Gernulf Olzheimer kommentiert (CCLXXXVIII): Drogen und Gesellschaft

22 05 2015
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Natürlich roch das Zeug nicht gut, aber Uga und seine Jagdgesellschaft waren in Minuten high. Mit den gelben Beeren in der Birne gingen sie locker auf jedes Mammut los – Ugas Schwager nur einmal, seine Witwe nahm die Dinger dann gegen den seelischen Schmerz, bis sie als Drittfrau des Zweitbruders aufrückte – und fühlten sich auch sonst erfreulich potent. Keiner klagte über das lästige Wetter, niemand hatte eigentlich ausschlafen wollen. Sie waren gut drauf, vor allem: drauf, und das zahlte sich letztlich aus. Die gelben Dinger waren der Hammer, so viel stand schon seit der vorletzten Eiszeit fest.

Eine Erosionswelle später soff sich die gesellschaftliche Basis unmittelbar vor Wochenenden, Sonn- und Feiertagen die Synapsen weich, während die Nachfahren der kleinen, gelben Frucht eher in elitären Kreisen für Heiterkeit sorgten. Chemisches Grundlagenwissen half einerseits, Schnaps und seine diversen Derivate zu produzieren, andererseits bekam man mit anorganischer Kompetenz allerhand putziger Pillen hin, die für ein paar bunte Scheinchen zu haben waren. Genau da begann sich die Kluft zu öffnen. Sie nannten die synthetisch hergestellten Drogen Drogen, und die Herren sahen, dass es gut war, und es war gut so. Weil es nicht sein durfte.

Fortan bekam jeder der unbefugten Konsumenten eins auf die Kalotte, denn wer es sich leistete, den Arbeitsprozess gefährdende Substanzen einzuwerfen, handelte gegen den zur Wahrung der Gesellschaft verordneten Konsens. Sich Tiefenentspanner ins Hirn zu schwiemeln galt fürderhin als moralisch verwerflich, weil es der gesellschaftlichen Leitung nicht gefiel. Der offensichtlichen Zerrüttung durch Alkoholika und Tabakerzeugnisse indes gebot keiner Einhalt, denn diese zementierte das Menschenbild derer, die das untere Drittel der Gesellschaft selten für Menschen hielten.

Wie man der mitunter breiten Masse jeden Cent an versehentlich kassierter Unterstützung gegen die staatsmonopolkapitalistische Massenvernichtung durch Niedriglohnarbeit mit strafrechtlichen Mitteln wieder aus der Nase zu popeln bereit war, weil man alle, die für ihren Lebensunterhalt noch zu arbeiten hatten, für Schmarotzer hielt, so beruhte auch das Bild vom unterprivilegierten Drogenkonsumenten auf der Ansicht, man müsse als regierende und regulierende Minderheit seine Unterschicht nur systematisch drangsalieren, um sie schließlich in allen volkswirtschaftlich und sicherheitspolitisch relevanten Bereichen stromlinienförmig zu kriegen. Mit hinreichend plumper Desinformation, dass schon einmaliges Lutschen an den gelben Beeren die Nerven der Prekarier heillos zerrütten würden, während der Herrenmensch im Hopfenrausch ein paar Parasiten totfahren könne, um hinterher noch Ministriale zu werden, ist ein guter Prozentsatz der ab Werk Verdübelten ruhig und verschüchtert genug, um jeden Müll zu glauben. Der gemeine Bürger ist im Auge des gesellschaftlichen Überbaus offenbar fit genug, bei Altersvorsorge und auf dem Arbeitsmarkt ständig Eigenleistung zu erbringen, aber zu bräsig, ohne Wärter zu kiffen; laut Propaganda des Miniwahr landet er sicher in der Opiumhölle, wird obdachlos, verliert Aktienpakete, Zähne und seine bürgerliche Existenz. Durch den Suff hätte er das nie geschafft, denn wo immer man im Fundus der Agitation danach sucht, derlei Fälle sind den Propheten unbekannt. Der Unterschichtler kann mit der Verantwortung einfach nicht umgehen, deshalb muss man sie ihm nehmen.

So deutlich wird es nicht gesagt, dass Parlamentarier sich ihr Crystal Meth zum höheren Ruhme der teutschen Nation reinpfeifen, aber diese Intelligenz traut man dem Proletariat schon zu.

Folglich pumpt die Regierung eine kriminelle Schattenwirtschaft auf, wohl wissend, dass ein Großteil der Bürger regelmäßig schluckt, raucht oder sich die Schleimhäute mit diversem Gepopel imprägniert. Sie alle haben nach offizieller Doktrin etwas zu verbergen, denn die Mehrheit verstößt gegen die als gesellschaftlichen Konsens propagierte Psychose, dass die Droge an sich schlecht und volkszersetzend sei – eine auch in konservativen Kreisen gern mit Panzerschokolade untermauerte Wahrheit, sieht man davon ab, dass der komplette Führerbunker ganzheitlich verstrahlt war und seinen Untergang nur durch Zuckerwatte mitkriegte. Ein generelles Drogenverbot macht gefügig, und darauf kommt es den liebevollen Diktatoren ja an. Wer weiß schon, was passieren würde, wenn zu viele plötzlich wieder die gelben Beeren kauten. Es gibt kein Mammut mehr, und eine Rotte zugedröhnter Maniaken, die mit Fackeln und Panzerfäusten das Bundeskanzleramt in eine naturgetreue Nachbildung von Hiroshima verwandelt, fände nicht jeder angenehm. Wahrscheinlich lecken sie in der Bundesregierung gerade Kröten. Oder umgekehrt. Wollen wir das wirklich wissen?

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