Ommmm!

17 06 2015

„Ommmm! Ommmm! Ommmm! Setzen Sie sich und haben Sie teil, junger Freund, und dann – Fraktionsvorsitz? meine Güte, Sie gehen mir echt auf die Plomben. Vor Buddha sind doch alle Menschen gleich, was wollen Sie eigentlich von mir?

Wo ist für Sie der Unterschied? vor diesem Dings, wie hieß er doch – es heißt übrigens ‚Christentum‘, das sollte in Ihrer Partei bekannt sein, aber Sie kriegen das sicher erst noch in der dritten Klasse. Wir richten uns auf Wunsch der Parteispitze global aus, und da haben wir uns für eine buddhistische Neudefinition entschieden. Gucken Sie nicht so doof. Das ändert nichts, wenn Sie noch an der Materie haften.

Es ist halt so. Wir haben eine Kanzlerin, für die der Quietismus adrenalingesättigte Hyperaction darstellt. Urknall in Extremzeitraffer. Beim absoluten Stillstand kriegen ihre Schweißperlen Beschleunigungsstreifen. Das muss man doch irgendwie hinkriegen, haben wir uns gedacht. Und dann war’s auch so.

Nein, nicht einfach nur dasitzen. Sie müssen aber noch sehr viel lernen, bis die Erleuchtung an Ihnen vorbeizieht. Versenken Sie sich mal. Nein, nicht ins Mittelmeer. Asse? Meine Güte, jetzt lassen Sie doch diesen politischen Mist mal weg, das belastet doch nur die Seele. Lehnen Sie sich einfach mal zurück, denken Sie: Ommmm! Ommmm! oder denken Sie einfach mal nichts, so wie das CDU-Präsidium. Das hat sich bewährt!

Der Buddhismus lehrt uns ja die ewige Wiederholung der ewigen Wiederholung der ewigen Wiederholung. Wir sind jetzt gerade wieder bei den moralisch-sozialen Bestandteilen der Adenauer-Ära angekommen, was war noch mal das Problem? Gut, ich wollte nur noch mal gefragt haben. Aber wichtig ist, Sie müssen sich um die spirituelle Integrität dieser Bundesregierung nie wieder Sorgen machen, wir sind ab sofort immer gerüstet für die Veränderungen der Zukunft.

Einerseits natürlich, weil es gar keine Veränderungen sind, nicht wahr? Sie sehen es eventuell so aus Ihrer Einzelperspektive der Inkarnation als Parlamentarischer Staatssekretär, aber was genau kümmert das mich, wenn ich nur das große Ganze im Auge habe? Kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Balken, das ist die typisch christentümliche Ausgrenzungsrhetorik, die ich nicht tolerieren kann. Bei Griechen oder Schwulen, die den Unterschied zwischen Bundesrat und Bundestag noch nicht bemerkt haben, kann man noch etwas sagen, aber bisher würde ich sagen: Sie sind ein bekennender Rassist, aber das nützt Ihnen nichts, solange Ihnen keiner zuhört? Arschkarte. Wären Sie mal lieber in einen von diesen alternativen Clubs gegangen, obwohl: was Ihnen da zuhört, ist ja auch keiner Erwähnung wert.

Zweitens rücken wir von dieser verstaubten Idee einer christlichen Volkspartei ab. Jetzt stellen Sie sich mal vor: hier werden teilweise Muslime Mitglieder, weil die nicht begriffen haben, dass uns diese Religionsmasche langsam selbst auf den Sack geht. Das wollen Sie doch nicht wirklich?

Jetzt setzen Sie sich mal, machen Sie es sich bequem, falten Sie die Hände – nein, nicht so, zur Raute natürlich – und denken Sie an gar nichts. Machen Sie den Kopf leer. Ganz leer. Sie haben das Parteiprogramm drin? Na, das ist ja fast gar nichts. Kann man gelten lassen. Aber erst, wenn sich gar nichts mehr bewegt, haben Sie eine Chance auf Erleuchtung.

Das macht die Kanzlerin genau so. Und dann können Sie auch diese schönen Paradoxa lösen. Sind Sie bereit? Wir müssen alle weniger Geld ausgeben, damit wir mehr Geld ausgeben können. Na? Wir müssen alle viel mehr arbeiten, damit wir mehr arbeiten können. Merken Sie schon was? Wir müssen alle viel weniger arbeiten, damit wir weniger zu arbeiten brauchen. Noch nicht? Deutschland ist ein Einwanderungsland.

Sitzen Sie gerade. Mit dieser Körperhaltung kommen Sie nie auf den Bundesparteitag. Und verwechseln Sie den Buddhismus bitte nie mit irgendeiner Spaßreligion, wir sind schließlich keine Katholiken hier. Gerade sitzen, habe ich gesagt. Mehr Achtsamkeit. Sonst kommen Sie nie ins Präsidium. Oder halt ins Nirwana. Ist ja dasselbe. Da passiert halt auch nicht viel mehr, es fühlt sich nur nicht ganz so langsam an.

Sie müssen loslassen. Lassen Sie einfach mal los. Merken Sie, wie Sie komplett losgelöst und in einem ganz neuen Absolutheitsanspruch in dieser Welt existieren? Dann haben Sie ja schon einen ungefähren Eindruck, wie man sich als Kanzlerin fühlt. Ommmm! Ommmm!

Und wie fühlen Sie sich jetzt? Haben Sie die Inhalte schon überwunden? Lassen Sie sich freiwillig abhören und zahlen Sie noch Einkommensteuer? Dann sind Sie auf einem guten Weg.

Das? Nein, das ist nicht Buddha. Das ist zwar auch dick und golden angemalt, aber wenn Sie ganz genau hinschauen, dann entdecken Sie die typische Handhaltung. Gewöhnen Sie sich schon mal daran, dass die Dinger jetzt überall stehen. Ommmm! Ommmm! Ommmm!“

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