserem Haus sind sie automatisch immun. Sonst brauchen Sie Ihren Schreibtisch gar nicht erst einzuräumen.“

„Ihre Ministerin hat personelle Konsequenzen angekündigt.“ „Wir denken auch schon darüber nach, ob wir die Ressorts nicht umstrukturieren.“ „Und was bringt das?“ „Nichts.“ „Warum dann?“ „Weil ein Rücktritt auch nichts bringt. Aber der kostet ja sehr viel mehr Geld.“ „Und Sie meinen, das stellt die Öffentlichkeit ruhig?“ „Nein, aber ein Rücktritt löst ja auch keine Probleme.“ „Das verstehen Sie unter persönlicher Verantwortung.“ „Vorhin war’s noch gemeinsame Verantwortung. Können Sie sich nicht entscheiden?“ „Jetzt werden Sie mal nicht…“ „Okay, wir versetzen einen Mann in den einstweiligen Ruhestand.“ „Einstweilig?“ „Nach den nächsten Wahlen kann die Sachlage ja vollkommen anders aussehen. Und keiner erinnert sich mehr an ihn.“

„Und währenddessen dürfen wir mit dem alten Schrott weiter in bewaffnete Konflikte ziehen.“ „Das Soldatenleben ist nun mal kein Ponyhof, Herr Feldwebel. Das hätten Sie vorher googeln können.“ „Schnickschnack! Sie ziehen sich hier mit etwas Theaterdonner aus der Affäre, damit in Ihrem Laden alles so weiterlaufen kann. Die alten Seilschaften, die alten Lobbyistenfreundschaften, die alten Deals mit Lieferungen in Kriegsgebiete.“ „Ist doch prima. Dann müssen Sie die Waffen wenigstens nicht mehr auf ihren Missionen im Nahen Osten verlieren, damit die Aufständischen sie zufällig finden.“

„Dann werde ich Ihnen mal etwas sagen: wir werden selbst die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen und…“ „… an die Wand stellen? Dann mal viel Spaß dabei.“ „Einer wird das Scheißding doch gekauft haben.“ „Falls Sie auf Peter Struck reflektieren, der ist nicht mehr auf dem Posten.“ „Und Scharping?“ „Lassen Sie den Mann bloß in Ruhe. Der ist imstande und tritt in Badehose vor dem Untersuchungsausschuss auf.“

„Dann werden wir eben de Maizière dafür verantwortlich machen.“ „Das lässt die Kanzlerin nicht zu.“ „Komisch. Dabei soll sie doch immer noch sehr daran interessiert sein, dass er sie nicht im Amt beerbt.“ „Eben, aber wegen eines schlecht konstruierten Gewehrs wird sie ihn nicht opfern.“ „Wieso denn nicht?“ „Dann könnte er sich noch in irgendein anderes Ministerium retten, wie das mit Merkels Mannschaft sonst auch passiert. Aber wenn sie ihn über den NSA-Skandal stolpern lässt, ist er richtig erledigt. Glauben Sie, die Kanzlerin lässt sich so eine Chance entgehen?“

„Wenn wir schon gerade dabei sind, wir hätten gerne vernünftige Helikopter.“ „Abteilungsleiter.“ „Und funktionsfähige Schützenpanzer.“ „Abteilungsleiter.“ „Und ein paar Gasmasken, die man auch im Ernstfall tragen kann.“ „Wie gesagt, Abteilungsleiter. Fragen Sie den.“ „Der ist doch nicht an diesem ganzen Mist schuld.“ „Wenn jetzt die Ministerin zurücktritt, glauben Sie etwa, die wäre daran schuld gewesen?“ „Aber sie wird die Verantwortung übernehmen müssen.“ „Warum das denn? wäre sie dann Ministerin geworden?“

„Wir drehen uns im Kreis.“ „Finden Sie?“ „Es muss doch wohl möglich sein, personelle Konsequenzen so zu ziehen, dass auch die tatsächlich Schuldigen an einer Sache bestraft werden.“ „Also so, als würde man für einen Krieg die militärische Führung zur Rechenschaft ziehen, nur weil sich der Kriegsgrund als von den Geheimdiensten zusammengemogelter Müll herausstellt?“ „Das kann man ja wohl gar nicht vergleichen.“ „Also dann so, als würde man Ausbilder auf Marineschiffen zur Verantwortung ziehen für den Tod von Rekruten oder einen Oberst für Raketenangriffe auf Zivilisten?“ „Ich weiß nicht, worauf Sie hinauswollen.“ „Finden Sie nicht, wir sollten die entlassen, die sich wirklich am meisten mit der Sache befasst haben? diejenigen, die aus der Berufspraxis wissen, was sie getan haben?“ „Gute Idee. Woran hatten Sie gedacht?“ „Wir haben hier einen Hausmeister, der steht sowieso kurz vor der Pensionierung. Ich denke, damit wären Sie einverstanden?“

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